Der männerfeindliche el!es-Verlag ;-)

Manchmal bekommen wir schon komische Manuskripte angeboten: Heteromanuskripte. Immer wieder versuchen Männer und auch Heterofrauen, uns so etwas unterzujubeln. Geht natürlich nicht, weil wir sind ja ein lesbischer Verlag, aber gestern ist bei so einer Manuskripteinsendung etwas wirklich Lustiges geschehen.

Uns wurde ein Manuskript zum Thema Männer und Frauen angeboten – von einer Heterofrau selbstverständlich. Eine Art Fragebogen, mit dem eine Frau herausfinden können soll, ob der Mann, den sie sich ausgesucht hat, auch auf die Dauer der richtige für sie ist. 150 Fragen – die armen Männer, kann ich da nur sagen. Heterofrauen sind wirklich anspruchsvoll –, die die Frau dem Mann stellen soll.

Die Autorin hatte das Ganze in verschiedene Kurzgeschichten und andere Texte verpackt und meinte, das wäre für »jede Frau« interessant. Dabei hat sie natürlich übersehen, daß so etwas nur und ausschließlich für Heterofrauen interessant ist (und vielleicht auch für Bi-Frauen), aber auf keinen Fall für Lesben. Wie üblich schrieben wir eine freundliche Absage, daß wir nur lesbische Bücher veröffentlichen und ein Heterobuch für uns leider nicht in Frage kommt.

Die Antwort der Autorin war filmreif. Sie schrieb, sie fände es schade, aber ob wir es uns nicht noch einmal überlegen wollten, denn das Buch wäre »sehr männerfeindlich«.

Ich bin fast in einen Lachanfall ausgebrochen, als ich das gelesen habe. Anscheinend meinte die Autorin das wirklich ernst und war davon überzeugt, daß wir männerfeindlich sind – vermutlich deshalb, weil sie denkt, Lesben wären deshalb lesbisch, weil sie Männer hassen.

Tja, da muß ich nun sämtliche Heterofrauen enttäuschen, die das denken. Ich war noch nie männerfeindlich, die meisten Lesben, die ich kenne, auch nicht. Ich mag Männer genauso gern wie Frauen (wenn die Männer bzw. die Frauen nett sind. Das hängt ja immer von jeder Einzelperson ab), ich verliebe mich nur nicht in Männer und schlafe nicht mit Männern.

Also, liebe Heterofrauen, wenn Ihr einen männerfeindlichen Text habt, bitte schickt ihn an einen Heterofrauenverlag (Brigitte oder so). Bei uns seid Ihr da an der völlig falschen Adresse. Ich glaube, nur Heterofrauen wissen wirklich, was Männerfeindlichkeit ist. Die haben damit (wie man auch an dieser Manuskripteinsendung einer Hetera sieht) wesentlich mehr Erfahrung als wir.

Was mich allerdings auch immer wieder erschreckt bei solchen Vorkommnissen, ist der Eindruck, daß sich das ganze Leben von Heterofrauen anscheinend nur um Männer dreht, positiv wie negativ. Heterofrauen scheinen sich mit nichts anderem zu beschäftigen als wie sie den richtigen Mann finden können, wie sie ihn behalten können, wie sie ihn fertigmachen können. Gibt es denn für sie nichts anderes im Leben, was wichtig ist?

Das finde ich schon sehr schade, denn dadurch beschränken Heterofrauen ihre Lebensqualität doch sehr, wie mir scheint. Würden sich diese Frauen mehr um sich selbst kümmern statt immer nur um Männer hätten sie vielleicht mehr vom Leben.

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Wer hat hier bereits Kommentare abgegeben?

  • Nicole
  • Lilyane
  • K.
  • Julia Arden
  • Ruth Gogoll
  • Martina
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    Hätte man nicht umschreiben können? Einen Fragebogen, mit dem eine Frau herausfinden kann, ob die, die sie sich ausgesucht hat, auch auf die Dauer die richtige für sie ist.

