Märchen Nr. 12

Anonymer Auszug aus

Märchen Nr. 12
Als Selene auf die Erde ging, um sich selbst lieben zu lernen

basierend auf
Eigenem Märchen

für die Abstimmung zum Schreibwettbewerb »Lesbisches Märchen«

Der folgende Text ist urheberrechtlich geschützt und geistiges Eigentum der Autorin. Kopieren und Weiterverbreiten des Inhalts, vollständig oder auszugsweise, sind nicht gestattet. Bitte respektieren Sie die Arbeit der Autorin.

Inhalt

Die Himmelsgöttin Reva ist verliebt in die Mondgöttin Selene, doch Selene ist sehr unglücklich im Himmel. Sie verspürt eine Unrast, die sie nur zu bekämpfen weiß, indem sie zur Erde geht, denn sie fühlt sich unnütz im Himmel. Als Reva ihr ihre Liebe gesteht, kann sie sie nicht annehmen und Reva lässt sie, schweren Herzens, zur Erde gehen. Selene erhofft sich auf der Erde jemanden zu finden, der ihr zeigen kann, wie man sich selbst lieben kann. Auf der Erde begegnet sie einigen Tieren, die ihr immer wieder denselben Rat geben: "Jeder hat seine eignen besonderen Eigenschaften, die er für sich heranziehen kann. Du musst sie nur finden!" Wird Selene ihr Glück auf der Erde finden, oder lernt sie, sich selbst zu lieben und anzunehmen, so wie sie ist und wird dorthin zurückkehren, wo sie hingehört?

Auszug

Es begab sich zu einer Zeit, als der Mond und die Sterne am Himmel leuchteten. Abermillionen Sterne funkelten in kaltem Glanz und schauten von fern auf die Erde herab. Die Göttin Selene, die im Mond wohnte, erhellte die Nacht und das Licht ergoss sich in silbernen Strahlen über den Himmel. Wenn man nach oben sah, so konnte man die Hingabe des Himmels für den Mond erkennen, denn viele, viele Sterne funkelten um den Mond und unterstrichen dessen Schönheit. Die Himmelsgöttin Reva war nämlich verliebt in die Mondgöttin Selene. Jeden Abend umgab Selene ein Glitzern und Flackern in allen Farben und Formen, sodass sie sich sehr schön fühlte. Selene genoss die Aufmerksamkeit Revas und schaute dann mit vollem Lächeln vom Himmel und badete im Schein der Abermillionen Sterne. Mit der Zeit fühlte sie sich fast erdrückt von der Liebe Revas und sie wandte ihr Gesicht vom Nachthimmel ab. Reva versuchte stets das Richtige zu tun, doch als Selene ihr Antlitz vor ihr verbarg, wurde sie traurig, und die Sterne verblassten mehr und mehr. Doch nach wenigen Tagen hatte Selene Sehnsucht nach Reva und ihrer Aufmerksamkeit und sie blinzelte der Himmelsgöttin wieder zu.

In stillen Nächten blickten Reva und Selene auf die Erde hinab und schauten den Menschen bei ihren Leben zu. Sie hatten schon sehr viele Leben mit den Menschen mitgelebt. Hatten gesehen, wie sich die Menschen verliebten, sich trennten, Krieg führten und sich wieder versöhnten. Reva hatte Achtung vor den Menschen, doch sie war froh, hier oben im Himmel zu sein, Abend für Abend ihre Sterne am Himmel strahlen zu lassen, mit den anderen Göttern zu plaudern und Selene zu betrachten, mit ihr zu reden und die Ruhe zu genießen, aber, Selene. . . 

