Schriftstellertraining, 3. Übung

Gefühle. Gefühle zu beschreiben ist eine ganz spezielle Kunst. Die beiden ersten Übungen bezogen sich mehr auf Äußerlichkeiten, jedesmal wurde die Situation durch äußere Einflüsse bestimmt, den Löwen oder einen Überfall im Supermarkt. Beide Situationen haben zwar mit Gefühlen wie Angst beispielsweise zu tun, aber die Gefühle kamen nicht von innen heraus, sondern wurden der Protagonistin sozusagen aufgezwungen. Sie konnte sich die Art des Gefühls nicht aussuchen. Kaum jemand wird wohl bei einem Überfall Liebe empfinden.

Hier nun geht es genau um das, um das Wichtigste im Leben, die Liebe bzw. sagen wir allgemeiner positive Gefühle, die mit anderen Menschen verbunden sind. Positiv insofern, als Liebe für mich einfach grundsätzlich ein positives Gefühl ist. Dieses Gefühl kann aber durchaus auch mit anderen Gefühlen gemischt sein. Oftmals sind Gefühle ein Sammelsurium verschiedener Eindrücke und gar nicht so einfach zuzuordnen.

Sehr beliebt in Liebesromanen ist Liebe gemischt mit Zweifel. Sich nicht sicher zu sein, ob die Liebe, die man selbst empfindet, erwidert wird. Sich nicht sicher zu sein, ob das Objekt der Liebe die Wahrheit sagt oder lügt, ob sie etwas verschweigt. Kein Mensch ist je ganz offen, vor allem nicht am Anfang einer Beziehung, also ist der Zweifel eigentlich der natürliche Begleiter der Liebe. Jeder Mensch möchte sich im besten Licht darstellen, zeigt am Anfang nur seine Schokoladenseite, um das Gegenüber für sich einzunehmen. Oft zeigen sich die negativen Seiten erst später.

Es gibt viele Möglichkeiten, Gefühle darzustellen, eine der elegantesten ist natürlich Show don't tell, wo das Gefühl nicht benannt werden muss, weil es gezeigt wird. Aber auch ohne Show don't tell kann man Gefühle zeigen, das hängt ganz von den Vorlieben der Autorin ab.

Wichtig bei der Beschreibung von Gefühlen ist, dass das Gefühl bei der Leserin ankommt. Wenn ich Liebe beschreibe, muss die Leserin Liebe empfinden, es reicht nicht, wenn nur ich das beim Schreiben empfinde.

Sehr wichtig ist es auch, bei der Person zu bleiben. Es ist praktisch unmöglich, eine gefühlvolle Situation zu schaffen, wenn die Perspektive ständig wechselt. Die Leserin muss sich mit der Person, die das Gefühl empfindet, identifizieren können, sie muss eintauchen können in die Gefühlswelt der Protagonistin, ohne ständig herausgerissen zu werden.

Nun also die Aufgabe: Die erste Begegnung von zwei Frauen, die sich zuvor noch nie gesehen haben. Die Begegnung erfolgt zufällig, sie ist nicht geplant. Es kann sein, dass sie im Supermarkt mit ihren Einkaufswagen zusammenstoßen, es kann sein, dass sie sich im Schwimmbad begegnen, während die eine das Wasser verlässt und die andere hineingeht. Vielleicht sitzen sie nebeneinander im Bus oder im Flugzeug, vielleicht sehen sie sich in einem Restaurant, umgeben von anderen, so dass nur Blicke getauscht werden können, keine Worte. Die Möglichkeiten sind endlos. Suchen Sie sich eine aus.

Ich gebe diesmal keine direkte Länge vor, aber ich denke, eine DIN-A4-Seite sollte das Minimum sein. Es kann auch mehr werden. Auf dieser Seite sollte es nur und ausschließlich um Gefühle gehen, möglichst wenig um Äußerlichkeiten. Tauchen Sie ganz tief ein in die Gefühlswelt Ihrer Protagonistin, beschreiben Sie, was sie denkt und fühlt, lassen Sie sich nicht von der Beschreibung nebensächlicher Dinge wie der Umgebung ablenken. Bleiben Sie in einem ganz engen Kokon, der nicht über Kopf und Herz der Protagonistin hinausgeht.

 

Bewertung (0)

0 von 5 Sternen
Einen Kommentar schreiben

Wer hat hier bereits Kommentare abgegeben?

  • Sima
  • Johanna
  • Alexa
  • Anja
  • Asuka
  • Lara
  • Ruth Gogoll
  • Asuka

    Permalink

    So, nächster Versuch. Cassiopeias Augen. Der Titel gefiel mir einfach. ;-)
    Auch diesmal ist wieder nicht das rausgekommen, was ich ursprünglich im Kopf hatte, und ich glaube, für das Thema hier geht es auch zu wenig um "Gefühle". Aber jetzt steht es eben so da, und ich möchte es irgendwie gerade gerne teilen, weil es eine Geschichte ist, die mich glücklich macht. Und das wollten wir doch, oder? Leute glücklich machen. Leute zum Träumen bringen. Feedback welcome. :)
    Es ist auch nicht die Kassenschlange, die klappt im Moment einfach nicht, aber vielleicht macht das ja nichts.


    Cassiopeias Augen (17.06.2018)

    Während ich in der Schlange vor den Toiletten stehe, lasse ich meinen Blick über die Frauen wandern, die um mich herumstehen. Das mache ich immer. Ich mag es, die Tattoos auf nackten Armen und Schultern zu betrachten, die Armbänder, Uhren, Halsketten, Jeans, Tops und Frisuren. Die Typen von Mensch, die es hier gibt. Und wann hat man denn mal so viel Zeit? Hier stehen wir doch alle nur rum und warten.

    Über den Waschbecken hängen Spiegel. Die machen es mir einfach. So kann ich auch die Frauen sehen, die in der Schlange drei oder vier Plätze entfernt von mir stehen. Gedankenverloren lasse ich den Blick schweifen, beobachte die beiden Frauen hinter mir, die die Hände nicht voneinander lassen können, die Dame vor mir, deren breites Kreuz ein großes Tattoo ziert, vermutlich ein Drache, soweit ich das unter ihrem Oberteil erkennen kann, die neonfarbenen Nikes des jungen Mädels davor, die aussehen, als hätte sie sie extra für den heutigen Abend gekauft. Ich fühle mich wohl. Hier bin ich ich, hier bin ich richtig.

    Auf einmal fällt mir auf, dass ich nicht nur beobachte, sondern auch beobachtet werde. Im Spiegel begegnen mir Augen. Augen, die meinen Blick festhalten. Ein bisschen herausfordernd. Für einen Moment bin ich verlegen, ertappt. Doch dann fällt mir das Glitzern auf. Und das tiefe, weiche Braun. Wie Nutella. Spontan fange ich an zu lächeln und lege den Kopf ein bisschen schief. Sie lächelt zurück. Ihre Zähne sind so weiß, dass sie sogar in dem grellen Neonlicht hier drin noch strahlen. Der Kontrast zu ihrer dunklen Haut ist atemberaubend. Ich blinzele ihr zu, während mein ganzer Körper zu kribbeln beginnt. Es fühlt sich an, als würden tausend Ameisen durch meine Adern huschen. Ich fühle mein Herz stolpern, als sie zurück blinzelt und noch ein bisschen breiter grinst.

