»Es ist Dahn, nicht wahr?«, fuhr Corey fort. »Du willst es mir nur nicht sagen.«

»Du bist nur eine Besucherin . . .«, murmelte Thora. Ihre Stimme klang müde.

»Das mag sein«, sagte Corey, »aber das heißt nicht, dass ich dir nicht helfen kann. Die Erde kann Maschinen schicken, Menschen . . . alles, was ihr braucht. Mit der entsprechenden Ausstattung könnte dies sogar ein grüner Planet werden. Und viele würden herkommen, weil er so leer ist. Weil sie hier die Freiheit finden, die sie auf der Erde vermissen.«

»Freiheit.« Thora sprach das Wort aus, als wäre es ihr fremd. »Ich habe darüber gelesen, aber bevor du kamst, habe ich nie darüber nachgedacht. Unsere Vorfahren waren sehr daran interessiert, doch uns war nie so recht klar, warum das so wichtig ist. Jede hat ihren Beitrag zu leisten, sonst bricht das Gemeinwesen zusammen. Jede tut, was sie kann. Wir sind alle aufeinander angewiesen. Sind wir nun frei oder unfrei?«

»Ich wollte keine philosophische Diskussion daraus machen«, sagte Corey. »Mir geht es nur um dich. Bist du frei? Kannst du tun und lassen, was du willst? Im Moment kommt mir das nämlich nicht so vor.«

»Ich bin unwichtig –«, begann Thora.

Doch Corey unterbrach sie sofort. »Du bist der wichtigste Mensch auf diesem Planeten. Die Frauen schauen zu dir auf, vertrauen dir, verlassen sich auf dich. Eine der Minenarbeiterinnen sagte vorhin, schon allein dein Anblick lässt die Arbeit leichter erscheinen.« Sie machte eine kurze Pause. »Ich glaube nicht, dass sie dasselbe von Dahn sagen würden.«

Es war ein Schuss ins Blaue, doch sie merkte, dass sie getroffen hatte. Thora zuckte zusammen.

»Dahn hat dich irgendwie in der Hand«, fuhr Corey fort. »Sie lässt dich bewachen, verfolgt deine Schritte und kontrolliert deine Gespräche, als wäre sie hier auf dem Planeten der Boss und nicht du.« Als Thora nicht antwortete, fügte sie hinzu: »Oder willst du das bestreiten?«

Thora ließ sich immer noch Zeit mit der Antwort. Es schien, als ob sie an Coreys Schulter eingeschlafen wäre. Aber dann löste sich doch ein leises »Nein« von ihren Lippen.

»Wie wäre es, wenn wir in das Haus der Minenarbeiterinnen gingen und du mir alles erzählst?«, schlug Corey sanft vor. »Ich glaube nicht, dass Dahn dort Spione hat. Und es gibt auch keine Abhöranlage.«

Zuerst erschien es so, als wollte Thora ablehnen, aber dann stimmte sie zu.

Sie legten den Rest des Weges bis zu der Hütte zurück, in der Luhan und Corey heute Morgen als erstes gewesen waren. Corey überprüfte die Straße, aber es war nichts von der Boxerfrau, Thoras Aufpasserin, zu sehen. Sie schlüpften hinein, und Corey schloss die Tür hinter ihnen. Wie überall gab es auch hier keine Schlösser. Die Tür hatte nur einen Haken, damit sie nicht von allein wieder aufging.

In der Hütte war es still. Alle waren zur Arbeit gegangen.

Corey ging zu dem Regal an der Seite, auf dem die große Kanne mit dem grünen Getränk stand, das hier als Kaffee-Ersatz diente. Sie goss zwei Becher ein und kam damit an den Tisch zurück, vor dem Thora immer noch stand. Sie hatte sich nicht gesetzt.

Nachdem sie die Becher abgestellt hatte, zog Corey sie erneut in ihre Arme, und diesmal küsste sie sie länger. Sie wartete darauf, dass Thora sich öffnen würde, denn sie wirkte sehr in sich gekehrt.

Overall Rating (0)

0 out of 5 stars
Add comment

People in this conversation

  • Ruth Gogoll
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    Ist Thora nur eine Marionette von Dahn? Bisher hieß es immer, sie ist die Herrscherin des ganzen Planeten, aber im Moment sieht es wirklich nicht so aus. Was hat Dahn gegen sie in der Hand?

    Mittwoch, 12. Juli 2017 8:28

Weitere Artikel

  • 1
  • 2
  • 3

Suche