Die 250-Wörter-Challenge

Jeden Tag 250 Wörter, dann hat man Ende des Jahres einen Roman. Diese Idee von Catherine Fox greife ich hier auf und stelle sie als Schreibübung ein.

Wer mitmachen will, muss einfach nur jeden Tag 250 Wörter hier in die Kommentare schreiben.

Als Lohn winkt eine Einladung ins el!es-Schreibforum, in dem ich täglich mit den Autorinnen an den Romanen arbeite. Mehr Unterstützung kann sich eine Autorin kaum wünschen, oder? :)

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  • Nanni
  • Catherine Fox
  • Ruth Gogoll
  • Alexa

    Permalink

    Ich habe übrigens gerade was entdeckt. Nicht nur wir versuchen täglich zu schreiben und einzustellen, auch andere machen das, wenn auch mit mehr Output: http://www1.wdr.de/kultur/buecher/tilman-rammstedt-morgen-mehr-100.html
    Allerdings finde ich seine Art einen Anfang zu gestalten etwas extrem. Nun ja, er hat die Aktion durchgezogen, dafür meinen Respekt.

    Freitag, 29. Juli 2016 18:44
  • Ruth Gogoll

    Alexa Permalink

    Ja, ich habe das auch schon mal mit einem ganzen Roman gemacht, das war damals – schon viele, viele Jahre her – „Die Bankmanagerin“ (später dann erschienen unter dem Titel »Ich liebe dich« ). Die habe ich vollständig auf der el!es-Webseite geschrieben, ganz regelmäßig, und da ging es mir genauso, wie er es beschreibt: Ich wachte morgens auf und dachte: „Oh Gott, ich weiß nicht, wie es weitergeht, aber ich muss etwas schreiben.“ :)

    Also diese Idee kommt uns Autorinnen und Autoren immer wieder. Einerseits wollte ich den Fortsetzungsroman wieder einführen, auf der Webseite war das das erste Mal, dass so etwas online zu lesen war, und dann bleibt man so eben am Ball. Wenn man ein Versprechen abgibt, diesen Roman zu schreiben, in einer bestimmten Zeit, jeden Tag oder auch jede Woche (früher waren Fortsetzungsromane oft wöchentlich), und dieses Versprechen halten will.

    Egal, wie man sich fühlt, egal, ob einem etwas einfällt oder nicht, man muss sein Versprechen halten. Das ist wirklich nicht einfach. Ich habe das auch mal für den Adventskalender gemacht, damals mit dem „Weihnachtstagebuch“, das ist auch jeden Tag für das Adventskalendertürchen entstanden, da war vorher nichts da.

    Auf die Art habe ich damals einen 100.000-Wörter-Roman geschrieben, der sehr viel Sex enthält, weil es fast in jeder Folge Sex gab, um die Spannung aufrechtzuerhalten.http://coolsmiley.de/smileys/coolsmiley.de.01.07.0033.gif Tilman Rammstedt hat es genauso gemacht, sehr abgedreht und immer sehr verrückt. Irgendwie kommt so etwas oft dabei heraus, wenn man so ein Projekt startet. Weil man eigentlich jeden Tag in jedem Kapitel etwas Besonderes haben will. Es gibt dann kaum Kapitel, in denen nichts passiert.

    Sich selbst so unter Druck zu setzen, damit man einen Roman fertigbekommt, ist auf jeden Fall eine gute Methode. Aber man muss das Versprechen, jeden Tag zu schreiben, dann auch halten. Egal, was kommt. Das ist schon heftig. Das habe ich damals gemerkt.

    Freitag, 29. Juli 2016 18:46
  • Ruth Gogoll

    Ruth Gogoll Permalink

    Und nun tue ich es wieder. :D Mit »Wie Honig so süß« wird nun jeden Tag eine neue Folge eines Romans erscheinen, der jeden Tag mit 250 Wörtern geschrieben wird. Der Anfang, so knapp 400 Wörter, war schon einmal hier auf der Webseite, also nicht wundern, wenn der bekannt erscheint. Aber danach, schon in der zweiten Folge, geht es mit der Geschichte weiter. Jeden Tag, fast das ganze Jahr. Dann sollte die Geschichte fertig sein.

    Montag, 8. August 2016 11:38
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    Mich würde mal Interessieren: Entstehen momentan außerhalb des Forums auch 250-Wörter-Geschichten? Viele schreiben ja allein zu Hause und stellen so etwas nicht auf eine Webseite. Aber die Idee funktioniert ja immer, egal, ob man das hier einstellt oder im Forum einstellt oder einfach nur zu Hause jeden Tag 250 Wörter schreibt.

    Allerdings ist der Druck, den man sich selbst macht, größer, wenn man es hier oder im Forum einstellt. Denn da sind dann die anderen, die darauf warten, die es lesen und kommentieren und die danach fragen, wie es weitergeht. Ich habe schon öfter mal gestockt, aber wenn dann diese Frage kam, habe ich mich wieder am Riemen gerissen und weitergeschrieben. :)

    Deshalb sollte man sich überlegen, ob man die 250 Wörter pro Tag nicht doch hier auf der Seite einstellt, einfach zur eigenen Unterstützung, damit man sich selbst ein wenig unter Druck setzt und das Schreiben nicht schleifen lässt. Verpflichtet ist man dazu ja trotzdem nicht. Aber man steht quasi "unter Beobachtung", schreibt nicht nur allein im kleinen Kämmerlein.

    Freitag, 1. Juli 2016 13:41
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    Ich habe das Gefühl, die Idee mit den 250 Wörtern hat wie eine Bombe eingeschlagen. ;) Im Schreibforum schreiben die Autorinnen jetzt schon an so vielen Geschichten gleichzeitig, dass ich kaum nachkomme, die alle zu lesen. :) Und ich schreibe ja auch selbst noch an zwei 250-Wörter-Geschichten, die jeden Tag weitergeschrieben werden wollen, also 500 Wörter am Tag. Selbst für eine erfahrene Autorin wie mich sind die 250 Wörter ein guter Ansporn, jeden Tag etwas zu schreiben.

    Manchmal werden es mehr als 250 Wörter, manchmal sind aber auch die 250 Wörter schon eine Herausforderung, weil mir einfach nichts einfällt. Trotzdem sind 250 so wenig, dass ich sie jeden Tag zusammenbekomme. Bei eine größeren Zahl ist man schnell frustriert, weil man das nicht so einfach schafft. Alle, die jetzt im Schreibforum an ihren Geschichten schreiben, bestätigen jedoch, dass die Idee mit den 250 Wörtern ihnen hilft. Ich kann das also nur noch einmal empfehlen für alle, die wirklich einen Roman oder auch eine Kurzgeschichte zu Ende bringen wollen. Diese Methode hilft sehr dabei.

