Teil 09

Sie presste die Lippen zusammen, um nicht zu stöhnen. Ein leichtes Zittern erschütterte ihren Körper.

Mit einem Ruck, als musste Jil sich dazu zwingen, ließ sie ihren Blick wieder nach oben gleiten. Sie schaute Nadja an. Im Halbdunkel waren ihrem Gesichtsausdruck keinerlei Emotionen zu entnehmen.

»Geht’s wieder?«, fragte sie. Ihr sanfter Ton hallte wie süßes Glockenklingen in Nadjas Ohren wider.

Nadja nickte stumm. Sie öffnete den Mund, um etwas zu sagen. Aber es wollte einfach kein Wort herauskommen. Da war nur ein jämmerliches Krächzen.

Erst jetzt schien Jil aufzufallen, dass sie immer noch Nadjas Arm festhielt. Sie wirkte fast ein wenig irritiert, als sie nun ihre Hand öffnete und Nadja losließ. »Schon wach zu solch früher Zeit?«

Wow, wie erotisch, dieses rauchige Kratzen in ihrer Stimme. »Ähm . . . Ja«, quetschte Nadja hastig hervor. Innerlich mahnte sie sich zur Ordnung. Wenn sie dieses Kopfkino nicht endlich losbekam, würde sie hier keine zwei Tage durchhalten. Sie drehte sich zur Seite und hüstelte verlegen. »Ich konnte nicht mehr schlafen. Aber, du bist ja auch schon wach.« Was für eine geniale Feststellung. Aber mit dem Sprechen, das klappt doch schon ganz gut, machte sie sich über sich selbst lustig.

Ein auffälliges Schmunzeln zierte Jils Gesicht. »Und, was machst du hier im Dunkeln?«, fragte sie mit einem amüsierten Unterton.

»Ich wollte ins Bad«, erwiderte Nadja etwas zu schnippisch. Sogleich ärgerte sie sich, dass sie sich im Ton vergriffen hatte. Sie warf Jil einen entschuldigenden Blick zu.

Jil schmunzelte unverändert. »Das«, ihr ausgestreckter Finger zeigte auf einen Punkt hinter Nadjas Rücken, »liegt auf der anderen Seite.«

»Oh . . . hinten rechts, wenn ich die Treppe raufkomme«, krächzte Nadja mit hochrotem Kopf. Sie hatte es wieder einmal geschafft, sich vor Jil zur Närrin zu machen.

Jil nickte. »Genau. Aber, weißt du was?« Sie deutete lächelnd eine leichte Verbeugung an. »Ich lass dir den Vortritt, wo du doch nun schon so einen weiten Weg umsonst gelaufen bist.«

Umsonst? Das würde ich so nicht sagen. Nadja gab sich einen imaginären Klaps auf den Hinterkopf. »Danke«, hauchte sie. »Das ist wirklich sehr lieb von dir.« Dann drehte sie sich auf dem Absatz um und bemühte sich, so lässig wie nur irgend möglich den Flur entlang wieder zurückzugehen. Sie spürte Jils Blicke hinter sich, wusste genau, dass Jil jeden ihrer Schritte verfolgte.

Sie atmete tief aus, als sie die Badtür endlich erreicht hatte. Schnell schloss sie die Tür hinter sich und lehnte sich mit dem Kopf gegen das Holz. Der frühe Vogel fängt den Wurm. Oder wie war das? Komisch nur, dass dieser Spruch eigentlich eine ganz andere Bedeutung hatte. Jetzt lachte sie doch, seltsamerweise ganz befreit.

Während sie sich die Zähne putzte, betrachtete sie sich im Spiegel. Sie sah noch müde aus, irgendwie zerknautscht. Rot geränderte Augen, und dann diese kleinen Schlaffalten im Gesicht. Na super, und so hat Jil mich jetzt gesehen, dachte sie zerknirscht. Wenigstens war es noch recht dunkel gewesen.

