Schreiben ist ein einsames Geschäft

Wieder einmal ein Zitat von der Seite von Andreas Eschbach.

Bei Möchtegernschriftstellern ist es praktisch immer so, daß sie nur so Filmbilder vom mondänen Schriftstellerleben im Kopf haben (mit Cocktailglas im Pool relaxen und ab und zu dicke Honorarschecks entgegennehmen, sowas in der Art), aber tatsächlich nicht ernsthaft arbeiten.

Ich habe mal eine Anekdote gelesen (leider finde ich nicht mehr, wo), in der jemand beschreibt, daß er sich 30 Jahre lang gesagt hat, sein Traumberuf sei Schriftsteller und eines Tages würde er seinen großen Roman schreiben. Dann versetzte ihn eine überraschende Erbschaft in die Lage dazu, und er merkte, daß er es nicht erträgt, lange allein zu sein! Das hätte er wirklich schon 30 Jahre eher herausfinden können - wenn er es nicht beim Träumen belassen hätte!

Deswegen sage ich immer: Probier''s doch. (Andreas Eschbach)

Das ist wohl wahr. Um schreiben zu können, wirklich professionell schreiben – nicht mal ein Gedicht oder einen Tagebucheintrag, der wie ein Schulaufsatz klingt und den man dann als »Kurzgeschichte« verkauft –, muß man alleinsein können.

Ich sitze jeden Tag stundenlang allein vor meinem PC und denke mir Geschichten aus. Ganze Tage, ganze Wochen, ganze Monate. Wenn man eher der Partytyp ist, viele Menschen um sich braucht und auf soziale Kontakte nicht mal für ein paar Wochen verzichten kann, dann ist man zur Schriftstellerin nicht unbedingt geboren.

Ich schaue mich immer einmal wieder in sogenannten Autorenforen oder Schreibforen um, und immer wieder fällt mir auf, daß viele, die behaupten, sie wollen unbedingt schreiben, das Schreiben nicht an erste Stelle in ihrem Leben setzen.

Da ist Party wichtiger, Freunde, Familie – und wenn man dann mal zufällig fünf Minuten zum Schreiben hat, dann fällt einem nichts ein.

O Gott, Schreibblockade! Nein, liebe Leute, das ist keine Schreibblockade, das ist einfach der Beweis dafür, daß ihr nicht schreiben könnt und auch nicht schreiben wollt. Das ist die traurige Wahrheit.

Noch schlimmer ist allerdings, wenn in diesen fünf Minuten dann ein »Gedicht« oder eine »Kurzgeschichte« entstehen, die diese Bezeichnung nicht im entferntesten verdienen, und dieses Ergebnis dann stolz ins Schreibforum eingestellt wird, und die anderen MöchtegernschriftstellerInnen, die ebensowenig Ahnung haben, dann auch noch Lobeshymnen über dieses Machwerk singen, als ob es irgendeinen Wert hätte.

Nein, so funktioniert »Schriftsteller werden« nicht. Man muß besessen sein vom Schreiben, man muß jeden Tag schreiben, allein schon, um zu üben und immer besser zu werden. Man muß leiden, wenn man einmal einen Tag nicht schreiben kann, es muß das Lebenselixier sein, ohne das das Leben keinen Sinn hat.

Die meisten können nicht von dem leben, was sie schreiben, deshalb müssen sie nebenher noch einen anderen Beruf ausüben. Aber selbst wenn dieser Beruf viel Zeit und Einsatz fordert, das Schreiben muß immer an erster Stelle stehen. Es muß das erste sein, was ich tue, wenn ich abends von der Arbeit nach Hause komme. Es muß das erste sein, was ich tue, wenn ich ins Wochenende starte, von Freitagnachmittag bis Sonntagnacht.

Und eine solche Lebensweise führt zu einer gewissen Einsamkeit. Man kann noch so gesellig sein – wie ich zum Beispiel –, eine Stunde, die man mit Leuten quatscht, ist eine Stunde, in der man nicht schreibt. Und diese verlorene Stunde kann man nie wieder einholen.

Auf der anderen Seite bietet die Kommunikation mit Menschen, die Beschäftigung mit anderen Dingen als nur dem Schreiben auch Positives. Man sammelt dadurch neue Ideen, man bekommt neue Inspirationen für neue Bücher, man lernt Standpunkte kennen, auf die man selbst nie gekommen wäre.

Deshalb ist es sicherlich sinnvoll, Kontakte nicht ganz aus dem Auge zu verlieren, aber eigentlich wird man diese als besessene Schriftstellerin eher unter Recherche verbuchen. Kann aber trotzdem lustig sein.

Für HobbyschriftstellerInnen gilt das wie gesagt nicht, das gilt nur für professionelle SchriftstellerInnen. Wenn man wirklich ernsthaft schreiben und davon auch leben will. Es kann Jahre dauern, bis man dieses Ziel erreicht, aber man muß jeden Tag darauf hinarbeiten, sonst erreicht man es nie.

Und die Einsamkeit muß man ertragen können.

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