Selene war unermüdlich in ihrem Betrachten. Sie fieberte mit den Menschen mit, konnte sich hineinfühlen in die Qualen und die Freuden der Erdenkinder. Sie wollte auch einmal auf die Erde, wollte wissen, wie sich Füße anfühlen, wie sich die Haut einer anderen Person anspürt und wie ihre Stimme wohl klingen würde. Oft fragte sie sich, ob jemand aus dem Götterreich ähnlich fühlte, oder ob sie mit ihrer Sehnsucht alleine war. Sie wagte es nicht darüber zu sprechen, vor Angst, ausgelacht zu werden. Hinzu kam, dass sie sich unnütz fühlte. . . Was tat sie hier nur? Allmählich wurde es immer schwerer, ihre Unrast zu verbergen. Eines Abends trug es sich zu, dass Reva mit ihrer wohlklingenden Stimme fragte: »Was ist los, Selene? Du wirkst so zerstreut. . .?« Selene seufzte tief und wand sich, sie wollte Reva keine Antwort geben. Als sie stumm blieb, bohrte Reva weiter: »Selbst Vayu ist aufgefallen, dass mit dir etwas nicht stimmt, und du weißt, wie durch den Wind ein Windgott sein kann!« Selene zuckte innerlich mit den Schultern. Sie seufzte laut und antwortete: »Reva, ich weiß nicht, wie ich es dir erklären soll. . . Ich habe solche Sehnsucht. . . Kennst du das Gefühl, wenn du unbedingt etwas willst und weißt, dass es unerreichbar ist?« Revas Blick wurde traurig, sie dachte an ihre unerfüllte Liebe zu Selene, dachte an diese Gefühle in ihrem Inneren, die jeden Tag näher an die Oberfläche kamen, bis sie einem Vulkanausbruch gleich herausschießen würden. . . Reva wisperte: »Ich kenne das Gefühl sehr gut. . .« Fast hätte Selene ihre Stimme nicht vernommen, so leise hatte sie gesprochen. Wieder seufzte Selene auf. In ihr brannte ein Feuer, es tobte in wilder Aufruhr in ihr und wollte herausbrechen. Sie senkte ihre Stimme und meinte nach kurzem Zögern: »Ich fühle mich so unnütz. . . sieh mich an. . . Wer bin ich schon? Ich möchte auf die Erde. Vielleicht geht es mir dort besser. . . Ich möchte Sand zwischen meinen Zehen, möchte Wasser auf meinen Lippen perlen spüren, möchte meine Hand an einen Körper legen, möchte einen Sonnenaufgang als Mensch erleben, möchte. . .« Plötzlich verstummte sie, erschrocken über ihre eigene Unbedachtheit, ihren geheimsten Wunsch auszusprechen, doch Reva blickte Selene an und ihre Sterne glitzerten etwas mehr, als ein Lächeln ihre Züge erhellte. »Du möchtest ein Mensch werden?«, fragte sie erheitert, »was ist so schlecht an der, der du bist?« Ihre Züge wurden weicher, ernster, als sie in Selenes Augen ein so tiefes Flehen erkannte, dass es sie fast körperlich traf. »Du kannst das nicht verstehen. Du bist wunderschön, deine ganzen Sterne leuchten, wie frisch poliert, dein Himmelszelt ist stets rein und deine Gestalt ist unbeschreiblich. . . Sieh mich doch an, Reva! Ich bin einmal dick und dann wieder dünn, weil ich es nicht aushalte, wie ich bin! Meine Narben und Schrammen. . . ich verstehe nicht, wie du mich ansehen kannst!« Verschämt wandte Selene ihr Gesicht von Reva ab. Als Selenes Schein fast ganz verschwunden war und Reva erkannte, was in ihr vorging, strahlten ihre Sterne mit solcher Intensität, sodass die fernen Sternnebel aufglühten. Revas Wangen glühten ebenfalls von den Komplimenten ihrer Angebeteten, doch sie hörte auch den Vorwurf und den Selbstzweifel heraus. Beruhigend näherte sich Reva Selene, drehte sie zu sich herum und meinte mit sanfter Stimme: »Ich muss dir schon lange etwas sagen. . . Selene, du bist perfekt, genauso wie du bist! Dein Aussehen ändert nichts an deiner Persönlichkeit! Sieh dich doch an! Du bist flexibel, wo ich starr bin, bist hell, wo ich dunkel bin, bist groß, wo ich klein bin und anbetungswürdig, wo ich schweige. . . Sieh dir die Menschen an, sie verehren dich schon seit Anbeginn der Menschheit! Du bist noch so viel mehr, als sie in dir sehen! Du bist du, und dafür liebe ich dich!« Reva schlug ihre Hand vor den Mund. Ihre Gefühle waren mit ihr durchgegangen! Ihre Augen wurden groß und die roten Riesen leuchteten verschämt auf ihren Wangen. Selene blickte auf. Gefühle changierten auf ihrem Gesicht, so schnell, dass Reva keines davon entziffern konnte. Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus. Flüsternd erwiderte Selene: »Ich hatte keine Ahnung, dass du so für mich empfindest. . . Ich kann nicht. . . ich kann es nicht annehmen, Reva, es tut mir leid.« Reva schluckte und versuchte ihre Aufgewühltheit zu verbergen. »Schon gut, Selene. Du musst nichts sagen. . .«

Die nächsten Tage gingen sich die zwei aus dem Weg. Keine der beiden konnte der anderen in die Augen sehen. Doch als das Schweigen immer bedrückender wurde, fasste sich Reva ein Herz und sprach: »Selene. Ich weiß, mein Sehnen nach dir mag aussichtslos sein, doch könntest du dich einmal durch meine Augen betrachten, so würdest du dich auch lieben. . . Auch wenn du mich nicht lieben kannst, so hoffe ich, dass du dich lieben lernst, denn du bist es dir wert. Geh auf die Erde und finde dein Glück. . .« Und so geschah es, dass in einer dunklen Neumondnacht Selene die Mondgöttin zur Frau wurde und auf die Erde ging. Reva blickte von fern hinab und verging fast vor Sehnsucht. Doch Selene hatte es sich zur Aufgabe gemacht, sich selbst zu finden und zu lieben.

