»Pscht«, mahnte Lou. Unterdrückt brummte sie: »Halt dich zurück, wenigstens so lange, bis sie die Schranke passiert hat. Die hat Haare auf den Zähnen.«

Gebannt verfolgte Iris das Auto, und als sich die Schranke dahinter senkte, wandte sie sich an Lou. »Sie ist weg.« Sie hob die Augenbrauen. »Und jetzt spuck es aus. Wer war das? Und sag mir jetzt nicht, dass du seit Neustem auf Frauen in biederen Businessanzügen stehst, die die Geburt Christi miterlebt haben.«

»Spinnst du?«, brach es lachend aus Lou heraus. »Das war die Gebäudeinspektorin.« Bereits beim Gedanken daran, dass sie und Frau Donner was zusammen haben könnten, durchfuhr sie ein eisiger Schauer.

Lou wandte sich ab und ging zu ihrem kleinen Haus hinüber, das nur einen Steinwurf vom Wellness & Spa entfernt lag. Es war vollkommen klar, dass Iris ihr wie ein kleines Hündchen nachlaufen würde. Iris’ Neugierde war geweckt, und die würde nicht so einfach wieder verschwinden.

»Ja, und was wollte die hier?«, rief Iris ihr prompt hinterher. Bemüht, Lou einzuholen, eilte sie ihr schnellen Schrittes nach. »Nun lass dir doch nicht alles aus der Nase ziehen«, bestand sie darauf, kaum hatte sie sie eingeholt.

»Nur ihre ganz normale Betriebskontrolle.« Lou holte den Schlüssel aus ihrer Hosentasche und schloss die Haustür auf. Gefolgt von Iris betrat sie ihr Büro am Ende des Flures. »Du weißt schon«, sagte sie. »Die kontrollieren in regelmäßigen Abständen, ob die Notausgänge die vorgeschriebenen Maße haben. Ob die Notleuchten angebracht sind und funktionieren. Eben, ob alle gesetzlichen Vorgaben eingehalten werden, damit meine Besucher hier sicher ihren Aufenthalt genießen können«, sagte Lou in übertrieben amtlichem Tonfall.

»So, wie die ausgesehen hat«, Iris tippte sich gegen ihr Kinn, »lechzt die förmlich danach, den anderen das Leben schwer zu machen.« Grinsend folgte sie Lou ins Büro und blieb hinter dem Stuhl stehen, der vor dem eleganten Schreibtisch stand.

»Oh ja, das konnte sie auch hinter ihrer dicken Brille nicht verstecken.« Lou holte die Mängelliste aus ihrer Gesäßtasche und legte sie auf den Schreibtisch. »Es ist eigentlich nicht viel. Ein paar Kleinigkeiten. Aber das größte Problem ist der Boden in Maggies Massagezimmer.« Sie seufzte. »Der hat’s wirklich gesehen und muss erneuert werden. Ich konnte die Donner gerade noch davon abhalten, dass sie mir gleich die Betriebserlaubnis für den ganzen Wellnessbereich entzieht.«

»Das ist alles?« Iris kräuselte die Stirn und kam um den Stuhl herum. »Wegen des popeligen Bodens in Maggies Zimmer? Darf die das denn?«

»Ja, leider.« Lou tippte auf die Mängelliste. »Ich musste unterschreiben, dass ich das Zimmer außer Betrieb nehme, bis der Boden repariert ist und sie es abgenommen hat.«

»Krass.« Neugierig nahm Iris den Zettel und überflog ihn. »Hast du denn einen Schreiner zur Hand?«

»Ich kenne nur den alten Herrn Stoss, den, den ich das letzte Mal hatte.« Ratlos zuckte Lou die Schultern. »Ich werde ihn anrufen und hoffen, dass er keine wochenlange Warteliste hat.« Genervt ließ sie sich in ihren Sessel plumpsen. »Ausgerechnet jetzt«, schnaubte sie. »Maggie wird immer sehr gut gebucht, und nun fehlt dieses Zimmer.« Sie seufzte laut auf. »Weißt du, wie ätzend das ist, einen Handwerker zu beauftragen? Das war es schon letztes Mal, bis ich Herrn Stoss gefunden habe. Bei den anderen war es immer ein Drama, bis die mal Zeit hatten, und dann waren das teilweise Männer, die mehr meinen Besucherinnen nachgeglotzt haben, als zu arbeiten. Ich kann das anzügliche Grinsen und die blöden Sprüche der Kerle untereinander immer noch hören.«

