Neckermann macht''s möglich

Meine Mutter hatte vor kurzem einen Herzinfarkt und mußte nach der Behandlung im Krankenhaus in eine Reha-Klinik. Dort schlug das Wetter um, und sie hatte keine warmen Sachen dabei. Also bestellte ich für sie ein paar Pullover beim Versandhaus Neckermann. Ich wußte nicht, daß dies der Anfang einer Odyssee werden würde . . .

Der Slogan »Neckermann macht''s möglich« stand früher für etwas Positives, er sollte bedeuten, das Versandhaus Neckermann, dessen Besitzer der immer korrekt und elegant angezogene Dressurreiter Josef Neckermann war, ermöglichte es, daß die Kunden das bekamen, was sie sich gewünscht hatten – alles und jederzeit.

Ein gutes Prinzip, das auch lange Jahre aufging. Neckermann hatte einen guten Ruf, Josef Neckermann eilte mit seinen Pferden von Goldmedaille zu Goldmedaille – alles Friede, Freude, Eierkuchen.

Aber wie das immer so ist: Irgendwann einmal ist alles wieder anders. Neckermann wurde von einem anderen Versandhauskonzern übernommen, der alte unternehmerische Geist eines Josef Neckermann ging mit seinem Tod verloren.

Und heute? Sollte man lieber nicht bei Neckermann bestellen . . .

Die Geschichte ging so: Da sich meine Mutter in der Reha befand und die Pullover schnell brauchte, wollte ich eine Bestellung aufgeben, die innerhalb von 24 Stunden ausgeliefert wird. Neckermann bietet so etwas auf seiner Webseite an. Als ich das aber dann machen wollte, erklärte mir eine Meldung auf der Seite, daß das nicht ginge, sondern nur für Kunden möglich wäre, die bereits ein Konto bei Neckermann besitzen.

Ich hatte natürlich keins, denn ich bestelle sonst nicht bei Neckermann. Was diese Regelung soll, ist auch unklar. Hat Neckermann noch nie etwas von »Sofortüberweisung« oder »PayPal« gehört? Diese beiden Zahlungsarten sind in unserem Shop, dem el!es-Webshop, gang und gäbe, und wer eine Expressbestellung aufgeben will, kann sie nutzen. Das Geld ist dann innerhalb von Minuten bei uns, und wir können die Bestellung verschicken.

Ein kleines Unternehmen wie unseres kann so etwas anbieten, ein großes Unternehmen wie Neckermann nicht? Das ist doch sehr verwunderlich.

Nun gut, es gab zumindest noch die Möglichkeit, per Kreditkarte zu bezahlen, und da die Mutter meiner Frau bereits ein Konto bei Neckermann hatte, ließ sich die Bestellung tätigen. Dabei ergab sich ein weiteres Problem. Die Sachen sollten ja an die Reha-Klinik gehen, in der meine Mutter sich befand, Neckermann bietet bei der Online-Bestellung die Möglichkeit, die Adresse in ein separates Feld einzutragen, aber leider erschien dieses Feld dann später nicht mehr auf der Bestellung, obwohl es online als Eingabefeld angeboten wurde.

Da fragt man sich doch, welche Hinterhofprogrammierer Neckermann beschäftigt. Haben sie nicht genügend Geld, um ordentliche Programmierer einzustellen? Wenn so etwas bei einem kleinen Unternehmen wie el!es geschieht, liegt das daran, daß wir kein Geld haben, Leute einzustellen, und alles selbst machen müssen, was wir kaum schaffen. Aber das trifft ja wohl kaum für Neckermann zu. Wenn Neckermann also ein kleines Unternehmen wie unseres wäre, wäre man da kulant. Klar, der Chef macht das alles selbst, da kann schon mal etwas schiefgehen. Aber bei Neckermann sollte so etwas nicht geschehen.

