»Kleines, du vergisst was Entscheidendes«, säuselte Iris mit sanfter Stimme. »Der alte Stoss stand doch schon letztes Mal mit einem Bein in der Pension. Ich bin mir sicher, der liegt mit einem kühlen Drink in der Hand in seinem Garten und guckt den Rosen beim Wachsen zu.« Da Lou immer noch skeptisch dreinblickte, schob sie hinterher: »Nun ruf schon an. Je schneller du anrufst, desto schneller ist die Sache vom Tisch.«

»Ist ja gut, ich mach ja schon.« Lou wunderte sich zwar kurz über Iris’ Hartnäckigkeit, sie vom Stoss wegzubringen, doch dann griff sie zum Telefon und klaubte sich den Notizzettel vom Schreibtisch.

Iris blickte auf ihre Armbanduhr. »Gut, dann ist ja alles klar. Ich muss jetzt eh gehen, meine Schicht hinter der Bar beginnt in ein paar Minuten.«

»Na, dann hau schon ab«, befahl Lou in gespielt strengem Tonfall. Mit der Hand wedelnd scheuchte sie Iris wie eine lästige Fliege aus ihrem Büro. »Ich will nicht, dass meine Besucher vergebens an der Poolbar auf ihre Getränke warten müssen.«

»Bin schon weg«, rief Iris über die Schulter beim Hinausgehen.

Die von Iris betriebene Poolbar war der Renner im Spa. Iris hatte sie ganz allein aufgebaut und die Servicekräfte, die ebenfalls an der Bar bedienten, sehr gut im Griff. In diesem Bereich musste sich Lou um nichts kümmern, außer von Iris’ Geschäftstüchtigkeit zu profitieren. Die Partys, die Iris oft an Wochenenden schmiss, spülten ebenfalls mächtig Geld in die Kasse.

Nein, Lou konnte es ich nicht leisten, Iris zu vergraulen, und deshalb sah sie immer wieder über Iris’ ›Sexkapaden‹ hinweg. Auch wenn sie sich mehr und mehr darüber ärgerte.

Sie blickte auf den Notizzettel und kniff die Augen zusammen. Hatte Iris immer schon so eine unleserliche Schrift, oder kam Lou langsam in das Alter, wo sie eine Brille brauchte?

Schließlich glaubte sie, die Nummer richtig zu entziffern, und tippte sie ins Telefon.

2

»Oh, wow.« Emmas Augen wurden immer größer, je weiter sie die langgezogene Auffahrt entlangfuhr. Das ansehnliche Gebäude, das vor ihr thronte, wurde mit jedem Meter imposanter.

Emma schluckte bei dem Anblick. Hoffentlich waren die Besitzer keine versnobten alten Besserwisser, denen sie nichts recht machen würde. Obwohl, Frau Gerber, die Frau, mit der sie gestern telefoniert hatte, hatte nicht den Eindruck gemacht. Ganz im Gegenteil. Aber wer wusste schon, wer und was sie im Endeffekt hier erwarten würde.

Sie parkte ihren Lieferwagen – der ihr auf einmal etwas schäbig vorkam – mit gebührendem Abstand vor der Treppe, die zum Haupteingang hinaufführte.

Kurz schloss sie die Augen und zwang sich innerlich zur Ruhe. In so einem noblen Schuppen hatte sie noch nie gearbeitet. Das machte sie etwas nervös. Doch sie brauchte diesen Auftrag dringend. Oder besser gesagt: das Geld. Deshalb musste sie ihn auch unbedingt an Land ziehen.

So, wie Frau Gerber sich gestern am Telefon angehört hatte, waren die Kosten für sie zweitrangig. Zum Glück. Sie schien mehr Wert darauf zu legen, dass die Arbeiten perfekt ausgeführt wurden, und das ziemlich zackig. Sollte Emma recht sein. Hoffentlich würde Frau Gerber dann ihre Rechnung genauso zackig bezahlen.