    Montag, 23. Mai 2016 19:27
  • Ruth Gogoll

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    Wenn eine Geschichte nur so aus einem herausfließt, muss man sich meistens keine Gedanken um die Wortanzahl machen. Das ist mir oft passiert. Ein paar tausend Wörter am Tag, und es dauert nicht sehr lange, bis ein ganzer Roman fertig ist. Aber wenn man einmal ins Stocken kommt, dann ist die "250-Wörter-Methode" sehr hilfreich. Denn das Schlimmste ist, wenn man mit Schreiben aufhört. Dann wieder reinzukommen fällt schwer, manchmal ist es sogar regelrecht unmöglich. Deshalb ist es besser, man schreibt auch mal 250 Wörter Unsinn als gar nicht zu schreiben. :)

    Zu Ich-Perspektive, Gegenwartsform, Erotik:
    - Die Ich-Perspektive beschränkt das, was man erzählen kann, sehr, denn man kann nur das beschreiben, was die Ich-Person sieht, hört, erlebt. Alles, was außerhalb der "Ich" passiert, bleibt verborgen. Es kommt jedoch immer auf die Geschichte an. Ich habe etliche Romane aus der Ich-Perspektive geschrieben, weil ich einfach das Gefühl hatte, das passte. Wenn möglich, sollte man jedoch immer die Perspektive in der 3. Person ("Sie" statt "Ich") wählen, weil das mehr Freiheit beim Erzählen gibt.
    - Die Gegenwartsform sollte auf jeden Fall vermieden werden. Sie beschränkt noch mehr als die Ich-Perspektive und ist für einen Roman meines Erachtens nicht geeignet. Wie immer gibt es Ausnahmen, die die Regel bestätigen. Grundsätzlich jedoch gilt: Ein Roman wird in der "Erzählvergangenheit" geschrieben. In der Gegenwartsform schreibt man nur Tagebücher.
    - Erotik war bei el!es noch nie ein Problem. Es gibt nur eine Bedingung: Sie muss gut geschrieben sein. Und das ist oft gar nicht so einfach. Die erotischen Szenen dürfen sich nicht wiederholen. Wenn es mehr als einmal Sex in dem Buch gibt, der beschrieben wird, muss die Beschreibung sich sehr unterscheiden, sie muss angenehm zu lesen sein (keine ordinären Begriffe, keine ausführliche Beschreibung von Techniken, viel Gefühl, die Figuren müssen sich innerhalb der erotischen Szenen als Figuren weiterentwickeln. Wenn sie nur Sex haben, ist das langweilig).

    Donnerstag, 19. Mai 2016 9:43
  • Catherine Fox

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    Ich habe früher viele Ideen angefangen und nicht fertiggeschrieben. Erst als meine beiden ersten Romane bei el!es veröffentlicht wurden, habe ich gemerkt, dass es sich lohnt, wenn man dran bleibt. Habe seitdem einiges fertigbekommen, was auch erschienen ist, habe aber auch Flops gelandet. Das ist wie im Musikgeschäft. Nicht jeder Beitrag wird ein Erfolg.
    Inzwischen habe ich mir eine besondere Art Disziplin angeeignet. Es ist so, dass man nicht alle Tage Muse hat zum Schreiben. Dafür läuft es an anderen Tagen besser. Mein Rekord lag bei "Love Message" - knapp 15000 Wörter in 4 Tagen. Da hatte ich nachts aber auch Schlafprobleme... :)
    Ich habe mir zum Ziel gesetzt, zu jedem LLp einen Roman und wenn es gut läuft, eine Kurzgeschichte zu schaffen. Und das klappt mit dem 250-Wörter-Prinzip sehr gut. Wenn man beim Arzt sitzt, oder für ein größeres Geschäft aufm Klo... da sind schnell mal ein paar Zeilen geschrieben und man bleibt im Stoff. Und wenn man den einen Tag nicht schreibt, dann halt am nächsten das doppelte. Manchmal fließt es auch so schön, dass schnell mal 1000 Wörter zusammen kommen. Es lohnt sich auf jeden Fall!

    Mittwoch, 18. Mai 2016 19:58
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    Das ist genau der Sinn der Sache, denn ich denke, so geht es vielen. Gleich einen ganzen Roman vor sich zu haben, den man schreiben soll, ist oft eher abschreckend als motivierend. Aber wenn man jeden Tag nur 250 Wörter schreibt, das ist gerade mal eine Viertelstunde, die man sich darauf konzentrieren muss. Das ist nur ein Bruchteil des Tages. Das macht man dann eher.

    Es ist wichtig, jeden Tag zu schreiben und nicht rauszukommen. Wenn man sich Tausende von Wörtern vornimmt, schafft man das vielleicht nicht, aber mit 250 Wörtern geht das leicht. Und Ende des Jahres ist der Roman fertig. ;)

    Mittwoch, 18. Mai 2016 11:33
  • AJ Fox

    Permalink

    Ich schreibe meist aus der Laune heraus. Leider können zwischen solchen Phasen auch mal Wochen dazwischen liegen. In der Zeitspanne vergisst man oft wichtige Textstellen, Details und die Geschichte wird "löchrig". Ich hoffe mich selber somit etwas mehr zu motivieren ^^.

    Die Geschichte handelt von der Begegnung zweier Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten.
    Alicia steht mit beiden Füßen fest im Leben und lässt ungern etwas Chaotisches oder Undurchdachtes in ihrem Alltag passieren. Zu sehr hat die Vergangenheit und ihre letzte Beziehung sie hierbei negativ beeinfluss.
    Ronja ist das komplette Gegenteil. Genießt ihr Leben und bricht viele Tabus. Lässt sich ungern in die Karten schauen und spielt oft ein unfaires Spiel mit anderen Frauen.
    Das Leben von beiden ändert sich jedoch, als sie aufeinander treffen. Sowohl Alicia, als auch Ronja beginnen langsam über ihre wahren Bedürfnisse und Wünsche im Leben nachzudenken.
    Abgesehen davon birgt Ronja ein großes Geheimnis, das niemand wissen soll, vor allem nicht Alicia.