Trotzdem bräuchte sie eigentlich eine kalte Dusche. Aber sie wollte sich nicht so lange im Bad aufhalten. Schließlich war sie hier nicht zu Hause, und Jil wartete bestimmt schon. Daher musste eine Katzenwäsche herhalten.

Das kannte sie ja schon. Im Camper oder während ihrer Touren, die sie manchmal schon fast in die Wildnis geführt hatten. Da war auch nicht jeden Tag Duschen oder eine Haarwäsche möglich. Einige Male war sie auch einfach nur in einen der vielen Seen gesprungen. Das Wasser war immer kalt, aber so klar, dass man bis auf den Grund schauen konnte. Manche von ihnen schimmerten in einem romantischen Türkisblau, andere waren blassgrün.

Als sie ihr Oberteil auszog, schossen unwillkürlich Bilder von Jil, wie die sie eben angesehen hatte, durch ihren Kopf. Wie dieser tiefe, dunkle Blick über sie gestreift war und auf ihren Brüsten verweilt hatte. Es war wie ein sanftes Streicheln gewesen. Sie hatte es förmlich spüren können.

Und jetzt hatte sie wieder dieses Gefühl, als wäre Jil hier und würde sie zärtlich berühren. Ihre Haut prickelte. Sie schaute an sich herunter. Ihre Brustwarzen hatten sich steil aufgerichtet.

Eine Hand verselbständigte sich, und mit den Fingerkuppen strich sie über die harte Knospe ihrer linken Brust. Ein leises, seufzendes Stöhnen drang aus ihrer Kehle. Automatisch hob sie auch die andere Hand, mit der sie kreisend über ihren Bauch streichelte.

Als ihre Finger unter den Bund der Schlafshorts fuhren und ihre Scham berührten, zuckte sie wie elektrisiert auf. Ihr Puls erhöhte sich schlagartig. Mit geöffnetem Mund starrte sie ihr Spiegelbild an. Sie konnte es in ihren eigenen Augen sehen. Dieses innige Bedürfnis, ihrem Verlangen einfach nachzugeben. Es hier und jetzt zu vollenden. Nur, damit sie sich besser fühlte.

»Oh, Jil, was machst du nur mit mir?«, stöhnte sie. Sie schob ihre Hand noch ein Stück tiefer, ganz langsam. Und als sie mit nur einem Finger zwischen ihre Schamlippen glitt, war da pure Nässe.

Sie schnappte nach Luft. Ihr Unterleib pulsierte und zog sich schmerzhaft zusammen.

Einem plötzlichen Impuls folgend riss sie ihre Hand aus den Shorts. »Verdammt«, keuchte sie. Sie schleuderte einen wütenden Blick in den Spiegel. Ihre Wangen waren rosig, die Pupillen geweitet. Sie zog eine Grimasse und schüttelte über sich selbst den Kopf. So konnte sie Jil auf keinen Fall unter die Augen treten.

Sie drehte den Wasserhahn auf und spritzte sich das kühle Nass ins Gesicht. Immer wieder, bis ihre Atmung sich beruhigt hatte und die Spuren ihrer Erregung beseitigt waren. Zumindest hoffte sie das.

Halbwegs erfrischt trat Nadja wenige Minuten später aus dem Bad. Unschlüssig blieb sie stehen. Was sollte sie jetzt tun? Sie verspürte keinerlei Hunger. Für ein Frühstück war es wahrscheinlich ohnehin noch zu zeitig. Aber ein Spaziergang in den Sonnenaufgang, das war eine Möglichkeit.

Sie blickte die Treppe hinunter und sah einen schmalen Lichtschein. Zögernd stieg sie die Stufen hinab. Das Licht drang durch den Spalt der leicht geöffneten Küchentür.

Als sie den Raum betrat, sah sie Jil, die am Spülschrank lehnte und mit einem Löffel in der Kaffeetasse rührte. Sie schien in Gedanken versunken zu sein. Offenbar hatte sie Nadja noch gar nicht bemerkt.

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