Kommentare sind wichtiger als Stimmen

Die letzten Tage des LLP sind angebrochen. Da der August einunddreißig Tage hat, der April aber nur dreißig, haben alle Kommentatorinnen, die noch einen Kommentar abgeben wollen, diesmal sogar einen Tag mehr als sonst Gelegenheit, das zu tun.

Kommentare sind für die Autorinnen ungeheuer wichtig. Es geht nicht darum, einfach nur zu hören, dass die Geschichte, die man sich ausgedacht hat, gefällt, sondern in allererster Linie darum, Hinweise zu bekommen, was man an seiner Geschichte noch besser machen könnte.

Lob ist immer eine schöne Sache, aber Kritik ist fast noch wertvoller. Konstruktive Kritik, die auf einzelne Punkte eingeht, kann es einer Autorin ermöglichen, genau die Qualität in ihrem Schreiben zu erreichen, die sie sich wünscht, genau an den kleinen Schräubchen zu drehen, die aus einem guten Text einen sehr guten Text machen.

Wenn man etwas selbst geschrieben hat, ist man oft – wie man so schön sagt – betriebsblind. Man hat die Geschichte genau im Kopf, man hat die Figuren genau im Kopf, hat eine Vorstellung davon, wo die Geschichte stattfindet und wann, wie alles aussieht, wie es sich anfühlt. All diese Dinge der Leserin zu vermitteln ist jedoch oft gar nicht so einfach.

Wenn man eine Geschichte liest, hat man manchmal das Gefühl, es ist alles wie aus einem Guss. Dann ist es eine gute Geschichte. Sie war aber vielleicht nicht von Anfang an so. Vielleicht hat die Autorin einen ersten Rohentwurf geschrieben, der ganz anders war, holprig, unlogisch, schwer nachzuvollziehen. Und dann hat sie sich hingesetzt und die Geschichte so lange bearbeitet, bis das alles verschwunden ist.

Unsere Autorinnen hier bei el!es überarbeiten ihre Romane und Geschichten zum Schluss noch einmal zusammen mit einer unserer Lektorinnen, damit ein Blick von außen noch die letzten Fehler und Unklarheiten enthüllt und beseitigt. Erst dann wird ein Buch veröffentlicht.

Der LLP ist so etwas wie ein Vorlektorat. Hier haben Autorinnen, deren Bücher vielleicht noch nicht veröffentlichungsreif sind, die Gelegenheit, kostenlose Lektoratshinweise zu erhalten, als wären sie schon dabei, ihr Buch zu veröffentlichen.

Oftmals ist mir als Autorin gar nicht klar, wie ein Text auf die Leserin wirkt. Da ich die ganzen Hintergrundinformationen im Kopf habe, ergibt sich für mich ein rundes Bild. Für die Leserin, die diese Informationen nicht kennt, kann es sich aber ganz anders anfühlen.

Umgekehrt kann es auch so sein, dass ich als Autorin die Leserin mit Informationen überschütte, die viel zu viel sind, die die Leserin geradezu erschlagen. Dass ich zu lange in Situationen und Szenen schwelge, die mir gefallen, die aber an dieser Stelle zu ausführlich sind, die Leserin eher verwirren oder – was noch schlimmer ist – langweilen.

Manchmal ist eine Szene auch einfach nur an der falschen Stelle. Das kommt vor allen Dingen bei Anfängen von Geschichten oft vor. Und bei Anfängerinnen im Schreiben, die noch nicht viel Erfahrung mit der Komposition einer Geschichte haben. Das ist nichts Schlimmes und auch nichts Neues, das ist schon den besten Schriftstellerinnen und Schriftstellern passiert, denn jede und jeder hat einmal angefangen.

Wenn man auf solche Dinge aufmerksam gemacht wird, kann man sich nur glücklich schätzen. So wird Betriebsblindheit beseitigt, und eine Geschichte kann sich so entfalten, wie sie es verdient hat, bis sie die Leserinnen so mitreißt, dass sie gar nicht mehr aufhören können zu lesen.

Deshalb ist es nicht so besonders hilfreich, wenn Leserinnen nur ihre Stimme für eine Geschichte abgeben, aber nicht kommentieren. Man muss sich die Situation so vorstellen wie eine Rezension auf irgendeinem Online-Portal.

Da ich viel Musik mache, bin ich oft auf Seiten von Online-Shops, die Musikinstrumente oder Zubehör für Musikerinnen verkaufen. Sagen wir mal, ich suche nach einem Notenständer. Es werden verschiedene Notenständer angeboten, laut Beschreibung gefällt mir der eine oder andere. Dann frage ich mich, ist die Beschreibung wirklich aussagekräftig genug und schaue in die Bewertungen.