Einen tiefen Atemzug später nahm Emma ihren Notizblock und das Bandmaß vom Beifahrersitz, stieg aus und schloss die Fahrertür hinter sich. So ein paar Stunden Erholung in den warmen Bädern und eine Massage hätte sie sich jetzt auch gern gegönnt . . .

Da sie noch ein paar Minuten Zeit bis zum vereinbarten Termin hatte, zog sie ihr Handy aus der Hosentasche, ging ein paar Schritte zurück und machte ein Foto. Damit konnte sie ein wenig vor zukünftigen Kunden angeben: Und für dieses Wellness & Spa habe ich auch schon gearbeitet.

Sie betrachtete das Foto. Sie hatte das Gebäude gut getroffen. Selbst auf dem Handybildschirm machte es einen imposanten Eindruck. »Wunderschön.« Zufrieden nickte sie.

»Dann warten Sie mal ab, bis Sie es von innen gesehen haben«, meldete sich in diesem Augenblick eine Stimme dicht hinter ihr.

»Huch!«, entfuhr es Emma überrascht. Vor Schreck flutschte ihr das Handy durch die Finger und klatschte nach einem kurzen Zwischenstopp auf ihrem Fuß direkt auf den Boden. Mist.

»Sie haben da was fallenlassen«, sagte die Frau schmunzelnd.

Gefesselt von diesen grünen Augen, die direkt in ihre sahen, brauchte Emma ein paar Sekunden, um zu reagieren. Dann blickte sie zu Boden. Da hatte sie ja mal wieder Eindruck hinterlassen. Hoffentlich war das nicht Frau Gerber, ihre Auftraggeberin.

Emma konnte den Blick der Frau förmlich auf sich spüren und wie er sich in ihren Rücken bohrte, als sie sich bückte und das Handy vom Boden klaubte. Gott sei Dank hat die Schutzhülle das teure Gerät vor Schaden bewahrt.

Schnell schob sie es sich in die Hosentasche und strich sich eine Strähne hinters Ohr, die sich wie immer nicht daran halten wollte, im Zopf eingeflochten zu bleiben. »Ich habe einen Termin mit Frau Gerber«, sagte sie in der Hoffnung, dass die Frau, die in dieser weißen Hose und dem dunkelblauen Polo ganz danach aussah, als würde sie hier arbeiten, sie vielleicht zu ihr bringen würde. »Sie erwartet mich schon.«

»Nun, Sie haben sie bereits gefunden«, sagte die Frau ungerührt und bot Emma ihre Hand an. »Louisa Gerber. Und Sie sind die Schreinerin, nehme ich an. Schön, dass Sie es so schnell einrichten konnten.«

Umpf . . . schluckte Emma den Seufzer hinunter, der ihr beinah entfleucht wäre. Ja, jetzt sah sie es auch. Denn wenn sie mal einen kleinen Blick auf das Namenschildchen geworfen hätte, hätte sie sich diese Peinlichkeit ersparen können. »Emma Wickly«, stellte sie sich trotzdem noch vor und nahm die dargebotene Hand.

So weich, dachte Emma. Ihren Blick auf ihre Hände gesenkt sah sie gebannt dabei zu, wie Frau Gerber nach ein paar Sekunden ihre Hand langsam wieder aus ihrer löste.

Im Gegensatz zu ihrer eigenen, die sich durch die tägliche Arbeit mit dem Holz wohl sehr rau anfühlen musste, war Frau Gerbers Hand richtig samtig. Zudem hinterließ sie ein warmes Gefühl, das sich irgendwie in ihrer ganzen Hand ausbreitete.

Emma spürte genüsslich diesem Gefühl nach, das sich über ihren Arm weiter hinauf und in ihrem ganzen Körper ausbreitete. Faszinierend. Ja, wer solche Hände hatte, die allein mit einer solch einfachen Berührung dieses Wohlbefinden auslösen konnten, war wohl goldrichtig in einem Wellness & Spa.

»Es freut mich, Sie kennenzulernen«, holte Lou Gerber Emma aus ihren Träumereien und deutete mit dem Kopf zum Haupteingang. »Wollen wir?«

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