Sie wankte auf die Couch zu, um sich fallenzulassen, da hörte sie plötzlich ein Geräusch. Im selben Moment hatte sie das Gefühl, auch etwas zu riechen. Kein sehr angenehmer Geruch.

Sie rümpfte die Nase. Dann blickte sie sich im Wohnzimmer um. Hier war nichts, es sah alles ganz normal aus. Aber es konnte natürlich immer sein... hier auf dem Land... Und der Makler hatte gesagt, das Haus hätte eine Weile leergestanden. Ungern und sehr misstrauisch blickte sie hinter die Couch. Doch die tote Ratte, die sie befürchtet hatte, dahinter zu finden, fand sie nicht.

Auf einmal hörte sie ein Kreischen aus der Richtung, in der sie die Küche vermutete. Seufzend ließ sie ihre Tasche auf die Couch fallen und folgte dem Geräusch. Allerdings schlich sie sich nur vorsichtig daran heran, weil sie es nicht richtig einordnen konnte. Sie hätte sich gewünscht, einen Baseballschläger zu haben, mit dem sie eventuelle Eindringlinge hätte abwehren können.

Hatte sie nicht eben noch vermutet, so etwas wie Einbrecher gäbe es hier in der Prärie gar nicht? Da hatte sie sich vielleicht geirrt.

Die nächsten Dinge geschahen fast gleichzeitig. Sie trat in eine Pfütze, dass es platschte, praktisch im selben Moment flog ihr etwas kleines Schwarzes entgegen, sodass sie gerade noch so ausweichen konnte, dann hörte sie hinter sich ein sehr unwilliges Fauchen.

Sie wusste nicht, was sie zuerst tun sollte, ihren Fuß aus der Pfütze zurückziehen oder sich umdrehen, um herauszufinden, was die Quelle dieses Fauchens war. Gab es hier in South Dakota irgendwelche Raubtiere? Pumas? Bären? Nein, dafür war das... Ding dann doch zu klein gewesen.

Kojoten gab es, das wusste sie, aber wie ein Kojote hatte das, was da auf sie zugeflogen war, nicht gewirkt. Schlangen? Nein. Sie schüttelte den Kopf. Eine Schlange auf keinen Fall. Die waren nicht schwarz. Oder doch, fiel ihr da ein. Es gab schwarze Mambas. Und die waren extrem giftig.

Ihr Herz raste plötzlich. Sollte sie sich wirklich umdrehen, um festzustellen, was da war? Aber wenn sie es nicht feststellte – sie schluckte und ihr brach der Schweiß aus –, würde sie dieses Etwas vielleicht trotzdem angreifen. Schon spürte sie den Biss im Nacken.

Das alles hatte nur Sekundenbruchteile in Anspruch genommen, aber nun merkte sie, wie ihr Schuh – es war nur einer der Espadrille, die sie zum Autofahren getragen hatte, aus Bequemlichkeit für die lange Fahrt – langsam durchnässt wurde.

»Ach, was soll’s?« Tief durchatmend nahm sie all ihren Mut zusammen und drehte sich um.

»Miau?«, machte es da fragend an dem Schuh, der noch nicht nass geworden war, und eine kleine schwarze Katze versuchte sich an Jessicas Bein zu reiben.

Voller Erleichterung lachte sie laut auf, und die kleine Katze sprang erneut fauchend zurück und starrte sie dann missbilligend an.

»Du hast recht.« Jessica nickte. »Da hast du dich anscheinend eben schon erschreckt, und jetzt erschrecke ich dich auch noch. Tut mir leid.«

Die Katze setzte sich auf den runden Teppich, der mitten im Raum vor dem Sofa lag, und begann, sich zu putzen. Man hätte meinen können, sie hatte Jessicas Entschuldigung angenommen.

Mit einem bedauernden Blick wandte Jessica sich von der Katze ab, zog jetzt ihre Schuhe aus und folgte auf nackten Füßen dem nassen Pfad, an dessen Ende sie schon in der Pfütze gestanden hatte.

»Ach du liebe Güte!« In der Küche sah sie die Bescherung, die diese Pfütze verursacht hatte. Alles stand unter Wasser. Wahrscheinlich ein Rohrbruch.

Der Boden war nicht ganz eben, sodass sich das Wasser in der Mitte in einer Kuhle gesammelt hatte. Es war aber schon so viel geworden, dass ein Teil davon begonnen hatte, ins Wohnzimmer zu laufen.