Bei vielen dieser Shops kann man einfach eine Bewertung für ein Produkt abgeben, ohne zu kommentieren. Es gibt also vielleicht zwei Kommentare, die ausführlich die Erfahrung des Käufers mit dem Notenständer beschreiben, aber darüber hinaus gibt es noch mehrere Bewertungen, zu denen kein Text geschrieben wurde. Eventuell schlechte Bewertungen, eventuell gute Bewertungen, aber ich weiß nicht, warum derjenige den Notenständer nun gut oder schlecht fand, ob das für mich relevant ist.

Somit könnten diese Käufer, die einfach nur auf ein Kästchen mit einem oder zwei oder fünf Sternen geklickt haben, das auch genauso gut lassen. Es sagt nichts aus.

Wenn man ein Produkt gut findet, sollte man auch hinschreiben, warum man es gut findet, und wenn man ein Produkt schlecht findet, sollte man auch hinschreiben, warum man es schlecht findet. Oder warum man ihm nur drei Sterne gegeben hat, aber nicht fünf. Was man zu bemängeln fand, obwohl das Produkt doch gleichzeitig anscheinend gewisse Anforderungen erfüllt hat.

Genauso ist es beim LLP: Nur in ein Kästchen zu klicken und damit die Bewertung einer Geschichte oder eines Romans hochzutreiben, sagt überhaupt nichts aus. Man könnte es auch genauso gut lassen. Solange man dazu keinen Kommentar schreibt, warum man ausgerechnet diese Geschichte besser findet als die anderen, ist eine solche Stimme nicht besonders nützlich und bedeutet eigentlich gar nichts.

Auch in den Kommentaren auf der el!es-Webseite gibt es die Möglichkeit, einen bis fünf Sterne zu vergeben. Dort kann man auch zu den Geschichten etwas sagen, die mir als Leserin nicht so gut gefallen haben, und warum.

Genauso kann ich dort natürlich auch die Geschichten, für die ich abgestimmt habe, noch einmal mit fünf Sternen loben und somit meine Begeisterung für die Geschichte bekräftigen. Genauer erklären, was das Besondere, das Gute dieser Geschichte ausmacht. Was die Autorin richtig gemacht hat.

Jede Autorin freut sich über solche Kommentare und wird dadurch motiviert weiterzuschreiben. Auch Kritik kann dazu motivieren weiterzuschreiben, sich zu verbessern, wenn sie konstruktiv ist. Ein einfaches „Gefällt mir nicht“, ohne der Autorin zu sagen, warum, ist auch nicht besonders nützlich. Denn Geschmäcker sind nun einmal verschieden.

So kann das, was mich zu einer Ein-Sterne- oder Zwei-Sterne-Bewertung veranlasst, für eine andere Leserin gerade das sein, warum sie das Buch gern lesen würde.

Also können auch Bewertungen, die anfangs eher schlecht erscheinen, zum Schluss dann gut sein. Wenn sich die Kommentatorin die Mühe gemacht hat, genau zu beschreiben, was ihr nicht gefallen hat.

Deshalb sind die Kommentare beim LLP so wichtig. Es geht nicht einfach nur darum, eine Siegerin zu küren, es geht darum, für alle teilnehmenden Autorinnen eine motivierende und inspirierende Erfahrung zu schaffen, die sie weiterbringt.

Und den Leserinnen ein Vergnügen zu bereiten, die sich dann schon auf viele neue Romane freuen können, die sie hier angelesen haben. laughing

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People in this conversation

  • Charlie
  • Sima
  • Pia
  • Charlie

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    Da kann ich nur zustimmen. Nur ehrlich gemeinte Kommentare, Hinweise und auch Hilfestellungen helfen der Geschichte und der Autorin selbst weiter. Nur dadurch bekommt man aufgezeigt, was an seiner Geschichte verbesserungswürdig oder auch schon gut ist, und wo man selbst Defizite beim Schreiben hat. Das ist ja das Reizvolle am LLP, sein Roman einem kritischen Publikum „vorstellen“ zu können. Das haben mir die vorangegangen LLPs gezeigt. Genau aus diesem Grund habe ich auch in meinem Umfeld keinem etwas von der Teilnahme hier erzählt. Damit kann ich mir ganz sicher sein, dass alle Kommentare wirklich meiner Geschichte und nicht mir als Person gelten.
    Mir hat der LLP auf jeden Fall etwas gebracht. Ich weiß jetzt, was ich noch beim Schreiben beachten muss, worauf es ankommt und welche Anfängerfehler ich alle begangen habe ;) Vielen Dank dafür!

