Interview mit Ruth Gogoll in »Mysterious Women« von Sylvia Knelles (Januar 2000)

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Name: Ruth Gogoll

geboren: 24.6.1958

Ort: Wesseling (bei Köln)

gelernt: Alles mögliche.

  1. Studium der Germanistik, Geschichte, Vergleichenden Literaturwissenschaft und Romanistik (Italienisch) in Köln und Bonn. Gleichzeitig Ausbildung/Tätigkeit als Freie Mitarbeiterin/Freie Journalistin bei der größten Kölner Tageszeitung »Kölner Stadtanzeiger«, ca. 3 Jahre lang.
  2. Studium der Feministischen Linguistik, Anglistik und Literaturwissenschaft in Konstanz am Bodensee (da war es sehr schön! :-) )
  3. Nach dem Studium Ausbildung/Umschulung zur »Technisch-Wissenschafltichen Softwareassistentin« und dann Arbeit als Programmiererin.
  4. Arbeit als PC-Spezialistin, Dozentin für EDV-Kurse etc.
  5. Gleichzeitig berufsbegleitendes Fachhochschulstudium der Wirtschaftsinformatik an einer Fern-FH
  6. Innerbetriebliche Weiterbildung zur Projektleiterin, Organisationsberaterin und letztendlich aufbauend darauf Arbeit als Unternehmensberaterin
  7. Dann »lernte« ich Schriftstellerin und Verlegerin.

Hobbys?

Viele, aber ich kann sie aus Zeitmangel fast alle nicht betreiben. Das aufwendigste war vielleicht immer die Musik. Ich hatte mehrere Jahre (klassischen) Gesangsunterricht und habe Opern gesungen. Zudem habe ich früher mal Trompete in einer Jazzgruppe gespielt.
     Solange ich das noch nicht beruflich gemacht habe, war eines meiner Hobbies auch Schreiben, aber das ist jetzt ja mein Beruf.
     Einige Zeit habe ich auch sehr gern und viel gestrickt (ich habe zwei Schubladen voller selbstgestrickter Strümpfe! :-) )
     Und ich koche (und esse) gerne, lade auch gern FreundInnen zum Essen ein (aus Zeitmangel im Moment auch eher selten).

Lebst du allein?

Nein, mit meiner Freundin zusammen.

Mit Hund, Katz und Kind?

Zwei Katzen.

Wolltest du immer Bücher schreiben?

Eigentlich schon. Oder sagen wir mal, ich wollte immer schreiben. Daß es ganze Bücher werden würden, konnte ich damals noch nicht wissen. Ich habe mit 8 Jahren oder so angefangen, Gedichte und kleine Geschichten zu schreiben.

Wie bist du zum Schreiben gekommen?

Wie gesagt, mit acht habe ich angefangen, dann später auch (allerdings nur kurz) Tagebuch geschrieben und alles, was mir so durch den Kopf ging, aufgeschrieben. So als Teenager habe ich dann auch mit so philosophischen Essays über weltbewegende Fragen angefangen, alles sehr tragisch. Ich kann mich noch an etwas über rollende Panzer erinnern, mehr ein politisches als ein philosophisches Thema vielleicht. Aber so mit 17/18, als ich dann anfing, für den »Kölner Stadtanzeiger« zu schreiben, haben mich politische Themen schon sehr interessiert. Der »Kölner Stadtanzeiger« hat mich quasi »entdeckt«. Ich hatte etwas in der Schülerzeitung meines Kölner Gymnasiums geschrieben (es war ein reines Mädchengymnasium), und die Tochter des leitenden Lokalredakteurs des »Kölner Stadtanzeigers« hat das gelesen und so toll gefunden, daß er mich fragte, ob ich für den Stadtanzeiger arbeiten wolle. Das habe ich dann natürlich gemacht. Wenn man schon so gebeten wird . . . 

Welches war dein erstes Buch?

Das erste Buch, in dem etwas von mir veröffentlicht wurde, war »Alte Hasen – junges Herz«, eine Sammlung lesbischer und schwuler Geschichten. Mein erstes Buch, das ich geschrieben habe, war »Computerspiele«. Mein erstes Buch, das ich veröffentlicht habe, war »Taxi nach Paris«. (»Computerspiele« habe ich dann später sehr stark bearbeitet, und es wurde dann das dritte Buch, das ich veröffentlichte.)

Selbstverlag?

Für kurze Zeit ja.

Wenn ja, warum?

