Erst denken, dann senden

Es gibt Bücher, von denen man sich wünscht, sie wären früher erschienen und jeder würde sie lesen. Keine Romane (dafür gilt es hin und wieder auch), sondern Sachbücher wie »Erst denken, dann senden«. Klingt nicht besonders aufregend, der Titel, aber der Ratschlag hat große Bedeutung, denn er bezieht sich auf E-Mails (und ich würde ihn gern erweitern auf alle »Schnellschüsse«, die man mit einem Computer, besonders im Internet, tätigen kann, beispielsweise auch Kommentare in Foren oder Blogs wie diesem hier und vieles andere).

Wenn Sie selbst einen Shop betreiben, werden Sie es auch schon erlebt haben: Nachfragen zu Bestellungen. Eigentlich nichts Besonderes, auch wenn man etwas in einem Laden kauft, muß man dort vielleicht einmal nachfragen, aber ich wage mal zu behaupten, man fragt dann etwas höflicher nach, als es viele im Internet tun.

Gestern zum Beispiel kam eine Mail: »Wo bleibt mein Buch? Susi«

Sie denken, da müßte noch etwas kommen? Das ist etwas kurz? Respektlos, unhöflich und unpassend? Ja, das denken wir auch, aber einige Kundinnen haben anscheinend nie auch nur die entfernteste Erziehung erhalten, was das Schreiben eines ordentlichen Briefes oder einer E-Mail betrifft. Möglicherweise sind sie im täglichen Leben genauso unhöflich, aber vielleicht sind sie es auch nur im Internet, denn viele Untersuchungen bestätigen: Das Internet beseitigt Hemmungen (wozu anscheinend auch gute Erziehung gehört).

Die junge Dame, die diese Mail schrieb, hielt es nicht für nötig, eine Anrede wie »Sehr geehrte Damen und Herren« zu benutzen oder auch nur ein weniger aufwendiges »Hallo«, ebensowenig hielt sie eine Grußformel am Ende ihrer Mail für nötig wie »Mit freundlichen Grüßen«, zudem gab sie keine Bestellnummer an, so daß man gar nicht weiß, worauf sich ihre Anfrage bezieht. Ebenso verzichtete sie auf die Angabe ihres Nachnamens.

Aber sie erwartet, daß man eine solche Anfrage beantwortet? Wie soll das gehen? Denken solche Leute überhaupt, bevor sie eine E-Mail abschicken? Anscheinend nicht. Oftmals stimmt bei solchen Anfragen auch die E-Mail-Adresse nicht, so daß wir, wenn wir rückfragen wollen, vom Mailserver die Antwort erhalten: »Diese E-Mail-Adresse existiert nicht« oder bei jemand landen, der gar nichts mit der Bestellung zu tun hat.

Deshalb ist ein Buch wie »Erst denken, dann senden« (Heyne-Verlag, 8,95 €) von den Autoren David Shipley und Will Schwalbe so wichtig – auch wenn es eigentlich überflüssig ist, denn jeder, der nur zwei Gehirnzellen hat, sollte das, was darin steht, von selbst wissen.

Und wer es nicht weiß, so hätte die Anfrage aussehen sollen:

Sehr geehrte Damen (weil: Herren haben wir nicht ) oder einfach Hallo,

ich habe bei Ihnen am 20. September 2008 die Bestellung mit der Bestellnummer 1234 getätigt. Leider ist das Buch bis heute noch nicht bei mir eingetroffen. Könnten Sie mit bitte mitteilen, was der Grund ist?

Vielen Dank für Ihre Auskunft.

Mit freundlichen Grüßen

Susanne Müller

Ich frage mich: Überfordert das irgend jemand? Mir erscheint es sehr einfach. Und es unterscheidet sich sehr von einer geradezu beleidigenden Mail wie »Wo bleibt mein Buch? Susi«.

Übrigens: Die meisten unserer Kundinnen haben eine Erziehung genossen, die offenbar weit über dem Durchschnitt liegt, denn wir bekommen normalerweise sehr freundliche, gut formulierte Anfragen. Und da es so selten ist und unsere Kundinnen anscheinend überdurchschnittlich intelligent sind: Vielen Dank dafür. Die Höflichkeit, die unsere Kundinnen uns entgegenbringen, macht das Arbeiten viel, viel angenehmer und erfreulicher, und wir freuen uns immer, wenn wir solchen Kundinnen helfen können.

