Irritiert blickte Lou sie an. Die Sache mit dem Dildo klären? Seit sechs Uhr heute Morgen auf Emma warten?

Das in Gedanken so laut auszusprechen, irritierte sie noch mehr. Warum wartete sie so ungeduldig auf Emma? Das machte sie doch sonst nie. Bei keinem ihrer Handwerker hatte sie das je getan.

»Ich . . . ich wollte nur kurz nachsehen, ob Maggie die restlichen Massagezimmer vorbereitet hat, und da dachte ich, ich sehe auch gleich mal nach, ob hier noch genügend Öle, Hot-Stone und Wasserflaschen da sind«, log sie, weil sie das Iris nicht unbedingt auf die Nase binden wollte. Normalerweise schlief sie nämlich wie ein Baby. Aber heute hatte eine innere Unruhe sie förmlich aus dem Bett getrieben. »Du weißt doch, ich kann es nicht haben, wenn hier was fehlt«, murmelte sie vor sich hin und schob dabei unbestimmt einen kleinen Stapel Handtücher auf der Ablage neben sich zur Seite. »Ich dachte, weil ich nachher eh noch eine Bestellung aufgeben muss, ginge das in einem.« Ja, doch, das hörte sich glaubhaft an. Kaum merklich nickte sie vor sich hin, nahm zwei kleine Wasserflaschen hervor und erhob sich.

»Guten Morgen«, ertönte es in diesem Moment von den Hinterzimmern her. Emma kam beladen mit ihrer Werkzeugkiste nach vorn.

Lou hatte ihr noch eine Nachricht geschickt und sie gebeten, nicht zum Vordereingang hereinzukommen, um die Gäste nicht unnötig zu irritieren. Wenn Emma nur in einem Zimmer arbeitete, würde das hoffentlich nicht sehr auffallen.

»Ich geh dann schon mal durch.« Die Schreinerin nickte zum Gruß und steuerte gleich das Massagezimmer mit dem kaputten Laminat an.

»Guten Morgen, Emma. Ja, mach nur.« Tatsächlich. Lou merkte gerade, dass sie sich wirklich darauf freute, dass die Arbeiten nun losgingen. Sogar ihr Herz hatte seinen Rhythmus um einen Taktschlag erhöht, seit Emma hier war.

Freudig rieb sie sich die Hände. Die Muster mit den Massivholzdielen, die sie ihr im Laden gezeigt hatte, hatten ihr wirklich gefallen. Sie konnte es kaum abwarten, bis sie das Zimmer mit dem neuen Bodenbelag sehen konnte.

»Und wer ist das?«, fragte Iris mit gerunzelter Stirn. »Die Kleine ist echt süß. Aber warum spaziert sie mit einer Werkzeugkiste zu den Massagezimmern?«

»Pscht«, machte Lou. »Sprich nicht so laut.« Gespielt beleidigt zog sie ihren Mundwinkel zur Seite, während sie Emma hinterherblickte.

»Was repariert sie denn?«, hakte Iris nach. »Apropos reparieren: Konntest du die Schreinerei erreichen? Wann können die denn anfangen?« Beiläufig nahm sie sich eine Flasche Wasser aus dem Regal und begann zu trinken.

»Scherzkeks«, brummelte Lou. Auch sie nahm sich eine Flasche und deutete mit einem kleinen Kopfnicken nach hinten. »Das ist sie doch.«

»Wa-«, kam es undeutlich von Iris, weil sie sich gerade ordentlich verschluckt hatte. Leicht nach vorn gebeugt klopfte sie sich mit einer Hand auf die Brust. »Tschuldigung«, keuchte sie zwischen zwei Versuchen, zu Luft zu kommen, bevor sie erneut vom Husten geschüttelt wurde. »Ich habe mich nur verschluckt.«

»Nicht so gierig«, feixte Lou. Kräftig klopfte sie ihr auf den Rücken. »Ich nehme dir dein Wasser schon nicht weg. Außerdem ist heute kein guter Tag zum Sterben.« Schmunzelnd klopfte sie ihr nochmals ordentlich auf den Rücken.

