Sie huschte ins Zimmer hinein, schloss die Tür hinter sich und lehnte sich tief durchatmend gegen die Wand.

Das Hotelzimmer hatte eine angenehme Größe und war ganz nach Antonias Geschmack sehr modern eingerichtet. Vom gegenüberliegenden Fenster hatte sie einen fantastischen Blick auf das Tiroler Bergpanorama.

Doch im Moment war Antonia schlichtweg nicht in der Stimmung, die Aussicht zu genießen. Sie streifte ihren Mantel ab, zog die Stiefel aus und ließ sich der Länge nach auf das breite Doppelbett fallen.

Aber kaum, dass sie die Augen geschlossen hatte, schossen ihr unweigerlich Bilder von Joyce Aigner durch den Kopf. Diese unverschämte Frau mit den faszinierend blauen Augen und einer makellosen Figur, dass Antonia das Wasser im Munde zusammenlief. Wie war das möglich, dass sie sich von ihr wie einem Magneten angezogen fühlte, obwohl diese Frau sich aufführte, als wäre das ganze Leben nur ein Spaß? Sie hatte mit ihr gespielt, mit ihr, Antonia. Sie hatte sie gelockt und herausgefordert, und Antonia war prompt in die Falle getappt, als wäre sie, die Juristin, ein kleines dummes Naivchen. War das denn zu fassen? Nein, war es nicht. Es war eine Frechheit!

Antonia stieß eine Reihe von Flüchen aus, die sie besser niemanden hören lassen wollte. Doch so sehr sie sich auch bemühte, an etwas anderes zu denken, diese Joyce schien allgegenwärtig zu sein.

»Joyce.« Sie murmelte immer wieder den Namen vor sich hin, bis sie schon fast in ein melodisches Summen überging. Entsetzt riss sie die Augen auf. »Was nur zum Teufel stimmt nicht mit dir, Antonia Reitmeyer?«, zischte sie die Zimmerdecke an.

Reichte es denn nicht, dass sie sich schon die restliche Zugfahrt auf nichts anderes hatte konzentrieren können? Dabei hatten sich die drei alten Damen mit ihrer mütterlichen Fürsorge so viel Mühe gegeben, sie zu unterhalten. Sie hatten fortlaufend geplappert und gekichert, und ständig wurden Antonia köstliche Leckereien wie Kuchen, Kekse und Schokolade angeboten. Vermutlich hatten sie gedacht, sie würde am Hungertuch nagen, weil sie so zierlich wirkte. Wie sollten die alten Frauen auch wissen, dass sie viel dafür getan hatte, um so auszusehen, wie sie aussah? Selbstverständlich hatte sie auch diesen Verlockungen widerstanden und genauso dankend abgelehnt wie bei Joyce’ Apfel. Da war er wieder, dieser Name.

»Pfff!« Antonia wedelte mit der Hand vor ihrem Gesicht herum, als könnte sie so ihre Gedanken steuern und sie in eine andere Richtung lenken.

Vor sich hin grummelnd stand sie schließlich wieder auf. So konnte sie sich unmöglich ausruhen. Vielleicht würde ein Saunagang oder der Whirlpool helfen, damit sie sich ein wenig entspannen konnte. Eine Rücken- und Nackenmassage wäre jetzt sogar noch besser. Aber ob sie da heute noch einen freien Termin bekommen würde? Sie griff nach dem Hörer des Zimmertelefons und wählte die Nummer der Hotelrezeption.


Zur frühen Nachmittagszeit besuchten nur wenige Hotelgäste den Wellnessbereich. Die meisten waren jetzt im Winter noch auf den Skipisten unterwegs oder besuchten die Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Antonia konnte das nur recht sein. Ein Grund, warum sie in Hotels eher selten die Sauna oder dergleichen aufsuchte, war das dichte Gedränge nackter, schwitzender Körper beider Geschlechter. Das war ihr ein Gräuel, obwohl sie die gesundheitsfördernde Wirkung von Heißluft- und Dampfbädern durchaus schätzte.

In Würzburg, wo sie seit knapp fünf Jahren arbeitete und lebte, gab es wenigstens eine reine Frauensauna, die sie, soweit es ihre Zeit zuließ, auch gelegentlich besuchte.

Antonia legte ihren Bademantel ab und stellte sich unter die Dusche. Sie lächelte zufrieden, weil sie doch noch kurzfristig einen Massagetermin bekommen hatte.

Da sie noch eine Stunde Zeit hatte, wollte sie vorher noch einen Saunagang einlegen, um ihre Muskulatur aufzuwärmen. Sie hatte sich bereits entschieden, in die Biosauna, der milderen Variante ihrer heißeren Schwester, zu gehen, um ihren Kreislauf nicht gleich zu überfordern. Kombiniert mit der darauffolgenden Massage würde Antonia sich heute Abend wieder wie neugeboren fühlen.

Sie verließ die Dusche und wickelte sich ein weißes Saunatuch, das sie oberhalb der Brust befestigte, um ihren Körper. Anschließend warf sie erst einen Blick durch die Glasscheibe der Saunatür. Die Kabine war leer, allerdings auch nicht sehr groß. Aber sie war ja allein.

Drinnen setzte sie sich auf die oberste Holzbank an den Rand der Kabine, lehnte sich zurück und schloss die Augen. Zum ersten Mal heute schien sie mit ihrem Körper, ihrem Geist und ihrer Seele zur Ruhe zu kommen. Jetzt spürte sie noch deutlicher die Müdigkeit in den Knochen. Sie würde aufpassen müssen, dass sie nachher auf der Ruheliege nicht einschlief und ihren Massagetermin verpasste.