    1. Ich vertraue dir

    Ich kann mich kaum an den bisherigen Abend erinnern, obwohl dieser noch gar nicht vorbei ist. Das Einzige woran ich denken kann, ist das was nun kommt. Ich spüre einen kleinen Ruck und merke, dass das Auto bereits still steht. Mit einem leichten Schmunzeln sieht sie zu mir rüber und steigt aus. Ich warte, überlege noch, ob dies alles wirklich Realität ist oder lediglich ein schöner Traum. Die Autotür geht auf, und sie beugt sie über mich. Was hat sie vor, frage ich mich und fühle die prickelnde Anspannung in mir.
    „Du bist noch angeschnallt.“, flüstert sie und reicht mir die Hand, nachdem die Gurthalterung ein klickendes Geräusch von sich gibt.
    Ich folge ihr in das noble Haus vor uns. Der Eingang erinnert an eine kleine Lobby in einem Hotel. Ein Wachmann begrüßt uns, nein eher Sie und lässt uns passieren. Als ich das Läuten der Aufzugstür höre, spüre ich ihre Hand an meiner Taille, die mich näher an sich schiebt.
    „Wenn du mit reinkommst, gibt’s kein Zurück mehr.“, haucht sie mir ins Ohr und leckt sogleich mit ihrer Zungenspitze über meinen Hals.
    „Wer sagt, dass ich ZURÜCK will?“, erwidere ich und begebe mich mit gespielter Entschlossenheit in den erstaunlich kleinen Fahrstuhl. Sie folgt, drängt mich sofort zur Wand und positioniert ihre Hände links und rechts neben mir an der Wand. Das Licht spiegelt sich in ihrer Brille. Ihr Gesicht ist meinem ganz nah. Ich liebe ihren Blick, nein es sind ihre Augen, linkes grün und rechtes schimmert heute besonders auffällig blau.

    Mittwoch, 18. Mai 2016 0:14
  • Mir ist dazu das hier eingefallen, und ich hoffe sehr, dass das okay für dich, AJ Fox, ist. Es ist immer noch deine Geschichte. Aber irgendwie hat mich deine Geschichte heute morgen dazu verleitet das hier zu verfassen. ;)
    Und ich muss sagen, es hat richtig Spaß gemacht. Also Danke für deine Inspiration. :)

    Ich muss noch gestehen, dass mir die Ich-Version zum Schreiben echt nicht leicht gefallen ist. Und ich bitte auch über sämtliche Rechtschreibfehler, sowie Kommafehler und all die anderen zusätzlichen Fehler nonchalant hinweg zusehen. :) Dann ist es fast so, als wären sie gar nicht daaaaa …

    „Die Autotür geht auf, und sie beugt sich über mich.“

    Sie will etwas sagen, doch dann beißt sie sich auf die Lippen. Sie starrt mich an und ein brennender Blick trifft mich. Ich habe keine Ahnung was sie vor hat. Eine Wolke aus unaussprechlichem schwebt über mir.

    „Du bist ja noch angeschnallt", flüstert sie mir mit sinnlicher Stimme und heißem Atem zu, während sie aufreizend über meine Oberschenkel streicht, um den Verschluss den Kurts zu lösen. Mein Schoß wird dabei ganz unruhig.

    Ein sanftes, unauffälliges Klick, und sie befreite mich. Ich straffe die Schultern und hebe trotzig mein Kinn. Mir fällt beim besten Willen nicht ein, was ich mir bei dieser Aktion erhofft habe.
    Ein Lächeln huschte über ihre Mund. Es scheint fast so, als lese sie meine Gedanken. Und diese himmlischen, roten und verbotenen Lippen, wollte ich nur zu gerne genau jetzt erkunden. Doch das würde sie mir nie gestatten.

    Mein Blick wandert von ihrem prallgefüllten Ausschnitt, über ihren schönen Hals zu ihren Augen. Der Sturm der in ihnen tobte schien schon auf mich zu warten. Und obwohl ich im Moment nicht weiß, welche Farbe ihre Augen mich mehr fasziniert und schwach werden lässt ... dass Blaue, welches Verlangen und Sehnsucht widerspiegelte. Oder ihr Grünes, welches Obsession und Macht wiedergab … war ich mir sicher, das mein Herz bei ihr in weiche Kissen fiel.

    Sie machte keine Anstalten die Position zu ändern. Immer noch halb über mir gebeugt meinte sie: „Möchtest du doch lieber wieder gehen?" Ihre Besorgnis schien ernst gemeint. "Das ist ein Privatclub. Ein ganz spezieller Privatclub. Wenn du erst einmal drin bist, gibt es kein zurück mehr.“ Ihr Blick durchbohrte mich.

    Ich starre sie an. Sie hat recht. Manches von dem, was sie mir erzählt hat, hätte ich mir nie und nimmer so vorgestellt.
    „Dann bist du Mitglied in diesem Club?“, traue ich mich zu fragen.

    Zu mehr als einem angedeuteten Nicken, ließ sie sich nicht herab.

    "Schon länger?", frage ich mutig weiter und blicke ihr tief in die Augen. Und kann es kaum glauben, dass das meine Stimme war, die so kratzig meinen Hals verließ.

    „Ja“, hauchte sie schon fast sanft. „Danach habe ich immer gesucht. Ich habe meine Familie gefunden.“ In ihren Augen tauchte ein Glanz auf, in dem ich mich verliere.

    Ein abenteuerlicher Gedanke durchfährt mich. Gleichzeitig fühle ich mich aber auch körperlich niedergedrückt von den ganzen Eindrücken und von ihrer Ehrlichkeit, wie auch Verletzlichkeit, die gerade durch ihren Panzer schimmerten.
    Ich schlucke schwer.
    Dennoch lege ich mein ganzes Vertrauen in ihre Hände, nach diesen Worten.

    „Aber“, sie lächelte mich anzüglich an. „Lass uns nicht vom Thema abkommen.“ Sie wich zurück und hielt mir ihre Hand hin. „Darüber reden wir später“, sagte sie leicht amüsiert und in einem Tonfall der mich vermuten lässt, dass mit reden etwas ganz anderes gemeint war.

    Ein heißer Schauer läuft mir den Rücken herunter, als ich den Schutz des Wagen an ihrer Hand verlasse. Meine Augenlider zittern heftig und meine Knie werden etwas weich.
    Wenn die Leute mit denen ich mich im Alltag umgebe jetzt so sehen könnten, in diesem Outfit, an der Seite dieser Frau … Sie würden wohl schreiend die Hände in den Himmel heben. Vielleicht würde sogar der ein oder andere von einem Herzinfarkt heimgesucht werden.

    Ganz zu Schweigen von ihrer Familie, die sie einen nach dem andern damit ins Grab bringen würde. Jedenfalls würden so die Worte ihrer Mutter lauten. Da war sie sich sicher, wie sie sich sicher war, das jeden Morgen die Sonne auf ging.
    Doch es war ihr egal.
    Sollten ihre Eltern ihr spießiges Dasein weiter frönen wie bisher, und heile Welt spielen, während um sie herum alles zu bröckeln begann.

    „Wir gehen selbstverständlich, wenn du das wünschst.“ Ich versuche cool zu klingen, auch wenn mir das in ihrer Nähe schwer fällt. Habe ich mich damit erniedrigt? Ich seufze auf. Ich habe keine Ahnung.
    Aber der Zutritt zu ihrer Welt scheint nicht so leicht zu sein, als ich mir das dachte. Und damit meine ich weniger den Club. Es taten sich so viele Fragen über diese Frau auf, dass ich nicht einmal wusste, welche ich zu erst beantwortet haben wollte.