    Ja, genau das haben wir der Autorin auch vorgeschlagen, so ein Buch hätten wir sofort gemacht, das fänden wir lustig, aber das wollte die Autorin wohl nicht, denn auf unseren Vorschlag hin hat sie sich nicht wieder gemeldet.
    Also falls irgendeine Lesbe Lust hat, so ein Buch zu schreiben, bitte, nur her damit, das veröffentlichen wir sofort. :)
    Und im übrigen: Ist das hier eine lesbische Seite oder eine Heterofrauenseite? Wir sind alle Lesben, und wir haben alle unsere Erfahrungen mit Heterofrauen gemacht, meistens keine sehr angenehmen. Also wird es doch wohl auch erlaubt sein, mal ein bißchen über Heterofrauen zu lästern. :)

    Mittwoch, 24. September 2008 21:13
  • Nicole

    Permalink

    Lesben ziehen auch oft genug übereinander her, sobald eben nicht die Partnerin in der Nähe ist und lassen dieselben Sprüche wie Männer los, deswegen glaube ich nicht, dass das irgendwas mit der Sexualität zu tun hätte. Nur fällt den Frauen meistens noch rechtzeitig ein, dass sie schlecht frauenfeindlich sein können.

    Es hängt einfach auch mit der Verteilung zusammen, denke ich. Während sich in der Homo-Szene viele verschiedene Typen konzentrieren, können sich über die Heteros eben mehr Dinge "verteilen", dann werden manche Aspekte vielleicht auffälliger, sind aber in der Schlußrechnung vermutlich nicht häufiger vertreten als bei uns.

    Und irgendwie bin ich lieber in einem Raum voll Heterofrauen, die über Männer herziehen, aber ich kann sicher sein, dass nicht die Hälfte von ihnen untereinander miteinander fröhlich ins Bett gesprungen - oder was sich anbot - ist.
    Heteros thematisieren ihre Sexualität eben über die Männerfeindlichkeit, während die Lieblingsthemen der Lesben das Coming-Out oder nicht-Coming-Out und sexuelle Vorlieben sind ... so viel zum Thema Banalität ...
    Und zum Thema "unvoreingenommen aufeinander zugehen": das klappt unter den Heteros eben so gut, wie es unter Lesben klappt, da kommt es mir bald schlimmer vor. Lesben müssen andauernd die Panik haben, dass es zu wenige von ihnen gibt, da kann man ja oftmals nicht mal ein normales Gespräch führen.

    Und außerdem gilt ja auch der Satz, was sich liebt, das neckt sich ... (außer es artet in wirklich böser Männerfeindlichkeit aus). Würden es ja wirklich alle so ernst meinen, gebe es ja bald gar keine Paare mehr.

    Ich glaube auch nicht, dass Männer und Frauen wirklich so unterschiedlich sind, wie es immer behauptet wird, da ist doch viel Meinungsmache und Erziehung dahinter ...

    Mittwoch, 24. September 2008 19:28
  • Lilyane

    Permalink

    Verzeihen Sie Frau Gogoll, wenn ich Frau Arden zustimme.
    Mir scheint als würden hier jetzt alle Heterofrauen über einen Kamm gestrichen werden, das wäre so, wie wenn man sagen würde alle Lesben seien Kampflesben. Und das wolle wir ja schließlich auch nicht hören, oder? Ich finde das klingt hier jetzt alles doch sehr heterofrauenfeindlich. Ich stimme Ihnen insoweit zu, dass ein Lieblingsthema von Frau durchaus Männer sind, aber ich kenne genügend Lesben die sich auch schon darüber beschwert haben, dass ihre Liebste nicht den Müll runter bringt.... 8)
    Lilyane

    Mittwoch, 24. September 2008 18:53
  • Hätte man nicht umschreiben können? Einen Fragebogen, mit dem eine Frau herausfinden kann, ob die, die sie sich ausgesucht hat, auch auf die Dauer die richtige für sie ist. Die 150 Fragen könnte man wahrscheinlich in ähnlicher Form übernehmen. Und ein Verkaufsschlager könnte es auch werden.;o)

    Mittwoch, 24. September 2008 18:46
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    . . . ist nicht gut, sondern »gut gemeint«. ;) Diese Heterofrau hat das absolut nicht böse gemeint, sie ist einfach nur naiv und weiß eben nicht Bescheid. Das Unglück vieler Heterofrauen beruht glaube ich darauf, daß sie nicht Bescheid wissen, insbesondere nicht über Männer Bescheid wissen. Eigentlich interessieren sich die meisten Heterofrauen gar nicht für Männer, jedenfalls nicht dafür, wie ein Mann wirklich denkt oder was ihm wirklich wichtig ist. Das sehe ich immer wieder an den Reaktionen der Frauen.

    Wenn man in einen Raum mit Heterofrauen kommt, was ist nach kurzer Zeit das Thema? Männer.
    Daß Männe nicht den Müll rausbringt, wenn er soll, daß er nicht genügend Zeit für seine Frau und seine Kinder hat, daß er zu viel arbeitet und dann samstags auch noch auf den Fußballplatz geht, daß er Geld für unwichtige Dinge wie ein teures Auto rauswirft . . . und, und, und.