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  • Nicole
  • Ruth Gogoll
  • Babda
  • Michaela
  • angie.brand
  • Nicole

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    Ist der eigene Hund an der Leine und wird von einem anderen, freilaufenden Hund "angegriffen" und man hat keine Möglichkeit auszuweichen - am besten sofort den eigenen von der Leine lassen. Das fällt schwer und klingt unlogisch, aber:

    Durch die Leine fühlt sich der eigene Hund grundsätzlich stärker, nach dem Motto: "Notfalls wird's Frauchen schon richten". Außerdem haben Hunde ihr eigenes Kampfverhalten, eine Leine und ein menschliches Bein dazwischen verändern die Situation, könnten die Hunde verwirren und das ganze verschlimmern. Wenn jetzt also nicht ein völlig gestörter, "blutrünstiger" Hund auf den eigenen zurennt, passiert nichts schlimmes, wenn man den eigenen von der Leine lässt. Meistens sind es jüngere Hunde, die ihre Kräfte ausprobieren wollen oder es ist ein Revierverhalten. Bei solchen "Spielen" geht es Hunden nie darum, den anderen schwer zu verletzen oder zu töten. Da wird etwas gezwickt, beschwichtigt und einer unterwirft sich und dann ist's eigentlich wieder gut. Richtig gebissen wird da eigentlich nicht. ('ne Hundehaftpflichtversicherung ist aber grundsätzlich auch nicht schlecht.)

    Und natürlich kommt es noch auf das Größenverhältnis zwischen den Hunden an, das ist klar ... Man muss es einfach etwas einschätzen können.

    Sonntag, 5. Oktober 2008 16:22
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    Das sind gleich zwei Themen auf einmal: Zuerst die fehlende Erziehung des Menschen und dann die fehlende Erziehung des Hundes (hängt aber wahrscheinlich zusammen). Da fragt man sich natürlich schon, was solche Leute sich denken oder wo sie herkommen. Wenn ich als Mensch mit einem Hund spazierengehe, habe ich darauf zu achten, daß weder der Hund Menschen oder Tiere belästigt oder beißt, noch daß Menschen den Hund belästigen. Das gehört einfach zu meiner Aufgabe als Hundebesitzer(in). Wenn ich aber nicht richtig aufpasse, sollte ich mich wenigstens bei dem, den ich belästigt habe, entschuldigen, das ist das mindeste. Aber wie so üblich suchen solche Leute die Schuld dann immer nur bei anderen, sie selbst sind völlig schuldlos.

    Daß ein Hund bellt, ist normal, daß ein Hund beißt, sollte der Besitzer unterbinden. Aber da der Besitzer selbst "bissig" ist, will er seinen "Artgenossen" (den Hund) da wohl nicht beschränken. ;) Man darf sich über solche Leute einfach nicht aufregen, aber ich tu's auch immer wieder, weil ich es eine Unverschämtheit finde. Aber schön, daß ein Abreagieren hier auf der el!es-Seite ein bißchen geholfen hat . . . ;D

    Samstag, 4. Oktober 2008 14:50
  • Babda

    Permalink

    Hallo,

    muss hier auch mal ein bisschen Luft ablassen.

    Bin gestern mit meinem Hund spazieren gegangen (an der Leine), als meiner einen andern gesehen hat, hat er kurz gebellt. der hund kam, hat kurz geschnüffelt und dann angefangen zu beißen.
    Der Mann (vlt 60) ist ca 20m entfernt stehen geblieben und nur ab und an gerufen, der hund hat nicht gehört. Ich hab den hund immer weggetreten, nicht dolle, immer nur so en bissl, dass er nicht an meinen Hund kommt...
    nach einer zeit ist der hund dann zu seinem herrchen... ich stehe nur sprachlos da und er aufeinmal: "das seh ich nicht nochmal, dass DU meinen Hund trittst"
    Ich: "ich hab ihn nicht getreten, nur weggeschoben. Warum nehmen SIE ihren nicht an die leine, wenn er bissig ist?"
    Jetzt die total kluge antwort von ihm: "warum bellt DEINER???"
    Ich nur: "damit sowas nicht passiert, wie mit ihrem" (obwohl meiner noch nie aggressiv reagiert hat)
    Er dann irgend welche schimpfwörter (weiß nicht mehr was)
    Ich darauf reagiert... kann mich doch nicht grundlos beschimpfen lassen.
    Er dann: "das kannste zu DEINER ALTEN sagen" (autsch)
    Ich dann weiter gemeckert und am ende hat er nur gefragt, ob ich mich heut schon mal im spiegel betrachtet hätte... hab mich nur drüber kaputt gelacht, den Kopf geschüttelt und bin gegangen.

