Raven Raven

Ravens Geheimnis 01

1

Als Raven in dieser Nacht die Stadt betrat, nahm sie den silbernen Zauber des Mondes kaum wahr, der jedem Gebäude, jeder Straße einen ganz eigenen Glanz verlieh.

Eine Stadt war wie die andere, wenn man Geld verdienen musste. Schönheit oder Hässlichkeit, ihr war alles gleich.

Aber so schnell musste sie gar nicht Geld verdienen, der letzte Auftrag war sehr einträglich gewesen.

Sie fasste in ihre Tasche, als müsste sie sich vergewissern, dass das Geld noch da war. Hätten die Kriminellen dieses gottverlassenen Fleckens gewusst, wie viel Geld sie bei sich trug, wäre sie sicher nicht lange allein geblieben. Die Avancen, die sie ihr gemacht hätten, hätten sich jedoch wohl kaum auf ihr Aussehen bezogen.

Obwohl das nicht zu verachten war. Sie war groß, sehr groß für eine Frau, und die mit dem Kinn abschließenden blonden Haare, die jetzt von der Kapuze des langen, dunklen Umhangs, den sie trug, verdeckt wurden, umrahmten ihr feingeschnittenes Gesicht wie eine Aura aus Gold.

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Ravens Geheimnis 02

2

Raven fühlte, wie sie die Sonne an der Nase kitzelte. Der Morgen war schon da.

Sie streckte sich mit geschlossenen Augen. Sie brauchte ihre Augen nicht zu öffnen, um zu wissen, was um sie herum vorging.

Lautes Geklapper an der Tür entlockte ihr ein unwilliges Stirnrunzeln. Sie hatte keinen Auftrag, sie brauchte nicht aufzustehen, sie konnte ausschlafen. Wer störte ihre wohlverdiente Ruhe?

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Ravens Geheimnis 03

3

„Der Stadtkommandant ist nicht da.“ Eine höchst desinteressierte Stimme kam aus einem höchst desinteressierten Mund, während der Hilfspolizist – oder was immer er war – sich mit einem Messer die Fingernägel säuberte. Oder was er dafür hielt, denn sowohl das Messer als auch seine Hände waren schwarz vor Dreck.

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Ravens Geheimnis 04-06

4

So weit, so schlecht, dachte sie.

Ob sie das Permit überhaupt bekommen würde, war mehr als fraglich. Die stellvertretende Stadtkommandantin wollte Raven eindeutig nicht hier haben. Sie verteilte Permits nur nach Sympathie, und offensichtlich war Raven ihr unsympathisch.

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Ravens Geheimnis 07

7

In ihren weiten Umhang gehüllt, die Kapuze über den Kopf gezogen, durchmaß Raven mit langen Schritten die enge Gasse, so dass der voluminöse Stoff wie die Flügel eines Fabelwesens hinter ihr aufflog. Sie sah sich nicht um, und der Dolch an ihrem Gürtel wirkte mehr wie ein Schmuckstück denn wie eine Waffe.

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Ravens Geheimnis 08

8

„Ich bringe Euch hin. Folgt mir.“ Das Grinsen, mit dem der Gnom Raven einlud, aus diesem Mund mit kaum vorhandenen Zähnen, wirkte gruselig.

Für Ravens Begriffe ging der kleine Mann sehr langsam, und sie hatte viel Zeit nachzudenken. Sie war verwirrt, wenn ihr das auch niemand angesehen hätte. Ihr Gesicht war wie eine Maske aus Stein. Das Amulett, das der Bettler ihr verkauft hatte, war nicht vollständig. Ein Teil fehlte.

Und diesen Teil trug Raven, seit sie denken konnte, bei sich –

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Ravens Geheimnis 09

Ihre Hand wanderte langsam tiefer. „Und dass es eine schöne, junge Frau war, ist noch viel länger her.“ Ihre Hand blieb auf Ravens Brust liegen.

Raven trat schnell einen Schritt zurück, so dass Adrianas Hand herunterfiel.

Adriana lachte leise. „Was hast du gedacht? Dass ich es nicht merke? Du bist gut, aber nicht so gut.“

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Ravens Nemesis (Teil 1)

Für alle Raven-Fans: Es geht weiter. smiley

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„Mutter? Was hast du?“

Raven betrat ihre Räume im Schloss, in dem sie nun seit nahezu einem Jahr residierten. Besorgt warf sie einen Blick auf Elaynas blasses Gesicht, das in den letzten Tagen immer blasser geworden war. Dabei hatte sie sich zuvor so gut erholt, man hatte ihr die Jahre der Gefangenschaft kaum noch angesehen.

„Nichts.“ Elayna lächelte sie beruhigend an.

