»Weil du sie liebst.« Seufzend ließ Corey sich wieder auf ihren Stuhl fallen. »Wie unerklärlich das auch ist.«

»Anscheinend ist es sehr wichtig für dich, ob ich Dahn liebe oder nicht«, bemerkte Thora. »Auch wenn es in Wahrheit völlig nebensächlich ist. Es hat keine Bedeutung.«

»Na ja . . .« Corey krauste zweifelnd die Stirn. »Für die meisten Leute hat es schon eine. Ich wette, für Dahn hat es eine.«

Thora nickte. »Deshalb hat sie mich behandelt«, sagte sie.

Coreys Augenbrauen zogen sich verständnislos zusammen. »Wie alle anderen Frauen«, vermutete sie. »Du bist durch die Behandlung schwanger geworden.«

»Nein.« Mit einem melancholischen Lächeln setzte Thora sich Corey gegenüber. »Diese Behandlung meinte ich nicht.«

»Nicht?« Corey betrachtete Thoras in sich gekehrtes Gesicht. Sie schien auf einmal gar nicht mehr da zu sein. »Warst du denn krank? Hat sie dich deshalb behandelt?«

»Krank.« Thora wiederholte das Wort. »Manchmal kommt es mir tatsächlich so vor. Jetzt, da ich weiß . . . da ich es erlebt habe.« Sie hob den Blick, und ihre Augen schimmerten feucht. »Wenn Dahn mich nicht behandelt hätte . . .« Sie schluckte. »Wenn sie das nicht getan hätte, wäre unser Picknick am See anders verlaufen. Ich hätte nicht so . . . reagieren können.«

Dann hatte Sheribon doch recht, schoss es Corey durch den Kopf. Aber sicher konnte sie immer noch nicht sein. Dennoch begann sie zu lächeln. »Es ist eine indiskrete Frage, und du brauchst sie nicht zu beantworten«, tastete sie sich vorsichtig heran. »Aber war unser . . . Picknick das . . . das erste Mal für dich? Ich meine, nicht das erste Mal, dass du mit einer Frau geschlafen hast. Das erste Mal, dass du –«

Thora lächelte wehmütig. »Ja, man könnte sagen, es war das erste Mal. Ich kannte diese Empfindungen vorher nicht.«

Corey atmete heftig aus. »Aber du lebst mit Dahn zusammen, und du«, sie überwand sich, »schläfst mit ihr.«

Sie sah, wie Thora den Kopf abwandte, als könnte sie ihr nicht mehr in die Augen sehen.

»Entschuldige.« Corey schob ihre Hand über Thoras, streichelte sie sanft. »Das geht mich nichts an. Es ist mir nur so . . . unverständlich. Allen. Besonders denen, die Dahn kennen.« Sie verzog das Gesicht.

Mit immer noch abgewandtem Kopf antwortete Thora: »Ich hatte keine Wahl.«

»Sie . . . zwingt dich?« Corey spürte, wie ihr ganzer Körper sich anspannte. Hatte sie doch recht gehabt? Dahn sollte sich besser ihre Nase und etliche andere Teile ihres Körpers polstern lassen, bevor sie sich das nächste Mal trafen.

»Sie muss mich nicht zwingen.« Thoras Kopf drehte sich zurück, und sie schaute Corey nun wieder an. »Ich habe eine logische Entscheidung getroffen. Eine, die für alle das Beste ist.«

»Außer für dich.« Corey hob die Augenbrauen. »Wieso wärst du sonst hierher geflohen? Das bist du doch, oder nicht?«

»Ich sagte doch, ich brauchte Zeit und Ruhe, um nachzudenken.« Thora zog sich erneut in sich zurück.

»Und das konntest du nicht in deinem Büro tun, weil du dort ständig unter Überwachung stehst, nicht wahr?« Corey stand auf. Nun war ihr nach Herumlaufen. Am liebsten hätte sie auf irgendetwas eingeschlagen. »Dahn ist so eifersüchtig, dass sie es nicht einmal erträgt, wenn du mit mir sprichst. Wahrscheinlich würde sie am liebsten auch noch deine Gedanken überwachen.«

Thora atmete tief durch. »Wenn sie das könnte, ja«, bestätigte sie. »Sie ist sehr . . . unsicher, was mich betrifft.«

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