Als Selene auf die Erde kam umfing sie tiefe, dunkle Nacht. Die hohen Tannen standen dicht an dicht und kein Stern drang durch das Nadelwerk. Kaum konnte sie ihre Hand vor Augen sehen und ihre wackligen Menschenfüße trugen kaum ihr Gewicht. Sie stürzte auf die Knie und eine einsame Träne kullerte über ihre kalte Wange. Sie fühlte sich schutzlos ausgeliefert, allein und einsam. Der Körper, in dem sie steckte, schien nicht zu passen. Überall zwickte und zwackte etwas, als müsse sie erst in diese Haut hineinwachsen. Eine Gänsehaut überzog ihre Arme und ließ sie frösteln. Ein paar Äste piekten sie in ihr Gesäß und ein abgestorbener Grashalm bohrte sich in ihre kleine Zehe. Wieso noch mal hatte sie auf die Erde gewollt? Der kühle Nachtwind rauschte durch das Geäst und schien eine traurige Melodie zu singen.

Reva schaute von fern auf Selene hinab und sie glaubte, ihr Herz müsse zerspringen vor Qual. Sie liebte die Mondgöttin schon so lange und nichts war ihr schwerer gefallen, als sie gehen zu lassen, doch sie wusste, dass Selene nie ihre Liebe akzeptieren würde, solange sie sich nicht selbst liebte. Sie wusste, dass Selene zuerst zu sich finden musste, erst dann hatte sie vielleicht eine Chance. Reva musste ihr den Freiraum lassen, um sich zu entwickeln. Sie musste selbst ihren Weg finden, um dann Revas Liebe annehmen zu können, das wusste Reva mit Bestimmtheit. Sorge umwölkte ihr Herz und ihre Augen füllten sich mit Tränen, als sie sah, wie verzweifelt Selene war. Sie schickte ein paar Sternschnuppen zur Erde, damit Selene wusste, dass sie an sie dachte und plötzlich hatte sie eine Idee, wie sie Selene wirklich helfen konnte. Sie ging zu Sulis, dem Lichtgott und bat um einen Gefallen.

Selene hörte ein Rascheln im finsteren Gehölz und eine Häsin kam auf sie zu. Die langen Winternächte und das Lauschen von fern an geschlossenen Menschentüren hatten sie gelehrt, dass diese Tiere wohl keine Gefahr darstellten und die freundlichen, funkelnden Augen sprachen für sie. Also beschloss Selene, die Häsin um einem Unterschlupf zu bitten. Das Häschen gab ihrem Flehen nach und so verbrachten sie gemeinsam die restlichen Stunden bis zur Morgendämmerung. Selene erzählte, woher sie kam und was sie hierherführte und meinte: »Ich möchte mich selbst finden und lieben lernen. Das bin ich Reva schuldig. . . Wie schaffst du es, dich einfach so anzunehmen wie du bist?« Die Häsin war geduldig mit ihr und erklärte: »Weißt du, meine Ohren sind nicht so lang, wie die meiner Schwestern, dafür kann ich schneller laufen als sie. Jeder hat seine eigenen besonderen Eigenschaften, die er für sich heranziehen kann. Du musst sie nur finden!«