    Dann rückt die Schlange weiter. Für einen Moment kann ich sie nicht mehr sehen. Sie mich offenbar auch nicht, und anscheinend gefällt ihr das nicht, denn nach ein paar Sekunden taucht sie in einer Ecke des Spiegels wieder auf, so dass auch ich sie wieder sehen kann. Sie muss ihrer Nachbarin ganz schön auf die Pelle gerückt sein. Ich nehme es zur Kenntnis. Sie blinzelt mir zu, mit dem rechten Auge. Ich blinzele zurück. Auch mit dem rechten Auge. Sie blinzelt links. Ich auch. Wir lachen beide.

    Dann wird eine Kabine frei, und ich bin dran. Als ich mir die Hände wasche, mustere ich aus dem Augenwinkel die Schlange der Wartenden. Sie ist nicht mehr dabei. Kurzentschlossen trödele ich mit dem Händewaschen, so lange ich kann, und bleibe dann einfach bei den Waschbecken stehen. Die beiden Frauen, die hinter mir standen, tauchen auf. Dann eine Weile niemand, dann eine Frau mit Stoppelhaarschnitt und einem sehr kunstvollen Sleeve-Tattoo, die mir vorher nicht aufgefallen ist. Ich werde unruhig. Habe ich sie verpasst? Hat sie die Schlange verlassen und ist einfach wieder gegangen?

    Dann steht sie plötzlich am Waschbecken neben mir. Sie ist groß, größer als ich dachte, und ihre Hände sind obendrauf braun wie Schokolade und innen rosa-hell. Fasziniert betrachte ich diesen Kontrast, während sie sich die Hände wäscht. Dann schaut sie auf, mir direkt in die Augen. Irgendwo in den Tiefen meiner Eingeweide explodiert eine gleißende, heiße Kugel. Ich bin sicher, dass sie das in meinen Augen sehen kann. „Schön, dass du auf mich gewartet hast.“, sagt sie, als wäre das das Selbstverständlichste der Welt. Ihre Stimme füllt mein Sein aus, ich möchte darin ertrinken, ich möchte mehr davon. Sie kommt einen Schritt auf mich zu und langt an mir vorbei, um sich Papierhandtücher aus dem Spender zu zupfen. Für ein paar Augenblicke spüre ich die Hitze, die ihre Haut abstrahlt, rieche die Mischung aus warmer Haut, Schweiß und Deo, die sie umfängt, und kämpfe gegen das Bedürfnis an, meine Arme um ihre Taille und meinen Kopf an ihre Schulter zu lehnen. Wie kann so etwas sein? Ich kenne sie doch gar nicht!

    „Holen wir uns was zu trinken?“ „Ja, klar, gerne!“, erwidere ich und bin froh darüber, dass wir in diesem Moment die Toilettenräume verlassen und der Partylärm eine ausführlichere Antwort erstmal unmöglich macht. Wir schieben uns durch die Menge, weichen mal hierhin, mal dorthin aus, und zweimal spüre ich ihre Hand von hinten an meiner Hüfte. Beide Male zucken Blitze von der berührten Stelle durch meinen ganzen Körper und explodieren in meinem Gehirn. Plötzlich ist in mir ein Sehnen, ein Verlangen, dass mich selber ein bisschen erschreckt. Aber es gefällt mir. Ich will mehr davon.

    An der Bar zwänge ich mich in eine schmale Lücke zwischen all den Frauen, die versuchen, sich in dem Lärm den Barkeepern verständlich zu machen. Ich fühle den Körper der Unbekannten schräg hinter mir, dann quetscht sie sich neben mich. Ihr Körper berührt meinen auf ganzer Länge, und meine Haut brennt vom Oberschenkel bis zur Spitze meines kleinen Fingers, wo sich mich berührt. „Was willst du trinken?“, frage ich sie. „Eine Fanta, bitte.“ Ich spüre ihren Atem an meinem rechten Ohr, ihr Gesicht dicht neben meinem. Für einen Moment dreht sich die Welt um mich. Ich schlucke, dann gelingt es mir, die Aufmerksamkeit einer Bedienung auf mich zu ziehen und ihr schreiend meine Bestellung mitzuteilen. Einen Moment später halte ich zwei kalte Flaschen Fanta in den Händen. Ich schiebe eine zu meiner neuen Bekanntschaft hinüber. „Danke.“ Sie nimmt einen Schluck, dann grinst sie mich keck an.. Ich sehe etwas in ihrem Blick, was mein Herz erneut zum Stolpern bringt. „Komm!“, schreie ich, fasse dann einfach nach ihrer Hand und ziehe sie hinter mir her, raus aus der großen, lauten Halle. Es gibt noch einen kleineren Raum, da ist es meistens nicht ganz so laut. Ich fühle, wie sie meine Hand mit ihrer umschließt und festhält. Am liebsten würde ich mich einfach umdrehen und sie küssen, jetzt und hier. Das Ziehen in meinem Unterleib tut fast schon weh, und ich habe Mühe, einen Fuß vor den anderen zu setzen. Aber ich will wenigstens ihren Namen wissen! Und so geht das doch alles nicht…

    Im Flur zwischen den beiden Räumen hält sie mich auf, drängt mich gegen die Wand, stützt einen Arm neben meiner Schulter ab. In der Hand hält sie ihre Flasche. Wie störend sind jetzt gerade diese Flaschen, denke ich, während eine Mischung aus Angst und Erwartung meinen Mund trocken macht. Ich bücke mich und stelle meine einfach neben mir auf dem Boden ab. Sie grinst, dann tut sie es mir gleich. Richtet sich wieder auf, stützt jetzt beide Arme rechts und links von mir gegen die Wand, steht vor mir, über mir. Schaut mich an. Und in ihren Augen sehe ich die gleiche Mischung aus Sehnsucht und Verlangen, die auch durch meinen Körper brandet. Und es ist egal, dass ich ihren Namen nicht kenne, dass ich sie nie zuvor gesehen habe, dass wir im Gang stehen, mitten im Weg, und unsere Zwerchfelle im Rhythmus der herausdringenden Bässe vibrieren. Ich lege meine Hand in ihren Nacken und küsse sie auf den Mund.

