Also schnappte sie sich ihre Tasche und ging zu ihrem Wagen hinaus, um einkaufen zu fahren.


Als sie zurückkam, bekam sie so nebenbei mit, dass Wynonas Kinder anscheinend abgeholt wurden. Zuerst kam ein Station Wagon mit einem Mann am Steuer und mindestens drei Jungs darin, die alle Baseballklamotten trugen. Auch Mika trug eine Baseballmontur, als er aus dem Haus kam, um einzusteigen. Nach einem großen Gejohle zur Begrüßung fuhr der Wagen ab.

Nicht viel später stieg Kim in einen kleinen Honda, der von einer Frau gefahren wurde. Oder eher einem Mädchen, das nicht viel älter sein konnte als Kim. Aber auf jeden Fall war sie wohl schon sechzehn, denn offensichtlich hatte sie einen Führerschein. Die beiden johlten nicht, sondern kicherten eher, so wie es aussah. Aber auch sie waren dann schnell mit dem Wagen um die Ecke.

Erst danach verließ Wynona das Haus, vermutlich um in ihren Laden zu gehen. Der große, verdreckte Truck wurde von ihr sehr schnell auf Geschwindigkeit gebracht, sobald sie von ihrem Grundstück gefahren war, sodass die Räder fast durchdrehten, und verschwand dann in einer Staubwolke die Straße hinunter.

Wenn meine Mutter so Auto gefahren wäre..., dachte Jessica kopfschüttelnd. Aber sie hatten auch keinen so großen Truck gehabt, sondern ein normales Stadtauto. Dennoch wäre ihre Mutter nie so damit gefahren, und sie selbst auch nicht. Auch war ihr Auto nie so dreckig gewesen.

Als ob der Gedanke an ihre Mutter sie fast telepathisch mit ihr verbunden hätte, klingelte im selben Moment ihr Handy. »Hallo Mom«, sagte sie, als sie abnahm.

»Hallo, mein Schatz«, antwortete ihre Mutter fröhlich. »Wie geht es dir heute Morgen?«

Nur kurz hatte Jessica ihre Mutter gestern von ihrer Ankunft hier in Sioux Falls informiert, damit sie sich keine Sorgen machte. Zu mehr war gar keine Zeit gewesen bei all dem, worum sie sich hatte kümmern müssen. Deshalb hatte sie sie für ein längeres Gespräch auf heute vertröstet.

»Der Klempner war heute Morgen da«, informierte sie ihre Mutter. »Er sagte, er muss das Rohr hinter der Waschmaschine ersetzen, und ist zum Hardware Store gefahren, um eins zu holen.« Sie rollte die Augen. »Wann er wiederkommt, weiß ich allerdings nicht. Möglicherweise ist er jetzt erst einmal fischen gegangen.«

»Aber er hat es dir doch versprochen«, wunderte ihre Mutter sich.

»Fischen scheint für ihn aber wichtiger zu sein als Geld zu verdienen.« Jessica seufzte. »Das ist ziemlich aus der Welt hier, Mom. Das kannst du dir gar nicht vorstellen.«

»Du wolltest ja unbedingt da hin.« Ihre Mutter zeigte keinerlei Mitleid für sie.

»Ich weiß.« Mit dem Telefon in der Hand schlenderte Jessica in die Küche, um ihre Einkäufe dort zu verstauen. »Hallo?«

»Was ist?«, fragte ihre Mutter. »Ich bin doch hier. Hörst du mich nicht?«

»Doch.« Verdutzt blickte Jessica auf die Waschmaschine, die jetzt wieder an der Wand stand. Es musste definitiv jemand hier gewesen sein in ihrer Abwesenheit. »Ich habe nur gerade festgestellt, dass meine Waschmaschine sich von selbst bewegt hat.«

Ihre Mutter lachte. »Das tun sie manchmal beim Schleudern.«

Jessica schüttelte den Kopf. »Das meinte ich nicht. Sie steht wieder an der Wand. Obwohl der Klempner und ich sie heute Morgen vorgezogen hatten, damit er sich das Rohr ansehen kann.«

»Ist jemand bei dir eingebrochen?« Jetzt klang die Stimme ihrer Mutter doch etwas besorgt.

»Musste er gar nicht. Ich habe die Tür offengelassen, während ich einkaufen war«, sagte Jessica. »Das scheint hier so üblich zu sein. Und der Klempner meinte, ich brauchte nicht auf ihn zu warten, weil er dann gleich reinkönnte.«

»Das heißt, es war der Klempner?«, fragte ihre Mutter logisch. »Er hat in der Zwischenzeit das Rohr repariert?«

»Das kann ich nicht sehen«, sagte Jessica. »Die Waschmaschine steht ja wieder davor.«

»Aber dass sie sich von selbst dahin bewegt hat, ist doch sehr unwahrscheinlich«, blieb ihre Mutter bei der naheliegenden Logik.