Selene war neu auf der Erde und kannte sich nicht so gut aus und fragte daher nach dem Weg in eine Menschenstadt, nachdem sie sich wortreich für die Unterkunft, das Essen und den guten Rat bedankt hatte. Die Sonne stieg aus dem Dunst, der träge am Horizont waberte, und ergoss sich in hellen Strahlen über die hügelige Landschaft. Selene spazierte über einen Trampelpfad, doch als sie schon Stunden unterwegs war und an eine Abzweigung kam, wusste sie nicht weiter und sie setzte sich auf einen Stein. Ihr Mut, sich selbst zu finden und zu lieben, sank mit jeder Minute, die sie auf dem harten Stein saß. Da kam eine Bärin brummend und vor sich hin murmelnd aus dem Wald und graue Haare zierten ihre Nase. Nachtblaue Augen mit Sternenglanz darin blickten Selene freundlich an. Selene kannte keine Angst vor der Bärin und fragte nach dem Weg in die Menschenstadt. Die Bärin musterte die schmale Gestalt und grummelte dann: »Ich kenne die Menschen.. . . Geh nicht dorthin, ich sehe, du bist nicht von hier. Du kannst mit mir mitkommen, wenn du willst.« Und so willigte Selene ein. Sie wandten sich nach Süden und trotteten nebeneinander her. Auf ihrem gemeinsamen Weg erzählte Selene, woher sie kam und was sie hierherführte und fragte die alte Bärin, wie man sich selbst lieben konnte. Diese antwortete nach reiflichem Überlegen: »Nun, meine Liebe, mein Bauch ist vielleicht dicker als der meiner Schwestern, doch ich habe schon mehr erlebt und weiß daher, wie es in der Welt so zugeht. Jeder hat seine eigenen besonderen Eigenschaften, die er für sich heranziehen kann. Du musst sie nur finden!«

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Wer hat hier bereits Kommentare abgegeben?

  • Ruth Gogoll
  • Astrid
  • Johanna
  • Sima
  • Anja
  • Claudia
  • Astrid

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    Hi! Ich bin die Autorin des Märchens... Erst mal danke für die konstruktive Kritik und die netten Kommentare!
    Das mit den direkten Reden und den richtigen Zeilenumbrüchen ist mir dann auch aufgefallen. Ich möchte mich gern verbessern, also danke! :) (Bin sehr offen für konstruktive Kritik, und schnell im Umschreiben :) )

    Ich wusste nicht, dass die Inhaltsangabe beim Märchen veröffentlicht wird und dass da das Ende auch reingehört, hab mich eher an eine Inhaltsangabe von einem Buchcover gehalten :o.

    Ich weiß gar nicht, ob ich das Ende schon hier verraten darf, aber so viel ist mal gesagt: Selene lernt von den Tieren, dass sie einzigartige Eigenschaften hat, die es wert sind, geliebt zu werden. Reva nimmt diese Tiergestalten an, um Selene zu zeigen, dass sie sich selbst lieben kann... und natürlich geht sie mit Reva in den Himmel zurück, weil sie nun weiß, wo sie hingehört... Ich hoffe, dass dies die erste Neugierde stillt. ;)

    Donnerstag, 13. September 2018 9:46
  • Ruth Gogoll

    Astrid Permalink

    Irgendwie hatten wir nicht damit gerechnet, dass hier so viele Leute ein Märchen einreichen, die anscheinend noch nie einen LLP oder einen anderen unserer Wettbewerbe gesehen haben. 😉 Da die Vorgehensweise bei allen unseren Wettbewerben gleich ist und immer eine vollständige Inhaltsangabe verlangt und auch beim Wettbewerb veröffentlicht wird, waren wir davon ausgegangen, dass alle Autorinnen, die hier etwas einreichen, das wissen. Aber da man eben nicht davon ausgehen kann, hätten wir das dazuschreiben müssen, das ist richtig. 😎

    Donnerstag, 13. September 2018 14:05
  • Claudia

    Astrid Permalink

    Liebe Astrid, schön dass du dich hier auch zu Wort meldest. Schade, dass du Inhaltsangabe und Klappentext verwechselt hast, denn mit der Information bekommt deine Geschichte, für mich, einen ganz neuen Stellenwert. Die Idee ist ja richtig gut und auch überraschend.

    Donnerstag, 13. September 2018 13:15
  • Johanna

    Astrid Permalink

    Dass Reva die Tiergestalten annimmt, ist eine geniale Überraschung. Darauf wäre ich nicht gekommen.
    Danke fürs Verraten ;)

    Donnerstag, 13. September 2018 12:19
  • Johanna

    Permalink

    Eine schöne Geschichte mit einem ernsthaften Hintergrund. Jede Frau ist einzigartig, jede Frau ist liebenswert.
    Dass Selene diese Lektion ausgerechnet von Tieren lernen wird, macht für mich das ganze noch viel sympathischer :)
    Schade, dass der Auszug an dieser Stelle aufhört. Ich hätte gerne gewusst, ob Selene irgendwann überhaupt noch bei den Menschen ankommt und auch von ihnen etwas lernt oder ob die Tiere das alles schon richten ;)
    Außerdem frage ich mich natürlich, wie Du am Ende die Liebesgeschicht zwischen Reva und Selene auflöst. Wird Reva auch zum Menschen?

