Frauensolidarität

Ein äußerst trauriges Thema. Männer halten sich immer gegenseitig die Stange, wenn es darauf ankommt, aber viele Frauen kennen diese Art von Solidarität nicht. Fiel mir gerade eben beim Lesen eines Artikels über Frau Ypsilanti auf.

Sie will Ministerpräsidentin von Hessen werden und den schon als Betrüger, Lügner und ziemlich üblen Menschen enttarnten CDU-Regierungschef Roland Koch ablösen. Wieso der überhaupt noch Regierungschef sein darf, nach allem, was man ihm nachgewiesen hat, ist mir sowieso ein Rätsel.

Aber gut, die SPD hatte mit Frau Ypsilanti endlich einmal wieder eine Person, die Herrn Koch gewachsen war. Man kann zu den ganzen Vorgängen und Diskussionen politisch oder sonstwie stehen, wie man will, da will ich jetzt auch gar nicht Stellung beziehen, mir geht es um etwas anderes.

Frau Ypsilanti wandelt auf einem schmalen Grat, denn sie hat keine Mehrheit. Dennoch hätte es klappen können, wenn ihre eigene Fraktion, die SPD, geschlossen hinter ihr gestanden hätte.

Dem ist aber nicht so. Drei Frauen und ein Mann verweigern ihr die Gefolgschaft und die Wahl zur Ministerpräsidentin. Der Mann ist ihr Vorgänger, der gern selbst den Posten hätte, also da muß man sich nicht wundern, daß er derjenigen, die ihm die Macht abgenommen hat, nicht auch noch Unterstützung leistet. Kann man verstehen.

Aber die drei Frauen? Sie bringen Frau Ypsilanti zu Fall, weil sie eine Frau ist. Wäre sie ein Mann, würden sie vielleicht noch mitziehen (warum habe ich den Eindruck, daß alle diese drei Frauen wohl heterosexuell sein müssen?), aber für eine Frau tun sie das nicht. Da lassen sie lieber den politischen Gegner Koch weiterregieren – der ist wenigstens ein Mann.

Selbst ein Mann von der Gegenpartei ist diesen Heterofrauen lieber als eine Frau aus den eigenen Reihen.

Wie oft habe ich das schon erlebt? Frauensolidarität ist eine Illusion, und deshalb werden Frauen die Männer in den Machtpositionen auch nie ablösen. Wenn Frauen solidarisch wären, wären sie die Mehrheit, wir könnten neben einer Bundeskanzlerin ein fast ausschließlich weibliches Kabinett haben (so wie bei Männern das Kabinett meist bis auf eine Alibifrau ausschließlich männlich ist) und einen überwiegend weiblichen Bundestag und Bundesrat, aber so etwas muß man (Hetero-)Frauen nicht zur Wahl stellen. Wenn kein Mann dabei ist, ist das alles für sie uninteressant.

Ich rede hier nicht über Inhalte, ich rede nicht darüber, ob Frau Ypsilanti recht hat und das richtige getan hat oder nicht oder ob man lieber die SPD oder die CDU wählen sollte – das alles ist mir egal, mir geht es nur um die Frauen.

Und eben weil es mir mein Leben lang um die Frauen geht, bin ich von solchen Nachrichten dann immer so enttäuscht. Warum sind Frauen so? Warum stehen Frauen nicht automatisch hinter einer Frau, wenn sie gegen einen Mann antritt?

Frau Ypsilanti kann nicht schlimmer als Herr Koch sein, wirklich nicht. Ob sie besser ist, sei dahingestellt. Aber sie ist eine Frau. Warum unterstützen die Frauen sie nicht einfach deshalb?

Ich verstehe es einfach nicht.

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Wer hat hier bereits Kommentare abgegeben?

  • Ruth Gogoll
  • Ben
  • Naja, das Problem an der Sache ist, daß zwischen "blind um jeden Preis unterstützen, nur weil's eine Frau ist" und "auf jeder Frau sofort herumhacken" noch ein breites Spektrum an anderem Verhalten liegt. Wie gesagt, ich halte mehr dieses sinnlose Konkurrenzverhalten der Frauen untereinander für den Kern des Problems, nicht daß Frauen nicht bereit sind, basierend auf dem Geschlecht auch mal vollkommen ungeeignete Kolleginnen nach oben zu helfen.

