Warum schreibst du Liebesromane?

Diese Frage wird mir immer wieder gestellt, schon seit ich Taxi nach Paris geschrieben habe. Und zwar oft mit so einem Unterton wie: „Du bist doch eigentlich ganz intelligent.“ Geradezu mit heruntergezogenen Mundwinkeln. „Kannst du nichts Besseres schreiben?“

Da frage ich mich doch: Was wollen mir die Leute damit sagen? Oder sogar: Was wollen die Leute uns Liebesromanautorinnen und auch den Liebesromanleserinnen damit sagen? Dass wir wohl alle unbegabt und dumm sein müssen? Weil Liebesromane dumm sind?

Da kann ich nur antworten: Leute, die solche Fragen stellen, sind dumm. 😎 Sie haben offensichtlich nicht die geringste Ahnung davon, wie schwierig es ist, einen Liebesroman – einen guten Liebesroman – zu schreiben. Fragt mal die Autorinnen im el!es-Schreibforum. Wir kämpfen jeden Tag damit. Wir bilden uns weiter, lernen das Schreibhandwerk und verbessern unsere Fähigkeiten, schlagen uns mit Spannungsbögen und Charakterisierungen herum, damit unsere Figuren glaubwürdig und unsere Geschichten spannend und nachvollziehbar sind. Denken diese Leute, die mir und auch anderen Liebesromanautorinnen immer wieder die oben zitierte Frage stellen, denn, das ginge alles von selbst, nur weil es ein Liebesroman ist? Das fliegt uns alles zu, und die Buchstaben verewigen sich ganz ohne unser Zutun – unser Gehirnschmalz – auf der weißen Seite, die uns am Anfang entgegenstarrt?

Ich habe eine lange Universitätsausbildung hinter mir. Heißt das jetzt, deshalb darf ich keine Liebesromane schreiben? Oder noch mehr auf den Punkt gebracht: Deshalb darf ich keine Gefühle haben? Keine Liebe empfinden und mir wünschen, dass ich Liebe empfangen darf?

Das ist extrem arrogant gedacht von diesen Leuten. Und die Leserinnen von Liebesromanen qualifizieren sie gleich ganz pauschal als dumm ab. Was für eine Unverschämtheit ist das denn?

Ein Liebesroman ist eine Welt voller Magie, voller Wünsche und Wunscherfüllung, voller Romantik, die man im täglichen Leben vielleicht vermisst. Liebe ist und bleibt das Wichtigste auf der Welt. Es gibt nichts Wichtigeres. Wenn man ohne Liebe lebt, lebt man eigentlich gar nicht.

Nur wird einem Liebe meistens nicht gleich so auf dem Silbertablett serviert. Man muss sie erst einmal finden, oft auch darum kämpfen, und manchmal verliert man sie einfach, ohne dass man das will. Weil ein geliebter Mensch geht, weil er seine Liebe jemand anderem geben will, oder weil er – im traurigsten Fall – stirbt.

Aber muss man deshalb auf Liebe in seinem Leben verzichten? Nein, das muss man nicht, denn es gibt Liebesromane. 😊

In Liebesromanen wird ein Idealbild gezeichnet, das so niemals eine Entsprechung in der Wirklichkeit finden kann, das ist wahr. Aber ist das denn so schlimm? Ist es so schlimm, wenn man sich die Märchenprinzessin an seiner Seite wünscht? Auch wenn man weiß, dass es sie nicht gibt und dass meine Vorstellung von ihr nur Phantasie ist?

Dann ist es eben Phantasie. Phantasie ist etwas Gutes. Sie macht aus einer grauen Welt eine farbige. Sie hilft uns, Tage zu überstehen, die das Gegenteil von Phantasie sind, die vielleicht anstrengend, aber irgendwo trotzdem langweilig sind, ohne uns als Gegenleistung dafür etwas anzubieten, das uns aufmuntert, das uns ein Lächeln aufs Gesicht zaubert.

Ich glaube, dass wir Liebesromanautorinnen fast so etwas wie Sozialarbeiterinnen sind oder Psychologinnen. Einsamkeit ist eines der größten Probleme unserer Zeit, es gibt immer mehr Singles als Paare. Dennoch haben sich unsere Gene nicht geändert, unsere Wünsche und Vorstellungen, unser Bedürfnis, unsere „andere Hälfte“ zu finden, die uns zu einem vollständigen Menschen ergänzen wird.

Früher lebten wir in größeren Gruppen, zuerst in einem Stamm, später dann in Familien. Doch diese Familien umspannten mehrere Generationen und damit eine ganze Menge Personen. Man war so gut wie nie allein. Wenn ältere Menschen starben, starben sie im Kreis der Familie, auf dem eigenen Bauernhof zum Beispiel. Das waren dann vielleicht die Urgroßeltern oder sogar die Ururgroßeltern. Sodass die jüngeren Generationen, die Großeltern, Eltern und Kinder, übrig blieben.

Dann bekamen die Kinder wieder Kinder, die Eltern wurden zu Großeltern, die Großeltern zu Urgroßeltern, zogen aufs „Altenteil“, bis sie dann ebenfalls im Kreis der Familie starben. Ein ewiger Kreislauf, ein Kommen und Gehen. Wenn jemand starb, wurde schon bald ein neues Kind geboren, und das Gleichgewicht blieb erhalten. Niemand musste sich um seine Rente Sorgen machen, denn die Rente waren die eigenen Kinder und Kindeskinder, die dafür sorgten, dass man bis an sein Lebensende versorgt war und beruhigt schlafen konnte.