Sie dämmerte halb wie im Traum vor sich hin, als die Holztür plötzlich geöffnet wurde und dabei ein knarzendes Geräusch verursachte. Jetzt war sie also nicht mehr allein. Da Antonia aber gar nicht wissen wollte, wer sich zu ihr gesellt hatte, hielt sie die Augen einfach weiterhin geschlossen. Bis zu dem Moment, als sie eine ihr inzwischen vertraute Stimme vernahm.

»Das nenne ich ja mal wirklich einen Zufall, dass wir uns so schnell wiedersehen.«

Auf der Stelle setzte bei Antonia eine kurze, aber heftige Form der Schnappatmung ein, und ihr Herzschlag drohte aus dem Takt zu geraten. Irgendetwas in ihr wehrte sich vehement dagegen, ihre Augen zu öffnen. Und doch tat sie es, und sie blickte geradewegs auf Joyce, die sich ihr gegenübergesetzt hatte.

Aber das war es nicht, was ihr Herz nun noch schneller und vermutlich auch lauter schlagen ließ. Vielmehr war es der Anblick, der sich Antonia jetzt bot. Denn Joyce hatte sich ihr Saunatuch nur lässig um die Hüfte gebunden, sodass von ihrem schlanken, muskulösen Körper mehr freigelegt als verborgen wurde. Ihre apfelgroßen, festen Brüste wirkten wie in einen Schalen-BH gegossen. Nicht, dass sie einen solchen benötigte. Keineswegs!

Eine Gänsehaut rieselte von Antonias Hals abwärts bis zu ihren Schenkeln. Gleichzeitig spürte sie, wie sich ihre Brustwarzen steil aufstellten und gegen den engsitzenden Stoff des Saunatuches drückten. Bestürzt legte sie einen Arm quer darüber, inständig hoffend, dass Joyce das eigentlich Offensichtliche vielleicht doch irgendwie entgangen war.

»Ja, was für ein Zufall . . .« Sie rang nach Worten. »Der mich sprachlos macht.«

»Das merke ich. Bestimmt kommt das nicht oft vor.« Joyce lächelte weich.

Und wenn Antonia sich nicht täuschte, dann war das Blau in ihren Augen dunkler geworden. Es war wahnsinnig erregend, wie Joyce sie nur mit ihren Blicken streichelte.

Sie schluckte und begann augenblicklich zu schwitzen. Kleine Schweißperlen rannen ihr von der Stirn. Wie lange saß sie jetzt eigentlich schon hier drin? Sie starrte auf die Sanduhr, die neben Joyce an der Wand befestigt war. Doch das war unsinnig, weil sie vergessen hatte, die Uhr umzudrehen, als sie die Kabine betreten hatte.

Hektisch stand sie auf. Doch durch die schnelle Bewegung hatte sich ihr Saunatuch gelockert und drohte nun, über ihre Brüste zu rutschen. Mit beiden Händen hielt sie es fest. »Ich muss gehen . . . Gleich bekomme ich noch eine Massage«, stammelte sie ein wenig wirr.

»Oh, eine Massage, wie schön.« Joyce lehnte sich entspannt zurück, und ihre Arme hingen locker an der Seite. Auf diese Weise gab sie den Blick auf ihren durchtrainierten Bauch frei.

Ein tadelloser Sixpack. Natürlich! Was auch sonst? Aber sie, Antonia, war ja viel zu sehr damit beschäftigt gewesen, auf Joyce’ Brüste zu stieren. Als hätte sie noch nie eine nackte Frau gesehen. Sie merkte, dass sie gleich zu keuchen anfangen würde, wenn sie hier nicht unverzüglich das Weite suchte.

Sima G. Sturm: Entgegen jeder Vernunft

Antonia »Was soll das heißen, Sie haben keinen Platz mehr in der First Class frei?« »Tut mir leid,...
Antonia schnappte empört nach Luft. »Na hören Sie mal. Erstens ist das beige und nicht weiß. Oder...
Doch dann prustete die plötzlich los. »Das gibt’s doch wohl nicht.« Kopfschüttelnd griff sie nach...
Antonia wischte den Gedanken beiseite und schob es auf die Langeweile, die wie eine Krankheit...
Antonia gab sich gedanklich einen Klaps auf den Hinterkopf. Geräuschvoll atmete sie aus, nachdem...
»Kaffee schmeckt nun mal nicht, wenn er kalt ist«, führte Joyce augenzwinkernd aus. »Und Sie...
Warum nur hörte sich das in Antonias Ohren nicht so unschuldig an, wie es womöglich gemeint war?...
Sie huschte ins Zimmer hinein, schloss die Tür hinter sich und lehnte sich tief durchatmend gegen...
»Also dann . . . « Sie nickte Joyce kurz zu, die ihren Gruß mit einem hinreißenden Lächeln...
»War das jetzt ein Angebot?« Joyce lachte erheitert auf. »Sehr verlockend, das muss ich schon...
»Du bist also nicht nur hartnäckig, sondern auch noch ungeduldig. Da darf ich mich wohl auf...
Wäre da nicht Joyce, der ein paar Stunden ausgereicht hatten, an ihr zu rütteln, dass der Putz nur...