Ich denke, das Übliche: Ich hatte lange Zeit gewartet, mein Manuskript überhaupt an irgendwelche Verlage zu verschicken, aber als ich es dann tat, bekam ich entweder gar keine Antwort (von den meisten Lesben-/Frauenverlagen kein Ton) oder eine ablehnende. Anscheinend hat niemand das Potential meines Buches erkannt, wie es jetzt ja der Erfolg aller meiner Bücher zeigt. Ich hatte mein Manuskript aber schon einer ganzen Menge Frauen zu lesen gegeben, und alle waren begeistert und fragten, wann es denn nun endlich veröffentlicht würde. So was Tolles hätten sie noch nie gelesen und würden auch gern noch mehr davon lesen. Da habe ich mir gedacht, dann muß ich es eben selbst machen. Wenn so viele Frauen es lesen wollen, die Verlage aber nicht daran interessiert sind, den Frauen das Buch zu lesen zu geben, dann bleibt mir ja nichts anderes übrig.


Wie ging’s dann weiter?

Ich gründete meinen eigenen Verlag, aber von Anfang an mit der Absicht, nicht nur meine eigenen Bücher herauszugeben, also keinen Selbstverlag daraus zu machen. Ich wollte Bücher herausgeben, die ebenso wie mein eigenes Buch »Taxi nach Paris« von den konventionellen Frauen-/Lesbenverlagen abgelehnt worden waren oder denen dieses Schicksal drohte, weil die Verlage das Potential nicht erkannten. Da die Leserinnen aber offensichtlich solche Bücher wollten, dachte ich mir, das ist eine Marktlücke. Wenn die anderen Verlage es nicht machen, dann mache ich das eben. Als erstes brachte ich dann natürlich mein erstes Buch »Taxi nach Paris« heraus und hatte damit auch gleich einen Riesenerfolg, obwohl ich ja sowohl als Autorin wie auch als Verlegerin ein unbeschriebenes Blatt war. Deshalb konnte es nur am Buch selbst liegen. Ich hatte damals noch einen anderen Job tagsüber, und es war sehr schwierig, die ganzen Bestellungen zu bewältigen. Ich kam oft erst abends um 22 Uhr von meinem »Tagesjob« nach Hause, und dann fand ich bergeweise Faxe mit Bestellungen vor, die sich auf dem Boden in langen Girlanden kringelten, und der Anrufbeantworter blinkte verzweifelt, da waren dann auch noch haufenweise Bestellungen drauf. Also fing ich an, Bücherpakete zu packen. Damit war ich dann so gegen zwei oder drei Uhr nachts fertig (wenn ich Glück hatte), und dann schlief ich ein paar Stunden, schnappte die Pakete, brachte sie zur Post, ging zu meinem Tagesjob, kam abends nach Hause . . . und dann ging es wieder von vorne los. Jeden Tag. Innerhalb von vier bis sechs Wochen hatte ich 1000 Bücher verkauft. Nach einer gewissen Zeit wußte ich nicht mehr, wo mir der Kopf stand und suchte nach einer anderen Lösung. Ich schrieb noch einmal die Lesbenverlage an, ob man nicht einen gemeinsamen Vertrieb machen könnte, aber wieder kein Interesse. Göttin sei Dank schrieb ich dann aber auch den konkursbuch Verlag von Claudia Gehrke an, und von ihr kam nach einer kurzen Weile eine Reaktion. Daraufhin ging alles sehr schnell. Ich traf mich mit Claudia Gehrke, und wir vereinbarten einen gemeinsamen Vertrieb, und glücklicherweise mußte ich dann nicht mehr bis nachts Bücherpakete packen und konnte statt dessen wieder anfangen, Bücher zu schreiben, was mir eigentlich wichtiger ist.

Welche Titel folgten?