    Sonntag, 17. Juni 2018 14:59
  • Hey, danke, ihr Lieben!
    Das hat mich jetzt ja gerade umgehauen, dass diese Geschichte innerhalb von 24h so viel positives Feedback bekommen hat! Dankeschön! :D
    Ich hätte auch gerne weitergeschrieben, genau an der Stelle. Da wird es ja schließlich erst so richtig spannend. Aber es war da schon mitten in der Nacht, und ich musste am nächsten Tag arbeiten. Aber ich denke, daran werde ich noch ein bisschen weiterschreiben...
    Danke für eure Kritikpunkte! Kann ich alle gut nachvollziehen. Ja, das mit der Toilettenschlange ist so ne Sache. Der Satz mit dem Wohlfühlen hat mich auch zum drüber nachdenken gebracht, aber eigentlich geht es ja nicht um den direkten Ort, sondern um das Eintauchen in die Menge an Frauen, die alle so sind wie unsere Hauptfiguren... Um das "passen" in einer Welt, in der man an manch anderem Ort immer die Einzige ist, die irgendwie anders ist. Dabei sind wir doch in unserer Welt ganz normal!!! :D Hab keine andere Stelle gefunden für den Satz, aber man könnte ihn wohl auch einfach weglassen, ohne die Geschichte wirklich zu beeinträchtigen. Und nein, da ist kein ich zu viel! Das soll so. Da bin ich ICH, im Sinne von "ich selbst". ;-)
    Also, sorry nochmal für die Toilette. Aber mit Kassenschlangen wollte mir das einfach nicht gelingen... ;-) Meine Figuren waren schon immer etwas selbstständig und machen meistens nicht einfach genau das, was sie sollen.
    Aber dazu habe ich gestern hier auf der Seite irgendwo einen klugen Satz gelesen: "Versuche nichts zu beschreiben, was du selber erlebt hast." Check. Problem erkannt. :-) Und hinterher weiß das ja keiner! ;)

    Und vielen Dank für die Blumen, Frau Gogoll. Ich freue mich wirklich über Lob aus ihrer Tastatur. Leider habe ich noch immer nicht die Muße gefunden für so etwas großes wie einen Roman, aber wenn ich wieder häufiger Kurzgeschichten schreibe, werden die vielleicht irgendwann mal genug sein für größere Träume. Ich habe das nicht vergessen... :)

    Montag, 18. Juni 2018 23:28
  • Ruth Gogoll

    Asuka Permalink

    Es muss ja nicht gleich ein langer Roman sein. Du könntest ein Märchen jetzt für den Märchenwettbewerb schreiben (Abgabetermin Ende August), eine Adventsgeschichte für den diesjährigen Adventskalender (Abgabetermin Mitte November) oder einen Kurzroman für den nächsten LLP (Abgabetermin 31.3.2019). 🙂 Es ist immer gut, wenn man auf einen Termin hinarbeitet, sonst werden Geschichten oft nie fertig. Und da spreche ich aus eigener Erfahrung. Bei mir werden sie ohne Termin nämlich auch oft nicht fertig. 😉

    Dienstag, 19. Juni 2018 14:23
  • Das ist eine gute Idee! Auf Termine hinarbeiten, hilft ja manchmal wirklich. ;)
    Also werde ich mir das mal genauer anschauen und darauf hinarbeiten!

    Dienstag, 19. Juni 2018 21:08
  • Ruth Gogoll

    Asuka Permalink

    Da kann ich auch sehr die 250-Wörter-Methode empfehlen, über die ich hier auf der Webseite ja mittlerweile einiges geschrieben habe. Und damit habe ich auch einige meiner Romane fertiggekriegt, wie auch hier in diesem Artikel erwähnt.

    Es ist ja oft so, dass man nicht so viel Zeit hat, und da sind kleine Schritte sehr viel sinnvoller, als sich gleich einen Riesenbrocken von 70.000 Wörtern, einen ganzen Roman, vorzunehmen. Auch mit 250 Wörtern am Tag kann man das durchaus schaffen (365 Tage mal 250 Wörter sind 91250 Wörter in einem Jahr), aber man kann oder will vielleicht auch nicht jeden Tag schreiben. Also ist es besser, mit einer kürzeren Geschichte anzufangen. 10.000 Wörter sind in 40 Tagen zu schaffen, wenn man täglich 250 Wörter schreibt. Also das ist ein sehr realistisches Ziel. 🙂

    Mittwoch, 20. Juni 2018 8:26
  • Und wenn es neben den 250-Wörtern noch etwas mehr Ansporn braucht, vielleicht eine schöne Statistik ;), dann könnte man noch darüber nachdenken, es im Juli mal mit dem NaNoWriMo-Camp zu probieren, wo man die zu erreichende Gesamtwortzahl selbst bestimmen kann und es nicht die 50.000 Wörter in einem Monat sein müssen. Daran habe ich gerade selbst nachgedacht, um mich etwas mehr beim Schreiben auf Trapp zu halten und was fertig zu kriegen.

    Mittwoch, 20. Juni 2018 15:09
  • Hallo Asuka,

    beim Lesen musste ich an meine Disco-Zeiten denken. Das ist zugegeben schon eine Weile her. :)
    Du hast einen schönen Schreibstil. Das gefällt mir. Da steckt auch sehr viel Gefühl drin. Das ist alles bildhaft und fühlbar beschrieben. Ich habe mich dabei ertappt, dass ich immer mal zustimmend genickt habe, weil ich mir die Szene wunderbar vorstellen konnte.
    Ein, zwei Dinge, worauf Du beim Schreiben achten musst, wurden hier schon angesprochen. Das spare ich mir also.

    Ich musste ein wenig schmunzeln bei dem hier:
    Ich fühle mich wohl. Hier bin ich ich, hier bin ich richtig. (Übrigens ist da ein "ich" zu viel.)
    Da dachte ich, dass es wohl schönere Orte zum Wohlfühlen gibt. ;) Aber ich weiß natürlich, worauf sich das eigentlich bezieht.

    Willst Du nicht mal was "Längeres" versuchen, sodass Du es z.b. beim LLP einreichen kannst? Ich denke, das lohnt sich, weil Du Talent hast... sage ich jetzt einfach mal so als Hobbyautorin. :)

    Montag, 18. Juni 2018 16:15
  • Johanna

    Asuka Permalink

    Ich kann mich den anderen nur anschließen: Warum hörst Du genau da auf :o

    Du hast mich völlig in die Geschichte reingezogen. Ich war während des Lesens fast schon selber genervt von dem Lärm und dem Gedränge um mich herum, so sehr war ich in der Geschichte drin. Ich wollte nur noch raus ins Freie mit dieser unbekannten Schönheit, um endlich in Ruhe mit ihr allein zu sein.
    Also: Daumen hoch - und bitte weiterschreiben! :)

    Montag, 18. Juni 2018 13:52
  • Jetzt wo es interessant wird, hörst Du auf. ;) Ein schöner Anfang, der einen gleich mitnimmt. Ich würde sagen, Du hast die Tipps umgesetzt und auch wenn es die Toilettenschlange ist, kommt die Stimmung gut rüber. Das mit den Augen im Spiegel hat was.
    Eine Anmerkung noch: Wenn die Sprecherin wechselt beim Dialog, solltest Du auch eine neue Zeile verwenden und nicht in derselben weiterschreiben. Das ist etwas störend beim Lesen. Ansonsten: Daumen hoch und weiter so! :)

    Montag, 18. Juni 2018 12:51
  • Sali Asuka

    Deine Cassiopeias Augen Geschichte hat mir gut gefallen. :)

    Ich habe persönlich die Toilettenräume auf Partys eher als etwas schmuddelige Orte in Erinnerung. Daher ist die Umgebung für mich da ein kleiner "Erotikkiller", was Deiner Geschichte aber ansonsten keinen Abbruch tut. Das ist nur mein persönliches Empfinden.

