Hochbegabung – Teil 3

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Eine Frage, die sich wohl die meisten stellen: Warum schreiben Hochbegabte nicht lauter Einser?

Gegenfrage: Können Klausuren Intelligenz wirklich wiedergeben?

Ist jemand intelligent, der auf sein Kurzzeitgedächtnis Buchseiten auswendig lernen kann? Ich kenne Menschen, die in Geschichte nur Einser hatten – und Nazis nicht von Kommunisten unterscheiden können. (Also, natürlich, die sind schon auch intelligent, wobei ich solche Menschen nicht für sonderlich clever halte ).

Das Schulsystem ist zudem nicht an die Bedürfnisse Hochbegabter angepasst. Aber auch nicht an die normal Begabter.

Aber zurück zu den Noten. Übrigens hasse ich Zahlen, die irgendetwas über einen Menschen aussagen sollen, und noch mehr diejenigen, die wirklich etwas darauf geben.

Und das ist schon das erste Problem: Der Konkurrenzkampf, sobald es um Noten geht, widert mich an. Ich will nicht besser sein als andere, aber gerade so etwas heben gute Noten und Lehrer, die das vor der Klasse herausposaunen, hervor. Ich war also mit Dreiern völlig zufrieden. Keiner war neidisch und bemitleidet wurde man auch nicht. Je nach allgemeinem Durchschnitt der Arbeit natürlich.

Der nächste Punkt: Wieso müssen Lehrer und Schulbuchautoren alles in »leicht« und »schwierig« einstufen? Okay, mich hat ja eigentlich keiner gezwungen darauf zu hören, aber ich tat es eben trotzdem.

Einmal war ich im Glauben, dass die Stegreifaufgabe wirklich als einfache Abfrage gedacht war und habe mir keine Gedanken gemacht. Ich war dann die einzige mit einer Eins und die anderen kamen weit hinter mir und hätten mich, nachdem die Lehrerin mich noch dermaßen gelobt hat – was ich nicht verstanden habe, die Arbeit war ein Witz – am liebsten gelyncht. Warum kann man da nie im Erdboden versinken?

Bei »schwierigen« Arbeiten habe ich immer nach tausend Haken gesucht. Die Fragestellungen ließen meistens zu viel Spielraum offen und ich habe die Aufgaben wesentlich komplizierter gemacht.

Die Fragen dürften für die meisten schon eindeutig sein. Vielleicht liegt es bei mir daran, dass ich auch immer neue Lösungswege suche und mehr von Fragen ausgehe, bei denen man selbst auch etwas überlegen soll, anstatt stur den Stoff der Stunde wiederzugeben.

Irgendwann bekam ich dann schon mit, was die Lehrer hören wollten. Wenn ich mir nicht sicher bin, gebe ich einfach mehrere Antworten in eine gepackt. Ich bekomme meine Punkte auf die »Schlagworte« und neben den Rest ein Fragezeichen und gut ist’s . . .

Ein Problem in Fremdsprachen war, dass meine damaligen Lehrer die Sprachen selbst nicht sicher beherrschten und von uns verlangten, ganze Buchseiten auswendig zu lernen. Gedichte kann ich schon mal auswendig lernen, aber bei sowas habe ich Probleme. Und sobald man in der Arbeit davon abwich, gab es weniger Punkte.

In Mathematik kam meistens alles mögliche zusammen. Blackouts, ungenaue Fragestellungen, mein Hang dazu, alles kompliziert zu machen – es sagt doch wirklich jeder, dass Mathematik schwer ist – und Schlamperei. Ich überspringe Schritte (aber es gibt nun mal hauptsächlich auf dem Weg Punkte), notiere gerade Schritt 3 und bin gedanklich schon bei Schritt 8. Das gibt eine Menge Flüchtigkeitsfehler . . .

Bis zur 10. Klasse hatte ich, bis auf seltene Ausnahmen, meistens Vierer und Fünfer. Es war hoffnungslos, meine Hausaufgaben waren meistens auch falsch.

Ein weiteres Problem: Ich komme nicht mit irgendwelchen Brocken klar, ich brauche immer das Gesamtbild.

Das ist mir in Sprachen zuerst aufgefallen. Sollte ich explizit nur die eine Grammatik beherrschen, ging es daneben, als die nächste dazu kam, die darauf aufbaute oder die anderen benötigte, konnte ich es auf einmal.

Und in Mathematik ist das meinem »Nachhilfelehrer« aufgefallen. In der 9. Klasse kam ich doch mal auf die Idee, meine Noten zu retten.

Mein Problem war, dass ich viel zu viele Fragen hatte, die Antworten aber zum Verständnis brauchte oder ich Theorien weiter entwickelte und die Bestätigung brauchte – und mich erst dann wieder auf die Sache konzentrieren konnte. Und ich musste lernen, dass keine Zauberei dahinter steckt.

Ich war selten so ausgeglichen und zufrieden wie nach meinen »Nachhilfestunden«. Endlich hatte ich etwas geleistet und kam voran. Der Student musste mich nur ab und an bremsen, zumal die Fragen Richtung Uni-Stoff gingen und ich ja erst mal die nächste Arbeit schaffen sollte. Es half in einer Arbeit auch wirklich, ich schaffte tatsächlich eine 2 – um mir dann vom Lehrer anhören zu müssen, dass das reines Glück war.

Mit dem Studenten hatte ich also noch alles in Grenzen gehalten und viel geübt. Leider musste er umziehen, die Lehrer in der Schule konnten mir Mathematik nach wie vor nicht richtig vermitteln, Fragen sollte man besser nicht stellen und dann noch meine Fehlzeiten.

Und außerdem macht es zu zweit viel mehr Spaß, also fand ich den nächsten Nachhilfelehrer. Ich hatte ungefähr vier Wochen Stoff in Physik und Mathematik verpasst. Nach zehn Minuten hat er mich gefragt, warum er überhaupt da ist. Ich habe einfach immer noch irgendwelche Haken gesucht. Wir haben bald weniger Mathematik gemacht, sondern mehr mein Selbstbewusstsein darin getrimmt. Und es hat irgendwie gut getan sich in Mathematik auszutoben. Ich rechne nicht stur x Aufgaben, das langweilt mich. Sobald ich weiß, wie etwas funktioniert, will ich darauf aufbauen oder zum nächsten.

Mathematik gehört für mich zu den Geisteswissenschaften und ist eine reine Spielerei, die aber die Welt erklären kann.

In Deutsch wurde es auch noch interessant. Ich hatte in meiner Schullaufbahn 16 Deutschlehrer (in einem Jahr vier verschiedene) und zwei davon wussten, was sie tun. Einen Monat lang hatten wir abwechselnd zwei Lehrer, die sich gegenseitig andauernd widersprochen haben und wir durften es ausbaden. (»Das kann nicht sein, dass Frau . . . das gesagt hat!« – »So primitiv würde Herr . . . doch nie schreiben!«). In der Schulaufgabe wusste wirklich keiner mehr, was man jetzt schreiben sollte . . .

Abgesehen von meiner Religionslehrerin habe ich mit keinen Lehrern mehr gestritten.

In der 7. Klasse hatte ich einen Lehrer, der wirklich alles übertroffen hat. Rechtschreibung war nicht seine Stärke, Grammatik ist auch so ’ne Sache und mit Sätzen, in denen 2 Nebensätze vorkamen, war er so überfordert, dass er sich einen Plan (!) an die Tafel zeichnen musste. Manchmal hat er wirklich einen völligen Stuss erzählt.

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