Die beiden nächsten Titel waren dann ein Buch von einer

  • Amerikanerin, Brenda Miller, »Court of Love«,
  • und mein eigener zweiter Roman »Ein Tod in Konstanz« (jetzt: »Ich kämpfe um dich«).
  • Dann kam »Ein Kaffee für zwei« von Daniela John,
  • dann »Die Geliebte der Wölfin«, ein Ritterinnen-Roman von der Amerikanerin Diana Lee,
  • dann mein eigenes drittes Buch »Computerspiele«, das ist mein erster Krimi,
  • und dann noch der 1. LesbenLiebesRatgeber »Warum verliebe ich mich immer in die falsche Frau?«, in dem die Psychotherapeutin Michèle Atanassoff aus Freiburg erläutert, warum das nicht immer so klappt mit unseren Frauenbeziehungen und was frau vielleicht besser machen könnte.
  • Zudem brachte ich noch die Musikkassette »Sex for Breakfast« von Anne Seale heraus. Lustige lesbische Lieder mit einem Booklet der deutschen Übersetzung. Danach erschienen im nächsten Jahr 1999 der Vampirinnenroman
  • »Liebende der Nacht« von Silke Köhler und der
  • 2. LesbenLiebesRatgeber »Wie kriege ich meine Traumfrau rum?«
  • und im Herbst mein eigener vierter Roman »Tödliche Liebespiele« – das war mein zweiter Krimi, die Fortsetzung von »Computerspiele« –
  • und der erste Roman von Regina Beyer: »Die Beschützerin«.

Pläne für 2000?

Im Jahr 2000 möchte ich zur Feier des Milleniums (wer feiert das nicht?  ) doppelt so viele Bücher herausgeben wie bisher. Bisher habe ich 4-5 Bücher pro Jahr herausgebracht, 2000 werden es mindestens acht werden, vielleicht auch zehn. Das hängt davon ab, wieviel Zeit ich habe. Auf jeden Fall bringe ich den zweiten Roman von Regina Beyer, heraus. Er heißt »Katzenfrühstück«. Und dazu kommt im Frühjahr der erste Roman der deutschen, lesbischen Agatha Christie. Sie heißt Nele Tabler und das Buch heißt »Detektei Lesbisches Leben: Die tote Krankenschwester«. Die Detektei Lesbisches Leben ist eine Gruppe von eher etwas chaotischen Landlesben, die zufällig in Mordfälle (an Lesben) hineingeraten, das ist sehr klassisch wie bei Christie. Und ebenso schön – und dazu noch lesbisch . . . Was will man mehr?  Außerdem will ich ich einen Lesben-Wandkalender mit schönen Aktphotos machen. Dafür suche ich noch Photographinnen. Also wer Interesse hat, da mitzumachen, soll sich bei mir melden.
     Natürlich bin ich auch immer an guten Manuskripten oder auch Liedern interessiert. Also auch da kann frau alles an mich schicken. Ich möchte nämlich auch noch eine CD mit lesbischen Liedern herausbringen, um mein eigenes Hobby Musik auch mal wieder ausüben zu können. Komponistinnen, Sängerinnen, Musikerinnen, Photographinnen, Autorinnen – bitte melden! 
     Zudem habe ich eine Reihe mit Biographien über erfolgreiche deutsche Unternehmerinnen geplant. Ich selbst bin gern Unternehmerin, und ich finde, wir haben da viel zu wenige gute Vorbilder. Das will ich ändern.

Wie oft wurde Taxi nach Paris verkauft?

Die ganz genaue Zahl ändert sich stündlich, weil das Buch mittlerweile in der 6. Auflage ist und ständig verkauft wird, aber ich glaube, es sind so an die 20.000 Stück.

Warum kamen danach Krimis?

Eigentlich wollte ich ja von Anfang an Krimis schreiben, deshalb hatte ich auch mit »Computerspiele« angefangen, aber dann kam mir die Liebe mit »Taxi nach Paris« dazwischen . . . :-) Mein Vorbild waren die Lesbenkrimis, die damals ja schon ein paar Jahre lang bei Ariadne erschienen waren. Die gefielen mir gut, nur hatten sie zu wenig Sex (normal im prüden Amerika, aber für uns etwas enttäuschend, fanden meine Freundinnen und ich). Und so dachte ich mir: Das kannst Du auch und besser, denn die amerikanischen Autorinnen sind ja auch literarisch nicht unbedingt schwierig. Also bin ich nur dahin zurückgekommen, wovon ich ausgegangen war. Ich war schon immer eine leidenschaftliche Krimileserin, seit meiner Kindheit ein großer Agatha-Christie-Fan, und dann kamen die Lesbenkrimis.

Wann gibt es das nächste erotische Buch?