Für einen Moment folgte Jessica mit ihrem Blick einfach nur entsetzt dem kleinen Rinnsal, das in der Pfütze endete, die immer größer wurde. Der Adrenalinschub, der zuerst durch die Katze und dann durch diese unangenehme Überraschung verursacht worden war, hatte ihre Müdigkeit für den Augenblick vertrieben. Sie musste irgendetwas unternehmen.

Mit platschenden Füßen ging sie durch die Küche und öffnete einen Schrank, weil sie hoffte, darin irgendwelche Putzutensilien zu finden. Sie fand auch einen Eimer und einen Mopp, aber nichts, womit sie das Unheil weiter aufhalten konnte. Seufzend fing sie an, das Wasser mit dem Mopp aufzuwischen und in den Eimer zu befördern. Aber schon nach kurzer Zeit sah sie, dass sie damit nicht weit kommen würde. Es lief immer weiter Wasser in die Kuhle, woher auch immer das kommen mochte. Da bereits alles unter Wasser stand, konnte Jessica das nicht genau erkennen.

Sie ließ den Mopp im Eimer stehen und ging ins Wohnzimmer zurück, rief den Makler an. Die schwarze Katze beobachtete sie vom immer noch trockenen Teppich, als wäre sie eine Richterin beim Eiskunstlauf, die Jessicas Leistung beurteilen sollte. »Du bist auch keine große Hilfe«, seufzte Jessica und warf einen strafenden Blick auf sie. Der die Katze aber in keiner Weise beeindruckte.

»Da können wir jetzt auch nichts machen«, meinte die Sekretärin des Maklers wahrscheinlich schulterzuckend – das konnte Jessica ja nicht sehen –, als Jessica sie erreichte. »Ist eben ein altes Haus.«

»Sie könnten einen Klempner schicken«, schlug Jessica etwas genervt vor. Langsam meldete sich ihre Müdigkeit wieder. Sie hätte so gern geschlafen.

»Ja, könnte ich.« Die schleppende Sprechweise der Frau begann, Jessica aufzuregen. »Aber ich weiß nicht, ob der Zeit hat.«

Es gibt nur einen Klempner hier in diesem Nest? dachte Jessica kopfschüttelnd. »Und was soll ich jetzt machen?«, fragte sie schicksalsergeben.

»Abwarten«, sagte die Frau. »Wenn es ein Rohrbruch ist, wickeln Sie einfach ein Tuch drum. Ich sage dem Klempner Bescheid.« Das war wahrscheinlich eine große Leistung für sie, so viel zu sprechen an einem einzigen Tag und in diesem langsamen Tempo. Deshalb legte sie einfach auf.

»Na, hier ist der Kunde aber auch König«, bemerkte Jessica sarkastisch zu sich selbst, während sie ihr nun stummes Telefon etwas entgeistert anstarrte.

Sie beobachtete die Wasserpfütze, die sich langsam und für den Moment wohl unaufhaltsam dem Teppich näherte. So konnte es nicht bleiben. Bedauernd trat sie auf den Teppich zu und sah die Katze an, die diesen Teppich anscheinend als ihr ureigenstes Territorium betrachtete. Sie wohnte ja auch schon länger hier als Jessica.

Oder auch wenn sie hier nicht wohnte, benahm sie sich doch so, als ob sie das Haus regelmäßig als Absteige benutzte. Es musste irgendwo ein offenes Fenster oder so etwas sein, durch das sie hereingekommen war. Denn laut Aussage des Maklers war das Haus ja schon einige Zeit unbewohnt. Und es war abgeschlossen gewesen. Den Schlüssel unter dem Blumentopf hatte die Katze wohl kaum benutzen können.

»Tut mir leid«, sagte sie, griff nach der Katze und hob sie hoch.

Die Katze war so verdattert, dass sie sich noch nicht einmal wehrte, als Jessica sie im Arm hielt und den Teppich nun beiseite räumte.

»Auf jeden Fall brauche ich Gummistiefel oder so was.« Jessica entschloss sich, sich nicht über diese ganze Sache hier aufzuregen. Sie konnte sie ja doch nicht ändern. Sie musste warten, bis der Klempner kam.

Gummistiefel hatte sie nicht im Gepäck – wer dachte denn auch schon an so was? – und so überlegte sie, wo sie welche herbekommen konnte. Dieser Outdoorladen... Die hatten bestimmt so was.

Sina Kani: ... wenn ihr die schöne Nachbarin gefällt

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