Nur jede zehnte Frau will eine Chefin

Der Focus hat eine Umfrage gemacht, und das kam dabei heraus. Haben Alice Schwarzer und all die anderen Feministinnen also umsonst gekämpft?

Nun ja, nicht so ganz, denn ich denke, vor 30 Jahren wäre die Umfrage noch zu 100 Prozent zugunsten der Männer ausgefallen, weil es damals noch überhaupt keine Chefinnen gab – oder nur so wenige, daß man sie nicht als repräsentativ für eine Umfrage hätte heranziehen können.

Dennoch finde ich das Ergebnis erschreckend. Frauen sollten andere Frauen unterstützen, egal ob sie Chefin oder Arbeitnehmerin sind, aber offensichtlich bevorzugen Frauen – ich gehe mal davon aus, vor allem Heterofrauen – einen Mann als Chef. Vielleicht weil sie sich gern Männern unterwerfen? Und Frauen lieber bekämpfen, weil sie ihnen beim Mann ihrer Träume ins Gehege kommen könnten?

Ich finde das Ergebnis dieser Umfrage jedenfalls traurig, denn sie kam zu dem Resultat, daß die meisten Frauen lieber einen Chef haben wollen statt einer Chefin.

Allerdings fand die Umfrage auch heraus, daß es sehr von der eigenen Erfahrung abhängt, ob man einen Chef bevorzugt oder eine Chefin. Viele ArbeitnehmerInnen haben nämlich aufgrund der Gegebenheiten im Berufsleben noch nie eine Chefin gehabt, sondern immer nur einen Chef. Also können sie sich eine Frau als Chefin gar nicht vorstellen. Haben sie dann mal eine Frau als Chefin, steigt der Anteil derjenigen, die eine Chefin haben wollen, sprunghaft an.

Das heißt, daß in unserer Gesellschaft Frauen noch immer nicht zugetraut wird, eine gute Chefin zu sein, während Männer da Vorschußlorbeeren bekommen. Eine Frau muß erst beweisen, daß sie auch eine gute Chefin sein kann, bei Männern wird das vorausgesetzt, ohne daß sie es beweisen müssen.

Nun ja, das ist die übliche Sichtweise, also nichts Besonderes. Aber was immer wieder auffällt: Frauen sind wenig bereit andere Frauen zu unterstützen. Ein Mann als Chef wird sofort akzeptiert, eine Frau erst einmal mißtrauisch beäugt.

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  • Kristin aus N. am T.
  • Kristin aus N. am T.

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    Hallo Ruth,
    das ist wirklich eine interessante Auswertung. Auf der einen Seiten wird von uns Frauen bedauert, dass wir so wenig in Führungspositionen vertreten sind und auf der anderen Seite wollen aber weniger Frauen als Männer unter einer Frau arbeiten. Diese Feststellung hat doch aber auch etwas gutes, wenn wir sie aus einem anderen Blickwinkel betrachten. Schließlich wollen mehr Männer als Frauen durchaus eine Frau als Chefin haben. Tja und da die Männer im Wirtschaftsleben schon immer die Vorreiter waren, können wir wohl davon ausgehen, dass auch bald die Frauen die Vorteile einer Chefin zu schätzen wissen. So betrachtet sagt die Umfrage einen (zumindest für uns Frauen) positiven Trend voraus. Bald wird es hoffentlich egal sein, ob der Chef ´ne Frau oder ein Mann ist …ups Du als Sprachwissenschaftlerin würdest folgende Formulierung wohl treffender finden: Blad wird es hoffentlich egal sein, ob wir eine Chefin oder einen Chef haben.
    Zu diesem Thema fällt mir auch gleich unsere „oberste Chefin“ Frau Merkel ein. Ich kann Deine Ansicht diesbezüglich voll teilen. Ich mag sie als Person, distanziere mich aber von einigen Programmpunkten ihrer Partei. Ich glaube, dass die Mehrheit der Deutschen das so sehen und es stört niemanden mehr, dass wir eine Kanzlerin haben und keinen Kanzler. Ob aber die Beliebtheit von Frau Merkel darauf zurückzuführen ist, dass sie eine Frau ist, bezweifle ich. Sicher gibt es vorteilhafte Eigenschaften, die eher bei einer Frau zu finden sind als bei einem Mann. Das gilt aber auch umgekehrt und daher glaube ich, dass es sich wieder aufhebt. Ich denke oder hoffe wohl eher, dass sie um ihrer Selbstwillen gemocht wird. Und genauso hoffe ich, dass eines Tages die lästige Diskussion „Frau oder Mann“ nicht mehr aufkommt und solche Umfragen niemanden mehr interessieren.
    Das wäre ein schönes Schlusswort, aber ich muss noch ein paar Gedanken zu Frau Will loswerden. Ich habe vor einigen Tagen ein Interview mit ihr bei Reinhold Beckmann gesehen und war mal wieder ganz begeistert, nein nicht von Herrn Beckmann sondern von Anne Will. Sie ist so souverän und dabei trotzdem ganz natürlich. Eine schöne Mischung, die Frauen in Führungspositionen oft verlieren. Das kann den Frauen aber nicht wirklich zum Vorwurf gemacht werden, denn leider ist der Weg nach oben für eine Frau noch immer schwerer als für einen Mann. Da bleibt Natürlichkeit schon mal auf der Strecke. Hinzu kommt, dass bei fragwürdigen Entscheidungen einer Frau eher die Kompetenz abgesprochen wird als einem Mann. Ein Mann gilt dann meistens als knallhart, während bei einer Frau eher der Verdacht aufkommt, dass sie entscheidungsfremde Belange berücksichtigt hat. Aber es wird alles besser – vielleicht noch nicht gut – aber besser. Schließlich bin ich auch „karrieregeil“ und werde alles dran setzen, dass ich eine Chefin bleibe/werde, mit der meine Mitarbeiterinnen gern zusammenarbeiten.
    In diesem Sinne,
    bis bald,
    Kristin!
    P.S.: Danke für die ausführlichen Hinweise zum Schreiben eines guten Romans. Ich habe alle Tipps verinnerlicht…naja das mit dem Umsetzen wird sich ja zeigen ... irgendwann, wenn ich den Unterschied zwischen „dringend“ und „wichtig“ verstanden habe und auch danach handle!

    Donnerstag, 13. September 2007 12:17

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