    Irgendwo in den Tiefen meiner Eingeweide explodiert eine gleißende, heiße Kugel. Der Satz hat mir gut gefallen. Beschreibt auf den Punkt was in ihr gerade abgeht.

    Hier „Holen wir uns was zu trinken?“ „Ja, klar, gerne!“, erwidere ich und bin... Bin ich kurz gestolpert, da Du da zwei direkte Reden gleich hintereinander geschrieben hast. Vielleicht könntest Du nach „Holen wir uns was zu trinken?“ noch sowas einfügen wie "fragte sie keck." Oder so. Dann wäre es gleich klar, dass sie das sagt und nicht Du.

    Ansonsten hat mir der Rest gut gefallen. Du beschreibst schön, was in Dir abgeht währenddessen und die Umgebung kann ich mir gut vorstellen. Die Flirterei in der Warteschlange, das Gedränge an der Bar, der Kampf um die Aufmerksamkeit der Barkeeperin und das ohrenbetäubende Gedröhne. Alles gut rüber gekommen. :)

    Soso, und jetzt, wo es heiß wird und zur Sache geht hörst Du auf. :( ;)Da bleibt mir ja nur zu hoffen, dass Du hier irgendwann mal eine Vorsetzung davon einstellst. :)

    Montag, 18. Juni 2018 12:20
  • Ruth Gogoll

    Anja Permalink

    Mit dem Erotikkiller Toilette schließe ich mich an. 😎 Da ich aber selbst auch schon solche Szenen geschrieben habe, kann ich das schlecht kritisieren. 😉 Bis auf die fehlende Unterscheidung der Dialogzeilen sehr gut geschrieben. Wir haben ja vor Jahren hier schon einmal festgestellt, dass Du Talent hast, und das bestätigt sich auch hier wieder. Willst Du nicht vielleicht mal eine längere Geschichte oder einen Roman schreiben und den bei uns einreichen?

    Montag, 18. Juni 2018 13:06
  • Asuka

    Permalink

    So, nach langer langer Zeit auch mal wieder was von mir. Die Geschichte sollte eigentlich ganz anders werden, aber beim Schreiben kam dann das hier dabei raus.

    Eine komische Geschichte

    Es ist mal wieder so ein Tag. Nichts lief so, wie ich wollte, ständig eckten Pläne an der Realität an. Mein Geduldsfaden ist längst erschöpft. Die U-Bahn ist mal wieder übervoll, mein unmittelbarer Sitznachbar hat offenbar länger schon kein Wasser mehr in seiner Wohnung, die Dame im Sitz schräg vor mir verträgt die Zwiebeln nicht, die sie doch so gerne isst, und das Kind zwei Reihen hinter mir ist mit mir einer Meinung, dass die gegenwärtige Situation unerträglich ist, nur weniger gehemmt in seinem Ausdruck. Ich kann es zwar verstehen und teile seine Meinung, dennoch stört mich das Geschrei. Mein Wutpegel steigt.
    Endlich erreichen wir meine Haltestelle. Raus aus der Bahn, Treppe hoch, frische Luft. Atmen. Durchatmen. Einkaufen muss ich auch noch. Genervt quetsche ich mich zwischen fremden Einkaufswagen und extra clever platzierten Aufstellern mit Weichspüler, italienischen Nudeln und Schokokeksen hindurch und sammele Zutaten für mein Abendessen zusammen. An der Kasse ist eine Schlange. Natürlich. Heute hätte mich alles andere auch gewundert irgendwie. Mühsam balanciere ich meine Einkäufe in den Armen, immer bemüht, weder den Tiefkühlspinat mit meinen nackten Oberarmen in Kontakt zu bringen noch die lose aufgelegten Joghurts fallen zu lassen oder meinem Vordermann die Äpfel ins Kreuz zu schlagen, die bei jeder Bewegung in ihrer Tüte an meiner Hand hin und her schwingen. Der Herr an der Kasse zählt Centstücke auf den Tresen. Endlich hat er genug gefunden, es geht weiter. Erleichtert stapele ich meine Last auf das Kassenband. Die Dame, die jetzt mit bezahlen an der Reihe ist, feilscht mit der Kassiererin über die Menge an Einkäufen, die für ihr verfügbares Geld zu haben wäre. Soll sie den Kohlkopf dalassen oder lieber das Toastbrot? Oder doch die Marmelade? Wie wäre es mit den Bierflaschen, denke ich zynisch. Endlich ist auch dieses Problem gelöst. Ein Kunde ist noch vor mir dran, dann werde ich es geschafft haben und endlich nach Hause dürfen. Von hinten rufen Kunden nach einer zweiten Kasse. Mit müdem Blick folge ich meinen Waren auf dem Kassenband und schlurfe Zentimeter für Zentimeter weiter. Der Kunde vor mir hat Schwierigkeiten, seine Geheimzahl ins EC-Gerät zu tippen. Vielleicht ist es auch nicht seine Karte, wer weiß das schon. Endlich schafft er es doch und zieht von dannen. Und ich bin dran.
    Mein Blick fällt auf die Hände, die meine Waren über den Scanner ziehen und auf meine Seite der Kasse rüberschieben. Diese Hände fallen mir auf. Obendrauf dunkelbraun wie Bitterschokolade, dann übergehend in ein irgendwie weiches Rosa der Handinnenflächen. Armbänder am rechten Handgelenk, eine klobige, blaue Uhr am linken. Kräftige und doch filigrane, dunkle Unterarme. Ein T-Shirt in den Farben der Supermarktkette, dessen Farben auf dieser Haut so anders aussehen als sonst.
    Plötzlich werde ich gewahr, dass ich offenbar seit einiger Zeit hier stehe. Ich merke, wie ich rot werde. Dann gucke ich hoch, nicht zum Kassenbildschirm, um den Preis meiner Einkäufe, dessen Ansage ich verpasst habe, zu erfahren, sondern zur Besitzerin dieser Hände, die ich so intensiv gemustert habe. Ich begegne Augen, die mich belustigt anschauen. Haselnussbraun und weiß in einem dunklen, dunklen Gesicht. Augenbrauen, die leicht hochgezogen sind. Winzige Fältchen drum rum, die tiefer werden, als sie lächelt. Weiße Zähne zwischen rosa-braunen Lippen. „Soll ich dir meine Telefonnummer auf den Kassenbon schreiben?“ Eine Stimme, die klingt, wie warme Milchschokolade riecht. Ich schmelze.
    Dann dringt der Inhalt der Worte zu mir durch. Verschreckt gucke ich um mich. Haben alle das gehört? Bin ich gerade diejenige, die den anderen ihren wohlverdienten Feierabend nicht gönnt, weil ich hier stehe und rumtrödele? Bin ich, ganz klar. Und haben sie wohl. Entsetzt stehe ich, unfähig, mich zu rühren. In Millisekunden muss ich eine Entscheidung treffen. Einfach tun, als wäre nichts, endlich bezahlen und gehen. Bleiben, ´nen coolen Spruch bringen, lachen. Oder – mein Körper nimmt mir die Entscheidung ab. Plötzlich habe ich das Gefühl, mich von außen zu beobachten.
    Die doofe Kuh vorne an der Kasse, die Maulaffen feilhält und dafür von der gutaussehenden, schlagfertigen Verkäuferin vorgeführt wird. Die da steht mit rotem Kopf und blödem Gesichtsausdruck. Die den Zeitpunkt verpasst, auf den Spruch etwas Passendes zu erwidern.
    Ehe ich weiß, was ich tue, habe ich mich umgedreht und fluchtartig den Laden verlassen. Ohne zu bezahlen, aber zum Glück auch, ohne irgendwas von meinen Einkäufen mitzunehmen.
    Wie in Trance stolpere ich nach Hause. Stochere den Schlüssel ins Schloss, flüchte in meine Wohnung, mache die Tür hinter mir zu. Verwirrt. Verirrt. Wund. Erst allmählich lässt dieses seltsame Gefühl nach, und ich lande wieder in meinem Körper, in meinem Kopf. Und dabei wird mir etwas klar, mit absoluter Deutlichkeit. Ich hätte einfach ja sagen sollen.