Ich schrieb also eine Mail an Neckermann, ob die Sendung denn richtig zugestellt würde, wenn der Name der Klinik gar nicht auf der Bestellung erscheint, und Tage später erhielt ich die Antwort, ja, sie hätten die Adresse jetzt per Hand(!) auf dem Adressaufkleber eingetragen und würden das richtig zustellen. Gleichzeitig teilten wir auch dem Webmaster von Neckermann mit, daß er da bei dem Eingabefeld vielleicht eine Korrektur vornehmen müßte, damit es erscheint, weil wir wissen, daß man das manchmal nicht merkt, wenn man nicht selbst Kunde ist. Allerdings hat sich da bei Neckermann bis heute nichts getan, der Fehler wird wohl bis in alle Ewigkeit bestehen bleiben.

Bis dahin dachte ich noch, na ja, kann ja mal passieren, daß etwas nicht klappt, aber die Ware traf dann auch zwei Tage später bei meiner Mutter ein. Es hätte alles gut werden können, aber leider paßten die Sachen meiner Mutter nicht, sie waren zu groß.

Das war schade, aber es gibt ja die Möglichkeit des Umtauschs. Also schickte meine Mutter die Sachen mit der Bitte um Umtausch in eine kleinere Größe an Neckermann zurück.

Es kam eine Mail von Neckermann (an mich, denn ich hatte die Sachen ja bestellt), daß die Rücksendung der Ware eingetroffen wäre. Kein Wort von Umtausch.

Also schrieb ich wieder an Neckermann, ob das mit dem Umtausch denn nun klargehen würde, da ich nur eine Nachricht über eine Rücksendung erhalten hatte.

Die Antwort war eher geheimnisvoll, wenn auch freundlich. Ein Herr Knecht (was für ein bezeichnender Name! ) teilte mir mit, daß sie die Ware erneut versenden würden, wenn ich ihnen den Geburtstag(!) meiner Mutter angeben würde.

Merkwürdig, merkwürdig, aber nun ja, der Geburtstag ist kein Geheimnis, also tat ich es. Ein paar Tage später erhielt ich erneut eine Mail von Herrn Knecht, das wäre nun alles gar nicht nötig gewesen, die Retourenabteilung von Neckermann hätte die Ware schon versendet.

Gut, dachte ich, dann ist ja alles in Ordnung, aber dann las ich weiter, und da stand, daß ich eine Rechnung erhalten würde, die ich dann begleichen könnte.

Wie bitte, dachte ich, Rechnung? Ich habe das doch schon alles per Kreditkarte bezahlt. Das schrieb ich auch Herrn Knecht.

Keine Antwort, aber ein paar Tage später traf die Rechnung ein. Und heute sah ich auf meiner Kreditkartenabrechung, daß Neckermann den Betrag auf meine Kreditkarte zurückgebucht hat, aber nicht den vollen Betrag, sondern ca. 10 Euro weniger. Ich soll also jetzt die Rechnung voll bezahlen, obwohl mir diese 10 Euro fehlen.

Ich will mich nicht um 10 Euro streiten, und außerdem sind die Sachen für meine Mutter, also ist es mir das wert, aber warum Neckermann bei einem Umtausch das Geld nur teilweise zurückerstattet, dafür aber per Rechnung ein zweites Mal verlangt, wird wohl ewig das Geheimnis von Neckermann bleiben.

An dieser Geschichte kann man jedenfalls sehen, wie ein ehemals großes und angesehenes Versandhaus herunterkommen kann. Heutzutage macht Neckermann wohl nichts mehr möglich, oder wenn, dann nur Ärger. Wirklich schade. Auf jeden Fall war das wohl meine letzte Bestellung bei Neckermann, denn diesen Aufwand tue ich mir nicht noch einmal an und bezahle dann auch noch extra dafür.

Aber so ist das halt: Wenn man etwas schnell haben will, zahlt man oft hinterher dafür drauf . . .

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Wer hat hier bereits Kommentare abgegeben?

