Super Nanny für alle?

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Da kann man nur staunen: Mit 14 schon Abitur, und dann auch noch eine der Besten.

In Pforzheim ist es Realität geworden, schreibt der Spiegel in seinem Artikel »Turboschülerin«.

Als Einjährige baute Minu Dietlinde Tizabi Figuren aus Überraschungseiern zusammen. Mit drei Jahren las sie selbst, vertiefte sich stundenlang in ihr Kinderlexikon und studierte Planeten-Konstellationen. Den Kindergarten besuchte sie nie. Ihr Vater kümmerte sich lieber selbst um das Kind, die Mutter starb, als Minu einen Monat alt war. Mit sechs Jahren wurde das Kind eingeschult – direkt in die dritte Klasse. Und jetzt, mit 14, hat das Mädchen am Hebel-Gymnasium Pforzheim ihr Abitur mit 1,0 bestanden.

Dieses Mädchen ist aber nicht die einzige. Unter »Abi mit 14, Mathestudent mit 16 Jahren«, »Uni-Abschluss noch vor dem Abitur« und »Hochbegabte sind keine Spaßbremsen« findet sich ähnliches.

Und bei solchen Berichten höre ich dann von gewissen Leuten immer wieder: »Diese Streber!«

So ist es aber nicht. Diese Kinder sind keine Streber, sondern sie sind einfach nur begabter als andere, es wurde ihnen in die Wiege gelegt wie blondes oder braunes Haar. Sie haben eine schnellere Auffassungsgabe, ein besseres Gedächtnis und eine Fähigkeit zu abstraktem Denken, die anderen abgeht.

Diejenigen, die das nicht haben, können aber auch nichts dafür. Seine Haare kann man zwar färben, aber seine Intelligenz leider nicht. Natürlich kann man weniger begabte Kinder fördern, aber hochbegabte Kinder haben auch ein Recht darauf, beachtet zu werden. Das wird ihnen leider oft nicht zuteil, weil sie ja vieles können. Die weniger Begabten fallen eher auf.

Auch Hochbegabte müssen Glück haben, um so schnell zum Abitur kommen zu können. Eltern und Lehrer beispielsweise, die die Hochbegabung erkennen und auch berücksichtigen. Viele Hochbegabte versauern auf der Hauptschule. Die hätten vielleicht auch mit 14 Abitur machen können – wenn man sie gelassen hätte.

So einfach, wie es in vielen dieser Artikel erscheint, ist es also nicht.

Vor allem bei uns in Deutschland ist das Schulsystem mittlerweile so schlecht, daß es vielen Kindern die Chancengleichheit nimmt. Es verweigert ihnen das Recht, ihren Begabungen gemäß ausgebildet zu werden. Das ist eine große Katastrophe – insbesondere für unser aller Zukunft. Denn wer soll in der nahen Zukunft das Land regieren, wer soll die Wissenschaft vorantreiben, wer soll künstlerische Hochleistungen vollbringen, wenn nicht unsere Kinder?

Unter dem provozierenden Titel »Deutsche Jugend spaltet sich in Elite und Verlierer« war wieder einmal etwas über die Bildungsmisere in Deutschland zu lesen.

Professor Klaus Hurrelmann spricht sich in dem Interview für ein zweigliedriges Schulsystem aus, nicht für das jetzige dreigliedrige. Ich fände es ja besser, wenn es überhaupt keine Unterschiede mehr gäbe und alle Kinder auf dieselbe Schule gingen, aber das scheint dem Professor wohl zu gewagt. Dennoch stimmen seine Beobachtungen mit vielen in den letzten Jahren überein.

Auf die Frage, ob es eine Spaltung bei der Jugend gäbe, antwortet er:

Ja! Das belegen alle jüngsten Untersuchungen. Es gibt eine richtige Elite und es gibt die Verlierer der Gesellschaft. Etwa 30 Prozent der Jugendlichen stellen eine Leistungselite dar. Das sind Jugendliche, die bewusst auf Karriere setzen und alles dafür tun. Dann gibt es die Engagement-Elite, weitere 30 Prozent. Auch diese Jugendlichen legen viel Wert auf ihre Laufbahn, sie haben eine sympathische Art der sozialen Orientierung bewahrt. Hier haben Frauen die Nase vorn.

Logischerweise, denn für Frauen sind noch andere Dinge wichtig als nur Karriere. Männer sind da sehr eindimensional aufgrund ihrer Gene. Für sie ist es nur wichtig, zu kämpfen und zu gewinnen – wie es ihre Vorfahren, die Steinzeitmänner, vor ihnen getan haben –, für Frauen hingegen ist es wichtig, ein erfülltes Leben zu führen, mit Karriere, Familie und Kindern. Denn das sagen uns Frauen unsere Steinzeitgene.

Auf der anderen Seite stehen 40 Prozent der Jugendlichen, die sich bewusst sind, dass sie nicht mithalten können. Diese Gruppe wiederum teilt sich. 20 Prozent von ihnen sind die skeptischen, zurückhaltenden Jugendlichen, die nicht rebellieren. Und weitere 20 Prozent fühlen sich abgehängt, sie brechen sehr früh die Schule ab, geben sich selbst auf. Hier überwiegen die Männer. Aggressivität und Fremdenfeindlichkeit gehen aus dieser Gruppe hervor, weil diese Jugendlichen einen Sündenbock suchen.

Diese Kinder sind nicht an ihrer Misere schuld, sie werden hineingeboren. Das macht sie als Erwachsene allerdings nicht weniger gefährlich.

Ein ganz entscheidender Punkt, mit dem man die eigene Misere überwinden kann, ist Selbstdisziplin. Aber das ist den meisten Menschen nicht angeboren, sie müssen es lernen. Und von wem sollen sie es lernen, wenn schon die Eltern keine mehr besitzen, weil sie selbst zu den Verlierern der Gesellschaft gehören?

Hurrelmann: In schwachen Situationen wird Selbstdisziplin helfen. Die Fähigkeit, sich selbst einzuschätzen, sich auf eine Sache einzulassen, durchzuhalten und sich ein Ziel zu setzen. Diese Fähigkeit wird im frühen Kindesalter aufgebaut. Überforderte Eltern, die ihren Kindern keine Grenzen setzen, keine Regeln beibringen, trainieren diese Selbstdisziplin nicht. Möglich, dass die Arbeitslosigkeit die Eltern bereits korrumpiert hat.

Korrumpiert – was für ein Wort. Was soll das in diesem Zusammenhang bedeuten? Daß die Eltern durch ihre Arbeitslosigkeit korrupt geworden sind, daß sie sich bestechen lassen? Von was? Von Hartz IV?

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