Interview mit Ruth Gogoll in »Mysterious Women« von Sylvia Knelles (Januar 2000)

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Warum verlegst du bei/über »el!es im konkursbuch Verlag«?

Also el!es bin ich ja selber, das ist mein eigener Verlag, und mit Claudia Gehrke arbeite ich vertriebstechnisch zusammen, aber natürlich haben wir auch in vielem die gleiche Einstellung als Verlegerinnen. Erotische, auch lesbische, Bücher hat konkursbuch ja schon immer gemacht, und da passen die el!es-Bücher gut dazu.

Siehst du dich als Autorin/Verlegerin?

Ja, ich bin beides, Autorin und Verlegerin. Das ist gleichberechtigt.

Kannst du als Autorin deinen Lebensunterhalt bestreiten?

Wenn ich wollte, schon, aber ich habe immer noch so viele andere Projekte, besonders im EDV-Bereich, die mir sehr viel Spaß machen und durch die ich mehr verdiene. Im Moment bereite ich einen EDV-Kurs nur für Frauen vor, darauf freue ich mich schon sehr.

Lebst du offen?

Ja, ich glaube, anders geht es gar nicht und sollte es auch niemand versuchen. Dann hat man so viel Ärger und Streß, weil man sich verstecken muß. Wenn man offen lebt, hat man wesentlich weniger Streß, denn die meisten Leute haben kein Problem damit. Und die, die ein Problem damit haben, haben mit mir nichts zu tun, oder ich habe mit ihnen nichts zu tun – oder ich sorge sehr schnell dafür, daß ich nichts mehr mit ihnen zu tun habe. Aber das sind wirklich die wenigsten. Die meisten Leute verhalten sich ganz normal.

Was hälst du vom Outen?

Gezwungenermaßen sollte man das niemand zumuten. Wenn jemand nicht geoutet werden will, sollte man ihn in Ruhe lassen und seine Wünsche respektieren. Aber wie ich schon sagte: Man sollte sich gut überlegen, ob man sich selbst den Streß antun will, sich NICHT zu outen. Es ist einfacher, sich zu outen als das Gegenteil.

Woran arbeitest du zur Zeit?

Das habe ich oben schon beschrieben, »Die Schauspielerin«, der Krimi »Mord im Frauenhaus« und die »Mutter« sind meine drei Hauptprojekte zur Zeit. Aber ich habe noch sehr viele andere Projekte, die ich zum Teil auch schon oben beschrieben habe. Darüber hinaus gibt es noch mehr, die ich aber jetzt nicht alle im einzelnen beschreiben kann. Es kommen fast täglich neue hinzu, die Ideen gehen mir nie aus. Ich weiß nur nicht, ob ich genug Zeit haben werde, das alles zu verwirklichen. Der Tag hat ja leider nur 24 Stunden.

Wie hat sich dein Leben durch die Veröffentlichung der Bücher verändert?

Ich bin natürlich in gewisser Weise bekannt geworden. Vorher kannten mich ein paar Dutzend Leute, jetzt kennen mich Tausende (wenn ich den Verkaufszahlen meiner Bücher glauben darf). Auf diese Bekanntheit werde ich auch des öfteren angesprochen, besonders im Internet. Und ich bekomme auch Fanpost. Vielleicht hat sich durch den Erfolg auch mein Selbstbewußtsein verändert, denn ich habe gesehen, daß ich alles schaffen kann, wenn ich es will. Das hat meine Oma mir zwar schon immer gesagt, aber man braucht doch einen gewissen Erfolg, um das zu glauben. :-) Ansonsten hat sich mein Leben nicht so sehr verändert, wenn ich mal den täglichen Ablauf betrachte. Nachdem ich mehrere Bücher herausgebracht hatte und der Verlag nun gut läuft, habe ich zwar den Angestelltenjob als Unternehmensberaterin aufgegeben und bin nun nur noch selbständig, was sehr angenehm ist, denn man muß sich nicht mehr mit irgendwelchen dummen Chefs herumärgern, und ich kann meine eigenen Entscheidungen treffen und durchführen, aber das ist wohl die größte Veränderung. Die ist durchaus nicht zu unterschätzen, das stimmt wohl. Es ist ein ganz anderes Gefühl, selbständig zu sein. Ich kann das jeder Frau nur empfehlen. Wer es kann, soll sich selbständig machen, das kann ich nur raten . . . :-) Vielleicht bringe ich auch mal ein Buch zu dem Thema heraus.

Was glaubst du, wo wirst du in zehn Jahren sein?

Das ist schwer zu sagen, ich habe jeden Tag neue Ideen. Zehn Jahre sind da eine sehr lange Zeit. Wahrscheinlich kann ich davon heute noch nicht einmal träumen, was in zehn Jahren sein wird.

Wie wirst du leben?

Wenn sie mich dann noch nicht satt hat , würde ich sehr gern immer noch mit meiner geliebten Freundin Antje zusammenleben und ansonsten gar nicht so sehr anders als heute, denn ich mache jetzt ja schon ziemlich viel von dem, was ich mir immer gewünscht habe.

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