    „Ich wünsche es.“ Kam es sowohl selbstischer, als auch erleichtert aus ihrem atemberaubenden Mund, der dem meinen ganz nahe war. Zum küssen nahe.

    Samstag, 21. Mai 2016 10:50
  • AJ Fox

    Nanni Permalink

    Hallo Nanni!

    Es ist super, wenn Texte aufgegriffen werden und die Inspiration Neues erschafft.
    Meinen Text aus der Sicht einer anderen Person zu lesen, finde ich durchaus spannend und verleitet mich auch zu neuen Fantasieausflügen.
    Somit danke für den Text! =)

    Samstag, 21. Mai 2016 12:35
  • Bitte. Und immer wieder gerne, AJ Fox. Wie gesagt, ich hatte echt Spaß und Lust dazu. :)

    Und ich weiß ja aus eigener Erfahrung, wie schwer der Anfang sich gestaltet/gestalten kann, wenn man noch unerfahren ist und nicht genau weiß, was eigentlich genau gemeint, oder gewollt wird.
    Aber das Chaos wird sich schon noch in Wohlgefallen auflösen. Dann ist es weniger Arbeit, als viel mehr Lust und Spaß etwas zu kreieren und in Form zu bringen. Wirst schon sehen. Nur immer dran bleiben und nicht den Mut verlieren. Wäre wirklich schade.

    Und deshalb wünsche ich dir viel Spaß bei den neuen Ausflügen. :D

    Sonntag, 22. Mai 2016 8:55
  • AJ Fox

    AJ Fox Permalink

    Vielleicht als Kurze Info:
    Die Geschichte wird in zwei Zeitlinien erzählt. Das eigentlich Kennenlernen erfährt man in den geraden Kapiteln als Rückblenden, während die ungeraden die Gegenwart schildern und dabei einige Facetten der Erotik aufgreifen.
    Ich habe schon auf Elles einige Kommentare zu unterschiedlichen Themen durchforstet und weiß, dass weder die Ich-Perspektive, noch die Gegenwartsform bevorzugt wird. Auch Thema Erotik ist wohl sehr umstritten. Ich bin gespannt was am Ende aus meinem Hirngespinst wird oder auch nicht...


    Mich überkommt der Drang sie zu küssen, jetzt sofort. Sie soll mich endlich an sich ziehen und etwas unternehmen, denk ich mir, aber sie fixiert mich weiterhin nur mit ihren Augen, durchdringt mich, zieht mich aus. Der Aufzug zählt bereits im zweistelligen Bereich die Etagen und immer noch steigen wir empor in die unbekannte Dunkelheit, zumindest ich.
    „Vertraust du mir?“, höre ich sie fragen und spüre ihre rechte Hand meine Wange streicheln. Langsam schiebt sie meine Haare hinter das Ohr und berührt dieses ganz sanft mit ihren Lippen.
    Ja, rufe ich innerlich, und spüre ein kleine Lustwelle durch meinen Körper fahren. Woher weiß sie bloß, dass ausgerechnet dies mein Schwachpunkt ist, frage ich mich und greif automatisch nach der Halterung hinter meinem Rücken und wende mein Kopf noch mehr zur Seite.
    „Das werte ich als ein JA.“, flüstert sie, ergreift meine linke Hand und zerrt mich energisch aus dem Fahrstuhl, der genau im selben Moment aufgeht.
    Ein Labyrinth aus mehreren Fluren erstreckt sich auf der Ebene mit letztendlich nur einigen Türen, die hinter verschlossene Geheimnisse führen. Hier wohnen keine Personen meines Gleichen. Dieser Ort ist außerhalb meiner Welt.
    Mit einem Zahlencode öffnet sich die eine Tür, hinter der sich mein Geheimnis verbirgt.
    Ich höre noch wie das Schloss sich wieder verriegelt, bin aber betäubt von dem leichten Schmerz durch den harschen Druck an die Wand.
    Ganz langsam öffnet sie meine Mantelknöpfe, lässt den schweren Stoff von meinen Schultern gleiten.
    „Ab jetzt bin ich deine Mistress…“

    Mittwoch, 18. Mai 2016 20:48
  • AJ Fox

    AJ Fox Permalink

    1. Ich vertraue dir (3)

    „Ja“, sofort spüre ich ein leichtes Glühen meiner Wange.
    „Hab ich dir die Sprecherlaubnis erteilt?“ Eine weitere Ohrfeige trifft mich für das Vergessen der richtigen Benennung. Nun verstehe ich ihre Vorwarnung unten in der Lobby.
    Ich gehöre vollkommen ihr, höre ich sie flüstern mit einem teuflisch vergnügten Lächeln im Gesicht.
    Sicherlich hatte ich Vorstellungen und Wünsche, aber diese kälte ihrerseits verunsichert mich urplötzlich. Das Sanfte in ihrer Stimme ist vollkommen verschwunden, der Blick herrschend, kalt.
    Ich spüre nun ihre Zunge auf meinen Lippen, sie öffnet sie mit der Spitze, dringt in meinen Mund, lässt mich meine Furcht vollkommen vergessen. Sie nimmt sich fordernd einen Kuss nach dem Anderen, während ich weiter schwächer werde.
    Mit festem Griff packt sie mich an meiner Bluse, zieht mich hinter sich her in das Schlafzimmer.
    Sie setzt sich vor mir aufs Bett, die Beine verschränkt. Die Arme als Stütze nach hinten gelehnt.
    Meine erste Anweisung lautet mich langsam vor ihr komplett auszuziehen. Ich fühle mich unbehaglich, denn noch nie hat mir jemand mit solch einem durchdringenden Blick dabei zugesehen und dennoch bereitet es mir eine ungewohnte Lust, weil SIE es ist.
    „Schau mich dabei an.“, fügt sie hinzu und bindet ihre Krawatte auf, während ich mich leicht ungeschickt von meinen Klamotten befreie. Als mein Slip fällt, spüre ich eine bemerkbare Feuchte zwischen meinen Beinen und werde noch erregter, da ich weiß, dass sie es ebenfalls gleich spüren wird.
    Sie steht auf, ihre Bluse bereits aufgeknöpft. Sie trägt nichts drunter, mustert mich einmal in einer 360° Ansicht, während ich die Anweisung habe stramm, mit gespreizten Beinen und gesenktem Blick regungslos zu verharren.