Das ist schon in Arbeit. Wobei ich dazu natürlich bemerken muß, daß alle meine Bücher erotisch sind, auch meine Krimis enthalten mehr Erotik und Sex als andere Bücher, was einige meiner Leserinnen, die eher am Krimi interessiert sind, zu ihrem Leidwesen bemerken. Sie hätten gern mehr Krimi und weniger Beziehung, schrieb mir letztens eine Lesein über das Internet. Ich werde versuchen, diesem Wunsch nachzukommen, denn ich kann ihn verstehen, aber ich fürchte, daß mir die Liebesszenen ans Herz gewachsen sind. Ich werde auch im Krimi nicht ganz darauf verzichten können. 
     Mein nächster reiner Liebesroman wird »Die Schauspielerin« heißen. Das ist der Arbeitstitel, er kann sich noch ändern. Viele meiner Leserinnen hätten gern eine Fortsetzung von »Taxi nach Paris«, aber das ist nicht möglich (auch wenn die »Nutte« aus »Taxi« noch einmal in »Tödliche Liebesspiele« aufgetaucht ist als »Gast«), aber ich hoffe, daß ich den Leserinnen, die gern eine Fortsetzung von »Taxi« hätten, mit der »Schauspielerin« einen Gefallen tue. Es ist »Taxi« sehr ähnlich. Das ist das erste von drei Büchern, die ich zur Zeit schreibe.
     Die anderen beiden Bücher sind: Der nächste Krimi mit meiner Kommissarin Renni Schneyder. Er heißt »Mord im Frauenhaus« und das dritte ist ein Projekt, das mir sehr viel Spaß macht: »Die schöne Mutter« (Arbeitstitel).
     Die Geschichte ist die, daß eine Mutter (45) eine Tochter (25) hat und beide, Mutter und Tochter, sind lesbisch. (Die Mutter war es nicht immer, wie die Existenz der Tochter vermuten läßt, aber jetzt ist sie es.) Auf jeden Fall leben die beiden sehr weit auseinander und sehen sich nicht sehr häufig, verstehen sich vielleicht auch nicht sehr gut, aber eines Tages lädt die Tochter die Mutter ein, und bei diesem Treffen lernen sich auch die Lebensgefährtin der Tochter und die Mutter das erste Mal kennen. Die »Schwiegertochter« verliebt sich in die Mutter, und da die beiden jungen Frauen, Tochter und »Schwiegertochter«, auch gerade noch beschlossen haben, ein Kind zu kriegen und die Tochter bereits schwanger ist, ergeben sich daraus natürlich eine Menge Komplikationen. Erst will die Mutter nicht mit ihrer »Schwiegertochter«, aber die läßt sie nicht in Ruhe, und irgendwann findet sie sie dann auch so nett, daß weitere Entwicklungen nicht ausgeschlossen sind, aber da ist ja immer noch die Tochter, die die Mutter natürlich nicht betrügen möchte usw.
     Das soll eher lustig werden, eine Komödie, aber natürlich auch erotisch. Mal sehen.
     Aber »Die Schauspielerin« soll noch dieses Jahr erscheinen, und der neue Renni-Krimi auch. Das wären die nächsten erotischen Bücher.


Warum verlegst du bei/über »el!es im konkursbuch Verlag«?

Also el!es bin ich ja selber, das ist mein eigener Verlag, und mit Claudia Gehrke arbeite ich vertriebstechnisch zusammen, aber natürlich haben wir auch in vielem die gleiche Einstellung als Verlegerinnen. Erotische, auch lesbische, Bücher hat konkursbuch ja schon immer gemacht, und da passen die el!es-Bücher gut dazu.

Siehst du dich als Autorin/Verlegerin?

Ja, ich bin beides, Autorin und Verlegerin. Das ist gleichberechtigt.

Kannst du als Autorin deinen Lebensunterhalt bestreiten?

Wenn ich wollte, schon, aber ich habe immer noch so viele andere Projekte, besonders im EDV-Bereich, die mir sehr viel Spaß machen und durch die ich mehr verdiene. Im Moment bereite ich einen EDV-Kurs nur für Frauen vor, darauf freue ich mich schon sehr.

Lebst du offen?

Ja, ich glaube, anders geht es gar nicht und sollte es auch niemand versuchen. Dann hat man so viel Ärger und Streß, weil man sich verstecken muß. Wenn man offen lebt, hat man wesentlich weniger Streß, denn die meisten Leute haben kein Problem damit. Und die, die ein Problem damit haben, haben mit mir nichts zu tun, oder ich habe mit ihnen nichts zu tun – oder ich sorge sehr schnell dafür, daß ich nichts mehr mit ihnen zu tun habe. Aber das sind wirklich die wenigsten. Die meisten Leute verhalten sich ganz normal.

Was hälst du vom Outen?