    Dienstag, 29. August 2017 23:07
  • Sima

    Permalink

    Das ist ein schöner Vergleich, Ruth :). Die Bedeutung und der Sinn von Rezensionen war ja nun schon sehr oft Thema. Nun kommt es natürlich darauf an, dass es vor allem diejenigen lesen, die diese Hinweise für sich noch nicht verinnerlicht haben, aus welchen Gründen auch immer. Da gibt es schließlich die unterschiedlichsten, die eine Leserin dazu veranlassen, recht inhaltlos und unkonstruktiv oder gleich mal gar nicht zu kommentieren, aber dabei fleißig für ihre Favoritin (die natürlich von vornherein feststeht ;)) zu voten.

    Hier beim LLP ist mir aufgefallen, dass das vor allem Leserinnen betrifft, die mit einer Autorin befreundet sind, die vielleicht zum ersten Mal beim Wettbewerb teilnimmt oder gänzlich neu bei el!es ist.

    Ich habe ja auch mal angefangen (wie wir alle irgendwann mal :)), und natürlich hatte auch ich ein paar Freundinnen im Schlepptau, die sich selbstverständlich gaaaanz besonders für meinen Roman interessiert haben. ;) Allerdings haben sie ausführlich kommentiert und mich zum Teil auch kritisiert. In der Hinsicht lief das also schon durchaus korrekt ab. Trotzdem habe ich diesmal kaum jemandem aus meinem privaten Umfeld von meiner Teilnahme hier erzählt. Ich wollte mich einfach mal überraschen lassen und war vor allem neugierig auf die Eindrücke von “außen“.
    Ich habe nämlich auch erst nach meiner ersten Erfahrung mit diesem Wettbewerb verstanden, dass ich mir für rein “freundschaftlich gesinnte“ Bewertungen nichts kaufen kann, weil sie selten objektiv sind. Dann wurde mir klar, worauf es ankommt und was wirklich hilfreich für mich als Autorin ist. Also ich könnte mich niemals über eine Top-Platzierung freuen, wenn es in den Kommentaren zu meiner Geschichte nur so an negativen Kritiken hagelt und die einzigen überschwänglich positiven Kommentare nur von meinen Freundinnen stammen. Wie soll man dann stolz auf das Erreichte sein? Das ist es, was man sich immer vor Augen halten sollte.

    Dennoch sollten wir vielleicht nicht ganz so streng sein und durchaus eine zweite Chance einräumen. Jene Kommentatorinnen, die sich mit dieser Thematik bewusst und gewollt auseinandersetzen und das Fair-Play-Prinzip verstehen, werden sich , zumindest zukünftig, auch daran halten. Von den anderen, denen das egal ist, hört bzw. liest man beim nächsten Mal wahrscheinlich sowieso nichts mehr.

    In diesem Sinne wünsche ich allen Teilnehmerinnen beim diesjährigen LLP noch einen spannenden Endspurt und vielleicht noch den einen oder anderen hilfreichen Kommentar. :)

    Dienstag, 29. August 2017 16:11
  • Pia

    Permalink

    Ich glaube, ich wüsste nicht, welchen Notenständer ich kaufen soll. ;) Ich kann das sehr gut nachvollziehen. Ich ärgere mich auch oft über irgendwelche 1-Sterne-Rezensionen, die nichts weiter sagen als "Mist. Zurückgeschickt" oder so etwas. Genauso wertlos sind Rezensionen so in dem Stil "Tut, was es soll. Danke".

    Bei Büchern ist es dann in gewisser Weise noch schlimmer. Denn da geht es ja nicht nur darum, ob ein Produkt funktioniert oder nicht funktioniert, sondern um den Inhalt, die Art des Schreibens, den Stil der Autorin, ob das Buch die Genrekonventionen und damit die Erwartungen der Leserschaft erfüllt oder völlig am Thema vorbeigeschrieben ist. Deshalb muss eine Bücherrezension immer ausführlicher sein.

    Genauso wie hier beim LLP. Manchmal sind die Einschätzungen von zwei Leuten, die denselben Auszug gelesen haben, ja völlig verschieden. So, wie Geschmäcker eben verschieden sind. Ich kann mit irgendwelchen Götterfiguren nichts anfangen, aber für jemand anderen kann das genau das sein, was sie lesen will.

    Da hilft es mir nicht, wenn ich sehe, der Text hat 4,5 Sterne, und nirgendwo steht dann genau, warum. ;) Oder wenn die Autorin hochgelobt wird, aber die Kommentatorin hat nichts zu irgendwelchen anderen Einsendungen zum LLP geschrieben. Dann weiß ich nicht, was ich damit anfangen soll.

    Dienstag, 29. August 2017 14:53

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