»Pah. Das ist doch absurd.« Genervt setzte sie sich auf ihre altmodische Hollywoodschaukel, die in ihrem kleinen Vorgarten stand. Warum sie sich so über Iris’ blöde Unterstellung und ihr anzügliches Grinsen aufregte, wusste sie selbst gerade nicht.

Musste wohl am Schlafmangel liegen. Ihr Tag begann normalerweise nicht so früh und dazu noch die Aufregung wegen des neuen Bodens. »Ja, genau. Das muss es sein«, brummelte sie vor sich hin.

Leicht stieß sie sich nach hinten ab und ließ sich ein wenig vor- und zurückschaukeln. Ihr Blick schweifte derweil zum Personalparkplatz hinüber, wo auch Emmas Lieferwagen stand.

In einem musste sie Iris recht geben, nämlich dass zwischen ihnen tatsächlich was lief – eine Geschäftsbeziehung, und das war es dann auch schon. Genau wie damals mit Herrn Stoss. Nicht mehr und nicht weniger. Punkt.

Kräftig stieß sie sich nochmals vom Boden ab und sah Emma nach, wie sie mit ein paar Dielen auf der Schulter aus dem Inneren des Lieferwagens kam und im Gebäude verschwand.

Emma war niedlich. Da gab es nichts daran zu rütteln. Ihre blauen Arbeiterhosen und das enganliegende Shirt ließen gut erahnen, was für ein attraktiver Körper darunter steckte. Und ja, auch Emmas blonde Haare, die sie immer – oder immer, wenn sie sie bis jetzt gesehen hatte – im geflochtenen Zopf trug, unterstützte ihre liebenswerte Erscheinung.

Hier und jetzt, so allein und ohne Zeugen konnte Lou es durchaus zugeben, denn Emma wäre schon eine Frau, die sie gern verführt hätte. Sie mochte es, in den Augen der Frauen die Lust zu sehen, wie sie in ihnen anwuchs, während Lou sie umgarnte und bezirzte.

Es war immer oder meistens nur für dieses eine Mal. Und es war berauschend, so hautnah die Einzigartigkeit jeder Frau mitzuerleben. Wie sich in ihnen die Lust höher und höher schraubte, bis der Orgasmus sie mitriss und sie sich ihm hingaben.

Das war es dann.

Und damit war Lou bis jetzt auch gut gefahren. Ein heißer Flirt, geiler Sex, und dann geht frau wieder getrennte Wege. Punkt.

»Dachte mir schon, dass ich dich hier finde«, rief Iris ihr entgegen, als sie zu ihr herüberkam.

»Statt blöder Sprüche könntest du dich nützlich machen und deine Bar auffüllen«, sagte Lou.

Iris nervte gerade extrem mit ihren Sticheleien gegen Emma. Der Tag hatte zwar erst vor ein paar Stunden angefangen, aber noch mehr Aufregung konnte sie nicht gebrauchen. Paulas Ankündigung reichte da schon vollkommen aus.

»Dafür habe ich noch Zeit«, erwiderte Iris spitz und setzte sich ungefragt neben sie. »Ich habe mir diese Schreinerin noch mal genauer angesehen. Die ist nicht von der Schreinerei, deren Nummer ich aufgeschrieben hatte.«

Lou runzelte die Stirn. »Ich habe die Nummer gewählt, die auf dem Zettel stand. Hättest du eben was leserlicher schreiben müssen. Aber ist ja auch egal. Ich bin jedenfalls überzeugt, dass sie ordentlich arbeitet.«

»Hm«, machte Iris. »Und woher willst du das wissen? Und überhaupt, ist sie ganz allein?«

»Ich war in ihrer Werkstatt, und dort haben wir das Holz für den Boden ausgesucht.« Unweigerlich begann Lou zu lächeln. »Das hat mir eben alles sehr gut gefallen. Und einen Angestellten habe ich nicht gesehen. Wieso fragst du?«

»Ach, nur so.« Dann grinste Iris breit. »In ihrer Werkstatt wart ihr? Soso. Holz aussuchen. Ja klar.«

Lou verdrehte die Augen. »Wie oft soll ich es denn noch wiederholen? Ich habe Emma Wickly als Schreinerin engagiert. Zum Schreinern. Mehr nicht.«

»Wenn das so wäre, würdest du dich jetzt nicht so darüber aufregen. Ich mach doch nur Spaß.« Iris knuffte sie in die Seite.

Das stimmte Lou doch wieder nachdenklich. Warum eigentlich machte ihr es so viel aus, wenn Iris über Emma sprach wie über . . . ja, wie sie immer über Lous One-Night-Stands sprachen.

Gedankenversunken beobachtete sie Emma dabei, wie sie eine weitere Ladung Bretter aus dem Wagen holte.

