Computerkenntnisse Fehlanzeige

Zufällig stolperte ich heute über eine Information im Internet, die mich sehr überrascht hat.

Fast jeder zweite (46 Prozent) der heutigen Lehrlinge kann nicht mit dem Computer umgehen. Das ist das Ergebnis einer vom Institut TNS Infratest durchgeführten Umfrage.

Oder, wie die BILD es formuliert:

Klartext: Die Hälfte aller Lehrlinge ist zu doof für die Arbeit mit Informationstechnik (IT).

Drastisch ausgedrückt, zumal die Unfähigkeit der Lehrlinge wahrscheinlich weniger mit ihrer Intelligenz zu tun hat, sondern eher mit dem Versagen unseres Schulsystems und der Eltern.

Was mich – die ich zu der Generation gehöre, die noch ohne Computer aufgewachsen ist – daran überrascht hat, ist, daß heutzutage viele Kinder doch von klein auf einen Computer im Zimmer haben, zumindest haben sie Zugang zum PC der Eltern, die meisten wenigstens. Und trotzdem können sie nicht damit umgehen.

Ich dachte, das stünde mittlerweile in jeder Schule von der ersten Klasse an auf dem Stundenplan, aber offensichtlich ist das nicht so.

Unser Schulsystem versagt also nicht nur dabei, unseren Kindern lesen, schreiben und rechnen beizubringen, sondern auch dabei, denen, die das offensichtlich gelernt haben, dann die Grundlagen dessen zu vermitteln, was heutzutage in jedem Beruf vorausgesetzt wird und das wichtigste ist, nämlich den Umgang mit dem Computer.

Einige der Kommentare zu dem Online-Artikel beklagen das auch.

»Ich surfe immer im Internet, chatte auch oft. Da kenne ich mich mit dem Computer gut aus. Alles andere, etwa mit Programmen arbeiten, das ist nicht so mein Ding. In der Schule haben wir auch nicht viel am Computer gemacht.«

Dominique K. (18), Realschüler aus Köln

»Ich kann Briefe schreiben, Fotos laden, Musik auch. Aber Tabellenkalkulation und Ähnliches ist schon schwieriger. Das lernt man aber auch bei uns in der Schule nicht. Es wäre echt gut, wenn man das beigebracht bekäme. Wenn mir der Rechner abstürzt, weiß ich gar nicht, was ich machen soll.«

Christin F. (19), Gymnasiastin aus Hagen (NRW)

Ja, Musik und Fotos laden – das ist das, was man in jedem Beruf braucht.

Das heißt also, die Jugendlichen haben nichts anderes als Freizeitkenntnisse. Das ist, wie wenn ich mich bei einem Arbeitgeber um einen Job als Buchhalterin bewerbe und sage: »Ich kann segeln«.

Wen interessiert das? Anscheinend interessiert es weder die Eltern, was ihre Kinder am Computer können und ob das für einen Beruf ausreicht, noch interessiert es die Lehrer, und was das schlimmste ist, die Jugendlichen selbst interessiert es am allerwenigsten.

Gefragt seien Fertigkeiten in der Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und beim Umgang mit dem Internet, berichtet der Artikel. Aber

Etwa die Hälfte der Azubis, so die bittere Erfahrung ihrer Meister, »zeigt keine Motivation, diese Defizite durch Eigeninitiative abzubauen«.

Wahrscheinlich bauen sie lieber auf Hartz IV, in das sie dann gleich von der Lehrstelle, die sie mangels Computerkenntnissen und mangels der Bereitschaft, welche zu erwerben, verlieren, hineinrutschen.

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