    Da frage ich mich dann jedes Mal, wen glauben diese Frauen eigentlich geheiratet zu haben? Eine Frau? Wenn sie einen Mann heiraten oder mit einem Mann zusammen sind, warum akzeptieren sie dann nicht einfach, wie er ist? Und lassen ihn so sein, wie er ist?

    Nein, dann schreibt man lieber männerfeindliche Bücher. Oder redet zumindest männerfeindlich, wo und wann immer man kann und mit anderen Frauen zusammen ist.

    Warum sind diese Frauen mit Männern zusammen, frage ich mich dann immer, wenn sie doch so viel an ihnen auszusetzen haben? Wären sie da nicht glücklicher allein oder mit einer Frau? Was mich daran stört, ist, daß diese Frauen nie darüber nachdenken, warum sie so oft und so viel das Bedürfnis haben auf Männern herumzuhacken. Sie halten es einfach für normal, daß sie über Männer herziehen, wenn eine Runde Heterofrauen zusammenkommt. Die Ursachen erforschen sie nie.

    Ich persönlich wüßte immer gern, warum etwas so ist, wie es ist. Aber diese Frauen interessiert das nicht, und das ist eben schade. So wird sich nämlich nie etwas ändern.

    Natürlich gibt es auch Heterofrauen, die durchaus nachdenken. Aber meistens kommen sie dabei zu keinem Ergebnis, weil sie eben immer erwarten, daß der Mann sich ändert.

    Liebe Heterofrauen, seid Ihr auch schon mal auf den Gedanken gekommen, daß Ihr auch manchmal ätzend seid und Euch deshalb vielleicht selbst ändern solltet? ;D (Wir Lesben sollten es wissen, denn wir haben ja oft genug mit Heterofrauen zu tun, die sich uns gegenüber auch nicht besonders nett verhalten, wenn wir uns zum Beispiel in sie verlieben. Da kann man mit den Männern schon mitfühlen und nachvollziehen, was sie manchmal mit Heterofrauen mitmachen.)

    Mittwoch, 24. September 2008 11:04
  • Julia Arden

    Permalink

    Also ich finde jetzt wird hier etwas einseitig hart mit den Heterofrauen umgegangen. Es gibt durchaus (eine Menge) Frauen, die ganz normal und trotzdem nicht lesbisch sind.
    Es ist doch immer so, dass jede Art ihre Extreme hat, sowohl poitiv als auch negativ. Das gilt bei Frauen und Männern, Heteros und Homos, Einheimischen und Zugewanderten, Städtern und Dörflern usw.
    Diese Autorin, die dem Verlag was gutes tun wollte, in dem sie männerfeindliche Geschichten anbot, hat eben einfach nur keine Ahnung. Und - für sie selbst am bedauerlichsten - ein offenbar völlig unzufriedenes Leben. Mir tut die Frau leid.
    Julia Arden.

    Mittwoch, 24. September 2008 1:51
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    Ja, dem kann ich nur zustimmen. Ich bin sehr, sehr froh, daß ich als Lesbe geboren wurde und mich nicht ständig mit solchen Banalitäten herumschlagen muß, wie es Heterofrauen offensichtlich tun. Ich kann ganz entspannt auf Männer zugehen und sie nett finden oder nicht, das scheint für Heterofrauen unmöglich zu sein. Sie akzeptieren Männer nie so, wie sie sind, sondern wollen sie immer ihren eigenen Wünschen anpassen. Und dann sind sie enttäuscht, wenn das nicht klappt. Vielleicht sollten sie einmal über ihre eigenen Ansprüche nachdenken – aber das darf man einer Heterofrau ja nicht sagen. ;)

    Dienstag, 23. September 2008 15:02
  • Martina

    Permalink

    Liebe Frau Gogoll, ich fand Ihren Artikel absolut spitze, getopt wird er nur noch von der Antwort dieser Autorin :D
    Ich glaube, ich als Lektorin oder Verlegerin wäre schlichtweg vom Sessel gekippt! ;)
    Manchmal kommen Menschen schon auf die verrücktesten Ideen.
    Vielleicht sollte ich meine Freunde einmal fragen, was sie davon halten, dass ich sie im Grunde hasse...
    Wie gut, dass es uns Lesben gibt, die noch wissen, wie man das Leben wirklich lebt 8)

    Herzliche Grüße
    Martina

    Dienstag, 23. September 2008 13:24

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