So ist es aber heute nicht mehr. Viele Menschen haben überhaupt keine Kinder mehr, und wenn sie welche haben, leben sie nicht mit ihnen zusammen. Jeder lebt für sich allein. Wenn man das große Glück hat, eine Partnerin fürs Leben zu finden, dann lebt man allein zu zweit. Aber das ist eben schon ein großes Glück, wie gesagt. Ich persönlich bin sehr dankbar für dieses Glück und könnte mir ein Leben ohne meine Frau gar nicht mehr vorstellen. Viele haben dieses Glück jedoch nicht und sind ganz allein.

Kann man es ihnen da verdenken, wenn sie mal einen Liebesroman lesen, um sich nicht so allein zu fühlen? Und selbst wenn man zu zweit ist: Warum nicht zusammen einen Liebesroman lesen? Wie ich es schon von vielen meiner Leserinnen gehört habe. Das finde ich ganz süß. 😊

Und selbst wenn man nicht allein ist: Ist es manchmal nicht schön, sich ganz auf seine Gefühle konzentrieren zu können? Wie oft lässt unser hektisches Leben das gar nicht erst zu? Und dann gibt es ja sogar eine ganze Menge Menschen, die sich über Gefühle lustig machen. Wenn ich also Gefühle zeige, dann werde ich dafür ausgelacht. Oder im Geschäftsleben wird man dann als „emotional“ bezeichnet, und das ist nicht positiv gemeint. Es kann einen die Beförderung kosten, die der weniger „emotionale“ männliche Kollege dann bekommt, weil man meint, weniger Emotionalität wäre in Geschäftsdingen zuverlässiger.

Was absoluter Blödsinn ist, aber im Geschäftsleben regieren eben oftmals immer noch Männer, die meinen, dass Gefühle etwas Schlechtes sind. Dass sie einem Geschäft nur schaden können. Weil sie selbst keine Gefühle haben oder sie möglichst verstecken. Das ist sehr traurig für diese Männer, die sich dadurch zu halben Zombies machen, aber noch trauriger ist es für uns Frauen, die wir unsere besten Fähigkeiten so oft gar nicht einsetzen können, weil sie als etwas Negatives betrachtet werden.

Auch da tröstet ein Liebesroman durchaus, und eine Frau, die im täglichen Leben immer die harte Geschäftsfrau geben muss, darf dann wenigstens mal ein paar Tränen vergießen, wenn sie abends mit einem Liebesroman im Bett liegt. Das ist mehr als legitim. 😎 Ich glaube, wir würden uns ganz wichtiger Dinge berauben, wenn wir das nicht täten. Wenn wir immer nur die Harte geben würden. Uns der Welt, die leider immer noch von Männern beherrscht wird, auch wenn sich einiges verbessert hat, sozusagen opfern würden, indem wir unsere innersten Gefühle, unsere innersten Qualitäten aufgeben. Wenn wir sie schon tagsüber verleugnen müssen (was auch nicht das Richtige ist, aber manchmal kann man das wirklich nicht entscheiden. Das entscheiden andere).

Liebesromane können also durchaus eine therapeutische Wirkung haben, sie können uns entspannen und entlasten, sie können uns ein Lächeln aufs Gesicht zaubern, wenn wir eigentlich nichts zu lachen haben. Sie können uns Zweisamkeit vortäuschen, wo wir einsam sind, und sie können uns positive Gefühle geben, wenn es sonst niemand tut.

Wir haben das Recht auf unsere Gefühle, ganz egal ob wir nun Liebesromanautorinnen oder Liebesromanleserinnen sind. Wenn wir uns dieses Recht absprechen lassen, verlieren wir einen Teil unserer Identität. Einen Teil, der so wichtig ist, dass er uns dann auch zu Zombies machen würde, wenn wir darauf verzichten müssten.

Deshalb sollten wir auf keinen Fall darauf verzichten. Und deshalb schreibe ich gern Liebesromane. 😍 Denn erstens bin ich auch ein sehr gefühlvoller Mensch (ich bin eben eine richtige Frau 😉), und zweitens finde ich nichts schöner, als wenn mir eine Leserin schreibt, dass sie eines meiner Bücher mit einem Lächeln im Gesicht zugeschlagen hat. Dass sie sogar noch den ganzen Tag über oder sogar tagelang mit einem Lächeln auf dem Gesicht herumgelaufen ist, weil sie die Geschichte in eine ganz andere Welt versetzt hat. In eine glückliche Welt, in der zwei Frauen alles überwinden, um zusammen zu kommen und ihre Liebe zu leben. In einer Welt mit Happy End.

Jede und auch jeder (der das will) von uns hat das Recht auf Glück. Hat das Recht auf ein Happy End.

Was wäre eine Welt ohne Happy Ends? Wäre das nicht die schlimmste Welt, die man sich überhaupt vorstellen kann? Würde irgendjemand in so einer Welt leben wollen?

Also ich nicht. 😋 Ich liebe Happy Ends. Ich lebe für Happy Ends. Happy Ends sind das, was das Leben erst lebenswert macht.

Und wer etwas anderes behauptet . . . kann das gern für sich behalten. 😁

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