Widerstrebend wand Amity sich aus ihrem Arm. »Wenn du dich da mal nicht irrst . . .«, sagte sie. »Möglicherweise täuscht dich mein Kostüm, und deshalb hältst du mich für harmlos. Da solltest du mich mal einen Mustang einreiten sehen.«

Sie klatschte mit ihrer Hand leicht auf McCreas immer noch nackten Arm, der an ihrem immer noch genauso nackten Oberkörper hing. »Aber wenn du dich jetzt nicht vollständig anziehst, werden wir nie zu unserem Dinner kommen. Denn so . . .«, sie beugte sich hinunter und nahm eine von McCreas Brustwarzen zwischen ihre Lippen, fuhr kurz mit ihrer Zunge darüber, »werden sie dich da nicht reinlassen.«

McCrea stöhnte auf. »Bist du wahnsinnig?« Amitys Zunge an ihrem Nippel hatte einen heißen Strahl bis in die Mitte zwischen ihren Beinen schießen lassen. »So vergesse ich das Dinner sofort wieder.«

»Aber ich nicht.« Amity ging zur Tür. »Ich gehe schon mal vor. Denn sonst . . .«, sie lächelte verführerisch, »wird das Dinner glaube ich ein Frühstück.«

Lachend verließ sie das Zimmer und zog die Tür hinter sich zu.

Was für eine Frau, dachte McCrea. Mit so etwas hatte sie wirklich niemals gerechnet. Gar nicht rechnen können. Das hätte sie nicht für möglich gehalten.

Vor allem nicht, dass sie jetzt tatsächlich überlegte, auf einer Ranch zu arbeiten. Auf Amitys Ranch.

Ja, McCrea wusste, dass Amity nicht die Besitzerin war, aber trotzdem kam es ihr so vor. Amity hatte so eine Ausstrahlung. Sie hätte die Besitzerin sein können.

Langsam griff McCrea nach ihrem T-Shirt und streifte es sich über, dann nach ihrem Hemd. Sie hätte die Besitzerin sein können. Es wäre ihr zu gönnen gewesen.

Und doch waren die Verhältnisse völlig andere. Die Person, der am meisten an der Ranch lag, hatte keinen Einfluss darauf, was mit dem Land geschah. Sie wurde gar nicht gefragt.

McCrea warf ihre Fliegerjacke über. Das schwere Leder legte sich wie eine Art Rüstung über ihre Schultern. Es war ein gutes Gefühl. Ein vertrautes Gefühl.

So musste Amity sich fühlen, wenn sie auf der Ranch war und ihre Cowboyklamotten anzog. Wenn sie einen Mustang einritt, wie sie gesagt hatte.

Wenn das das nächste Mal geschah, wollte McCrea unbedingt dabei sein.

3

Amity machte sich so ihre Gedanken. Schon als sie die Treppe hinunterschritt, kam ihr dieser Tag auf einmal ganz unwirklich vor.

Zuerst hatte sie der Besprechung mit Taylor Williams mit einem mulmigen Gefühl entgegengesehen, dann hatte sie, je länger sie wartete, immer mehr die Wut erfasst. Was bildete dieser Kerl sich eigentlich ein?

Und dann hatte er abgesagt. Einfach abgesagt. Als ob sie nicht stundenlang gefahren wäre, um sich mit ihm zu treffen. Als ob er nicht ihren ganzen Tagesablauf durcheinandergeworfen hätte, nur weil er nicht auf die Ranch kommen wollte, um die Besprechung dort abzuhalten, wie sie es vorgeschlagen hatte.

Wo sie ihm gern alles vor Ort gezeigt hätte. Vielleicht hätte sie damit seine Begeisterung wecken können.

Aber schon als er einen Treffpunkt in der Stadt vorschlug, war ihr Mut gesunken. Was sollte sie ihm hier zeigen außer ein paar Papiere? Was die Ranch ausmachte, konnte sie nicht in die Stadt mitnehmen.

Und wie sehr sie ihr am Herzen lag, das konnte sie ihm hier auch nicht klarmachen. Das musste man fühlen, sehen, riechen, spüren. Es war die ganze Atmosphäre, die die Ranch ausstrahlte und die hier in der Stadt nicht vorhanden war.

