Nur Faulheit hindert mich daran, Schriftstellerin zu werden

. . . sagt die amerikanische Autorin Susan Sontag (1933-2004).

Und worauf beruht diese Einschätzung? Offenbar darauf, daß sie Tagebuch schreibt:

»Das Tagebuch ist ein Vehikel für meine Individualität. Es zeigt mich emotional und geistig unabhängig. Daher protokolliert es nicht einfach mein tatsächliches Leben, sondern stellt – in vielen Fällen – eine Alternative vor. (. . .) Nur Faulheit hindert mich daran, Schriftstellerin zu werden. Eine gute Schriftstellerin.

Warum ist Schreiben wichtig? Ich vermute, vor allem aus egoistischen Gründen. Weil ich diese Figur sein will, eine Schriftstellerin, und nicht, weil ich etwas sagen muss. Aber warum nicht auch das? Indem ich meinem Ego etwas nachhelfe – etwa durch das fait accompli, das dieses Tagebuch darstellt –, werde ich zu der Gewissheit finden, dass ich etwas zu sagen habe, das gesagt werden sollte.«
(Auszug aus einer von Matthias Fienbork übersetzten für das Jahr 2009 bei Hanser geplanten Ausgabe der Tagebücher von Susan Sontag.)

Ja, darüber könnte man einmal nachdenken. Warum schreibt man? Deshalb, weil man unbedingt schreiben will, oder deshalb, weil man unbedingt Schriftstellerin sein will? Das sind zwei verschiedene Dinge, da hatte Susan Sontag schon ganz recht.

 

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  • Julia Arden

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    Ich denke man schreibt, weil man nicht anders kann - und/oder eben einfach schreiben will.
    Alles andere - z.B. schreiben um etwas darzustellen, vielleicht sogar eine Schriftstellerin? - dazu ist der Aufwand viel zu groß.
    Wann ist man überhaupt Schriftstellerin? Wenn man etwas zu Papier bringt? - Nein.
    Wenn andere, das was man zu Papier bringt, lesen und loben? - Na ja, ein Anfang.
    Eine Veröffentlichung in dem einen oder anderem Medium. - Herzlichen Glückwunsch!
    Im Idealfall findet man jemanden der es verlegt, und verkaufen läßt es sich dann auch noch.
    Ein ziemlich langer Weg. Auf dem einen der Wille etwas darzustellen früher oder später keinen Antrieb mehr gibt. Nur die Leidenschaft, das Gefühl schreiben zu müssen, bringt einen dorthin. Wenn überhaupt.
    Dieses Gefühl, was Heike hier beschreibt, diese innere Unruhe (weg vom Kaffeeklatsch), der Drang zu schreiben, ist eine absolut notwendige Voraussetzung für eine Autorin.
    Aber das allein ist nicht ausreichend.
    Es ist wie bei jedem Handwerk. Man braucht Geschick, jede Menge Übung und am Ende einen Bewunderer der Kunst.
    Julia Arden

    Mittwoch, 13. Februar 2008 1:43
  • Ja, in allererster Linie sollte das Schreiben Spaß machen, das kann ich nur unterstreichen. Viele erfolgreiche SchriftstellerInnen sagen, sie wollten das schon von klein auf werden, es war ihr Traumberuf. Bei vielen war es aber auch einfach nur Zufall, weil sie gern schreiben und andere das gern lesen, was sie schreiben.
    Und dann gibt es noch diejenigen, die ihr ganzes Leben lang behaupten, sie würden gern Schriftsteller sein, es aber nie in Angriff nehmen. Das sind glaube ich diejenigen, die eine falsche Vorstellung vom Schriftstellerberuf haben, die meinen, man müßte nur ein Buch schreiben, das ein Bestseller wird, und dann wäre man Schriftsteller.
    Nach dieser Definition wäre Dieter Bohlen Schriftsteller, und das behauptet noch nicht einmal er selbst. ;) .

    Samstag, 9. Februar 2008 19:51
  • Heike

    Permalink

    Ich habe mich in der Schule des Schreibens angemeldet und die erste Hausaufgabe lautete.
    warum ich schreiben -lernen- will :)
    Jetzt lese ich hier von zwei verschiedenen Dingen.
    Nun will ich schreiben wegen des Schreibens? oder schreibe ich weil ich Schriftstellerin werden möchte?
    Diese Frage habe ich mir schon ganz oft gestellt und komme immer wieder zu der gleichen Antwort.
    Das Schreiben gibt mir ein super schönes Gefühl. Es lenkt mich von trüben Gedanken ab und versetzt mich in eine andere Welt.
    Es lehrt mich nicht zu stagnieren und mich weiter zu entwickeln.
    Von außen betrachtet ist es ein sehr interessantes Bild.
    Seit dem ich hier in diesem Blog schon einmal die eine oder andere Geschichte geschrieben habe und dann auch noch positives Resonanz bekam, fühlte sich das doppelt gut an.
    Ich hatte nie daran gedacht jemals Schriftstellerin zu werden. ;)
    Ich habe das Gefühl schreiben zu müssen.Manchmal ist es so daß ich total unruhig werde. z.B. wenn ich zum Kaffee bei einer Freundin bin und wir uns unterhalten. Irgendwann kann ich nicht mehr still sitzen und habe den Drang nach hause zu fahren. Ich setzte mich dann an den Tisch und fange an zu schreiben. :)
    Ich träume sehr viel mit offenen Augen und stelle mir alle Möglichen Situationen vor und das versuche ich dann aufzuschreiben.
    Erst seitdem ich hier im Blog unterwegs bin, nehmen die Sätze richtig Gestalt an. Es ist toll das geschrieben zu überarbeiten und zu verformen. Es lesenswert zu machen.
    Ich hätte nicht gedacht das es geht aber scheinbar funktioniert es.
    Ich schreibe immer noch weil ich schreiben will/muß.
    Aber ich fände es mittlerweile richtig gut, eine Schriftstellerin zu werden. Eine richtig gute.
    Und wenn das nichts wird.... dann ist das sicherlich schade, aber ich würde trotzdem weiter schreiben.
    Ich kann gar nicht anders.... ;)
    Ich denke wenn man nur schreibt um Schriftstellerin zu sein, ist es sehr schwer.
    Vielleicht ist es vergleichbar mit dieser Version:

    Egal wie oft ich auch Koche, ich glaube ich werde nie eine richtig gute - Braten - Soße hinbekommen.
    Das liegt mir einfach nicht. :)
    Aber ich kann ein richtig gutes Büfett zaubern, den das hat mir immer Spaß gemacht.
    In diesem Sinne
    schönen Tag noch
    Heike

    Samstag, 9. Februar 2008 17:37

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