Mamma Mia!

Gestern waren meine Frau und ich nach langer Zeit mal wieder im Kino. Wir haben das Musical »Mamma Mia!« gesehen, und die vielen alten ABBA-Songs waren wie eine Zeitreise in die Jugend zurück.

Die Geschichte selbst ist eher uninteressant. Der Plot dient nur dazu, die Songs einen nach dem anderen abzuspielen. Meryl Streep und Pierce Brosnan als Hauptdarsteller, die in die Jahre gekommen sind – sie Mutter einer 20jährigen Tochter, die gerade heiraten will (wer kommt auf die verrückte Idee, mit 20, als halbes Kind, zu heiraten?) und er der potentielle Vater (es gibt aber noch zwei andere Bewerber um den Posten, weil die Figur, die Meryl Streep spielt, mit allen drei Männern fast zur gleichen Zeit geschlafen hat und nicht weiß, wer von den dreien der Vater ist. Die Tochter will es aber nun wissen, denn sie ist ohne Vater aufgewachsen und hätte gern einen) – sind jedoch absolut glaubwürdig.

Der Lack ist ab, die Jugend vorbei, aber »Mamma Mia!« zeigt, daß auch ein Leben über 40 (oder 50) möglich ist. Wir wissen das alle, wir, die wir älter sind, aber Jugendliche können sich das wohl nicht vorstellen. Leider ist die jugendliche Hauptdarstellerin in dem Film ein Flop, völlig farblos und durchschnittlich, das einzige, was sie ist: sie ist jung. Gerade in diesem Film sieht man, daß das allein nicht reicht. Sie will unbedingt heiraten, obwohl sie noch nichts vom Leben gesehen hat, will eine »große weiße Hochzeit«, hat keine Ahnung, was das überhaupt bedeutet und welche Konsequenzen das hat.

Die Mutter hingegen, von Meryl Streep überzeugend als gealtertes Blumenkind dargestellt, hat nie geheiratet und hält sich und ihr kleines Hotel auf einer griechischen Insel samt Tochter knapp so über Wasser. Ständig ist sie in Latzhosen und mit Bohrmaschine unterwegs, um die dringendsten Reparaturen vorzunehmen, und wenn sie an einer Stelle etwas repariert hat, geht etwas an einer anderen Stelle kaputt. Sie weiß nicht, wie sie ihre Rechnungen bezahlen soll.

Und dennoch hat man das Gefühl, daß sie auf dieser griechischen Insel, mit all der Sonne und dem Meer, besser lebt als die meisten von uns, auch wenn sie von morgens bis abends arbeiten muß und keine Rente, keine Sozialversicherung, keine Arbeitslosen- oder Krankenversicherung hat. Irgendwie klappt es trotzdem.

Das ist die positive Aussage des Films, die alle paar Minuten von einem alten ABBA-Song unterstützt wird: Es klappt immer irgendwie. Es ist anstrengend, man hat vielleicht kein Geld, aber man hat immer noch sich selbst und sein eigenes Leben, über das man bestimmen kann.

Und dann die Songs und die Darsteller, die in freakigen 70er-Jahre-Kostümen zur Hochzeit der Tochter auftreten, Meryl Streep und ihre beiden Freundinnen aus Hippie-Zeiten singen »Dancing Queen« so überzeugend, daß man durch die Plateausohlen den Schalk blitzen sehen kann. Die Textzeile »She''s only 17« wirkt, als hätte sie die drei sich im mittleren Alter befindenden Frauen gerade wieder in das beschriebene jugendliche Alter versetzt.

Es ist einfach nur schön, sich wieder jung zu fühlen, sich zurückversetzt zu fühlen in eine Zeit, in der man alles noch viel intensiver erlebt hat und vieles zum ersten Mal. Eine Zeit, in der man keine Verantwortung hatte, in die Disco tanzen ging zur Musik von ABBA und die Stimmung immer auf dem Höhepunkt war.

Es ist diese Intensität, die die Songs von ABBA auch heute noch populär macht, nach so vielen Jahren. Und in diesem Film, kombiniert mit der wunderbaren griechischen Sonne, die sich auf den Wellen des Mittelmeeres spiegelt (der Film wurde wohl auf Kreta gedreht), kommt die Zeitlosigkeit dieser Songs noch mehr zum Tragen.

Ich dachte jedenfalls für kurze Zeit, ich wäre tatsächlich wieder 17, habe mitgesungen und hätte am liebsten mitgetanzt, wenn Meryl Streep wie ein Teenager über die Leinwand fegt und Alterslosigkeit demonstriert.

Man kann den Alterungsprozeß nicht aufhalten, aber im Kopf kann man jung bleiben, mit Musik und Bewegung und ständig neuen Eindrücken, mit Lesen und fremde Länder besuchen, Menschen und Mentalitäten.

Oder man schaut einfach »Mamma Mia!« an.

 

 

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Wer hat hier bereits Kommentare abgegeben?

  • Andrea
  • Dorén
  • Andrea

    Permalink

    Hallo Zusammen!!
    Ich habe den Film auf dem Flug von Bangkok nach Dubai gesehen. Um mich rum nur Menschen, die bestimmt noch nie was von Abba gehört haben, oder zumindest nichts von "Mama Mia"! Ich hatte also die Knöpfe auf den Ohren, der Film hat mich so mitgerissen, das ich natürlich auch mitgesungen :-[ habe!! Ich muss immer noch über die Blicke grinsen die mich getroffen haben. Auf dem Weiterflug von Dubai nach Frankfurt, habe ich mir den Film gleich nochmal angesehen. Diesmal ohne das ich mich in den Songs geübt habe. Und mir ging es genauso. Meryl Streep, hat es so toll rübergebracht, das man sich wirklich wieder wie 17 gefühlt hat. Nicht das ich der Zeit nachtrauere, aber vielleicht ein wenig der Spontanität und der Unbedarftheit, die man damals so hatte. Schön das ich diesen Film gesehen habe, schön das man wieder an die Zeit erinnert wurde, der Film es geschafft hat das man, in diesem Fall breit grinsend, aus dem Flugzeug gestiegen ist.
    LG

    Donnerstag, 25. Juni 2009 14:42
  • Dorén

    Permalink

    Ich habe vor ein paar Wochen Mamma Mia! im Kino gesehen. Ich bin noch keine 30 und liebe die Songs von Abba, daher war der Film ein Muss für mich.
    Besonders berührt hat mich die Interpretation des Songs "The winner takes it all". Meryl Streep war überwältigend und mir schossen die Tränen in die Augen.
    Ein Film, der mich beschwingt aus dem Kino gehen ließ. Was fürs Herz und jede Menge Humor. Meryl Streep ist nach wie vor eine großartige Darstellerin.

    Mittwoch, 1. Oktober 2008 2:29

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