    Ich habe auch eine gute Erziehung genossen und bin immer sehr freundlich und zuvorkommend.. wie kann man so reagieren wie der Mann? Eigentlich hätte ich mit einer Entschuldigung gerechnet und nicht mit Schimpfwörtern.

    So, nachdem ich das geschrieben habe, geht es mir ein wenig besser.

    Liebe Grüße an das elles Team und an alle elles "Anhängerinnen"

    Samstag, 4. Oktober 2008 14:10
  • Michaela

    Permalink

    Wie wahr, wie wahr!

    Leider scheint die "gute Erziehung" den meisten Menschen abhanden gekommen zu sein. Ich versuche seit nunmehr fast 2 Jahren mein Haus zu verkaufen um mein Elternhaus kaufen zu können. Regelmäßig hatte ich Anzeigen in der Zeitung geschaltet.

    Kurzer Anzeige mit allen relevanten Daten, wie Baujahr, Größe, Preis etc.

    Nun denn, die meisten Leute die sich darauf meldeten erwähnten nicht einmal ihren Namen. Und fragten dann sofort nach der Anschrift. Man wolle erstmal daran vorbeifahren und sich dann eben wieder melden. Etwa 80 % meldeten sich nicht wieder. Ein Haus im "vorbeifahren" zu beurteilen ist bestimmt genauso sicher wie eine Diagnose beim Arzt nur per Händedruck....aber egal.....

    Die anderen 20 % riefen dann nochmals an und vereinbarten einen Besichtigungstermin.

    Man glaubt es kaum aber 10 % erschienen sogar zu den abgemachten Terminen. Alle schauten sich das Haus an, manche blieben noch kurz auf einen Kaffee oder ein Glas Wasser und alle sagten "Wir lassen uns das kurz durch den Kopf und melden uns dann in den nächsten Tagen so oder so bei Ihnen!"

    Nun dürfen alle mal raten, wieviele Leute sich wohl wieder gemeldet haben?

    Tatsächlich haben sich in den 2 Jahren 2 Leute nochmals gemeldet und mir abgesagt, aber immerhin haben sie sich gemeldet!!! Sogar eine alte Schulfreundin von mir (von der Grundschule bis zur 10.ten Klasse) hat sich nicht wieder gemeldet.

    Es gibt die Unhöflichkeit oder Gleichgültigkeit also auch in anderen Bereichen des Lebens. Langsam aber sicher verkommen viele in meinen Augen wichtige Werte, wie Höflichkeit, Respekt, Pünktlichkeit, Ehrlichkeit etc.

    Ich bin froh, dass ich eine gute Erziehung durch meine Eltern und Geschwister erfahren habe und versuche diese an meine Kinder weiterzugeben in der Hoffnung, dass zumindest etwas davon hängen bleibt.

    Liebe Grüße und allen noch ein schönes Wochenende,
    Michaela

    Samstag, 27. September 2008 17:34
  • angie.brand

    Permalink

    hallo fr.gogoll, sie sprechen mir aus dem herzen. ;) verstehen kann ich es auch nicht, man hat wohl heut zu tage die höfflichkeit in der schublade vergessen. es macht doch keine arbeit ,texte die man am computer schreibt, nachzulesen und zu überprüfen.man sitzt doch sowieso dran da kommt es doch auf die paar minuten nicht an. möchte selbst e-mails die mann oder frau mir sendet, lesen und verstehen können.wahrscheinlich gehn manche davon aus, das frau ein übermensch mit sechsten sinn ist und alles sofort erkennt was anderen wollen ;D tz..tz.gute idee mit dem buch: erst denken, dann senden

    viele liebe grüsse angie

    Samstag, 27. September 2008 16:11

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