Inmitten des Raumes blieb sie stehen, hakte ihre Daumen links und rechts im Gürtel ein und nickte.

»Du hattest recht.« Lou erschien in der Tür. Ein leichtes Lächeln lag auf ihren Lippen. »Die Massivholzdielen sehen super aus.« Mit ihren Händen auf den Rücken gelegt kam sie ein paar Schritte in Maggies Massagezimmer herein und ließ ihren Blick umherschweifen.

»Das freut mich.« Zögerlich verschränkte Emma ihre Finger vor ihrem Bauch und beobachtete Lou. Sie wusste zwar, dass sie ein Händchen für so was hatte – musste sie als Schreinerin wohl auch –, aber wenn der Boden drin war, war es immer noch das Wichtigste, dass er dem Kunden gefiel. Er oder in diesem Fall sie musste damit zufrieden sein. Und gerade bei Lou war es ihr eine Herzensangelegenheit, dass sie mit dem Ergebnis mehr als nur zufrieden war.

»Ich finde, er unterstreicht die Atmosphäre hier drin viel besser, als es das Laminat getan hätte«, fügte Emma noch hinzu.

»Ja, das tut er.« Lou nickte angedeutet, kam auf sie zu, blieb dicht vor ihr stehen und sah ihr direkt in die Augen. »Das hast du sehr gut gemacht, und danke, dass du mich von den Massivholzdielen überzeugt hast. Das war definitiv die bessere Wahl.«

»Gern.« Emma schluckte. Sie wusste gerade nicht, wohin mit sich, denn Lous grüne Augen und wie sie geradewegs in ihre sahen, lösten einen warmen Schauer aus, der ihren ganzen Körper durchflutete.

Inzwischen sollte sie das zwar gewöhnt sein, denn Lou hatte, während sie am Arbeiten war, hin und wieder vorbeigeschaut, und jedes Mal hatte ihr Körper so reagiert. Selbst jede noch so beiläufige Berührung von Lou löste das Verlangen nach mehr in ihr aus. Da hatte gestern Abend, als sie allein in ihrem Bett lag, nicht einmal der Griff in ihre kleine Kiste unter dem Bett groß Abhilfe geschafft.

»Ich . . . ich bin froh, wenn es dir gefällt«, krächzte Emma etwas undeutlich und räusperte sich gleich darauf. Ihr war schon immer sehr wichtig, dass ihre Kunden zufrieden waren, aber bei Lou fühlte es sich anders an. Irgendwie – bedeutender.

Unschlüssig strich sie sich ihren Arm hoch und runter, während sie sich nicht von diesen faszinierenden Augen lösen konnte. Eigentlich wollte sie Lou doch noch einen Vorschlag machen, aber jetzt gerade wusste sie nicht, ob es der richtige Zeitpunkt war. Aber später wäre es womöglich zu spät. Daher . . . »Wenn . . . wenn du willst, würde ich dir den Tresen vorn auch so gestalten, dass er besser zum Stil des Empfangsbereichs passt.«

Puh, jetzt war es draußen. Komischerweise stand dieses Mal nicht der Gedanke an das Geld an erster Stelle, nein, es war mehr . . . wie sollte sie sagen . . . Lou und noch etwas länger in ihrer Nähe sein zu können – äh, die Ästhetik beim Eintreten in den Wellnessbereich und der damit verbundene Gesamteindruck.

»Hmm.« Lou schlenderte ein paar Schritte durchs Zimmer und strich sich dabei nachdenklich übers Kinn. »Das ist gar keine schlechte Idee. Ich werde es mir überlegen.«

Unterdrückt atmete Emma aus. Dass ihr Herz vor Erleichterung gleich einen Tick schneller schlug, ignorierte sie jetzt mal. Falls Lou sich nämlich dafür entscheiden sollte, bedeutete das nicht nur einen kleinen Folgeauftrag, nein, es bedeutete auch, dass sie Lou wiedersehen würde. Warum ihr das jetzt wichtig war, schob sie kurzerhand auch zu den Dingen, über die sie jetzt gerade nicht nachdenken wollte. Denn jetzt gab es Wichtigeres.

»Komm«, sagte sie deshalb, »ich möchte dir noch was anderes zeigen.« Spontan nahm sie Lous Hand, die sich immer noch richtig sanft anfühlte, und eilte mit ihr im Schlepptau aus dem Zimmer, die wenigen Schritte über den Korridor und in das andere Zimmer hinein.

Kaum hatte sie es betreten, ließ sie Lous Hand los, eilte an der Massageliege vorbei, holte etwas Schwung und sprang mit Anlauf auf das neue Sideboard. »Voilà«, verkündete sie und streckte ihre Arme seitlich aus. »Das ist jetzt so stabil, dass man sogar darauf sitzen kann. Hält bombenfest.«

»Das sehe ich«, schmunzelte Lou. Nebenbei hob sie ihre Hand und strich sich damit ein paar ihrer schwarzen Haare über die Schulter zurück.

Immer noch mit einem breiten Lächeln im Gesicht lehnte sie sich gegen den Türrahmen und betrachtete Emma einen Moment.

Nur zögerlich wandte sie ihren Blick nach einem Weilchen von Emma ab und blickte hinunter auf ihre Hände. Nachdenklich strich sie sich mit dem Daumen über den Handrücken ihrer anderen Hand, stieß sich leicht vom Türrahmen ab und sah dann wieder auf zu Emma.