    Donnerstag, 19. Mai 2016 12:24
  • AJ Fox

    AJ Fox Permalink

    Meine Mistress bleibt wieder direkt vor mir stehen, fährt mit ihren Fingern von meinem Kehlkopf, hinunter zwischen meine Brüste, tiefer zum Bauchnabel. Sie bleibt dort, zieht mit ihren kurzen, aber spürbaren Fingernägeln einen Kreis um diesen und gleitet noch ein Stück weiter hinab. Kaum spürbar berührt sie meinen Kitzler. Das reicht vollkommen aus, ein hörbares Aufatmen entweicht meinen Lippen, die ich sofort zusammenpresse.
    Mit der linken Hand packt sie mein Unterkiefer, zieht meinen gesenkten Kopf wieder hoch, blick mich direkt an, während ihre Finger durch meine Nässe streifen. Das Blau in ihrem rechten Auge funkelt mir entgegen, obwohl das Licht kaum unsere Körper erhellt.
    „Ich habe doch noch gar nicht begonnen und doch…“ Offen lässt sie den Satz im Raum stehen und schiebt mir lediglich die Finger in den Mund, die noch gerade eben zwischen meinen Beinen waren. Es ist nicht so, als wüsste ich meinen eigenen Geschmack nicht, und dennoch steigt eine Hitzewelle in mir auf, als ich mit der Zunge zwischen den Fingern leck.
    Sie lässt wieder von mir ab, geht zum Schrank hinter mir. Ich höre die Schiebetüre zur Seite rollen, lausche sie sich selber Fragen mit was sie wohl beginnen soll. Es macht mich unglaublich an keine Ahnung zu haben was mit mir passieren wird.
    Ich soll meine Arme hinter dem Rücken ausstrecken, schon spüre ich weiches Material, das ganz eng an meine Handgelenke angelegt wird. Die Arme werden am Rücken zusammen verschränkt und fest verbunden. Ich fühl mich hilflos, unbeweglich und erregt. Sie flüstert mir etwas ins Ohr, ich konzentriere mich aber nur auf den heißen Atem und fühle die Gänsehaut auf meinem Körper. Was hat sie mir gerade gesagt? Dass ich es mir gemütlich machen soll, denn ich werde länger in dieser gefesselten Haltung verweilen?

    Freitag, 20. Mai 2016 17:11
  • AJ Fox

    AJ Fox Permalink

    [...]

    2. Happy Birthday!
    „Anja, Anja!“ Mehrmals hämmerte der sichtlich gestresste Mann auf die Tasten seines Telefons und schmiss letztendlich den Höher hin, stand auf und eilte zur Tür.
    „Anja, komm sofort rein!“
    „Herr Sommer, ich heiße nicht Anja!“
    „Ja, Ja. Ich weiß, mir ist nur gerade der Name entfallen. Es war irgendwas mit A, oder?“ Ohne die Dame ausreden zu lassen, eilte der hektische Mann zurück in seinen Sessel.
    „Hast du meine Anzüge aus der Reinigung schon geholt?“
    „Nein, ich wollte es gleich nach dem Mittagessen tun.“
    „Gut, gut. Bringe diese Umschläge umgehend zur Post, sie müssen noch heute raus, am besten per Eillieferung. Und im Verfahren Brunner gegen Hofbauer werden alle Mandanten Benachrichtigt. Die Dateien habe ich dir bereits diktiert. Es muss auch bis heute erledigt sein.“ Die Frau seufzte innerlich auf, denn diese Angelegenheit zog sich schon über eine lange Zeit und viele Mandanten waren beim Verfahren beteiligt. Es bedeutete also, dass neben dem normalen Arbeitspensum dies zusätzliche Arbeit war und somit winkten die Überstunden schon förmlich ihr entgegen.
    „Sonst noch irgendwas?“ Der Man musterte kurz seine Sekretärin.
    „Ja, mach mir einen Kaffee, bevor du gehst.“
    Die Angestellte blieb weiterhin im Raum stehen und wartete geduldig.
    „Auf was wartest du denn, beweg deinen Hintern.“
    „Wie wollen Sie ihren Kaffee heute?“
    Der Rechtsanwalt winkte heftig mit der Hand und schnappte bereits mit der anderen erneut sein Telefon.
    „Ohne Zucker!“, brummte er, bevor die Frau den Raum verließ.
    Mit tiefem Seufzer machte sie die dunkle Holztür hinter sich zu und überlegte sich, ob ihr Chef ihr wiedermal auf den Hinter geglotzt hatte beim Verlassen des Büros, denn er tat es meistens.

