Zielgerichtetes Schreiben – Nicht nur im NaNoWriMo 🙂

Das NaNoWriMo-Fieber ist voll ausgebrochen, und Annika Bühnemann sagt viele Sachen, die ich auch sagen könnte. 😎 Deshalb verlinke ich ihr Video hier gern noch einmal. Für alle, die nicht nur den NaNoWriMo gewinnen wollen, sondern auch die Freude am zielgerichteten Schreiben.

Zielgerichtetes Schreiben? Was ist das eigentlich? fragen sich jetzt bestimmt viele. Oder zumindest einige, die immer so einfach drauflosschreiben und dabei nicht wirklich ein Ziel vor Augen haben.

»Aber das sind doch einfach nur Bauchschreiberinnen!«, rufen da jetzt vielleicht die einen oder anderen aus. »Und du hast doch gesagt, egal ob Bauchschreiberin oder Kopfschreiberin, das Ergebnis ist gleich gut.«

Ja, das stimmt, das habe ich gesagt, und im Prinzip ist das auch richtig, aber dennoch gibt es Unterschiede. Denn auch wirklich gute Bauchschreiberinnen haben ein Ziel. Im Kopf. Sie schreiben es nur nicht unbedingt auf.

Kopfschreiberinnen schreiben alles auf. Sie notieren sich zuerst Stichwörter, wie der Roman verlaufen soll, dann bauen sie diese Stichwörter vielleicht zu einem Satz aus, dann zu drei Sätzen und zum Schluss zu einer Zusammenfassung der Szene oder des Kapitels, die unter Umständen sogar eine halbe Seite oder mehr umfasst. Das machen sie so von der ersten bis zur letzten Szene. Sie wissen also gleich von Anfang an, wie die Geschichte verlaufen wird, inklusive das Ende.

Bauchschreiberinnen sind nicht so. Für uns ist es eher kontraproduktiv, den Verlauf einer Geschichte im Voraus zu skizzieren, schon jede einzelne Szene zu kennen. Das führt bei uns in den meisten Fällen zu Langeweile beim Schreiben. Weil wir ja schon genau wissen, was kommt. Das würden wir Bauchschreiberinnen aber lieber gern erst während des Schreibens entdecken, von Szene zu Szene, von Kapitel zu Kapitel.

Doch selbst, wenn man so schreibt, schreibt man nicht planlos oder ziellos. Man hat eine Vorstellung im Kopf, die man umsetzen will. Man hat seine Charaktere im Kopf, seine Figuren, die den Roman bevölkern und lebendig werden lassen. Wenn man das nicht hat, sieht man das dem Ergebnis sofort an.

Zur Zeit bereiten wir das Programm für nächstes Jahr vor, und deshalb prüfen wir viele Bücher, die in den nächsten Monaten erscheinen sollen oder erscheinen könnten. Da gibt es sehr gute Bücher, die kaum Lektorat erfordern, wo nur einmal ein Kommafehler oder ein Tippfehler zu korrigieren ist, hier und da ein Wort oder eine Formulierung. Solche Lektorate sind von unserer Seite aus dann relativ schnell beendet. Und solche Bücher haben eine sehr große, die größte Chance auf Veröffentlichung. Da kriegt die Autorin fast sofort einen Vertrag von uns zugeschickt.

Dann gibt es aber auch andere Bücher, wo man sich manchmal an den Kopf fasst, was die Autorin sich überhaupt dabei gedacht hat. Man fängt an zu lesen, und das klingt sogar recht gut, vielversprechend. Man freut sich auf die Geschichte. Doch ziemlich schnell, wenn man weiterliest, wird dann klar, dass die Autorin vielleicht eine gute Idee hatte, aber keine oder sehr wenig Ahnung, wie sie die umsetzen soll. Solche Lektorate können sehr viel Zeit verschlingen, weil man nicht nur Fehler korrigieren, sondern sehr viel umschreiben muss. Und da muss man sich als Verlag sehr gut überlegen, ob man diesen Aufwand treiben will, ob sich das für diese spezielle Autorin und für dieses spezielle Buch lohnt.