Fast kam es Emma so vor, als hätte Lou nachgedacht und nun eine Entscheidung getroffen, denn ihr Brustkorb hob sich unter einem tiefen Atemzug an. Ihre Schultern gestrafft legte sie ihre Hände auf den Rücken und kam langsam näher. Bei der Massageliege blieb sie stehen, lehnte sich dagegen und stützte sich mit den Händen links und rechts neben sich darauf ab.

Oh je, war was? Emma sah an sich hinunter, dann schnell nach links und rechts auf das Sideboard, das noch ein ganzes Stück neben ihren Händen weiter zur Seite reichte. Es war alles intakt. Nichts hatte verdächtig geknackst oder war sonst nicht so, wie es sein sollte. Oder hatte sie etwas übersehen?

Fragend schaute sie zu Lou, deren Gesichtsausdruck sich verändert hatte. Das ausgelassene Lächeln von vorhin war verschwunden, stattdessen kaute sie auf ihrer Unterlippe herum.

Emma spürte, wie ihr Herz zu wummern begann, nur schon beim Anblick von Lou und wie sie sich nun von der Massageliege abstieß, ihre Hände wieder auf ihren Rücken legte und geradewegs auf sie zukam.

Da war auch wieder dieser Blick, der irgendwie direkt in Emma hineinzusehen vermochte und sie auf eine Art festzuhalten schien, der sie sich seltsamerweise gern aussetzte.

»Das gefällt mir«, sagte Lou mit fester Stimme. Entschieden machte sie noch einen Schritt auf Emma zu und blieb kaum eine Armlänge von ihr entfernt stehen.

Oh Gott. Emmas Atem stockte, und ihre Finger krallten sich wie von selbst noch ein bisschen fester um die Kante des Sideboards. Alles an Lou strahlte Selbstbewusstsein aus, und ja, das war verflixt anziehend.

»Du hast gute Arbeit geleistet.« Lou kam noch den letzten Schritt auf Emma zu und blieb so dicht vor ihr stehen, dass sie beinahe mit ihrem Bauch Emmas Knie berührte. Leicht beugte Lou sich vor und löste ihre Hände vom Rücken.

Was? wollte Emma fragen. Aber unter Lous intensivem Blick blieb sie stumm. Warum ihr Herz ausgerechnet jetzt nochmals einen Tick schneller schlug, fast so, als wollte es aus ihrer Brust ausbüxen, wusste sie auch nicht – verflixt, doch, sie wusste es. Unterdrückt schluckte sie, um den Gedanken an Lous Brüste, die so, wie sie jetzt vor ihr stand, direkt auf Augenhöhe gegen das Poloshirt drückten, zu verdrängen. Lous Verhalten war verwirrend und gleichzeitig – aufregend.

Nur aus dem Augenwinkel bemerkte Emma, wie Lou ihre Hände anhob und sie links und rechts neben Emmas auf die Kante des Sideboards legte.

Augenblicklich presste Emma ihren Rücken zurück an die Wand. Auch wenn sie keinen Schimmer hatte, ob Lou ihr jetzt gerade tatsächlich auf die Lippen starrte, oder ob sie sich das nur einbildete. Irgendetwas regte sich in ihr drin, und das war nicht das Adrenalin, das durch ihre Venen pumpte. Das war . . . Emma biss sich auf die Unterlippe – pure Erregung. Mist!

Ohne ihren Blick von Emma abzuwenden, rüttelte Lou leicht an der Kante des Sideboards. »Das hast du wirklich gutgemacht«, lobte sie erneut und beugte sich noch etwas weiter vor. Gegen Emmas Lippen gehaucht sagte sie: »Ich bin mir sicher, meine Kunden werden das sehr zu schätzen wissen.«

Für eine Sekunde sah Emma irritiert am Sideboard rüttelnde Spa-Besucher vor sich, doch Lous zarter Atem in ihrem Gesicht und ihr betörender Duft holten sie wieder zurück. Und auch wenn es nur so kurz wie ein Wimpernschlag gewesen war, Emma hätte ihren guten Gummihammer darauf verwettet, dass Lou ihr gerade eben erneut auf die Lippen gestarrt hatte. Himmel, was passierte hier gerade?

ENDE DER FORTSETZUNG

Manuela Schopfer: Wellness fürs Herz

1 »So kann ich das nicht durchgehen lassen!«, ereiferte Gebäudeinspektorin Donner sich. »Sie sehen...
»Pscht«, mahnte Lou. Unterdrückt brummte sie: »Halt dich zurück, wenigstens so lange, bis sie die...
»Kleines, du vergisst was Entscheidendes«, säuselte Iris mit sanfter Stimme. »Der alte Stoss stand...
Augenblicklich riss Emma die Augen auf. Gott, wie peinlich! Allein wegen einer sanften Berührung,...
Ihre Aufmerksamkeit wieder auf den Boden gerichtet, ging sie in die Hocke und kratzte mit den...
»Haben die anderen Räume auch noch Sideboards, die verstärkt werden müssen, oder haben Sie sonst...
Und obwohl das sicher eine angemessene Begrüßung war, schien sie Emma Wickly doch ziemlich auf dem...
Ob das ihre Absicht ist? dachte Lou. Will sie nicht, dass ich sie ansehe? »Ihre . . . Kunden sind...
Dabei hatte sie sich viele Gedanken über die Umgestaltung des Massageraumes gemacht, die Muster...
Irritiert blickte Lou sie an. Die Sache mit dem Dildo klären? Seit sechs Uhr heute Morgen auf Emma...
»Pah. Das ist doch absurd.« Genervt setzte sie sich auf ihre altmodische Hollywoodschaukel, die in...
Inmitten des Raumes blieb sie stehen, hakte ihre Daumen links und rechts im Gürtel ein und nickte....