    „Vanessa, Mittagessen!“, rief die Sekretärin beim Betreten des kleinen Büchercafés, das nur wenige Straßen vom Rechtsanwaltbüro entfernt lag. Sogleich tauchte Vanessa hinter einem der unzähligen Bücherregale auf und lächelte ihren Besuch mit einem breiten Grinsen an.
    „Was ist es heute?“
    „China day!“, scherzte die Besucherin und wedelte mit den Tüten in ihrer linken Hand.
    „Du versüßt mir immer wieder meinen tristen Tag in dem verstaubten Eck hier. Setz dich.“
    „Tony, übernimmst du bitte für mich die Theke?“ Sogleich eilte der junge Aushilfskellner herbei mit einem Hüftschwung, bei dem sicherlich die eine oder andere Frau ziemlich neidisch wäre.
    „Ist er nicht schnuggelig?“, flüsterte Vanessa ihrer Besucherin entgegen und kicherte sofort wie ein verliebtes kleines Mädchen.
    Schnell wurde der übliche Tisch freigemacht und beide Frauen nahmen Platz in dem etwas dunklen Eck, das scheinbar genau deswegen nur als Ablage für etliche Bücher und Zeitschriften diente.
    „Und, wie schlimm war der Arsch heute?“
    „Frag nicht, ich bekomm schon schlechte Laune, wenn ich nur dran denk.“, Vanessa schaute mitfühlend ihre Freundin an und schüttelte mit dem Kopf.
    „Wann kündigst du endlich?“
    „Am liebsten schon vor einem Jahr, aber ich finde sicherlich keine andere Stelle, die so gut bezahlt ist.“ Unzählige Falten bildeten sich auf der Stirn, von der Sekretärin, während sie ihr Essen auspackte.
    „Alicia! Scheiß auf das Geld. Du kannst dich nicht ständig von ihm so nieder machen lassen.“ Auch Vanessa öffnete ihre Box und schnupperte den entgegenkommenden warmen, dampfenden Geruch des erst kürzlich zubereiteten Essens.
    „Abgesehen davon, hätte ich ihn an deiner Stelle damals angezeigt. Sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ist keine Kleinigkeit.“ Der erste Happen Reis wanderte von den Stäbchen in Vanessas Mund.
    „Lassen wir das Thema, okay? Ich werde bald etwas ändern in meinem Leben.“
    „Das sagst du ständig und immer noch sitzen wir täglich hier in dem alten Laden. Ein Wunder, dass der überhaupt sich hält. Wohl nur wegen dir.“ , scherzte die Ladenbesitzerin, weil ihre Freundin in dem Laden schon etliche Stunden verbracht hatte und den größten Teil der Büchersammlung auswendig kannte.
    „Wie geht es eigentlich Beatrix?“
    „Sie ist wirklich sehr glücklich. Aber ich gönn ihr dieses Glück vom ganzen Herzen. Nach all den Jahren wurde es auch Zeit.“ Alicia atmete tief ein und dachte dabei an ihre frühere Chefin, die wirklich die netteste Person war, die sie getroffen hatte. Vor knapp zwei Jahren nun, zog die sehr erfolgreiche Rechtsanwältin weg, um bei der Frau zu sein, der ihr Herz gehörte.
    Alicia fragte sich selber oft, ob irgendwo auch ihre Herzensdame rumschwirrte und nur darauf wartete endlich in ihr Leben reinzuplatzen.
    Unerwartet sprang Vanessa von ihrem Stuhl, steckte die Stäbchen in ihren aufgehäuften Reis und rannte eilig hinter zur Kasse.
    „Ich habe was für dich. Es ist endlich gekommen.“ Ganz aufgeregt hüpfte die quirlige Besitzerin des Cafés wieder vor zu ihrer Freundin und überreichte ihr ein verpacktes Geschenk.
    „Ist es…“
    „Ja!“, unterbrach mit einem euphorischen Aufruf die Ladenbesitzerin Alicias Satz und erntete dabei ein paar Neugierige Blicke der anderen Gäste.
    „Das hättest du echt nicht tun müssen. Ich hätte es mir in paar Wochen einfach in einem Laden geholt.“
    „Schau rein!“ Nun hüpfte Vanessa noch ungeduldiger von einem Bein auf das andere und konnte es kaum erwarten den Ausdruck ihrer Freundin zu sehen, die gerade zaghaft das Geschenkpapier entblätterte.
    Alicia öffnete das Hardcover des Buches und erblickte sofort die Widmung darin.
    ‚Mit Tiefster Zuneigung für meinen größten Fan Alice!‘
    Drunter standen in einer wunderschönen geschwungenen Schrift die Initialen des Autors, R. B.
    „Vanessa!“ Ganz aufgelöst, sprang Alicia auf und umklammerte ihre Freundin ganz fest.
    „Alles Gute zum Geburtstag meine Liebe Alice! Du hast sicher gedacht, ich habe ihn vergessen, nicht wahr?“
    Alicia, die sich selber oftmals nur Alice nannte, strahlte über das ganze Gesicht und umklammerte ihre Freundin noch fester. Kaum hatten sie sich voneinander gelöst, standen alle Gäste im Raum unerwartet auf und wie abgesprochen, ertönte ein „Happy Birthday to you“ im ganzen Raum. Zugleich kam Tony mit einer kleinen Torte hervor, in der eine Kerze brannte.
    „Ich wollt nicht den ganzen Kuchen mit so vielen Kerzen bestücken. Außerdem hatte ich nicht mal so viele.“ Wieder kicherte Vanessa in einem hohen Ton vor sich hin, tapste ihrer Freundin mehrmals auf die Schulter und umarmte sie schließlich erneut.
    Völlig aufgewühlt und mit einem Lächeln auf den Lippen stand Alicia in dem kleinen Café und umklammerte ihr Geschenk mit den Händen, denn es war nicht nur irgendein gewöhnliches Buch für sie, sondern das kostbarste Geschenk, dass sie je bekommen hatte.

    Freitag, 20. Mai 2016 20:02
  • AJ Fox

    AJ Fox Permalink

    [...]
    4. Der Alltag ruft
    Voller Hektik knöpfte Alicia ihre Bluse zu, bereits zum dritten Mal an dem Morgen. Aufgrund Schlaf- und Zeitmangel vergaß sie fast alles oder zog verkehrtherum an. Aber der eigentliche Übeltäter stand ganz unschuldig auf dem Nachttischchen, und zählte weiterhin die Minuten, die Alicia eindeutig nicht verschwenden durfte. Für Frühstück, geschweigen denn vernünftiges Styling blieb erst recht keine Zeit.
    Gerade noch so, schaffte sie es die U-Bahn zu erwischen, allerdings nicht zu ihrer üblichen Zeit. Sie nahm Platz, entspannte sich etwas und musterte kurz eine Frau ihr gegenüber, die vollkommen versunken in ihren Unterlagen rumwälzte und ihre Stirn ständig runzelte. Vor ihr klebte an der Haltestange ein kleiner Zettel. Zu gern hätte Alicia gelesen, was auf dem quadratischen Stück Papier geschrieben war, denn scheinbar hatte der Text eine große Wirkung auf die Dame ihr Gegenüber, als diese einige Stationen später den Zettel endlich wahrgenommen hatte.
    Die ganze Beobachtungsaktion hätte aber fast dafür gesorgt, dass Alicia selber ihre Haltestelle beinahe verpasste. Im letzten Moment sprang sie noch aus der U-Bahn heraus und setzte ihren Wettlauf um die Zeit zum Büro fort.

    „Halt, warten Sie bitte auf mich!“, rief Alice und quetschte sich an diesem Morgen schon zum zweiten Mal durch sich schließende Türen. Erleichtert atmete sie tief durch und nahm den dezenten Duft eines Parfüms wahr.
    „Fast schon zu mild für einen Mann.“, dachte sich Alicia und wagte einen kurzen Blick zu ihrer linken Seite. Neben ihr stand ein junger Mann, zumindest hatte es den Anschein, wenn man nach der Kleidung urteilte. Anzug, Krawatte, eine silberne Uhr glänzte am rechten Handgelenk, doch das Gesicht war voller weicher Züge. Alice vergaß jegliche Etikette und starrte inzwischen ganz ungeniert die Person neben ihr an, bis diese ebenfalls einen direkten Blick entgegensetzte.
    Rasch zog Alicia ihre Augen von der Person ab, konnte aber nur an die wunderschönen Augen denken, die sie gerade angeblickt hatten. Sie waren magisch. Eins glänzte in einem klaren Grün, während das andere mit einer blauen Tiefe verführte. Noch nie hatte Alice solches Herzrasen wegen einem flüchtigen Augenkontakt, und schon gar nicht, wenn es ein Mann war.
    Endlich stoppte der Aufzug und der junge Mann verließ den Fahrstuhl mit einem neckischen Lächeln und erneutem direkten Augenkontakt.
    „Ein schöner Rücken, kann auch entzücken“, flüsterte Alicia zu sich selbst, während ihre Augen fast schon magnetisch die fremde Person anvisierten. Der Gang war locker, beide Hände in den Hosentaschen. Allerdings wirkte die ganze Silhouette viel zu schmächtig für einen richtigen Mann.
    „Könnte es womöglich sein, dass…“ Aber Alice verfolgte ihre Überlegung nicht weiter, als sich die Türen des Aufzuges schlossen, und lenkte ihre Gedanken wieder auf ihre eigenen Probleme.