Wenn wir uns dafür entscheiden, bekommt die Autorin Hinweise und Anweisungen, wie sie das Umschreiben, Neuschreiben, Streichen und Ergänzen bewerkstelligen kann. Diese Hinweise sind normalerweise sehr zielgerichtet, weil wir hier im Verlag ja wissen, was wir tun. 😉 Wir machen das seit vielen, vielen Jahren, Jahrzehnten jetzt schon, und haben dabei ein Ziel vor Augen, ein gutes Buch, das sowohl logisch als auch schreibtechnisch die Erwartungen der Leserinnen erfüllt. Diese Hinweise sind dann der Beginn des Lektorats.

Oftmals sind wir jedoch dann sehr überrascht, was die Autorinnen mit diesen Hinweisen anstellen. Was wir dann nämlich nach einiger Zeit von der Autorin zurückbekommen, ist oft nicht das, was wir erwartet haben. Und wenn wir das dann analysieren, stellen wir immer wieder fest, dass die Autorin kein wirkliches Ziel mit ihrer Geschichte verfolgt, dass sie die Entwicklung der Geschichte nicht richtig vor Augen hat. Und auch nicht die Entwicklung ihrer Figuren.

Bei einem Liebesroman ist das Ziel in erster Linie, die beiden Liebenden zusammenzubringen. Das ist schon mal klar. Aber das hört sich leichter an, als es ist. Denn allein dieses Ziel reicht nicht aus, um ein gutes Buch zu schreiben.

Ein gutes Buch lebt in erster Linie von den Figuren, von den (darin erfundenen und zusammengebrachten) Menschen, die es erst lebendig machen. Viele Autorinnen verschwenden auf ihre Figuren aber anscheinend kaum Zeit. Sie machen sich keine Gedanken darüber, wie ihre Figuren sind, was sie denken, was sie fühlen. Wie sie andere Menschen (Figuren im Buch) sehen und von ihnen gesehen werden.

Möglicherweise ist das auch eine Auswirkung des Zeitgeists, unseres täglichen tatsächlichen Lebens, nicht des erfundenen in den Büchern. Möglicherweise machen sich diese Autorinnen auch in ihrem normalen Alltag nicht sehr viele Gedanken um ihre Mitmenschen. Was heutzutage ja als normal angesehen wird. Selfies sind wichtiger als alles andere. Ich. Ich. Ich. Das scheint alles zu sein, was viele Leute im Kopf haben.

Logischerweise kommt da das Gegenüber zu kurz. Denn wenn sich alles nur um mich dreht, wo soll da der oder die andere noch Platz finden? Wenn man das im täglichen Leben so handhabt, handhabt man das natürlich auch so in seinen Büchern. Und daraus werden dann keine guten Bücher. Keine el!es-Bücher auf jeden Fall, denn wir haben schon einen gewissen Anspruch an die Gefühle unserer Autorinnen für ihre Mitmenschen.

Im Self-Publishing sieht das natürlich anders aus. Sagt ja schon das Wort. Self. Das ist wie Selfie. Wenn ich es nicht schaffe, einen Verlag zu überzeugen, mein Buch herauszubringen, tue ich es doch einfach selbst. Da redet mir keiner rein, und wie schlecht mein Buch auch ist, ich kann es einfach hochladen. Die Ergebnisse sieht man dann, wenn man mal versucht, in diesem ganzen Wust ein einziges gutes Buch zu finden.

Nicht dass es die nicht auch im Self-Publishing gibt. Die gibt es schon. Aber wie will man all die Spreu, die über uns in diesem Segment ausgeschüttet wird, von dem wenigen Weizen trennen, der sich darunter versteckt?

Das tun normalerweise Verlage. Und das fällt beim Self-Publishing weg.

Auch Annika Bühnemann ist eine Self-Publisherin. Dennoch hat sie mittlerweile auch Bücher bei Verlagen herausgebracht. Und an ihr sieht man eben auch, dass auch Self-Publisher durchaus gute Autoren sein können, dass sie sich mit dem Handwerk des Schreibens beschäftigen können, dass ihnen etwas an einem guten Buch liegen kann.

Leider gilt das nicht für alle. Aber Annika Bühnemann lässt mich doch nicht ganz die Hoffnung verlieren, dass Self-Publishing auch zu guten Ergebnissen führen kann.

Nicht so guten vielleicht wie im el!es-Verlag, aber das wollen wir mal dahingestellt sein lassen. 😋

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