»Ja.« Jessica nickte immer noch ein wenig konsterniert und auch ungläubig. »Vielleicht war er wirklich hier und hat das Rohr repariert.«

»Überprüf es doch einfach, dann weißt du es«, schlug ihre Mutter pragmatisch wie immer vor.

»Puh.« Jessica atmete augenrollend aus. »Weißt du, wie schwer diese Maschine ist? Ich habe die gestern allein nur mit Mühe und Not rausgezogen gekriegt. Wenn Wynona nicht gekommen wäre, hätte ich sie wahrscheinlich gar nicht erst wieder zurückgeschoben.«

»Wynona?« Mit dem untrüglichen Sinn für das Erspüren von Geheimnissen, den Mütter anscheinend bei der Geburt ihrer Kinder eingepflanzt bekommen, horchte Karen Stone sofort auf. »Du hast schon jemanden kennengelernt?«

»Meine Nachbarin«, erklärte Jessica etwas unwillig, denn sie wusste, dass ihre Mutter immer nach Möglichkeiten suchte, sie zu verkuppeln. Eine Frau Ende zwanzig, die nicht verheiratet oder zumindest verlobt war, schien ihr offenbar unerklärlich. Insbesondere, wenn es sich um ihre Tochter handelte. Sie hatte Jessica schließlich schon mit zweiundzwanzig bekommen. »Sie ist ziemlich... stark«, fuhr sie fort. »Im Gegensatz zu mir verschiebt sie die Waschmaschine sozusagen mit dem kleinen Finger.«

»Wenn sie übergewichtig ist, ist das natürlich auch leichter für sie«, stellte ihre Mutter fest. »Ich habe da eine neue Diät –«

»Sie ist Indianerin«, unterbrach Jessica sie schnell. »Ich glaube nicht, dass sie so auf Diäten steht.«

»Indianerin.« Ihre Mutter wiederholte das so, als ob sie vergessen hätte, dass der Ortsname Sioux Falls den Namen des Indianerstammes Sioux enthielt. »Ja, die sind oft übergewichtig. Das liegt wohl in ihren Genen.«

Mit Absicht korrigierte Jessica sie nicht. Sie liebte ihre Mutter, und Karen Stone war ihrer Meinung nach einer der besten Menschen auf der Welt, aber sie hatte immer schon sehr viel Wert auf ihr Gewicht gelegt, obwohl sie nie ein Gramm zu viel gehabt hatte. Jedenfalls nicht, dass Jessica sich erinnern konnte.

Eines der liebsten Gesprächsthemen ihrer Mutter waren die Diäten, die ständig in Frauenzeitschriften, im Fernsehen oder mittlerweile auch auf dem Internet angeboten wurden. Sie war eine hervorragende Köchin und konnte sich ohne Ende mit neuen Rezepten beschäftigen, die nicht immer so ausgezeichnet schmeckten, wie sie kochen konnte.

Da sie der Ansicht war, dass das Körpergewicht nur von der eigenen Willenskraft abhing, versuchte sie leider fast unvermeidlich, Leute, die ihrer Meinung nach etwas zu viel auf den Rippen hatten, von ihrer Sicht der Dinge zu überzeugen. Sie gab sogar Kochkurse im Gemeindezentrum dafür.

Wenn sie dachte, dass Wynona übergewichtig war, würde sie für den Augenblick darauf verzichten, Jessica weiter über sie auszufragen. Denn so lieb ihre Mutter auch war, aber sie fand nur schlanke Menschen schön und damit für ihre Tochter geeignet.

Wie absurd, dachte Jessica. Als ob diese Frau für mich in Frage käme. Die bestimmt nicht.

»Sie hat zwei Kinder«, fügte sie noch hinzu, um alle weiteren Überlegungen auszuschließen. »Die Tochter ist bestimmt schon fünfzehn. Der Sohn ein paar Jahre jünger.«

Es raschelte ein wenig, weil ihre Mutter am anderen Ende vermutlich nickte. »Ja, manche Frauen legen an Gewicht zu, wenn sie Kinder bekommen, und werden es danach nicht mehr los.« Sie machte eine kurze Pause, als müsste sie über etwas nachdenken. »Aber dann ist sie ja auch schon älter«, schloss sie ihre Gedanken ab.

Damit war das Thema Wynona und Jessica für sie jetzt hoffentlich endgültig erledigt, dachte Jessica. Wie absurd die Idee auch immer war, aber sie wusste, dass ihre Mutter im Beharren auf solchen Dingen sehr ausdauernd sein konnte, und das wollte sie sich gern ersparen.

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