    „Anita! Wieso kommst du erst jetzt?“
    „Ich wünsche Ihnen auch einen gute Morgen Herr Sommer!“, antwortete Alicia etwas kühl und stellte ihre Handtasche auf ihrem Platz ab. Es war der einzige Schreibtisch, der in dem kleinen Vorzimmer stand. Eine weitere Tür trennte den Vorraum mit dem eigentlichen Büro des Rechtsanwaltes.
    Mit einem Knopfdruck, startete sie den Rechner und holte tief Luft, eher der übliche Alltag seinen Lauf nahm.
    „Wie auch immer. Ich habe dir die Liste gemailt mit den Akten, die ich in der nächsten halben Stunden auf meinem Schreibtisch sehen will. Ich warte auch dringend auf den Rückruf von Brennbauer, der Mistkerl geht mir seit Tagen aus dem Weg.“ Weitere Aufgaben folgten, fast schon im Minutentakt. Alice liebte ihren Job, zumindest war es so vor einigen Jahren, als sie von ihrer früheren Chefin eingestellt wurde, und jeden Tag mit einem Lächeln startete und mit einem guten Gefühl ihre Arbeitsstelle verließ.
    Wie oft hatte sich Alicia schon gedacht, dass sie vielleicht doch das Angebot hätte annehmen sollen und einfach mit Beatrix weggehen. Aus der Kanzlei, aus der Stadt und weit weg von all dem Misserfolg, der hier auf ihr lastete. Aber sie lehnte ab, aus Liebe, die am Ende auch zum Fehlschlag wurde.

    „Wieder?“ Vanessa begrüßte ihre Freundin mit einem Küsschen auf die Wange und eilte wieder hinter die Theke, um beiden Kaffee einzuschenken.
    Es war üblich, dass die beiden gemeinsam zu Mittag aßen, wenn Alice die volle Mittagspause genießen konnte, was immer wieder mal aufgrund der vielen Arbeit leider nur in Kaffee und Kuchen umgewandelt werden musste.
    „Nein, heute war ich selber schuld. Habe verschlafen.“ Etwas erschöpft griff Alicia nach der Tasse und machte einen großen Schluck. Sie hatte den ganzen Vormittag keine Zeit gefunden, um wenigstens mal eine Minute aufzuatmen.
    „Lass mich raten, die ganze Nacht durchgelesen?“
    „Wie kommst du drauf?“
    „Deine Augenringe verraten dich, meine Liebe!“ Etwas skeptisch griff Alice nach dem Tablett aus Edelstahl und betrachtete die leicht verschwommene Doppelgängerin im glänzenden Metall.
    „Außer du hast endlich jemanden gefunden, der deine Nächte kurz und heiß hält?“, scherzte Vanessa und servierte zwei Stück Kuchen zum Kaffee dazu.
    „Mach dich ruhig über mich lustig.“ Alice führte das Tablett noch näher an sich heran und kontrollierte ganz genau, ob der Schlafmangel sich so arg im Gesicht abgedruckt hatte.
    „Jetzt hör schon auf, du nimmst alles viel zu ernst und pessimistisch!“ Und schon schnappte die Ladenbesitzerin nach ihrem Eigentum und verstaute es außerhalb der Reichweite von Alicia.
    „Ich bin es nicht, die den Regenwolken nachjagt. Die jagen mich!“ Alice ließ ihre Augen durch das Café wandern. Aus irgendeinem Grund kam ihr ausgerechnet jetzt der junge Mann wieder in den Sinn.
    „Ich habe heute eine heiße Begegnung im Fahrstuhl gehabt.“, sagte sie schon fast beiläufig.
    „Ich bin ganz Ohr.“ Mit beiden Ellenbogen stützte sich Vanessa an der Theke ab und sah gespannt zu ihrer Freundin hinüber.
    „Es war eigentlich nichts Besonderes, aber dieses Gefühl hatte ich schon seit langer Zeit nicht mehr.“
    „Etwas konkreter bitte.“ Die sonst so quirlige Stimme von Vanessa, klang plötzlich etliche Stufen tiefer und durchdringender.
    „Ich habe einen sehr femininen Mann…“ Alice stoppte kurz ihren Satz, um zu überlegen, ob sie ihren Gedanken aussprechen sollte.
    „…oder doch eine sehr androgyne Frau heute getroffen.“ Wieder stoppte Alice und rief erneut das Bild in ihrem Kopf hervor.
    „Lass dir doch nicht immer alles aus der Nase ziehen.“ Ein weiterer Happen Kuchen wanderte in Vanessas Mund.
    „Sie hatte unterschiedliche Augen. Ich meine die Farbe.“ Flink wie ein Wiesel, griff Vanessa nach ihrem Smartphone und tippte bereits wild auf ihrem Display rum.
    „Iris-Heterochromie.“ Vanessa schaut wieder zu ihrer Freundin rüber, als würde sie auf eine Bestätigung warten, welche sie auch durch ein zögerliches Nicken bekam.
    „Ich habe Sie oder Ihn aber nicht danach gefragt.“, verteidigte sich Alice und machte einen weiteren Schluck aus ihrer Tasse.
    „Und, was ist dann vorgefallen. Leidenschaftliches Knistern zwischen euch beiden?“
    „Welches Knistern? Hast du mich heut mal genau betrachtet?“ Alicia sah kurz auf ihre Bluse, die sie nicht wirklich mochte. In der Früh hatte sie nicht drauf geachtet, nach was sie genau griff. Die Stoffhose war auch nur zweite Wahl in ihrem Kleiderschrank. Zum Schluss betrachtete sie die flachen Schuhe. Mit einem Absatz wollte sie nun wirklich nicht zur Arbeit eilen, denn ein schlechtes Erlebnis und mehrere Wochen Krücken hatten sie eines Besseren belehrt.
    „Von der Frisur und Makeup ganz zu schweigen“, fügte Alicia noch leise hinzu, und strich sich mit der linken Hand die fast schulterlange blonde Haarpartie hinter das Ohr.
    „Du bist wirklich eine Meckertante!“
    Alicia warf einen flüchtigen Blick auf ihre Armbanduhr und stopfte sich hastig den letzten etwas größeren Bissen Kuchen in den Mund. Das ganze wurde mit dem inzwischen lauwarmen Kaffee nachgespült und schon stand sie bereits aufrecht, bereit wieder ins Büro zu eilen.
    „Die Mimose muss jetzt ihrem tristen Job nachgehen.“, nuschelte sie mit vorgehaltener Hand vor ihrem Mund.
    „Liebes, wir müssen dringend etwas an deiner Einstellung ändern.“ Mit wenigen Tippbewegungen, hatte Vanessa bereits wieder etwas in ihr allwissendes Gäret eingegeben und zeigte rasch das Ergebnis ihrer Freundin.
    „Samstag. 20 Uhr. Du. Bei mir.“ Alicia überflog den Flyer auf dem kleinen Monitor.
    „Das Phönix? Dein Ernst? Wie willst du uns da kurzfristig rein bekommen?“
    „Lass das meine Sorge sein. Schließlich habe ich dir auch die Erstausgabe mit Widmung von deinem Lieblingsautoren besorgt.“ Frech zwinkerte Vanessa ihrer Freundin zu und Lachte dabei wieder in ihrer hohen Tonlage durch das ganze Café.
    „Hab schon die ersten paar Kapitel hinter mir, wie du bemerkt hast!“ Wieder voller Hektik, schickte Alicia ihrer langjährigen Freundin einen Luftkuss zum Abschied und eilte hinaus aus dem kleinen Büchercafé.