    Ehrlich gesagt wäre mir bisher auch kaum eine auf dem Geschlecht basierende Solidarität bei Männern aufgefallen - ein Mann wird eher selten jemanden unterstützen, nur weil er ein Mann ist, sondern meist auf Basis anderer Gründe (nur der umgekehrte Fall ist leider häufig gegeben: Viele Männer unterstützen Leute nur deswegen nicht, weil sie Frauen sind).

    Der Spruch "Wir Männer müssen zusammenhalten" kommt doch eigentlich mehr aus der privaten Ecke, wenn die Männer das Gefühl haben, sie stünden zu sehr unter den Pantoffeln ihrer Frauen und müßten nun wie aufmüpfige Kinder zusammen gegen das Joch vorgehen - aber im professionellen Umfeld wäre mir das noch nie aufgefallen. Zum Glück, denn ich halte geschlechtsabhängige Unterstützung oder Gegenwehr wie gesagt generell für falsch.

    Darum meine Meinung: Gegen grundlose Ablehnung von Frauen durch Männer, gegen "Zickenkampf" zwischen Frauen, aber auch gegen blindes Bevorzugen von Geschlechtsgenossinnen! ;)

    Freitag, 7. November 2008 11:33
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    Theoretisch ist die Argumentation richtig, aber es ist ein typisches Frauenargument. Hat man je schon mal einen Mann sagen hören: »Warum sollte ich einen Mann unterstützen, nur weil er ein Mann ist«? Nein, so etwas sagen Männer nicht, sie unterstützen ihre Geschlechtsgenossen einfach um der (männlichen) Sache willen.

    Während die Frauen noch dastehen und diskutieren, ob sie es wohl verantworten können, eine Frau zu unterstützen, ist die Sache längst gelaufen. So wirft man sich selbst Steine in den Weg.

    Nur wir Frauen machen uns Gedanken darum, ob es "richtig" ist, eine Frau zu unterstützen, ob es "Sexismus" ist. Anscheinend sind wir Frauen alle (oder fast alle) genetisch frauenfeindlich. Wirklich schade. Und das ist auch der Grund, warum Frauen eben nie die Männer überholen werden oder auch nur gleichziehen: Wir graben uns gegenseitig das Wasser ab, die Sache ist ganz egal, Hauptsache wir können einer Frau schaden. Das ist sehr, sehr traurig. Nur für ganz wenige Frauen machen wir eine Ausnahme. :'(

    Bei Männern hingegen ist es umgekehrt: Ein Mann muß schon sehr viel anstellen, um von seinen Geschlechtsgenossen nicht unterstützt zu werden. Deshalb sind sie Frauen in fast allen Bereichen der Wirtschaft und der Politik überlegen. Man braucht Seilschaften, um Erfolg zu haben, und Frauen verweigern anderen Frauen die Seilschaft. Allein kann es keine Frau schaffen – schon gar nicht gegen die Seilschaften der Männer, die ganz selbstverständlich gebildet werden. Wenn man immer erst darüber nachdenkt, ob die Frau es "wert" ist, unterstützt zu werden, haben die Männer längst die Positionen besetzt, denn die denken über so etwas meist nicht nach. Sie tun es einfach.

    Dann darf man sich als Frau – als eine solche Frau, die andere nicht unterstützt – dann aber auch nicht darüber beklagen, daß man benachteiligt oder diskriminiert wird, denn man tut es ja praktisch selbst. Und daß Männer von Frauen, die immer nur aufeinander herumhacken, nichts halten – das kann man ihnen auch nicht verdenken. So jemand wollte ich auch nicht in meinem Team haben.

    Montag, 3. November 2008 17:33
  • Obwohl ich absolut zustimmen muß, daß viele Frauen aus irgendeinem Grund in jeder anderen Frau lieber eine Konkurrenz sehen als eine Verbündete (gerade im Berufsleben mußte ich die Erfahrung mehr als einmal machen, weshalb ich ehrlich gesagt inzwischen tatsächlich lieber mit männlichen Kollegen zusammenarbeite - traurig, aber wahr), fände ich es allerdings auch falsch, jemanden nur wegen des Geschlechts zu unterstützen.

    Wenn ich von jemandes Leistung nicht überzeugt bin, dann ist mir vollkommen egal, ob sich da nun ein Y- oder ein zweites X-Chromosom eingeschlichen hat. Wäre ein automatisches Unterstützen jeder Frau nur aus Gründen der Frauen-Solidarität nicht umgekehrter Sexismus und genauso falsch wie das prinzipielle Behindern jeder "potenziellen Konkurrentin"?

    Montag, 3. November 2008 16:55

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