    Eine ganze Weile sitze ich so in meiner Wohnung, hungrig und unzufrieden, und beobachte, wie ganz allmählich die Dämmerung durch meine Fenster kriecht. Dann stehe ich auf. Verlasse die Wohnung. Gehe zum Supermarkt. Komme mir blöd vor, aber irgendwie auch mutig. Aufgekratzt. Ich nehme mir zwei Äpfel, einen Joghurt und ein Brötchen und wandere zielstrebig in Richtung Kasse. Luge durch die Regale. Sie sitzt noch da. Wieder allein. Keine Chance, ihr auszuweichen. Aber das wollte ich ja auch eigentlich gar nicht. Und immerhin sind jetzt zumindest nicht mehr so viele Leute im Laden. Keine Schlange. Ich hole tief Luft. Trete ans Kassenband, lege meine Sachen drauf. Schaue nicht auf. Dann doch.
    Ich begegne ihren Augen. Schon wieder. Wieder kann ich beobachten, wie sie anfängt zu lächeln, als sie mich sieht. Ein bisschen spöttisch vielleicht, aber nicht unfreundlich. Ihre Augen sind so schön. Ich könnte sie stundenlang anschauen. Leider merke ich, dass ich schon wieder da stehe wie eine Blöde, unfähig, mich irgendwie verständlich zu artikulieren. Aber dieses Mal schaffe ich es zumindest, den Preis meiner Einkäufe zu hören und auch zu zahlen. Als der Drucker den Bon ausspuckt, nimmt sie ihn, dreht ihn um und schreibt etwas darauf. Dann reicht sie ihn mir.
    Ich möchte ihn zusammenfalten und einstecken, einfach gehen. Aber ich kann es nicht. Ich drehe ihn um. Direkt hier, neben ihrer Kasse, unter ihren Augen. Sehe zunächst ihre Schrift. Weich und rund, wie ihre Stimme. Dann entziffern meine Augen den Inhalt. „Sicher, dass du alleine essen möchtest?“, steht da. Und mich trifft einfach der Blitz.

    Donnerstag, 14. Juni 2018 23:08
  • Ruth Gogoll

    Asuka Permalink

    Das ist gar nicht schlecht. Was schade ist, ist allerdings, dass Du Dich sehr auf negative Gefühle konzentrierst. Die positiven Gefühle kommen zu kurz. Am Anfang geht es nur um negative Dinge, Lärm, schlechte Gerüche, eine unangenehme Umgebung. Da würde ich das sich alles ändern lassen, sobald die Kassierin sie anschaut.

    Dann fängt das Herz der Ich-Figur an zu pochen, sie nimmt nichts Negatives mehr wahr, sondern nur noch Positives. Plötzlich riecht es nach Rosen, nicht nach Zwiebeln oder Schweiß, plötzlich gibt es keinen Lärm mehr, sondern die Ich-Figur hört die Engel singen. Und der nächste, der sie anblafft, wird mit einem Lächeln bedacht, weil sie gar nicht anders kann. Dann hättest Du einen schönen atmosphärischen Gegensatz aufgebaut.

    Die Beschreibung der Verkäuferin könnte auch noch mehr in die Richtung gehen, dass Du mehr Sinne benutzt als nur die Augen. Ihr Duft, ihre samtweiche Haut, weil sie zufällig ihre Hand berührt ... so etwas. Die Idee am Ende ist schön. 🙂 Obwohl ich mich frage, wie es dann weitergehen soll, wenn die eine die andere immer nur stumm anstarrt. 😎

    Samstag, 16. Juni 2018 9:22
  • Hallo Frau Gogoll!
    Danke für das Feedback! Und witzig - genau das hat mich bei der Geschichte auch gestört, dass sie sich so negativ entwickelt hat. Eigentlich hatte ich was ganz anderes im Sinn, als ich angefangen habe. Und ja, ich weiß auch nicht so recht, wie sie aus der "Ich kann sie immer nur anstarren"-Nummer wieder rauskommen soll.
    Wenn ich es die Tage hinkriege, versuche ich es vielleicht einfach nochmal von vorn, vielleicht kommt dann das dabei raus, was ich eigentlich im Kopf hatte... Etwas Schönes! Etwas, was einem den Tag rettet und alles andere überlagert und vergessen lässt. So sollte das nämlich EIGENTLICH laufen... ;-) Die Figuren haben sich nur leider irgendwie nicht ans Drehbuch gehalten.