    Mittwoch, 12. September 2018 8:15
  • Sima

    Permalink

    Wird Selene ihr Glück auf der Erde finden, oder lernt sie, sich selbst zu lieben und anzunehmen, so wie sie ist und wird dorthin zurückkehren, wo sie hingehört?
    Ja, es wäre schön gewesen, wenn wir das in der Inhaltsangabe erfahren hätten. Denn da gehört die Antwort darauf eigentlich hin. :) Finde ich persönlich jetzt aber nicht so schlimm, weil man sich das glückliche Ende bei el!es-Geschichten ja denken kann.

    Also ich muss schon sagen, das ist eine süße Märchengeschichte. Mir gefällt die Art, wie Du das geschrieben hast. Das wirkt dadurch sehr gefühlvoll, richtig rührend. Da ist eine Menge Herzschmerz zu spüren, und Deine beschreibende und einfühlsame Wortwahl sorgt ganz automatisch für eine emotionale Stimmung.

    Ein klein wenig hat mich dieser Satz hier irritiert: Jeden Abend umgab Selene ein Glitzern und Flackern in allen Farben und Formen, sodass sie sich sehr schön fühlte. Selene genoss die Aufmerksamkeit Revas und schaute dann mit vollem Lächeln vom Himmel und badete im Schein der Abermillionen Sterne.
    In Deiner Geschichte geht es ja darum, dass Selene erst lernen muss, sich selbst zu lieben bzw. sich so anzunehmen, wie sie ist. Reva gegenüber sagt sie: » . . Sieh mich doch an, Reva! Ich bin einmal dick und dann wieder dünn, weil ich es nicht aushalte, wie ich bin! Meine Narben und Schrammen. . . ich verstehe nicht, wie du mich ansehen kannst!« . Das passt für mich nicht ganz zusammen, weil Selene sich in dem Satz oben doch sehr schön fühlte und Revas Aufmerksamkeit genoss. Da musst Du vielleicht noch mal drüber nachdenken bzw. das etwas anders formulieren.

    Allgemein gibt es handwerklich hier noch einige Defizite. Du wechselst permanent die Perspektive, schreibst mal aus der Sicht von Reva und dann manchmal einen Satz später schon wieder aus der Sicht von Selene. Das sind aber typische Anfängerfehler. Ist mir selbst so ergangen, und das kann alles korrigiert werden. Du musst Dich ja gar nicht unbedingt auf eine Perspektive festlegen, aber innerhalb einer Szene solltest Du nicht wechseln. Bei der wörtlichen Rede solltest Du immer eine neue Zeile verwenden, damit die Leserin sofort weiß, wer da gerade spricht. So, wie Dein Text geschrieben ist, wirkt das etwas unübersichtlich. Aber wie gesagt, das sind alles Dinge, die man relativ schnell lernen und ändern kann. Hinsichtlich Spannung / Konfliktpotential kann ich jetzt noch nicht viel sagen, weil ich nicht weiß, was Selene auf ihrer Reise auf der Erde noch so erlebt und welches Ereignis letztlich dazu führt, dass sie sich selbst findet und glücklich wird. Dafür ist die Inhaltsangabe leider nicht aussagekräftig genug.

    Trotzdem, ich finde, Du hast Talent, und wenn Du gewillt bist, Dich noch intensiver mit dem Schreibhandwerk zu beschäftigen, dann könnte ich mir vorstellen, dass wir bald noch einiges mehr von Dir zu lesen bekommen. :) Und wie dieses Märchen hier weitergeht, würde mich natürlich auch interessieren.

    Mittwoch, 5. September 2018 21:12
  • Anja

    Permalink

    Oh, das ist ja herzallerliebst, wie sehr Reva da ihre Selene liebt. :)

    Weißt Du, was Dein Märchen noch etwas schöner machen würde? Wenn Du das nächste Mal beim Wechseln des Sprechers eine neue Zeile beginnen würdest. ;)

    Bitte beschäftige Dich noch etwas mit dem Handwerk des Schreibens, um noch ein paar kleine Kniffe zu lernen. Ich bin mir nämlich sicher, in Dir schlummern noch viel mehr wunderschöne Geschichten, die ich genau wie diese hier gerne lesen würde.

    Montag, 3. September 2018 20:29
  • Claudia

    Permalink

    Vielen Dank, für diese Geschichte. Eine Göttin auf der Suche nach der Erkenntnis, dass der Schlüssel zum Glück darin liegt, sich selbst zu lieben.
    Ein Hinweis, es liest sich leichter, wenn Du die einzelnen Personen/Perspektiven besser trennst,
    Und das hier “Gefühle changierten auf ihrem Gesicht“, das kannte ich so auch noch nicht. Interessante Wortwahl:)

    Sonntag, 2. September 2018 17:24

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