Die größte Überraschung war aber zum Schluss dann nicht gewesen, dass Taylor Williams abgesagt hatte, sondern dass McCrea in die Stadt gekommen war.

Obwohl das natürlich nicht zusammenhing. Das war Zufall gewesen.

Ein netter Zufall. Sie lächelte und ging ins Restaurant, das auf der anderen Seite des Saloons lag. Im Saloon gab es zwar auch etwas zu essen, aber im Restaurant war es feiner. Dort lagen Tischdecken auf den Tischen und man bekam eine ordentliche Serviette zum Besteck.

»Hallo Amity«, begrüßte eine junge Frau sie an der Tür. »Auch mal wieder in der Stadt?«

Amity nickte der Frau, mit der sie zusammen die High School besucht hatte, als sie beide noch Kinder gewesen waren, freundlich zu. »Ja, Bridget«, bestätigte sie. »Musste geschäftlich herkommen.«

»Ist denn morgen Pferdeauktion?« Bridget runzelte die Stirn. »Oder verkaufst du Rinder?«

»Weder noch.« Lächelnd schüttelte Amity den Kopf. »Ich hatte nur eine Besprechung.« Sie seufzte. »Oder die hätte ich haben sollen. Er hat abgesagt.«

»Dann willst du also einen Tisch für eine Person?«, fragte Bridget und griff nach der Menükarte, die neben ihr auf einem Stapel lag. Sie war dafür zuständig, neue Gäste zu empfangen, an ihren Tisch zu führen und ihnen das Menü zu präsentieren.

Erneut musste Amity den Kopf schütteln. »Nein, für zwei«, sagte sie. »Ich esse mit . . .«, sie zögerte kurz, »einer Freundin«, fuhr sie dann fort. Und Bridget sah hoffentlich nicht, dass die Wüstenrose auf ihren Wangen wieder aufblühte. Amity spürte die Wärme fast wie ein Brandmal. »Die ich zufällig an der Bar getroffen habe. Sie wohnt hier im Hotel.«

»Ah«, sagte Bridget. »Dann sag mir doch ihre Zimmernummer. Sie will doch dann sicher, dass ich es auf ihre Rechnung schreibe.«

»Das möchte ich aber nicht.« Amity hielt Bridget schnell auf, die schon zu dem Gästebuch greifen wollte, in dem die Hotelgäste für das Restaurant aufgelistet waren. Damit das Restaurant wusste, auf welche Zimmernummer sie die jeweiligen Mahlzeiten schreiben konnten. »Ich werde bezahlen.«

»Okay.« Bridget interessierte das nicht. Für sie war nur wichtig, dass irgendjemand bezahlte. Sie hob die Augenbrauen. »Für wann wollt ihr dann einen Tisch?«

»Für jetzt«, sagte Amity. »Sie kommt gleich.«

»Willst du hier warten oder am Tisch?«, fragte Bridget.

In so einer Situation war Amity noch nie gewesen. Deshalb konnte sie nicht sofort antworten. Sie ging selten in Restaurants. Meistens aß sie ja ohnehin auf der Ranch. Und wenn sie in der Stadt war und tatsächlich hier in einem Restaurant aß, tat sie das normalerweise nie allein, sondern betrat das Restaurant zusammen mit anderen.

»Ähm . . .«, machte sie gerade, da erlöste McCrea sie, indem sie mit weit ausholenden Schritten ihrer langen Beine zu ihnen stieß.

»Gibt es schon was zu essen?«, fragte sie mit leuchtenden Augen und rieb sich die Hände. »Ich habe Hunger.«

Fast hätte Amity lachen müssen. Eben noch hatte McCrea behauptet, sie würde das Dinner gleich wieder vergessen, und nun sah sie so aus, als könnte sie einen ganzen Ochsen verschlingen.

»Die Küche hat vor einer halben Stunde geöffnet«, gab Bridget Auskunft. »Bitte folgen Sie mir.« Sie nahm zwei Menükarten von dem Stapel an der Tür und ging ihnen voraus in das Restaurant hinein.

McCrea und Amity folgten ihr, versuchten jedoch, dabei ein wenig Abstand zu halten. Amity hatte das Gefühl, als würden heiße Finger nach ihr greifen, und vermutlich ging es McCrea genauso.

Sina Kani: Die Ranch

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