„Warum verschließt du dann deine Gedanken vor mir?“

Ertappt verzog Elayna das Gesicht. „Ich vergesse immer wieder, wie gut du bist.“

Raven lachte. „Dabei hast du es mir beigebracht.“

„Lektra und ich“, korrigierte Elayna. „Sie war die erste, ich war ja nicht da.“

„Das war nicht deine Schuld.“ Raven ließ sich vor ihrer Mutter auf ein Knie nieder und nahm ihre Hand. „Mach dir keine Vorwürfe mehr. Du konntest nicht anders handeln, als du es getan hast.“

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Ravens Nemesis (Teil 2)

„Ich hatte genauso wenig die Wahl.“ Elayna drehte sich um und betrachtete sie mit einem zärtlich mitleidigen Blick. „Wir haben unsere Verpflichtungen, weil wir nicht so sind wie die anderen. Diesen Verpflichtungen können wir uns nicht entziehen. Es gibt größere Dinge zu berücksichtigen als irgendwelche menschlichen Gefühle.“

„Tatsächlich?“ Raven verschränkte grimmig die Arme vor der Brust. „Und das soll ich Reola so sagen? Sie ist das personifizierte Gefühl. Sie wird kaum verstehen, dass es etwas Wichtigeres geben kann. Es wird sie umbringen.“

„Wird es nicht. Sie ist stärker, als du denkst.“ Elayna verzog bedauernd das Gesicht. „Es ist nun einmal, wie es ist. Wenn ich sterbe, übernimmst du die Verantwortung. Und jemand muss die Verantwortung übernehmen, wenn du stirbst. Wir leben lange, aber nicht ewig.“

„Dann habe ich ja noch Zeit.“ Raven wollte sich umdrehen und die Gemächer ihrer Mutter verlassen.

„Und was ist, wenn wir beide sterben?“

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Ravens Nemesis (Teil 3)

Sie hob eine Hand und strich mitfühlend über Ravens Arm. „Das ist im Moment alles ein bisschen viel für dich, ich weiß. Aber es gibt auch Hoffnung: Selbst Do-Llas können nicht in die Zukunft sehen. Auch ich kann es nicht. Ich sorge mich um deine Mutter, aber das heißt nicht, dass meine Sorgen Realität werden müssen. Dennoch müssen wir vorbereitet sein.“

„Auf was auch immer.“ Raven verzog das Gesicht. „Wenigstens muss ich das Kind nicht bekommen.“

„Ach, das weißt du auch schon? Ihr hattet wohl ein sehr intensives Mutter-Tochter-Gespräch.“ Lektra schmunzelte.

„Hättet ihr mir das nicht gleich damals sagen können, als ich und Reola –?“

Lektra hob die Augenbrauen. „Da hatten wir mit anderen Dingen zu tun.“ Sie schaute in die Ferne. „Wir waren nicht davon überzeugt, dass Adriana wirklich besiegt ist.“

„Aber ich habe sie doch ... ich meine, sie hat sich selbst ...“ Raven war verwirrt.

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Ravens Nemesis (Teil 4)

Reola hob die Augenbrauen. „Nicht? Wie meinst du das?“

„Die Mutter der nächsten Do-Lla muss ein Mitglied der sieben Familien sein. Sie muss ähnliche Fähigkeiten haben wie ich.“

Reola starrte sie an, und langsam verschwand das Strahlen von ihrem Gesicht, das Lachen aus ihren Augen. „Ich habe diese Fähigkeiten nicht, und ich gehöre nicht zu den sieben Familien.“

„Meine Mutter sagt, es sind viele junge Frauen hier aus den sieben Familien. Eine von ihnen –“

„Nein!“ Reola sprang auf und warf die Hände vors Gesicht. „Nein“, setzte sie dann flüsternd hinzu. Ihre Stimme versickerte.

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Ravens Nemesis (Teil 5)

„Dafür kann ich doch nichts.“ Raven breitete hilflos die Arme aus. „Meine Mutter hat es mir heute erst gesagt ... wie alles andere.“ Sie stand ebenfalls auf. „Aber das ändert doch nichts. Zwischen uns.“

Reola verschränkte die Arme und legte den Kopf schief, als wäre ihr gerade eben ein Gedanke gekommen. „Könnte ich dann wenigstens auch ein Kind von dir haben? Selbst wenn es keine Do-Lla ist?“

Raven lachte auf. „Aber natürlich!“ Sie umarmte Reola glücklich. „Warum sollte das nicht gehen?“

„Es geht nicht.“ Eine Stimme unterbrach ihren Kuss.

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Ravens Nemesis (Teil 6)

Raven betrat die Kommandantur wie vor – wie es ihr schien – ewigen Zeiten. Alles sah jetzt viel freundlicher aus. Auch fehlte natürlich wie schon beim letzten Mal der lustlose Pennersoldat, der damals hier seinen Dienst versehen hatte. Dafür saß eine adrette junge Frau an einem Tisch und sortierte Papiere.

Die Tür, die ins hintere Zimmer führte, in das Büro der Kommandantin, stand einladend offen.

Die junge Frau erschrak, als sie Raven erkannte. Sie sprang auf und verbeugte sich tief. „Euer Hoheit ...“

„Nicht.“ Raven hob die Hand. Diese Anrede war ihr immer noch fremd und unangenehm, aber viele Menschen benutzten sie. Sie war die junge Do-Lla, die Kronprinzessin des Hauses Thur, und sie wollten ihr Respekt erweisen.

„Komm rein“, hörte sie eine Stimme in ihrem Kopf. „Ich habe dich schon erwartet.“

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