  • Jakesch
  • Krupp
  • DEEE
  • Jakesch

    Permalink

    Per Vorkasse bezahlt und dann kamm die Ware leider nicht wie bestellt also zurückgeschick und dann kann das große Erwachen Retouren bei Neckermann dauern 30 Tage ohne das sich jemand meldet Frech werden die Mitarbeiter und Weiter passierte nichts.

    Ware wird noch gesucht Fahre nun persönlich dahin und suche meine Ware.

    Freu mich schon.-)

    Dienstag, 10. Januar 2012 14:45
  • Krupp

    Permalink

    Hatte gestern - nach 30 Jahren (!!) - zum 1.mal meine Bestellung mit Kreditkarte bezahlen wollen - Lieferung in ca. 6 wochen !! - und die wollten sofort von der Karte abbuchen. Früher hatte ich immer auf Rechnung mit Zahlung 14 Tage n a c h Lieferung. bei meinem heutigen Anruf bei der Hotline wurde ich von einem agressiven "Berater" dermaßen beleidigt, dass ich nun nicht mehr bei diesem auf Arcandor-Kurs laufenden Versand bestellen werde. Aber zur "Geschichte" selbst: Nach meiner Bestellung mit Angabe der Mastwer-Card wurde diese umgehend gesperrt, da scheinbar eine andere Institution von Neckermann beauftragt wird, die Konditionen zu überprüfen. Nach Anruf bei meiner Bank wurde mir mitgeteilt, dass meine Kreditkarten-Nr. aufgrund der Transaktion (Neckermann, oder wer auch immer) gesperrt wurde und ich noch heute eine n e u e Nr. bekäme, da die alte Nr. aufgrund versuchter Neckermann-Abbuchung beendet werden mußte. - Habe nun den Auftrag bei Neckermann storniert und weiß nicht, was bei denen "los" ist.Jedenfalls war der Kundenberater eine Frechheit ohne gleichen. Aber scheinbar wußte der über die Problematik und wollte mich daher verunsichern bzw. sich "reinwaschen".

    Dienstag, 19. Oktober 2010 14:56
  • DEEE

    Permalink

    Ich habe bei Neckermann auch was erlebt, was ich nie für möglich gehalten hätte. Ich wollte online bei denen eine Digitalkamera zu einen sehr günstigen Preis bestellen. Als Zahlungsbedingung wurde mir nur Rechnung oder Finanzierung angeboten. Kein Problem, habe natürlich Rechnung genommen und bestellt.

    Nach einigen Tagen erreichte mich ein Brief, dass ich nicht auf rechnung bestellen könnte, ich solle mich bei der Hotline melden. Bei der Hotline sagte man mir, dass ich das Produkt nur online auf Kreditkarte bestellen könnte, was aber auch nicht ging weil die Bestellung über Kreditkarte online überhaupt nicht angeboten wurde.

    Nach längerem Hin- und Her stellete sich heraus, dass der Kamerahersteller keine Bestellung über Kreditkarte wünscht und man nur über Rechnung bestellen könnte, was mir ja schon per Brief verweigert wurde. Faktisch war die Kaemra also für mich unbestellbar. Vorkasse wäre auch nicht möglich, mal hiess es auch, die Kamera wäre ausverkauft.

    Letztendlich sollte ich dann doch das Geld vorab an neckermann überweisen und dann eine Woche warten, um dann per Telefon die Bestellung freigeben zulassen. Habe natürlich bei einem anderen Onlineshop bestellt. War sogar 5 Euro günstiger.

    Mein Fazit: Wenn Neckermann keine Kunden haben will, dann sollen sie halt auch keine mehr bekommen. Ich hatte als langjähriger Kunde nie Probleme mit Neckermann gehabt. Auch Bestellungen auf Rechnung waren nie ein Problem gewesen. In Zukunft werde ich Neckermann meiden und nur noch woanders bestellen.

    Dienstag, 19. Mai 2009 18:51

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