»Lassen Sie mich das machen. Sie werden es vielleicht kaum glauben, aber ich habe schon mal ein Spiegelei gebraten.«

Syd musste schmunzeln. »Sie haben recht. Das hätte ich jetzt nicht geglaubt. Aber dann können Sie vielleicht noch zwei Spiegeleier braten, wenn Sie mit dem Fleisch fertig sind. Die Kartoffeln zuzubereiten dauert länger.«

Außerordentlich friedfertig nahm Debra die Anweisungen entgegen und begann, das Hackfleisch mit den Zwiebeln und dem Ei zu mischen, fügte sogar ein wenig Salz und Pfeffer hinzu.

Syd begab sich an die Kartoffeln, nahm eine zweite Pfanne heraus und füllte sie zur Hälfte mit Öl. Als das Öl heiß war, gab sie die Röstkartoffeln hinzu, die sie gefroren gekauft hatte.

»Zuerst das Fleisch braten oder die Spiegeleier?«, fragte Debra jetzt.

»Zuerst das Fleisch«, antwortete Syd. »Das gart dann noch ein bisschen nach, dadurch wird es zarter. In der Zeit kann man dann die Spiegeleier machen.«

Sie teilte die Hackmasse in zwei etwa gleich große Stücke auf, probierte noch einmal und gab noch ein bisschen Salz hinzu. Erst nachdem sie das getan hatte, sah sie Debra fast um Entschuldigung bittend an. »Oh, tut mir leid. Ich hätte fragen sollen. Mögen Sie nicht so viel Salz?«

Debras Mundwinkel zuckten. »Jetzt ist es ohnehin zu spät, denn rausholen kann man es ja jetzt nicht mehr«, bemerkte sie beinah so amüsiert, wie Syd es zuvor gewesen war. »Aber es ist okay. Ich fand es vorher auch noch ein bisschen fade.«

Fand sie das? Hm. Syd war überrascht. Frauen von der Sorte Debra McFaddens gaben normalerweise nicht so leicht etwas zu, was man auch als ein Defizit hätte auslegen können.

Sie schaute kurz nach den Kartoffeln, drehte sie um und prüfte dann die Hitze in der Pfanne für das Fleisch. »Perfekt«, sagte sie, nahm ein Hacksteak und legte es hinein. Es spritzte etwas, und sie wich zurück.

Debra hatte sie genau beobachtet, nahm das zweite Hacksteak und legte es neben das erste, sprang sofort zurück, da sie das Spritzen erwartete, und lachte. »So, jetzt kann ich also Hacksteaks braten«, meinte sie nicht ganz unzufrieden. »Wieder was gelernt.« Auf einmal schien sie ziemlich gutgelaunt.

Da Syd wegen der Röstkartoffeln ohnehin am Herd stehen musste, kümmerte sie sich auch um die Hacksteaks.

Debra öffnete den Schrank, in dem die Töpfe und Pfannen waren, und gab ein enttäuschtes Geräusch von sich. »Mehr als zwei Pfannen gibt es nicht«, bemerkte sie.

»Sobald das Fleisch fertig ist, kannst du die Fleischpfanne für die Spiegeleier nehmen.« Syd biss sich auf die Zunge. »Oh, Entschuldigung. Das ist mir so rausgerutscht. Ich wollte Sie nicht duzen.«

Debras Lippen schienen sich etwas unentschlossen zusammenzupressen, leicht zu zucken, um sich dann doch zu einem Lächeln zu verziehen. »Warum eigentlich nicht? Wir werden schließlich hier zusammen wohnen. Ich bin Debra.«

»Syd«, sagte Syd. Sie wendete die Hacksteaks und sog den Duft, der nun durch die Küche schwebte, genüsslich ein. »Das riecht gut.«

»Finde ich auch.« Debra trat neben sie an den Herd.

Eine Entwicklung, von der Syd nicht erwartet hätte, dass sie sie so beeindrucken würde. Sie standen auf einmal so nah nebeneinander, dass sie sich fast berührten.

Da Syd Debras Kochkünsten, wo sie über Spiegeleier hinausgingen, nicht traute, konnte sie sich nicht vom Herd entfernen, und Debra schien wie ein aufmerksamer Lehrling alles zu beobachten, was sie tat, wollte so nah wie möglich alles mitbekommen.

