Interview mit Ruth Gogoll in »Mysterious Women« von Sylvia Knelles (Januar 2000)

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Wie würdest du leben wollen?

Das einzige, was wir uns beide wünschen, ist ein Haus in der Provence oder sonstwo in Südfrankreich. Das würden wir gern kaufen. Vielleicht tun wir es ja auch. Und dann würde ich gern so eine Art »Golden-Girls-WG« aufmachen mit ein paar Lesben, die vielleicht dieselben Vorstellungen haben wie ich, also daß man auch im Alter nicht allein oder nur zu zweit lebt, sondern mit mehreren, das fände ich schön. Anke Schäfer hat da ja schon sehr viel in Gang gesetzt, und ich hoffe, ich kann mich ihr da anschließen. Vielleicht finde ich ja ein paar Frauen, die dasselbe wollen. Die sollen sich mal bei mir melden. :-)

Haben sich deine Träume erfüllt?

Das kommt darauf an. Eigentlich schon. Aber ich habe nie so sehr geträumt, daß ich sagen kann, meine Träume hätten sich erfüllt. Ich hatte nie so konkrete Träume. Wenn ich eine Art Traum hatte, oder eine Vorstellung, was ich gern sein würde oder was ich gern hätte, dann habe ich so lange darauf hingearbeitet, bis ich es hatte oder bis ich mich dahin entwickelt hatte, auch wenn es manchmal vielleicht etwas länger gedauert hat, als ich mir das zu Anfang vorgestellt hatte. »Träume sind Schäume« sagte meine Oma als Kind zu mir, und ich denke, das habe ich mir zu eigen gemacht. Ich will nicht träumen, ich will leben. Aber irgendwo hat natürlich jeder Mensch Träume, und die werde ich sicher auch bis an mein Lebensende behalten, denn wenn man gar keine Träume mehr hat, ist man tot, das stimmt. Aber es werden schöne Träume sein, Träume, die mich lächeln lassen, nicht welche, die mich frustrieren, weil ich mir deren Verwirklichung nicht vorstellen kann. Ich glaube, das ist bei vielen Leuten so, und so geht es mir sicher nicht.

Welchen Beruf hast du erlernt?

Siehe oben.

War das ein Traumberuf?

Germanistik zu studieren war eigentlich schon mein Traum oder eher mein Wunsch, obwohl sich das dann später im Studium zum Teil auch in einen Alptraum verwandelt hat. Man kann mit Hohlköpfen nicht über Literatur diskutieren, und die meisten Leute an der Uni, Studierende genauso wie Lehrende, sind Hohlköpfe, die sich auch noch etwas darauf einbilden. Aber irgendwann habe ich die Uni dann beendet, und damit war das Thema dann auch irgendwie erledigt. Aber Schriftstellerin und Verlegerin habe ich dann hinterher ja auch irgendwie »gelernt«, und das ist schon mein Traumberuf.

Machst du Buchlesungen?

Manchmal, eher selten. Nur dann, wenn ich speziell dazu aufgefordert werde, denn ich habe sehr wenig Zeit. Aber ab und zu mache ich es ganz gern, denn nur dort treffe ich ja mein Publikum, meine Leserinnen persönlich, und das finde ich dann sehr schön. Sonst ist das ja eher anonym und distanziert, das Verhältnis zwischen Autorin und Leserin.

Wie ist die Resonanz?

Sehr gut. Die Lesungen waren immer sehr voll, und die Diskussionen waren sehr lustig zum Teil. Aber ich bin froh, daß ich nun auch die Resonanz über das Internet habe, das ist doch wesentlich einfacher. Jede Frau, die möchte, kann mir einfach eine E-Mail über meine Homepage www.elles.de schreiben, und das finde ich eine große Errungenschaft. Ich liebe das Internet. Es ist ein großer Fortschritt besonders für Lesben.

Warum gibt es bei dir Fortsetzungsromane?

Das hat sich eher zufällig ergeben. Eigentlich ist ja jede Serie eine Ansammlung von Fortsetzungromanen, die »Stoner«-Romane ebenso wie Katherine Forrest mit ihrer Polizistin Kate Delafield oder andere. Sie schreiben es nur nicht hin. Außerdem fand ich auch früher schon immer Fortsetzungsromane faszinierend, die Spannung, bis es weitergeht . . . 

Wird es pro Jahr eine oder zwei neue Titel von dir geben?

Geplant habe ich jedes Jahr einen neuen Renni-Krimi und jedes Jahr einen neuen Liebesroman, aber vielleicht wird es auch mehr, je nachdem, wieviel Zeit zum Schreiben ich habe.

Verlegst du auch Fremdautorinnen?

Die habe ich oben ja alle schon aufgezählt. Wie gesagt: der el!es-Verlag war nie ein Selbstverlag, schon das zweite Buch stammte von einer Fremdautorin, nämlich Brenda Miller. Übrigens sind alle Bücher von ausländischen Autorinnen ebenso wie die deutschen Bücher Originalausgaben, d.h., sie sind noch in keinem anderen Verlag erschienen. Die beiden Amerikanerinnen, die bei mir erschienen sind, kennen ihre Bücher in gedruckter Form bislang nur auf deutsch. In Amerika sind sie nicht erschienen, sondern original bei mir. Ich habe alle Rechte an den Büchern. Bei vielen ausländischen Büchern ist das ja anders. Die Verlage kaufen ein Buch, das bereits in Amerika erschienen ist (wie z.B. die ganzen Ariadne-Krimis) und lassen es dann in Lizenz übersetzen und drucken. Das ist bei mir anders. Ich mache nur Originalausgaben. Ich bin halt mit Leidenschaft Verlegerin. Ich will nicht nur nachdrucken, was andere schon vor mir ausgesucht haben. Ich will das Original. :-)

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