Wie man eine erfolgreiche Autorin wird

Seit dem Eklat beim »Deutschen Fernsehpreis« wird Marcel Reich-Ranicki noch mehr als zuvor nur noch eingeladen, um Randale zu machen. Jetzt wieder beim »Jahresrückblick« des ZDF.

Was kann man von einem Literaturkritiker erwarten? Daß er Literatur kritisiert. Aber wenn es keine Literatur mehr gibt? Dann muß er halt »Feuchtgebiete« rezensieren.

Ein Buch, das Marcel Reich-Ranitzki ganz sicher freiwillig nie in die Hand genommen hätte und dessen Autorin sich im Licht der Scheinwerfer folgendes anhören mußte:

„Literarisch wertlos, widerlich, ekelhaft!“ Nicht einmal schlechten Stil wollte er Autorin Charlotte Roche unterstellen, „die Frau hat gar keinen Stil“.

Tja, widersprechen kann man ihm da wohl kaum. Wer seine Karriere als Moderatorin bei einem Musiksender startet mit den bekannt intellektuellen Redebeiträgen, die dort üblich sind, hat sein Leben wohl nicht mit dem Lesen von Goethe und Schiller verbracht und sich auch nicht unbedingt mit dem Handwerk des Schreibens beschäftigt.

Aber das ist ja auch offensichtlich nicht notwendig, wenn man einen Bestseller auf dem heutigen Buchmarkt landen will. Es wäre wohl sogar eher hinderlich. Ein allzu gebildetes Buch würden die Hip-Hop-Lektoren, die heutzutage in vielen Verlagen arbeiten, wohl gar nicht verstehen – und schon gar nicht veröffentlichen.

Frau Roche kann bei all ihrer fehlenden Qualität und ihrem fehlenden Stil mittlerweile auf ein dickes Bankkonto schauen und könnte sich wahrscheinlich für den Rest ihres Lebens zur Ruhe setzen.

Sollte es mich deshalb beunruhigen, daß ich das bis jetzt noch nicht geschaffft habe, obwohl ich älter bin als Frau Roche und vermutlich auch gebildeter? Oder ist das einfach nur ein Beweis für meinen guten Stil? alt

Ach übrigens: Falls Sie ein literarisch wertloses, widerliches und ekelhaftes Porno-Buch geschrieben haben, wenden Sie sich mit dem Manuskript doch vertrauensvoll an den Kölner DUMONT Literatur und Kunst Verlag, der hat »Feuchtgebiete«nämlich herausgebracht.

Man sollte sich vom Namen eines Verlages also niemals in die Irre führen lassen, auch ein Verlag, der die Wörter Literatur und Kunst im Namen trägt, ist durchaus für Schrott empfänglich.

Das sollte allen Schreibenden Hoffnung geben. alt

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