Dabei hatte sie sich viele Gedanken über die Umgestaltung des Massageraumes gemacht, die Muster mit viel Liebe ausgesucht, um die Atmosphäre zu unterstützen, die ein solcher Raum haben sollte.

Sie hatte mit Lou, da in ihren Gedanken noch Frau Gerber, darüber sprechen wollen, ob sie sich das Zimmer in der neuen Optik vorstellen konnte. Emmas Meinung nach würde das alles wunderbar zusammen harmonisieren und sehr zur Entspannung der Kunden beitragen.

Na gut, das tat sicher auch ein Dildo . . .

Immerhin sah es danach aus, als wäre Lou weiterhin daran interessiert, mit ihr zusammenzuarbeiten.

Warum ihr Herz nur beim Gedanken daran, dass sie Lou somit sicherlich noch einige Male sehen würde, freudig loswummerte, wollte sie nicht weiter hinterfragen.

Sie freute sich jetzt einfach mal darauf, dass sie auch in den nächsten Tagen Lou hin und wieder sehen würde. Für welche Art von Holz sie sich auch immer entschied.

Alles andere sollte sie besser aus ihren Gedanken verbannen.

5

»Was hast du dir eigentlich dabei gedacht?« Lou hatte Iris beiseitegenommen und hielt ihr den Dildo unter die Nase.

Iris guckte verdutzt. »Was willst du denn jetzt hier mit dem Ding anstellen?«

»Jetzt tu doch nicht so harmlos.« Lous Gereiztheit schlug langsam in Wut um.

Iris ging einen Schritt rückwärts und hob beschwichtigend die Hände. »Du, ich habe keine Ahnung, was du meinst.«

Das nahm Lou für einen Moment den Wind aus den Segeln. »Was soll das heißen, du weißt nicht, was ich meine? Dieses Ding hier kam der Schreinerin mitsamt dem kaputten Sideboard entgegengeflogen. Was, wenn ein Kunde den Dildo gefunden hätte?«

Iris gab sich weiterhin ahnungslos. »Der war im Sideboard? Das kaputte in deinem Massagezimmer? Und du denkst, ich hätte was damit zu tun?« Sie runzelte die Stirn.

»Wer sonst treibt es denn in meinem Zimmer? Also kommst ja wohl nur du in Frage«, schnaubte Lou.

Nun wurde es auch Iris langsam zu viel. »Jetzt hör aber auf. Wofür hältst du mich denn? Glaubst du, ich lüge? Ich sag’s dir noch einmal, der Dildo ist nicht von mir. So blöd bin ich doch nicht, selbst wenn ich ihn benutzt hätte, den einfach in deinem Zimmer liegenzulassen.« Sie schüttelte fassungslos den Kopf.

Lou zog die Augenbrauen zusammen. »Hm«, brummte sie.

Von all ihren Angestellten war Iris die Einzige, der sie das zugetraut hätte. Wollte sich da jemand einen schlechten Scherz erlauben? Sollte das ein Streich sein? Die Chefin findet einen Dildo im Schrank, haha, wie lustig? Das konnte sie sich beim besten Willen nicht vorstellen. Denn dass der Schuss ganz leicht nach hinten losgehen könnte, wenn ein Kunde das Ding findet, müsste doch wohl jedem klar sein. Ihr Spa hätte sofort den Ruf eines Bordells weg, und dann könnte sie ihren Laden zumachen. Und damit würden all ihre Angestellten auf der Straße sitzen.

Lou schüttelte leicht den Kopf. »Kannst du dir denn vorstellen, wer das getan haben könnte?«, fragte sie Iris versöhnlich, obwohl sie innerlich noch immer misstrauisch war.

Iris zuckte die Schultern. »Keine Ahnung. Aber ich war’s echt nicht«, sagte sie mit unschuldigem Welpenblick.

Doch bevor Lou sich weiter Gedanken darüber machen konnte, gab ihr Handy einen Ton von sich. Sie warf einen Blick aufs Display und starrte es unweigerlich völlig entgeistert an. »Unglaublich.« Genervt rollte sie die Augen. Das durfte doch wohl nicht wahr sein. Zuerst der Besuch der Gebäudeinspektorin und jetzt auch das noch! Wenn das so weiter ging mit den Hiobsbotschaften, würde sie sich in eine Höhle verkriechen und nie wieder rauskommen.

»Was ist denn los?«, fragte Iris besorgt.

