Bundesverdienstorden für Bettina Böttinger und Ulrike Folkerts

Es ist zwar schon eine Weile her, aber trotzdem finde ich, man kann so etwas nicht oft genug erwähnen. Am 21. Juni haben Bettina Böttinger und Ulrike Folkerts den Bundesverdienstorden der Bundesrepublik Deutschland im Berliner Schloss Bellevue aus den Händen von Bundespräsident Horst Köhler erhalten.

Seit vielen Jahren treten sie couragiert für Minderheiten und Schwache der Gesellschaft ein, hieß es in der Begründung.

Wenn man selbst zu einer Minderheit gehört, wie wir Lesben es nun einmal zahlenmäßig sind, entwickelt man früh ein Gefühl dafür, was es bedeutet, nicht immer so akzeptiert oder beachtet zu werden, wie man es sich wünscht oder verdient hätte.

So engagiert sich Böttinger seit langem für den Verein medica mondiale, eine Frauen- und Hilfsorganisation, die traumatisierten Frauen und Mädchen in Krisen- und Kriegsgebieten hilft. Über den Verein burundikids e.V. trägt sie auf vielfältige Weise dazu bei, Waisenkindern aus einem der ärmsten Staaten der Welt eine Zukunftschance zu geben.

Die Schauspielerin Ulrike Folkerts setzt sich mit dem Aktionsbündnis Landmine.de für ein Verbot aller Arten von Landminen ein. Außerdem unterstützt sie als Botschafterin von burundikids e.V. den Bau einer Schule für Straßenkinder und ehemalige Kindersoldaten in Burundi und engagiert sich für Menschen mit Down-Syndrom.

Bettina Böttinger: »Ich freue mich über die Auszeichnung, die meinem Engagement für Projekte von Frauen für Frauen gilt. Was medica mondiale international gelingt, das bewirkt das Kölner Mädchenhaus im gesellschaftlichen Nahbereich: Schutzräume für Frauen und Mädchen zu schaffen. Solche Initiativen zu unterstützen, ist mir persönlich seit Jahren wichtig – und ich nehme den Bundesverdienstorden als Verpflichtung für die Zukunft.«

Wir vergessen oftmals, daß es viele Menschen auf der Welt gibt, denen es nicht so gut geht wie uns. Gerade Afrika gilt als der »vergessene Kontinent«. Es findet in unseren Medien kaum statt, außer wenn es Krieg oder Hungersnot mit grausamen Bildern vorzuzeigen gibt.

Aber auch das verschwindet schnell wieder. Denn eigentlich interessiert uns Menschen in Europa das nicht. Wir haben ja unsere eigenen Probleme.

Wenn eine große Katastrophe wie der Tsunami vor ein paar Jahren oder eben Hungersnöte unsere Aufmerksamkeit erfordern, schauen wir vielleicht nicht einmal richtig hin, sondern spenden nur. Wenn überhaupt.

Auch scheint es oft so, daß das Problem nach ein paar Hilfssendungen der UNO oder der EU wohl beseitigt sein müßte. So ist es aber nicht.

Die Menschen in vielen Gebieten hungern permanent – das können wir im gut versorgten Europa uns gar nicht vorstellen –, und permanent herrscht irgendwo Krieg, meist Bürgerkrieg zwischen verschiedenen Stämmen oder Religionsgemeinschaften.

Oftmals ist dies eine Folge der willkürlichen Aufteilung des afrikanischen Kontinents durch die ehemaligen Kolonialmächte. Damals wurde weder Rücksicht auf angestammte Stammesgebiete noch auf die Pfade der Wildtiere genommen, denen die Nomaden folgen, um sie zu jagen. Davon leben sie. Wenn sie dann plötzlich an einer Grenze stehen, verhungern sie.

Sicherlich, richtige Nomaden gibt es auch in Afrika nicht mehr viele, aber statt sich einmal darum zu kümmern, die falsche Aufteilung der Kolonialzeit zu beseitigen und jedem Stamm wieder sein eigenes Gebiet zu geben, ziehen sich die Kolonialmächte einfach zurück und überlassen die Auseinandersetzungen den Stämmen selbst.

Das führt zu Mord und Totschlag, denn die Landesgrenzen bestehen ja weiter.

Es engagieren sich einzelne, viele Prominente, aber auch viele, viele Privatleute, von denen man meistens noch nie etwas gehört hat, und versuchen besonders den Frauen und Kindern zu helfen, denn sie sind diejenigen, die am meisten unter diesen Zuständen leiden. Das allein genügt aber nicht. Es müßten grundsätzliche Änderungen erfolgen, Landesgrenzen, Stammesgrenzen, Religionsgrenzen müßten wieder angepaßt werden.

Das wird so schnell aber leider niemand tun.

So kann man nur wünschen, daß immer mehr Menschen sich wie Böttinger und Folkerts für einzelne Projekte einsetzen, damit wenigstens an der Basis geholfen werden kann. Gerade Schulen sind für Kinder und Jugendliche in Afrika besonders wichtig, denn sie sind fast überall Mangelware.

Vielleicht sollte man einmal ein paar unserer »Schulverweigerer« nach Afrika schicken, damit sie sehen, daß es eine Ehre und ein Privileg ist, zur Schule gehen zu dürfen, und das auch noch kostenlos. In Afrika muß jedes Kind beziehungsweise desssen Eltern Schulgeld bezahlen. Wer sich das nicht leisten kann, kann halt nicht zur Schule gehen – wenn es überhaupt eine Schule gibt.

Deshalb würde ich mich freuen, wenn möglichst viele Menschen Patenschaften für Kinder in solchen Gebieten übernehmen würden, damit die Kinder in ihrem Heimatland zur Schule gehen können.

Diese Kinder haben eine Chance verdient. Ohne Ausbildung werden sie nie eine haben.

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