    Samstag, 16. Juni 2018 18:56
  • Ruth Gogoll

    Asuka Permalink

    Das kommt oft vor. 😉 Damit kämpfen wir alle ständig. Manchmal ist es auch ganz gut, wenn die Figuren sich von selbst weiterentwickeln, die Richtung bestimmen. Aber man darf sich nicht alles von ihnen gefallen lassen. 😄

    Überleg mal, wie Du die Stimmung etwas positiver gestalten könntest, ohne alles andere zu verlieren. Der Gegensatz, dass ihr am Anfang alles ziemlich negativ vorkommt, kann ja ruhig erhalten bleiben. Nur muss dann in dem Moment, als sie die Kassiererin sieht, ein Umkippen ins Gegenteil beginnen. Sie könnte sich zum Beispiel bei jedem Schritt, den sie sich der Kasse nähert, Gedanken darüber machen, wie schön die Kassiererin ist, wie sich ihre Lippen wohl anfühlen usw.
    Dann rückt sie wieder etwas in der Reihe vor, weil ein Kunde vorn abgefertigt wurde und alle nachrücken, sieht die Kassiererin etwas genauer, ihre Augen treffen sich vielleicht kurz, aber sie weiß nicht, ob die Kassiererin sie auch gesehen hat oder ob sie ihren Blick nur weiter nach hinten über die Einkäufe auf dem Band hat schweifen lassen und, und, und. Ihre Haut beginnt zu kribbeln, ihre Knie beginnen zu zittern, ihr Herz schlägt unregelmäßig ... irgend so etwas.
    Und je näher sie der Kassiererin kommt desto mehr spürt sie, wie sich alles um sie verändert, wie sie das Warten in der Schlange gar nicht mehr nervt, wie sie sich sogar wünscht, dass es länger dauern möge, weil sie diese schöne Frau dann noch länger betrachten könnte. Sie könnte sogar einen Kunden oder eine Kundin, die hinter ihr ist, vorlassen, nur um die Möglichkeit, die Kassiererin betrachten zu können, zu verlängern.

    Die Reaktionen und Gefühle der Protagonistin müssen im Mittelpunkt stehen, ihr Innenleben, ihre Sehnsucht, ihr Hingerissensein von der Kassiererin. Das kriegst Du schon hin. 😎

    Sonntag, 17. Juni 2018 9:49
  • Lara

    Permalink

    Gedankenverloren sah ich aus dem schmutzigen Busfenster und beobachtete die vorbeiziehenden Häuser. Die nächste Haltestelle kam in Sicht und der Bus hielt. Trotz der Musik, die ich mit meinem iPod hörte, vernahm ich das leise Zischen, der sich öffnenden Bustür. Wenig später ging die Bustür mit dem gleichen zischendem Geräusch wieder zu und der Bus setzte sich in Bewegung.
    Jemand setzte sich auf den freien Platz neben mir und ich wandte der Person leicht das Gesicht zu um sie in Augenschein zu nehmen.
    Mein Atem stockte als mein Blick den der Frau neben mir traf und ein seltsames, warmes Gefühl machte sich in mir breit. Ich schluckte und versuchte den Blick zu lösen, doch es gelang mir nicht und ich drohte in dem Meer ihrer blauen Augen zu versinken.
    Reiß dich zusammen! Ermahnte ich mich selbst.
    Ich schaffte es den Blick abzuwenden und errötete. Ich zwang mich wieder aus dem Fenster zu sehen und versuchte mich auf die vorbeiziehenden Häuser zu konzentrieren
    Die Frau neben mir rutschte auf ihrem Sitz herum und unsere Beine berührten sich. Ich zuckte leicht zusammen. Von der Stelle der Berührung aus breitete sich ein Kribbeln in meinem ganzen Körper aus und mir wurde heiß.
    Aus dem Augenwinkel linste ich zu ihr rüber, nur um dann von einer Welle aus mir neuen Gefühlen überrannt zu werden, als ich feststellte, dass sie mich immer noch ansah. Erneut stieg mir die Röte ins Gesicht.
    Spürt sie das auch?
    Ich zwang mich wieder zum Fenster zu sehen, aber ich spürte immer noch ihren Blick auf mir. Es war als würde sie mit ihren blauen Augen direkt in meine Seele schauen und mein Herz berühren.
    Die nächste Bushaltestelle kam in Sicht.

    Sonntag, 8. Februar 2015 13:58
  • Ruth Gogoll

    Lara Permalink

    Na, das ist doch schon ein ziemlicher Sprung. :) Jetzt musst Du das Ganze nur noch verlängern, eine richtige Geschichte daraus machen.