Lou hob den Blick und sah Iris zerknirscht an. »Paula hat sich angekündigt. Sie kommt in die Stadt.«

»Paula?« Iris hob fragend ihre Augenbrauen. »Du meinst deine Mutter? Die Paula?«

»Nenn sie nicht so«, murrte Lou. »Aber ja, die Paula.« Leise seufzte sie vor sich hin. »Das hat mir gerade noch gefehlt.«

Missmutig spielte sie mit ihrem Handy herum. »Das Geschäft läuft jetzt richtig gut, und da kann ich es überhaupt nicht brauchen, dass die hier wie ein Tornado durchfegt und mir mit ihrer Besserwisserei meine Mitarbeiter, oder noch schlimmer: meine Besucher, vergrault.«

»Ich habe die Lösung für dein Problem.« Iris schnippte mit dem Finger in die Luft. »Du schreibst ihr einfach, dass du in den Ferien bist.«

»Ganz sicher nicht«, widersprach Lou. Entschieden schüttelte sie den Kopf. »Dann hat sie noch das Gefühl, sie kann sich in meinem Haus einnisten, bis ich wieder da bin, und dann werde ich sie nie wieder los.« Mit gesenktem Blick starrte sie auf ihr Handy. Ihr kleines Häuschen war zwar nicht so komfortabel wie ihr Wellness & Spa und auch kaum luxuriös, aber das würde Paula nötigenfalls nicht abhalten, sich wie eine Zecke darin einzunisten. »Nein«, beschloss sie daher. »Es ist am besten, wenn sie erst gar nicht herkommt.«

»Sag ihr doch, dass du hier alles verkauft hast und in der Weltgeschichte herumreist«, schlug Iris ihr als Nächstes vor. »Dann hat sie keinen Grund mehr herzukommen.«

»Hast du was getrunken?« Entgeistert sah Lou auf zu Iris. »Das ist doch Schwachsinn«, winkte sie daher ab. »Dann würde sie doch erst recht hinter mir her sein, wenn sie denken würde, dass ich zu Geld gekommen bin.« Erneut senkte sie den Blick aufs Handy. »Nein, es muss einen anderen Weg geben.«

»Vielleicht hat sie sich inzwischen geändert.« Iris zuckte die Schultern. »Womöglich will sie zurückkommen, hier sesshaft werden und sucht noch einen Job.«

»Paula und einen Job suchen? Du musst wirklich was getrunken haben«, unterbrach Lou sie schroff. Ihren Finger mahnend erhoben schwenkte sie ihn verneinend wiederholt von links nach rechts. »Wenn ich Paula hier wohnen lasse, werde ich sie nicht davon abhalten können, mir die Gäste hier aufzumischen. Ich sehe sie schon wie eine aufgetakelte Möchtegern-Grand-Dame hier an der Bar herumhängen. Ihr schrilles und überdrehtes Verhalten ruiniert mir noch meinen guten Ruf. Gerade der ist immens wichtig und mit ein Grund, warum die Leute herkommen. Nicht umsonst lege ich so großen Wert darauf, dass das Ambiente hier einzigartig ist.« Fast, als wollte sie das Thema damit vom Tisch haben, nahm sie ihr Handy und schob es sich in die Hosentasche. »Meine Besucher kommen doch her, weil sie sich entspannen wollen. Den Alltag vergessen, die Seele baumeln lassen und sich was Gutes tun. Einfach herkommen und genießen. Das ist die Devise.«

»Du hörst dich an wie ein sprechender Werbeprospekt«, neckte Iris sie, hob aber gleich beschwichtigend die Hände. »Schon gut, schon gut. Ich bin mir sicher, du wirst dir was einfallen lassen, um Paula davon abzuhalten herzukommen.« Sie neigte leicht ihren Kopf zur Seite. »Was mich aber mehr interessieren würde, was machst du eigentlich noch hier? So was brütest du doch normalerweise bei dir drüben aus.«

Manuela Schopfer: Wellness fürs Herz

1 »So kann ich das nicht durchgehen lassen!«, ereiferte Gebäudeinspektorin Donner sich. »Sie sehen...
»Pscht«, mahnte Lou. Unterdrückt brummte sie: »Halt dich zurück, wenigstens so lange, bis sie die...
»Kleines, du vergisst was Entscheidendes«, säuselte Iris mit sanfter Stimme. »Der alte Stoss stand...
Augenblicklich riss Emma die Augen auf. Gott, wie peinlich! Allein wegen einer sanften Berührung,...
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Und obwohl das sicher eine angemessene Begrüßung war, schien sie Emma Wickly doch ziemlich auf dem...
Ob das ihre Absicht ist? dachte Lou. Will sie nicht, dass ich sie ansehe? »Ihre . . . Kunden sind...
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Irritiert blickte Lou sie an. Die Sache mit dem Dildo klären? Seit sechs Uhr heute Morgen auf Emma...
»Pah. Das ist doch absurd.« Genervt setzte sie sich auf ihre altmodische Hollywoodschaukel, die in...
Inmitten des Raumes blieb sie stehen, hakte ihre Daumen links und rechts im Gürtel ein und nickte....