Hemmungen aus, Kreativität ein

Wünschen wir uns das nicht alle? Einfach die Kreativität einschalten und los? Ohne Hemmungen drauflosschreiben, wie im Rausch?

Geht aber oft nicht, weil wir uns selbst dabei kritisieren. Ich schreibe ein paar Sätze . . . und dann lese ich sie . . . und dann gefallen sie mir nicht mehr . . . und dann schreibe ich sie um . . . und dann komme ich nicht mehr weiter, weil jetzt der Anfang nicht mehr paßt . . . und irgendwie alles.

Die »innere Kritikerin« läßt uns oft nicht los beim Schreiben. Wir wollen alles gleich ganz perfekt machen. Und so sammelt man Anfänge . . . und Anfänge . . . und Anfänge . . . und kommt nicht weiter.

Der Drang zum Perfektionismus ist gerade bei Frauen groß. Doch diesen Drang müssen wir bekämpfen. Es gibt nichts Perfektes, in der Kunst schon einmal gar nicht. Vielleicht empfindet man ein Kunstwerk, ein Bild, eine Skulptur oder auch einen Roman oder eine Kurzgeschichte als »perfekt«, aber fragen Sie mal die Künstlerin . . . Meist wird sie etwas daran auszusetzen haben.

Auch MusikerInnen haben mit diesem Phänomen zu kämpfen, aber im Bereich des Jazz gibt es eine Sache, bei der die Hemmungen fast ausgeschaltet werden, und das ist die Improvisation. Wissenschaftler haben mal wieder eine Untersuchung gemacht und die Gehirnströme mehrerer Jazzmusiker bei Improvisationen gemessen. Das Ergebnis ist vielleicht nicht überraschend, aber doch erhellend:

Wenn Jazzmusiker improvisieren, schalten ihre Gehirne die Region für Selbstzensur ab und die für Selbstdarstellung an. Auf diese Weise werden Hemmungen unterdrückt und der Kreativität freien Lauf gelassen. (Quelle: http://www.wissenschaft.de/wissenschaft/news/288905.html)

Selbstverständlich ist diese Möglichkeit nicht allein MusikerInnen vorbehalten, jeder Mensch kann das – mehr oder weniger.

Natürlich kann man das nur, wenn man die Technik, das Handwerk so gut wie perfekt beherrscht. Ein Jazzmusiker, der Klavier spielt, muß nicht mehr die Tasten suchen, er kann blind spielen, kennt sich mit seinem Instrument aus, als wäre er selbst dieses Instrument. Nur so funktioniert dann auch das Improvisieren. Ein Anfänger kann nicht improvisieren, weil er das Instrument noch nicht beherrscht.

Ebenso ist es beim Schreiben. Ich kann nur dann meiner Kreativität freien Lauf lassen, wenn ich das Handwerk beherrsche, sonst kommt nichts dabei heraus. Selbstverständlich kann ich auch »improvisieren«, wenn ich vom Handwerk nichts verstehe, aber stellen Sie sich vor, jemand, der kaum die Tasten auf dem Klavier kennt, tut das. Dabei wird wohl eine ziemliche Kakophonie herauskommen. Etwas für die Ohren kaum zu Ertragendes.

Beim Schreiben wird vermutlich auch etwas Ähnliches herauskommen. Etwas schwer zu Lesendes, kaum oder gar nicht zu Verstehendes. Deshalb ist Kreativität auch eine Frage der Beherrschung des Handwerks, nicht nur des freien Fließenlassens der Gedanken.

Es ist ebenso wie das Zehnfingersystem auf der Computertastatur. Wenn ich beim Schreiben die Tasten erst suchen muß, kann ich meine Kreativität vergessen. Bis ich das aufgeschrieben habe, was mir durch den Kopf geht, ist die Hälfte verlorengegangen. Ich muß mich so sehr mit den Tasten beschäftigen, daß ich auf den Inhalt dessen, was ich schreiben will, zu wenig achten kann.

Da fällt mir ein: Es gibt ein kostenloses Zehnfingersystem-Lernprogramm, das ich sehr empfehlen kann. Es heißt Tipp10.

Der Clou: TIPP10 arbeitet intelligent. Das Diktat reagiert individuell auf die Fehler des Benutzers – Schriftzeichen, die häufig falsch getippt werden, werden auch sofort häufiger diktiert. (Zitat von der Webseite)

Wenn man das Zehnfingersystem dann erst einmal beherrscht, kann man seiner Kreativität freien Lauf lassen. Es gibt Leute, die tippen 678 Anschläge pro Minute. Da kann man schon einiges an Text unterbringen in einer Minute.

Vielleicht kann man so auch die »innere Kritikerin« überwinden, denn wenn man so schnell tippt, hat man kaum noch Zeit darüber nachzudenken, was man da tippt. Man schreibt einfach auf, was einer durch den Kopf geht.

Jürgen vom Scheidt hat durch seine Methode HyperWriting einen ähnlichen Ansatz entwickelt. Ich mag ja diese englischen Begriffe nicht, aber was soll man machen? Ist heutzutage halt modern. Scheidt nennt das eine Weiterentwicklung des Creative Writing, also des kreativen Schreibens.

Ich habe die Methode nicht ausprobiert, aber wenn jemand Erfahrungen damit hat, würde ich mich freuen, wenn hier ein Kommentar dazu käme.

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