»Kannst du einen Teller holen?«, fragte Syd und versuchte, ans Tauchen zu denken. Da musste man ganz ruhig und gleichmäßig atmen. Was ihr im Moment schwerfiel. »Für das Fleisch.«

Debra beugte sich hinunter. Das hatte Syd nicht bedacht, denn so war Debras kleiner süßer Po in einer geradezu auffordernden Position nach oben gestreckt. Glücklicherweise nicht allzu lange, denn nachdem sie den Teller herausgenommen hatte, richtete sie sich wieder auf und sah Syd fragend an.

»Stell ihn hier auf die kalte Flamme.« Sie wies auf den Herd. »Dann lege ich das Fleisch drauf.«

Debra tat, wie ihr geheißen, und Syd versorgte das Fleisch auf dem Teller. Dann trat sie schnell vom Herd zurück, nachdem sie noch einmal einen prüfenden Blick auf die Röstkartoffeln geworfen hatte. Die würden auch gleich soweit sein.

»Wenn du willst«, sagte Syd, »kannst du jetzt die Spiegeleier braten. Ich decke schon mal den Tisch.«

Das brachte wenigstens einen Meter Entfernung, auch wenn die Küche viel zu klein war, um sich von der Anspannung, die Debras knackiger runder Po fast direkt vor ihrer Nase in ihr ausgelöst hatte, ganz verschwinden zu lassen.

Konzentriert machte Debra sich daran, die beiden Spiegeleier zu braten. Auch wenn sie behauptet hatte, das schon mal getan zu haben, erschien ihre Zungenspitze dabei vorwitzig zwischen ihren Lippen wie bei einem kleinen Kind, das schreiben lernt. Vielleicht war es auch so etwas Ähnliches für sie.

Syd lächelte. Sie konnte sich noch so sehr darum bemühen, Debra nur als die Frau zu betrachten, die vielen kleinen Leuten ihr Geld abgenommen hatte, um selbst in Saus und Braus zu leben, das hier ließ ganz andere Gefühle in ihr aufkommen.

Gefühle, die sie nicht wollte. Gefühle, die sie nicht gebrauchen konnte. Sie musste sich am Riemen reißen.

»Dann können wir glaube ich essen«, bemerkte sie etwas brüsk.

7

Syd also. Nicht Sydney, dachte Debra. Hm. Sie musste zugeben, dass das auch viel besser zu Sydney . . . Syd Amos passte.

Sie war groß und breitschultrig, offenbar gut trainiert, was bei einer Taucherin vermutlich kein Wunder war, und die igelkurzen Haare, die so blond wie Stroh in die Luft standen, von Sonne und Wasser noch zusätzlich gebleicht, verliehen ihr fast das Aussehen einer Surfreklame.

Debra musste sich sehr zurückhalten, nicht über diese Haare streichen zu wollen, weil sie trotzdem nicht stachlig, sondern weich erschienen. Das war bestimmt wie eine weiche angenehme Massagebürste. Mit ein bisschen Kitzeln dabei. Einem aufregenden Kitzeln, das der Anfang zu mehr sein konnte.

Wirst du dich wohl beherrschen? fuhr sie sich selbst fast an, wenn auch glücklicherweise nur innerlich und lautlos. So eine Gefühlsduselei konnte sie sich jetzt wirklich nicht leisten. Sie musste sich auf das konzentrieren, was vor ihr lag. Sie musste ihr Leben wieder in den Griff kriegen. Und wusste noch nicht so recht, wie sie das machen sollte.

Syd würde ihr auch nicht dabei helfen. Obwohl sie ihr jetzt schon beigebracht hatte, wie man ein Hacksteak zubereitete, was sicherlich nützlich war, wenn man Geld sparen wollte, das man sonst in Restaurants ausgab. Aber sie hatte ja auch gleich gesagt, dass sie nicht lange bleiben würde. Nicht auf Dauer jedenfalls.

Also konnte es höchstens eine kleine Affäre sein. Eine Bettgeschichte. Weil sie hier nur einen Auftrag zu erledigen hatte, nach dem sie wieder abziehen würde, zu neuen Ufern. Oder eher wohl zu neuen Meerestiefen.

»Was ist eigentlich dein Auftrag hier?«, fragte sie, als sie sich nun an den Tisch setzte, und Syd noch die Röstkartoffeln auf den Tellern verteilte und die Spiegeleier oben auf den Hacksteaks platzierte. »Du sagtest, du hättest etwas zu erledigen?«

Syd antwortete nicht sofort, sondern stellte erst noch die Pfannen auf den Herd zurück. »Ja«, erwiderte sie dann gedehnt, als müsste sie erst einmal darüber nachdenken. Aber sie sprach ohnehin meistens langsam. »Da ist ein Schoner hier vor der Küste gesunken, den keiner finden kann. Den soll ich ausfindig machen.«

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