Das war schließlich schon seit Jahren ihre Masche, und damit war sie auch recht erfolgreich. Sie war bisher immer stolz auf ihre Verführungskünste gewesen und hatte bislang noch jede gekriegt, die sie haben wollte.

Aber irgendetwas störte sie an der Vorstellung, Emma so zu behandeln. Sie war nicht irgendeine ›Kleine‹, die sie mal eben vernaschen wollte. Aber vielleicht lag es nur daran, dass sie Emma inzwischen ein wenig kennengelernt hatte. Ja genau, das musste es sein. Das war es, was sie daran störte. Die Frauen, die sie auf Partys aufriss, waren alle namenlos.

»Hey, Erde an Lou!« Iris wedelte mit einer Hand vor Lous Gesicht herum. »Wie bist du denn drauf heute? Grübelst du immer noch über diese Emma nach? Das kenne ich doch sonst nicht von dir.«

»Sie ist einfach . . . anders«, erwiderte Lou versonnen. »Ich glaube, Emma ist eine Frau, die in den Arm genommen werden möchte.« Ohne weiter darüber nachzudenken, legte sie ihren Arm um eine Eisenstange des Schaukelgerüsts und schmiegte sich dagegen.

»Oh Gott«, stöhnte Iris und verdrehte die Augen. »Geht’s noch schmalziger? War in deinem Wasser irgendwas drin?«

»Also jetzt reicht’s mir aber«, gab Lou gespielt empört zurück. »Du verkrümelst dich jetzt endlich hinter deine Bar. Das ist ein Befehl.« Ostentativ streckte sie den Arm aus und zeigte mit spitzem Finger hinüber zum Eingang. »Oder ich werde dich heute Abend die Wassersiebe reinigen lassen.«

»Schon gut, schon gut.« Beschwichtigend hob Iris die Hände und stand auf. »Ich geh ja schon. Und keine Angst, ich werde der Kleinen nicht verraten, dass du so scharf auf sie bist, dass du schon unschuldige Schaukelgerüste umarmst.« Lachend ging sie zum Spa hinüber.

»Du bist echt unmöglich«, rief Lou ihr nach. Kopfschüttelnd sah sie ihr hinterher. Iris war echt ein verrücktes Huhn. Aber noch viel verrückter war, dass ihr Herz bei der Aussicht darauf, jetzt hineinzugehen und Emma – äh, den neuen Boden – zu sehen, so kräftig lospochte.

6

»Geschafft.« Zufrieden klopfte Emma sich auf die Oberschenkel. Ja, das sah gut aus. Mit geübtem Blick betrachtete sie nochmals das letzte Stück, aber es gab nichts zu bemängeln. Damit war ihre Arbeit hier erledigt.

Der neue Boden war drin, und er sah besser aus, als sie es sich vorgestellt hatte. Zufrieden lächelnd erhob sie sich und stemmte ihre Hände in die Hüften.

Ihren Blick zu Boden gesenkt schlenderte sie ein paar Schritte und versicherte sich noch einmal, ob auch wirklich alles perfekt saß.

Sie konnte es kaum abwarten, bis Lou das sah. Die würde Augen machen. Da war sie sich sicher.

Manuela Schopfer: Wellness fürs Herz

1 »So kann ich das nicht durchgehen lassen!«, ereiferte Gebäudeinspektorin Donner sich. »Sie sehen...
»Pscht«, mahnte Lou. Unterdrückt brummte sie: »Halt dich zurück, wenigstens so lange, bis sie die...
»Kleines, du vergisst was Entscheidendes«, säuselte Iris mit sanfter Stimme. »Der alte Stoss stand...
Augenblicklich riss Emma die Augen auf. Gott, wie peinlich! Allein wegen einer sanften Berührung,...
Ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Boden gerichtet, ging sie in die Hocke und kratzte mit den...
»Haben die anderen Räume auch noch Sideboards, die verstärkt werden müssen, oder haben Sie sonst...
Und obwohl das sicher eine angemessene Begrüßung war, schien sie Emma Wickly doch ziemlich auf dem...
Ob das ihre Absicht ist? dachte Lou. Will sie nicht, dass ich sie ansehe? »Ihre . . . Kunden sind...
Dabei hatte sie sich viele Gedanken über die Umgestaltung des Massageraumes gemacht, die Muster...
Irritiert blickte Lou sie an. Die Sache mit dem Dildo klären? Seit sechs Uhr heute Morgen auf Emma...
»Pah. Das ist doch absurd.« Genervt setzte sie sich auf ihre altmodische Hollywoodschaukel, die in...
Inmitten des Raumes blieb sie stehen, hakte ihre Daumen links und rechts im Gürtel ein und nickte....