Gezwungenermaßen sollte man das niemand zumuten. Wenn jemand nicht geoutet werden will, sollte man ihn in Ruhe lassen und seine Wünsche respektieren. Aber wie ich schon sagte: Man sollte sich gut überlegen, ob man sich selbst den Streß antun will, sich NICHT zu outen. Es ist einfacher, sich zu outen als das Gegenteil.

Woran arbeitest du zur Zeit?

Das habe ich oben schon beschrieben, »Die Schauspielerin«, der Krimi »Mord im Frauenhaus« und die »Mutter« sind meine drei Hauptprojekte zur Zeit. Aber ich habe noch sehr viele andere Projekte, die ich zum Teil auch schon oben beschrieben habe. Darüber hinaus gibt es noch mehr, die ich aber jetzt nicht alle im einzelnen beschreiben kann. Es kommen fast täglich neue hinzu, die Ideen gehen mir nie aus. Ich weiß nur nicht, ob ich genug Zeit haben werde, das alles zu verwirklichen. Der Tag hat ja leider nur 24 Stunden.

Wie hat sich dein Leben durch die Veröffentlichung der Bücher verändert?

Ich bin natürlich in gewisser Weise bekannt geworden. Vorher kannten mich ein paar Dutzend Leute, jetzt kennen mich Tausende (wenn ich den Verkaufszahlen meiner Bücher glauben darf). Auf diese Bekanntheit werde ich auch des öfteren angesprochen, besonders im Internet. Und ich bekomme auch Fanpost. Vielleicht hat sich durch den Erfolg auch mein Selbstbewußtsein verändert, denn ich habe gesehen, daß ich alles schaffen kann, wenn ich es will. Das hat meine Oma mir zwar schon immer gesagt, aber man braucht doch einen gewissen Erfolg, um das zu glauben. :-) Ansonsten hat sich mein Leben nicht so sehr verändert, wenn ich mal den täglichen Ablauf betrachte. Nachdem ich mehrere Bücher herausgebracht hatte und der Verlag nun gut läuft, habe ich zwar den Angestelltenjob als Unternehmensberaterin aufgegeben und bin nun nur noch selbständig, was sehr angenehm ist, denn man muß sich nicht mehr mit irgendwelchen dummen Chefs herumärgern, und ich kann meine eigenen Entscheidungen treffen und durchführen, aber das ist wohl die größte Veränderung. Die ist durchaus nicht zu unterschätzen, das stimmt wohl. Es ist ein ganz anderes Gefühl, selbständig zu sein. Ich kann das jeder Frau nur empfehlen. Wer es kann, soll sich selbständig machen, das kann ich nur raten . . . :-) Vielleicht bringe ich auch mal ein Buch zu dem Thema heraus.

Was glaubst du, wo wirst du in zehn Jahren sein?

Das ist schwer zu sagen, ich habe jeden Tag neue Ideen. Zehn Jahre sind da eine sehr lange Zeit. Wahrscheinlich kann ich davon heute noch nicht einmal träumen, was in zehn Jahren sein wird.

Wie wirst du leben?

Wenn sie mich dann noch nicht satt hat , würde ich sehr gern immer noch mit meiner geliebten Freundin Antje zusammenleben und ansonsten gar nicht so sehr anders als heute, denn ich mache jetzt ja schon ziemlich viel von dem, was ich mir immer gewünscht habe.


Wie würdest du leben wollen?

Das einzige, was wir uns beide wünschen, ist ein Haus in der Provence oder sonstwo in Südfrankreich. Das würden wir gern kaufen. Vielleicht tun wir es ja auch. Und dann würde ich gern so eine Art »Golden-Girls-WG« aufmachen mit ein paar Lesben, die vielleicht dieselben Vorstellungen haben wie ich, also daß man auch im Alter nicht allein oder nur zu zweit lebt, sondern mit mehreren, das fände ich schön. Anke Schäfer hat da ja schon sehr viel in Gang gesetzt, und ich hoffe, ich kann mich ihr da anschließen. Vielleicht finde ich ja ein paar Frauen, die dasselbe wollen. Die sollen sich mal bei mir melden. :-)

Haben sich deine Träume erfüllt?