    Sonntag, 8. Februar 2015 14:25
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    Dies ist zwar nicht die erste Begegnung, sondern der Morgen danach, aber vielleicht ist es ein ganz gutes Beispiel für die Beschreibung von Gefühlen. Der Ausschnitt stammt aus Ruth Gogoll: Die Liebe meiner Träume.
    ---
    Anouk erwachte und war für einen Moment verwirrt. Eine fremde Umgebung, ein fremdes Zimmer; die Matratze, auf der sie lag, schien gar nicht in den Raum zu passen. Das Licht fiel hell herein durch ein Fenster, das schräg hinter ihr sein mußte. So konnte sie den Himmel nicht sehen, aber die strahlende Sonne malte das von schmalen Rippen durchbrochene Fenster wie ein Gemälde auf die Wand. Die Hälfte des Sonnenlichts wurde von einem Poster aufgefangen. When Night Is Falling. Zwei Frauen, die sich zärtlich küßten.
    Anouk lächelte und zuckte gleich darauf zusammen. Wo war Vanessa? Sie sah sich hektisch um. Sie war allein. Schnell sprang sie auf und suchte nach ihren Sachen, die überall auf dem Boden verstreut herumlagen. War Vanessa einfach gegangen? Anouk fühlte einen Moment den Stich des Verlassenwerdens. Hatte sie denn etwas anderes erwartet? Von einer Heterofrau? Das war doch absehbar gewesen.
    Aber dann fiel ihr ein, daß das hier zwar nicht Vanessas Wohnung, wohl aber die ihrer Freundin Susanne war. Vanessa war fremd in der Stadt. Sie kannte sich hier nicht aus. Sie würde die Wohnung sicherlich kaum einfach so verlassen. Es sei denn ... ja, es sei denn, sie war schon wieder nach Hause gefahren. Anouk zog sich endgültig an und atmete tief durch. Vielleicht sollte sie dankbar sein. So gab es wenigstens keine Peinlichkeit beim Erwachen. Kein Mein Gott, was habe ich getan? in Vanessas Gesicht.
    Anouk seufzte. Das wäre schließlich zu erwarten gewesen. Sie wußte es. Sie hatte es oft genug erlebt. Sie schloß kurz die Augen, und für einen schwachen Moment spürte sie erneut Vanessas streichelnde Hände auf ihrem Körper, die Nachwehen der vergangenen Nacht. Ja, es war eine wundervolle Nacht gewesen, und Vanessa war eine bezaubernde Frau, charmant, berauschend, betörend. Selten hatte Anouk so viele anziehende Attribute in einem einzigen Wesen vereint gefunden. Aber es war vorbei. Vanessa war fort, und sobald Anouk die Wohnung verlassen hatte, würde sie versuchen, sie so schnell wie möglich zu vergessen – sie und ihre eigene Dummheit, die sie in diese Situation gebracht hatte.
    Anouk betrat den Gang vor dem Zimmer und sah sich um. Sie erkannte die Wohnungstür wieder und ging darauf zu. Auf dem Weg dorthin passierte sie eine offene Tür. Sie blickte hinein und erstarrte. Vanessa stand nackt in einer Badewanne und duschte. Offenbar besaß Susanne weder Dusche noch Duschvorhang, und Vanessa hatte es auch nicht für nötig gehalten, die Tür zu schließen. Der Wasserdruck war wohl ziemlich niedrig, denn sonst hätte Anouk das Rauschen längst hören müssen. So plätscherte das Wasser jedoch dermaßen leise, daß es ihr gar nicht aufgefallen war. Selbst Regen vor den Fenstern wäre lauter gewesen.
    Der Anblick von Vanessas nacktem Körper, der sich dem nur leicht fließenden Wasserstrahl entgegenreckte, ließ alle Gefühle der vergangenen Nacht wieder in Anouk hochsteigen. Vanessa war nicht gegangen; sie war immer noch hier. Anouks gesamte Planung geriet durcheinander. Gerade hatte sie sich darauf eingestellt gehabt, einfach so zu gehen und das Ganze als beendet zu betrachten, und nun wurde sie wieder hineingeworfen in das Gefühlschaos.
    Anouk konnte sich nicht von Vanessas Anblick lösen. Als sie sich gerade losreißen wollte, bemerkte Vanessa sie und lächelte. Anouk hatte versucht, ihr Herz auf diesen Augenblick vorzubereiten, es zu wappnen gegen die Freude und vielleicht auch das Verlangen – oder gegen die Enttäuschung. Aber Vanessas Lächeln ließ alle Schutzmaßnahmen wie eine Seifenblase zerplatzen. Anouks Herz schmolz dahin wie Butter in der Sonne. Sie sollte nicht allzulange hier stehenbleiben, sonst würde nicht nur ihr Herz, sondern auch der ganze Rest schmelzen vor Vanessas Charme. Mit einem Ruck wandte sie sich ab. Sie spürte die Verlegenheit. Vanessa so nackt vor sich zu sehen, im hellen Tageslicht ... das war doch etwas anderes als in der Dunkelheit der Nacht. Eigentlich kannten sie sich ja gar nicht. Und Vanessa war noch schöner, als sie sie in Erinnerung hatte.
    „Anouk?“ Vanessas Stimme drang schmeichelnd an ihr Ohr.
    Anouk holte tief Luft und drehte sich um. Vanessas Lächeln zeigte, daß sie Anouks Verlegenheit bemerkt hatte. Und daß sie sie genoß. Sie streckte den Arm nach Anouk aus. „Komm doch rein“, sagte sie lockend.
    Anouk schüttelte zögernd den Kopf. „Lieber nicht“, sagte sie. Sie zog sich verlegen zurück. Im hellen Licht des Tages war das wirklich alles nicht so einfach. Dennoch mußte sie nun bleiben. Sie mußte wenigstens warten, bis Vanessa aus dem Badezimmer kam, und sich ordentlich von ihr verabschieden. Das gebot schon die Höflichkeit – wenn nichts anderes.
    Anouk suchte einen Aufenthaltsort, der weniger intim war als das Gästezimmer, in dem sie mit Vanessa geschlafen hatte. Die Küche bot sich an. Sie setzte sich auf einen Stuhl und wartete. Vanessa kam herein, nur in ein Handtuch gewickelt und mit einem zweiten als Turban auf dem Kopf, der ihre Haare verbarg. Sie lachte. „Tut mir leid, ich muß die noch fönen.“ Sie zeigte auf ihren Kopf. „Das dauert ein bißchen. Mach uns doch schon mal einen Kaffee. Steht alles an der Maschine, sagte Susanne.“ Sie drehte sich um und verschwand wieder.
    Anouk blieb erst einmal wie vom Donner gerührt sitzen. Vanessa hatte ausgesehen wie ein Filmstar, als sie nur von Handtüchern bedeckt hereingeschwebt gekommen war. Und in gewisser Weise hatte sie sich auch so verhalten. Was sollte ich wohl mit so einer Frau? dachte Anouk immer noch überwältigt. Aber die Frage stellte sich ja auch gar nicht. Sie stand auf und ging zur Kaffeemaschine, um Vanessas Anweisung auszuführen. Das erste und letzte gemeinsame Frühstück. Darauf mußte sie sich jetzt vorbereiten.
    Sie hörte den Fön im Bad eine ganze Weile summen, bevor Vanessa wieder auftauchte. Anouk saß bereits mit einer Tasse Kaffee am Tisch und hatte auch noch ein paar andere Sachen im Kühlschrank gefunden.
    „Ein gedeckter Frühstückstisch. Wie schön“, sagte Vanessa und kam zu ihr herüber. Sie gab Anouk einen Kuß, als ob sie ein altes Ehepaar wären. „Und jetzt endlich einen schönen guten Morgen“, flüsterte sie lächelnd, als sie sich wieder von ihr zurückzog.
    Anouk kämpfte mit ihrem inneren Gleichgewicht. „Guten Morgen“, erwiderte sie zurückhaltend.
    Vanessa setzte sich und goß sich Kaffee ein. „Sogar Toast! Wo hast du den denn gefunden?“ bemerkte sie begeistert.
    „Im Schrank“, sagte Anouk.
    Vanessa nahm eine Scheibe und biß herzhaft hinein. „Es geht doch nichts über ein gutes Frühstück“, sagte sie kauend. „Das ist für mich die wichtigste Mahlzeit des Tages.“ Sie lächelte und sah Anouk ins Gesicht.
    „Ich frühstücke nie“, entgegnete Anouk. Was sollte das sein? Eine Kaffeekränzchen-Unterhaltung? Sie verstand Vanessas Beweggründe nicht. Gerade Vanessa mußte die vergangene Nacht doch mehr noch als Anouk als außergewöhnlich betrachten, und dennoch benahm sie sich, als ob es sich nicht lohnte, darüber auch nur ein einziges Wort zu verlieren. Waren One-night-stands der Normalfall für sie? Obwohl sie am Anfang so schüchtern gewirkt hatte? Vielleicht war das ja ihre Masche. Und ich bin drauf reingefallen wie ein seniler Trottel, dachte Anouk.
    Draußen im Flur drehte sich ein Schlüssel im Schloß. Vanessas Augen schossen zur Küchentür, als ob sie sich erst in diesem Augenblick dessen bewußt würde, daß sie nicht bei sich zu Hause war. Auch Anouk drehte sich um, weil sie sehen wollte, wer hereinkam.
    Eine junge Frau blieb in der Küchentür stehen und stutzte. „Guten Morgen“, sagte sie etwas überrascht. Sie blickte von Vanessa zu Anouk und wieder zurück. Dann lächelte sie.
    Anouk erinnerte sich, die Frau schon des öfteren auf der Disco gesehen zu haben, und wenn sie ihren Blick richtig deutete, erkannte auch die andere sie. Aber sie kannten sich nicht wirklich. Bis heute hatte sie nicht einmal ihren Namen gewußt. Das mußte wohl Susanne sein, die Besitzerin der Wohnung.
    „Guten Morgen, Susanne“, antwortete Vanessa jetzt und bestätigte damit Anouks Vermutung. „Wir frühstücken gerade. Willst du auch?“ Sie zeigte einladend auf einen Stuhl am Tisch.
    Susanne schien leicht irritiert. „Es freut mich, daß ihr alles gefunden habt“, sagte sie. Sie schaute erneut von einer zur anderen. Ihr Blick wirkte etwas ungläubig. Dann lächelte sie wieder. „Ich geh erst mal duschen. Und dann muß ich schlafen.“ Der Gesichtsausdruck, den sie dabei zur Schau trug, sagte etwas stolz: Heute nacht hatte ich nicht viel Schlaf. Den muß ich jetzt nachholen und zweitens etwas verwirrt: Warst du nicht gestern noch hetero?
    Als sie weg war, bemerkte Vanessa: „Ich muß ihr noch sagen, daß ich mit ihrem Wagen liegengeblieben bin. Aber das hat sicher noch Zeit.“
    „Sicher“, bestätigte Anouk wortkarg. Ihr wurde zum wiederholten Male bewußt, daß Vanessa nur zu Besuch war. Daß sie in eine andere Stadt zurückfahren würde. Vielleicht ist es das beste, dachte sie. Dann brauchen wir uns keinen Grund auszudenken ... sie stockte ... dann braucht SIE sich keinen Grund auszudenken, warum wir uns nicht mehr sehen können. Es ist dasselbe wie jedes Mal. Warum habe ich mich darauf eingelassen? Warum bin ich mit ihr gegangen? Ich hätte nach Hause fahren können, einfach nach Hause. Jetzt ist es zu spät.
    Sie spürte, daß es zu spät war. Nach dieser Nacht mit Vanessa würde sie sie nie wieder vergessen. Sich nach ihr sehnen und lange Zeit an sie denken müssen.