»Kann mich noch erinnern«, sinnierte Iris vor sich hin. Dann tippte sie auf die Mängelliste. »Was ist denn mit dem Sideboard in deinem Massagezimmer?«

Lou beugte sich vor, drehte den Zettel zu sich und sah auf die Stelle, die Iris ihr zeigte. »Das wackelt ganz ordentlich. Da war wohl jemand etwas zu rabiat.« Strafend blickte sie Iris an.

Iris verdrehte die Augen. »Beim letzten Mal hast du dich beschwert, dass du deine Massageliege desinfizieren musstest. Also brauchten wir eine Alternative.«

»Die Alternative ist, es überhaupt nicht in meinem Massagezimmer zu treiben!«, erwiderte Lou leicht gereizt. »Nein, es im gesamten Spa nicht zu treiben. Irgendwann wirst du noch dabei erwischt, und ich habe dann den Ärger.«

Iris beugte sich leicht über den Schreibtisch und säuselte: »Was glaubst du, weshalb wir uns in deinem Zimmer einschließen?«

Lou wollte empört hochfahren, doch Iris hob beschwichtigend die Hände. »Schon gut, schon gut. Keinen Sex mehr im Spa. Versprochen.«

»Na hoffentlich.« Unwirsch wischte Lou einen Staubkrümel vom Schreibtisch.

So gern sie Iris mochte und ihre Loyalität und Arbeit für das Spa schätzte, aber diese Eskapaden gingen langsam eindeutig zu weit. Und es war nicht das erste Mal, dass Iris ihr versprochen hatte, damit aufzuhören.

»Pass auf. Ich kenne eine Schreinerei, die professionell und flott arbeitet. Die nehmen auch solche eher kleinen Aufträge kurzfristig an.« Schnelle Themenwechsel, wenn ein Gespräch für sie unangenehm wurde, waren schon immer Iris’ Spezialität.

»Ehrlich?« Lous Augenbrauen wanderten erstaunt nach oben. »Die hätten wirklich kurzfristig Zeit?« Gute Handwerker waren schließlich sehr gefragt, und ein billiger Pfuscher kam auch ohne Frau Donners Ermahnung nicht in Frage.

»Ich schreib dir die Nummer auf, dann kannst du anrufen und einen Termin vereinbaren.« Iris schnappte sich einen Kuli von Lous Schreibtisch und notierte ihr die Nummer auf einen Notizzettel. »Sollen wirklich gut sein.« Sie schob Lou den Zettel hin. »Also, das habe ich gehört«, ergänzte sie noch beiläufig.

»Und du bist sicher, die schicken nicht irgendwelche Sabbernasen her?« Nachdenklich tippte Lou sich gegen ihr Kinn. »Vielleicht sollte ich doch den Stoss wieder beauftragen. Da weiß ich wenigstens, dass er anständige Arbeit leistet und kein notgeiler Voyeur ist.«

»Also echt«, kam es gespielt vorwurfsvoll von Iris. »Und das ausgerechnet von einer, die in anderen Bereichen immer gern Neues«, sie zwinkerte anzüglich, »oder Neue ausprobiert.«

»Das ist doch nicht vergleichbar«, sagte Lou grinsend, während sie mahnend ihren Finger erhob. »Nur weil ich mich bei den Frauen auf nichts Festes einlasse und hin und wieder eine Frau vernasche, muss das noch lange nicht heißen, dass ich bei einem Arbeitsverhältnis nicht auf Altbewährtes zurückgreife.«

»Schon klar«, foppte Iris sie. »Keine feste Beziehung mit Frauen, aber gern öfters eine Neue zum Vögeln, und beim Stoss setzt du auf eure langjährige Beziehung.«

»Arbeitsbeziehung«, korrigierte Lou. »Und du brauchst dich gar nicht lustig zu machen.« Schmunzelnd erhob sie sich und tippte nebenher noch mal auf die Mängelliste. »Wenn ich erneut Herrn Stoss beauftrage, dann kann ich mir wenigstens sicher sein, dass er den Job ordentlich macht.«

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