Hochbegabung unerwünscht?

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Da Ruth Gogoll immer wieder dazu auffordert, ihr Beiträge für das Blog zu schicken, haben wir diesen Beitrag von Nicole erhalten. Der folgende Beitrag ist also nicht von Ruth Gogoll, aber sie fand ihn so wichtig, daß er nun hier veröffentlicht wird.

Es fällt mir grundsätzlich schwer, Anfänge zu finden, und neuerdings wohl auch über Themen wie Hochbegabung – meine Hochbegabung – zu schreiben. Das ist wohl auch das Problem, ich akzeptiere noch nicht ganz, dass ich »betroffen« bin, mir war es bis vor einigen Monaten aber auch nicht bewusst.

In den Medien wird immer häufiger von Kindern berichtet, die Klassen überspringen, einen 1er Notendurchschnitt haben, Wettbewerbe gewinnen und sowieso nur Wunder vollbringen. Ich habe eine Klasse wiederholt, vom 1er Durchschnitt war ich lange Zeit weit entfernt, nahm noch nie an einem Wettbewerb teil, und meine musische Begabung hält sich in Grenzen.

Also doch ganz normal? Aber eben genau das war ich nie. Meine sozialen Fähigkeiten, Interessen, Wissensdurst, Wortschatz, ja selbst der Humor unterschied sich grundsätzlich von dem der Gleichaltrigen.

Bleiben wir mal bei dem Wissensdurst und den daraus resultierenden Interessen. Ich denke, als Kleinkind war ich äußerst neugierig und wollte alles genau erklärt bekommen. Meine Erinnerungen setzen eher bei der Einschulung wieder ein. Ich freute mich nicht, wie die anderen Kinder, weil ich, warum auch immer, mit diesen eben nichts anfangen konnte. Ich mochte ihre Spiele nicht, das kindliche Getue. Da fällt mir ein, so ging es mir auch im Kindergarten . . . zum Schluß konnte ich durchsetzen, dass ich mich an den meisten Spielen nicht mehr beteiligen musste.

Mein erster Schultag stand schon unter keinem guten Omen. Wir hatten im Kindergarten gelernt, unseren Namen zu schreiben, und sollten am ersten Tag unser Schild an der Tafel heraussuchen, und mein Name war prompt falsch geschrieben – wenn ich meinen Namen schon schreiben konnte, war es dann für Erwachsene so schwer, den abzupinseln?

Die nächsten vier Jahre wurden auch tatsächlich die reinste Qual. Das meiste dauerte mir zu lange. Ich wollte nicht stundenlang den selben Buchstaben schreiben, mit Zahlen war es bald noch schlimmer. Und dann die nicht vorhandene Logik meiner Lehrer. Ich verstehe bis heute nicht den Sinn dahinter, das Alphabet in falscher Reihenfolge zu lernen um es dann stundenlang in richtiger Reihenfolge zu üben – ich konnte es aber dann immerhin als erste vor- und rückwärts.

Daheim sah es schon besser aus. Endlich konnte ich lesen, und kein Buch war mehr vor mir sicher. Las oder hörte ich Begriffe, die ich nicht kannte, fragte ich nach. Ich kann jetzt nicht einschätzen, inwiefern die Fragen von jedem Kind gestellt wurden oder eher von denen mit Begabung. Aber ich glaube, ich schockte meine Mutter als ich eines Tages von der Schule heim kam und meine Theorie vorbrachte, dass Gott nicht existieren konnte, wenn er nicht auch von einem Gott erschaffen worden wäre, was zu einer Dauerschleife führe . . .

Das Thema ließ ich aber schnell wieder fallen, von mir aus existierte Gott, und ich freute mich über das (kindgerechte) Astronomiebuch, das mir meine Mutter schenkte – ich wollte doch wissen, wie alles zustande gekommen war, stellte eigene Theorien auf und war bald Anhängerin der Urknalltheorie, das erschien am logischsten (und von mir aus entstand da auch Gott).

Das alles war aber nur eine kurze Phase, Geschichte interessierte mich mehr.
Erst hatte ich meine »Mittelalterphase«, ich glaube, auf das Thema kam ich durch meine Ritterfiguren. Irgendetwas gab schließlich immer den Ausschlag. Auch Filme oder Dokumentationen, die meine Eltern anschauten, Museumsbesuche, Ausstellungen, . . .

In der Schule lief es dafür gar nicht gut, was hauptsächlich an den Lehrern lag, die ihren Beruf eindeutig verfehlt haben. Das 1x1 beherrschte ich daheim, als es in der Schule im ersten richtigen »Test« abgefragt wurde, hatte ich einen Blackout. Eine andere und ich wurden erst von der Lehrerin verspottet, die die Klasse danach dazu aufrief, es ihr gleich zu tun.

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