    Mittwoch, 11. Juni 2014 8:27
  • Wow! Das gefällt mir. :) Diese Spannung und die dichte Atmosphäre vermittelt einem geradezu das Gefühl, dabei zu sein!

    Donnerstag, 14. Juni 2018 23:15

Übungen

  • 5 Wörter – Teil 1 +

    Wie fange ich eigentlich an zu schreiben? Was muß ich beachten? Das sind so die zentralen Fragen, die man sich Weiterlesen
  • 5 Wörter – Teil 2 +

    So, hier sind sie, die nächsten fünf Wörter, aus denen Sie die Story Ihres Lebens machen können. Weiterlesen
  • 5 Wörter – Teil 3 +

    Es ist wieder einmal Samstag, und das bedeutet neue Schreibübungen für diejenigen, die an ihrem Stil feilen wollen.Hier die Wörter Weiterlesen
  • 5 Wörter – Teil 4 +

    Neue Wörter für die Schreibinteressierten:Baum, Mauer, Blumenvase, Kaffeemaschine, Rolltreppe Ich bin schon gespannt auf die Geschichten. Weiterlesen
  • 5 Wörter – Teil 5 +

    Da die ausgewählten Wörter anscheinend so anregend sind und so schöne Schreibübungen hervorgebracht haben, freue ich mich, die nächsten fünf Weiterlesen
  • Die 250-Wörter-Challenge +

    Jeden Tag 250 Wörter, dann hat man Ende des Jahres einen Roman. Diese Idee von Catherine Fox greife ich hier Weiterlesen
  • Die 48-Minuten-Herausforderung +

    Es gibt immer wieder neue Methoden, die beim Schreiben helfen sollen. Eine davon ist der Vorschlag, in Abschnitten von exakt Weiterlesen
  • Die verfluchte erste Zeile! – Teil 1 +

    Ich weiß ja schon, worüber ich schreiben will. Ich weiß es ganz genau. Aber die erste Zeile, die fällt mir Weiterlesen
  • Die verfluchte erste Zeile! – Teil 2 +

    Und schon geht es weiter. Eine neue erste Zeile für den nächsten Roman oder die nächste Kurzgeschichte aus Ihrer Feder. Weiterlesen
  • Die verfluchte erste Zeile! – Teil 3 +

    Hier ist die dritte erste Zeile:Ich werde einen langen Brief an Mutter schreiben und ihr erzählen, was geschehen ist.Da wird Weiterlesen
  • Die verfluchte erste Zeile! – Teil 4 +

    Die vierte erste Zeile: In der Hitze dieser Nacht hätte alles geschehen können.   Weiterlesen
  • Die verfluchte erste Zeile! – Teil 5 +

    Die fünfte erste Zeile: Als ich sie sah, wusste ich, dass dieser Sommer entweder wundervoll oder furchtbar werden würde. Weiterlesen
  • Drabble – Eine Geschichte in 100 Wörtern +

    Kann man eine Geschichte in 100 Wörtern erzählen? 100 Wörter sind extrem wenig, und die Geschichte sollte Anfang, Mitte und Weiterlesen
  • Lass die Geschichte von der App schreiben +

    Ganz so einfach, wie der Titel sagt, ist es nicht, aber Richard Norden hat auf seinem Blog eine App vorgestellt, Weiterlesen
  • Schriftstellertraining, 1. Übung +

    Eines der schwierigsten Dinge beim Schreiben ist das Anfangen. Wie fange ich an? Womit? Wann schreibt es sich am besten? Weiterlesen
  • Schriftstellertraining, 2. Übung +

    Schreiben ist in erster Linie Handwerk. Damit verkünde ich nichts Neues, das habe ich selbst schon Dutzende Male gesagt, und Weiterlesen
  • Schriftstellertraining, 3. Übung +

    Gefühle. Gefühle zu beschreiben ist eine ganz spezielle Kunst. Die beiden ersten Übungen bezogen sich mehr auf Äußerlichkeiten, jedesmal wurde Weiterlesen
  • Schriftstellertraining, 4. Übung +

    Heute einmal keine einzelnen Wörter und kein erster Satz, sondern die Vorgabe für eine kleine Geschichte. Zwei Frauen treffen sich Weiterlesen
  • Virtuelle Romanwerkstatt +

    Gerade stolperte ich über eine ganz interessante Idee, die aber leider schon wieder eingestellt wurde: eine virtuelle Romanwerkstatt, bei der Weiterlesen
  • Wer findet hierzu eine Geschichte (1)? +

    Da wir gerade so gut im Schwange sind, gibt es für diejenigen, die immer noch nicht genug haben ;), eine neue Weiterlesen
  • 1
  • 2

Weitere Artikel, zufällig ausgewählt

  • 1
  • 2
  • 3

Suche


Kontaktformular
Diese Webseite verwendet Cookies, um vollständig zu funktionieren.
Datenschutzerklärung Einverstanden