Das kommt darauf an. Eigentlich schon. Aber ich habe nie so sehr geträumt, daß ich sagen kann, meine Träume hätten sich erfüllt. Ich hatte nie so konkrete Träume. Wenn ich eine Art Traum hatte, oder eine Vorstellung, was ich gern sein würde oder was ich gern hätte, dann habe ich so lange darauf hingearbeitet, bis ich es hatte oder bis ich mich dahin entwickelt hatte, auch wenn es manchmal vielleicht etwas länger gedauert hat, als ich mir das zu Anfang vorgestellt hatte. »Träume sind Schäume« sagte meine Oma als Kind zu mir, und ich denke, das habe ich mir zu eigen gemacht. Ich will nicht träumen, ich will leben. Aber irgendwo hat natürlich jeder Mensch Träume, und die werde ich sicher auch bis an mein Lebensende behalten, denn wenn man gar keine Träume mehr hat, ist man tot, das stimmt. Aber es werden schöne Träume sein, Träume, die mich lächeln lassen, nicht welche, die mich frustrieren, weil ich mir deren Verwirklichung nicht vorstellen kann. Ich glaube, das ist bei vielen Leuten so, und so geht es mir sicher nicht.

Welchen Beruf hast du erlernt?

Siehe oben.

War das ein Traumberuf?

Germanistik zu studieren war eigentlich schon mein Traum oder eher mein Wunsch, obwohl sich das dann später im Studium zum Teil auch in einen Alptraum verwandelt hat. Man kann mit Hohlköpfen nicht über Literatur diskutieren, und die meisten Leute an der Uni, Studierende genauso wie Lehrende, sind Hohlköpfe, die sich auch noch etwas darauf einbilden. Aber irgendwann habe ich die Uni dann beendet, und damit war das Thema dann auch irgendwie erledigt. Aber Schriftstellerin und Verlegerin habe ich dann hinterher ja auch irgendwie »gelernt«, und das ist schon mein Traumberuf.

Machst du Buchlesungen?

Manchmal, eher selten. Nur dann, wenn ich speziell dazu aufgefordert werde, denn ich habe sehr wenig Zeit. Aber ab und zu mache ich es ganz gern, denn nur dort treffe ich ja mein Publikum, meine Leserinnen persönlich, und das finde ich dann sehr schön. Sonst ist das ja eher anonym und distanziert, das Verhältnis zwischen Autorin und Leserin.

Wie ist die Resonanz?

Sehr gut. Die Lesungen waren immer sehr voll, und die Diskussionen waren sehr lustig zum Teil. Aber ich bin froh, daß ich nun auch die Resonanz über das Internet habe, das ist doch wesentlich einfacher. Jede Frau, die möchte, kann mir einfach eine E-Mail über meine Homepage www.elles.de schreiben, und das finde ich eine große Errungenschaft. Ich liebe das Internet. Es ist ein großer Fortschritt besonders für Lesben.

Warum gibt es bei dir Fortsetzungsromane?

Das hat sich eher zufällig ergeben. Eigentlich ist ja jede Serie eine Ansammlung von Fortsetzungromanen, die »Stoner«-Romane ebenso wie Katherine Forrest mit ihrer Polizistin Kate Delafield oder andere. Sie schreiben es nur nicht hin. Außerdem fand ich auch früher schon immer Fortsetzungsromane faszinierend, die Spannung, bis es weitergeht . . . 

Wird es pro Jahr eine oder zwei neue Titel von dir geben?

Geplant habe ich jedes Jahr einen neuen Renni-Krimi und jedes Jahr einen neuen Liebesroman, aber vielleicht wird es auch mehr, je nachdem, wieviel Zeit zum Schreiben ich habe.

Verlegst du auch Fremdautorinnen?

Die habe ich oben ja alle schon aufgezählt. Wie gesagt: der el!es-Verlag war nie ein Selbstverlag, schon das zweite Buch stammte von einer Fremdautorin, nämlich Brenda Miller. Übrigens sind alle Bücher von ausländischen Autorinnen ebenso wie die deutschen Bücher Originalausgaben, d.h., sie sind noch in keinem anderen Verlag erschienen. Die beiden Amerikanerinnen, die bei mir erschienen sind, kennen ihre Bücher in gedruckter Form bislang nur auf deutsch. In Amerika sind sie nicht erschienen, sondern original bei mir. Ich habe alle Rechte an den Büchern. Bei vielen ausländischen Büchern ist das ja anders. Die Verlage kaufen ein Buch, das bereits in Amerika erschienen ist (wie z.B. die ganzen Ariadne-Krimis) und lassen es dann in Lizenz übersetzen und drucken. Das ist bei mir anders. Ich mache nur Originalausgaben. Ich bin halt mit Leidenschaft Verlegerin. Ich will nicht nur nachdrucken, was andere schon vor mir ausgesucht haben. Ich will das Original. :-)

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