»Werde ich nicht«, krächzte Iris undeutlich und räusperte sich. Ihr Brustkorb hob sich unter einem tiefen Atemzug an, während sie sich wieder aufrichtete. Nebenbei klaubte sie sich ein kleines Handtuch aus dem Regal und wischte sich damit die Tränen aus den Augen. »Sie kommt mir nur so unbekannt vor. Vielleicht«, sie knüllte das Handtuch zusammen und warf es in den dafür vorgesehenen Korb, »sollte ich mir mal eine Brille besorgen.«

»Ja, gar keine schlechte Idee.« Lou grinste breit und wandte sich dem Regal zu. »Bestenfalls schreibst du dann auch etwas leserlicher«, murmelte sie nebenbei vor sich hin, während sie die Flaschen mit den Massageölen so drehte, dass die Etiketten alle schön nach vorn zeigten. »Ich konnte die Nummer auf deinem Notizzettel nämlich kaum lesen.«

»Ach so . . .«, sagte Iris gedehnt. »Was machst du da eigentlich?«

»Ich zähle«, murrte Lou. Was genau wusste sie selbst gerade nicht, aber sie musste Iris hier schließlich auch keine Rechenschaft ablegen. Immerhin war immer noch sie die Chefin.

In diesem Moment erschien Emma wieder im Korridor. »So, nun sind die Dielen dran«, sagte sie und deutete mit der Hand Richtung Hinterausgang. »Die sind noch im Lieferwagen. Bin gleich wieder da.«

»Nur zu.« Lou nickte und sah ihr hinterher.

»Willst du ihr nicht tragen helfen?«, säuselte Iris.

»Öh . . . Was? Wieso?« Leicht abwesend führte Lou ihre Wasserflasche zum Mund, die ihr postwendend von Iris aus der Hand gerissen wurde.

»So, wie du vor dich hinlächelst, siehst du aus wie ein verliebter Teenager«, stellte Iris fest. »Also, was läuft da?«

»Nichts, und jetzt gib mir mein Wasser zurück.«

Also ehrlich. Lou biss die Zähne zusammen. Nur weil sie einer Frau hinterhersah, musste da nicht gleich was laufen. Vor allem, wenn diese Frau für sie arbeitete. Das trennte sie kategorisch. Kein Techtelmechtel am Arbeitsplatz. Das wusste Iris verdammt genau.

Und warum überhaupt stritt sie sich hier um dieses blöde Wasser? »Du hörst mal wieder die Flöhe husten.«

»Nein.« Leicht schwenkte Iris ihren Kopf hin und her. »Du magst die Kleine, das sehe ich dir an.«

Entschieden streckte Lou ihre Hand aus. Das war ihr hier alles viel zu blöd. »Jetzt gib mir mein Wasser. Ich habe keine Lust auf dieses Spielchen, und außerdem kennst du mich schon viel zu lange. Du weißt selbst, dass ich nichts von dieser Gefühlsduselei halte. Ich verliebe mich nicht. Habe ich nie und werde ich auch nie. Liebe ist was für die anderen.«

»Da.« Iris stellte ihr das Wasser hin. »Und warum hast du ihr dann gerade so verträumt nachgesehen?« Sie stupste Lou mit dem Ellbogen an. »Du bist doch scharf auf sie.«

»Oh bitte.« Lou verdrehte die Augen. »Mach einen Termin beim Optiker.« Schnell packte sie ihr Wasser und marschierte auf direktem Weg nach draußen. Jetzt brauchte sie unbedingt frische Luft, und Iris’ blöde Unterstellung konnte sie gerade irgendwie überhaupt nicht ab.

Den aufkommenden Gedanken, dass sie hier vor Iris flüchtete, schob sie einfach mal beiseite. Emma war eine niedliche Frau – ja, aber deswegen musste sie noch lange nicht scharf auf sie sein.

»Mann!«, fluchte sie ungehalten und warf die Hände in die Luft. Da war es schon wieder, dieses niedlich. Verdammt!

Unverzüglich marschierte sie aus dem Gebäude, pfefferte die Wasserflasche nebenher in einen Mülleimer und lief draußen weiter den Weg entlang zu ihrem Haus hinüber.

Manuela Schopfer: Wellness fürs Herz

1 »So kann ich das nicht durchgehen lassen!«, ereiferte Gebäudeinspektorin Donner sich. »Sie sehen...
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Inmitten des Raumes blieb sie stehen, hakte ihre Daumen links und rechts im Gürtel ein und nickte....