Der Sonntagabend mit Anne Will

Jetzt hat sie es endlich geschafft, sie ist die Nachfolgerin von Sabine Christiansen: Anne Will.

Freunde sehen in ihr die unkomplizierte Rheinländerin, die laut lacht und feiert und für jeden Spaß zu haben ist.

. . . berichtet die »Berliner Morgenpost«.

Ja, das Problem haben wir Rheinländerinnen immer.
Ob nur die Freunde sie so sehen oder auch die Freundinnen?

Man weiß es nicht.

Weiter berichtet die »Morgenpost«:

Die neue First-Lady des Polit-Talks

In zwei Wochen ist es soweit. Dann wird im Ersten das Nachfolgeformat von Sabine Christiansen Premiere feiern. Die Sendung wird den Namen ihrer Moderatorin tragen: Anne Will.

Privates geht keinen etwas an

Ein intensives Gespräch über die eigene Person vermeidet Anne Will, das beginnt schon bei harmlosen Fragen. Es geht keinen etwas an, in welcher Gegend Berlins sie wohnt. Was sie gerade noch erzählt, ist, dass es schwer sein wird, künftig kein Wochenende mehr zu haben, sie sich aber freut über werktags mehr freie Abende seit dem Ende der Tagesthemen. Wie sie die Zeit nutzt, was sie über die Branche redet, wenn sie sich mit ihrer Freundin, der Medienexpertin Miriam Meckel unterhält, all das geht ihr zu weit.

Tja, das geht ja auch tatsächlich keinen etwas an.

Viel berühmter ist sie ja auch als die Frau geworden, die Gerhard Schröder (wer sich noch erinnert: Der war mal deutscher Bundeskanzler) in Bedrängnis brachte. Zum Vergnügen hier noch einmal nachzulesen in der »FAZ«. Seither gilt Anne Will als »die beste Interviewerin«.

Was passiert, wenn zwei starke Frauen zusammentreffen, konnte man bei Anne Wills Gespräch mit Angela Merkel beobachten, das – wie die »Süddeutsche« meinte – »eher ein Ringkampf war. Als sie nach neun Minuten fertig waren, hörte man ein Aufatmen auf beiden Seiten.«

Anne Will hat sogar einen Fan-Club, und dort wie überall wird die Art geschätzt, wie sie ihre Augenbrauen – eigentlich nur eine davon – einsetzt.

Verliest die Nachrichten-Sprecherin Anne Will Inhalte, die dem Menschen Anne Will gegen den Strich gehen, bekommt ihre Stimme einen unnachahmlich ironischen Unterton. Und wird es gar zu bunt, dann achtet auf ihre linke Augenbraue (vom Zuschauer aus rechts)! Niemand hebt so schön und vielsagend die Augenbraue wie Anne Will. Dafür lieben wir sie.
(Quelle: Anne Will Fanclub)

Und selbst die Zeitung »Die Welt« bedauert:

Anne Will moderierte zum letzten Mal die Tagesthemen. Ein großer Verlust für uns Zuschauer, ihr wissendes Lächeln wird fehlen. Und: Wessen Augenbrauen sollen wir in Zukunft überinterpretieren?

Wir wissen mittlerweile jede Bewegung ihrer überaus gelenkigen Augenbrauen oder ihres so unnachahmlich spöttischen Mundes zu deuten – oder bilden es uns wenigstens ein. Schon seltsam, dass wir für die Gesichtsregungen des Menschen, der direkt neben uns auf dem Sofa sitzt, mitunter weniger Aufmerksamkeit aufbringen als für das Lächeln einer Frau, mit der wir noch kein einziges Wort gewechselt haben. Zumindest keines, dass sie verstanden hätte. Und doch geben uns die Interpretationen ihrer Mimik das heimelige Gefühl, dass sie nicht für Millionen Zuschauer, sondern eigentlich nur für uns allein dasitzt.

Ich wünsche Anne Will jedenfalls den größten Erfolg und daß sie weiterhin die Nerven behält, denn das ist doch das Schwierigste in all diesem Medienrummel.

Und den Zuschauerinnen wünsche ich viel Spaß beim Zuschauen.

Denn das Hinschauen ist eine schöne Frau wie Anne Will allemal wert.

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Die Sendung »Anne Will« läuft ab dem 16. September um 21.45 Uhr jeden Sonntag in der ARD.

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Wer hat hier bereits Kommentare abgegeben?

  • Sehr hübsch, das Gedicht. :)
    Vielen Dank.

    Dienstag, 4. September 2007 15:40
  • Hallo el!es, zu Anne Wills Tagesthemen und ihrer Augenbraue hätte ich ein kleines Gedicht aus dem Alptraumschatz einer Souffleuse beizusteuern:
    "Ich hatte einmal einen Traum:
    Ich sitz genervt im Probenraum
    und langeweil mich wie ein Lurch,
    da kommt ein Anruf für mich durch.
    Am Telefon ist Uli Wickert.
    Es sei nach Hamburg durchgesickert,
    sagt er, (ich schweig mucksmäuschenstill),
    ich sei ein Fan von Anne Will.
    "Würd es Sie nicht mal intressieren,
    die Tagesthemen zu soufflieren?"
    fragt mich der große Medienherr,
    und schwupps bin ich beim NDR.
    Ich irre durch ein Labyrinth
    hellblauer Flure und befind
    mich plötzlich lampenlichterloh
    im Tagesthemen-Studio.
    Die Sendung läuft schon längst und live,
    ich schwitz und fühl mich urlaubsreif.
    Als "Vorsicht-Kamera-Versteck"
    such ich nervös ein dunkles Eck
    und überlege angestrengt:
    "Wie krieg ich mit, wann Anne hängt??"
    Die Fernsehfee spricht wie gedruckt,
    liest flüssig fehlerfrei und zuckt,
    so argusäugig ich auch schaue,
    nur mit der linken Augenbraue.
    Auf einmal unterbricht sie sich
    und richtet ihren Blick auf mich.
    Mein Herz schlägt einen Purzelbaum,
    ich wünsch, das wär nur'n boeser Traum
    und blättre wild in meinem Text,
    will helfen, doch's ist wie verhext,
    das Manuskript, seh ich voll Schreck,
    ist's Kochbuch von Herrn Biolek...!
    Ich kriege keinen Ton heraus
    und möchte schnurstracks schnell nach Haus.
    Herr Wickert hilft mir aus der Patsche:
    Es stört, wenn ich dazwischenquatsche,
    meint er, Soufflier'n macht zu viel Krach!
    Er bringt mich raus, und ich erwach
    und denk: Das hab ich schön versiebt,
    gut, daß es Teleprompter gibt!
    Aus: Cornelia Boese, Boese Träume, Buchverlag Peter Hellmund, Würzburg 2005

    Dienstag, 4. September 2007 14:25

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