    Samstag, 21. Mai 2016 12:39
  • AJ Fox

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    8. Cinderella und das Smartphone

    [...]
    Etliche Songtitel später, zu welchen der Körper bis zum Exzess im Rhythmus der Musik bewegt wurde und immer wieder Getränke den aufkommenden Durst löschten, war Alicia mehr als nur angeheitert.
    „Schätzchen, geht’s dir gut?“ Wie immer merkte Vanessa er sofort, wenn Alice sich sonderbar verhielt.
    „Mir ist leicht Schwindelig. Hier ist es zu heiß.“
    „Bist du betrunken?“ Alice schüttelte heftig mit dem Kopf und musste sich sogleich hinsetzen, weil ihre ganze Sicht sich unaufhörlich mitbewegte.
    Sie trank für gewöhnlich selten oder fast nie etwas. Betrunken wurde sie auch nicht auf die klassische Weise, die zum Teilverlust der motorischen Fähigkeiten führte oder dem Drang alles wieder loszuwerden, was man seinem Körper an Giftstoffen hinzugefügt hatte.
    „Ich brauche kurz frische Luft.“ Alicia erhob sich etwas unsicher, versuchte ihren Blick konzentriert auf etwas zu fokussieren.
    „Ich komme mit.“ Vanessa eilte ihrer Freundin hinterher, die bereits in der immer noch wildtanzenden Menge verschwunden war.
    Immer mehr verspürte Alice das Verlangen nach Luft, als würde man ihr diese rauben. Hitze, laute Musik und sicherlich der Alkohol sorgten dafür, dass die eher zierliche junge Frau kaum noch etwas sehen konnte. Alles verschwamm leicht vor ihren Augen.
    Endlich, eine Tür, die offensichtlich ins Freie führte.
    „Hey, warte mal.“ Der etwas stämmige Mann in schwarzer Weste, mit der Aufschrift Security folgte Alice ebenfalls auf den vollkommen leeren Balkon.
    „Das ist der VIP Bereich.“ Alicia hörte ihn zwar, war aber gerade so sehr mit sich selber beschäftigt, dass sie nur durch Handzeichen dem Mann andeutete kurz zu warten.
    Tief atmete sie auf. Ein befreiender Moment, weil endlich wieder etwas Klarheit in der Sicht herrschte. Das Gefühl des Erstickens löste sich vollkommen auf.
    „Du musst hier echt wieder gehen.“
    „Ein kurzen Moment noch.“ Alicia machte erneut eine Armbewegung, und signalisierte dem Sicherheitspersonal nicht näher zu kommen.
    „Ist bei dir alles in Ordnung. Brauchst du Hilfe?“
    „Nein, ich komme klar, brauch nur etwas frische Luft.“ Der Security Typ machte einige Schritte auf Alicia zu.
    „Kommen Sie mir bitte nicht näher.“ Er konnte es nicht ahnen, dass Alicia erst kürzlich eine unschöne Begegnung mit einem Mann hatte, dem dieser irgendwie ähnelte. Sofort erinnerte sie sich an den Griff, mit dem sie festgehalten wurde. Sie hatte tatsächlich auch einige Tage später noch sichtbare Abdrücke auf der Haut von dem Vorfall am Flughafen. Rätselhaft war ihr auch, was genau ihre Retterin mit ihrer Aussage gemeint haben könnte, dass sie den Mann beobachtet hätte.
    „Es tut mir Leid, du musst jetzt mitkommen. Du kannst gern im Raucherbereich rausgehen.“ Der Aufpasser stand nun direkt neben Alicia und legte nur für eine Sekunde seine Hand auf ihre Schulter. Sie zuckte zusammen.
    „Hast du was genommen?“ Nun wurde der scheinbar hellhörig und deutete die Zeichen vollkommen falsch. Alice schüttelte heftig mit dem Kopf und hielt sich dabei sogleich am Gelände fest, weil ihr erneut ganz schummrig vor Augen wurde. Sie vernahm langsam einen pochenden Schmerz in ihrem Kopf.
    „Eindeutig ein sehr ungünstiger Zeitpunkt für eine anschleichende Migräne“, dachte sie sich.
    „Ich glaub du solltest mal mitkommen.“, hilfsbereit reichte der muskulöse Typ ihr seine Hand mit der fast doppelten Proportionsfläche, im Vergleich zu Alicias.
    „Nicht nötig. Sie gehört zu mir.“ Ein leicht englischer Akzent und dazu die passenden Person standen plötzlich ebenfalls auf dem Balkon. Sie erhob ihre Hand und zeigte dem Aufpasser ihren VIP-Band. Dieser nickte nur verständlich und verzog sich sogleich.
    „Miss, are you okay?!“, fragte sie mit einem großen Lächeln auf den Lippen.
    „Wie kommt es eigentlich, dass du immer nur dann auftauchst, wenn ich in den beschissensten Situationen bin?“ So begann die erste Konversation zwischen den beiden Frauen.
    „Vielleicht bin ich der Prinz, der dich zu retten vermag?“ Das Grinsen der Frau ließ Alicia alles auf der Welt für einen Augenblick vergessen. Jetzt erst konnte sie die Fremde so richtig gut betrachten.
    Nach Locken Ausschau zu halten hätte an dem Abend eindeutig nichts gebracht, denn sie trug ihre wilde Mähne heute ganz glatt und gebändigt. Die Augen waren minimal Betont.
    „Und ich bin demnach die moderne Cinderella?“ Alicia fixierte ihre schwarze Armbanduhr.
    „In weniger als 20 Minuten muss ich einen dramatischen Abgang hinlegen.“ Auch die Fremde schaute auf ihre Uhr.
    „Ist zu schaffen.“
    „Was genau?“ Ein erneuter Schmerz und getrübte Sicht ließen die Frau kurz straucheln. Sie wollte unter keinen Umständen vor ihrer Retterin zusammenklappen. Dies wäre sicherlich die Krönung der Peinlichkeit.
    „Dich dazu zu bringen mich wieder treffen zu wollen.“ Die Fremde war sichtlich überzeugt von sich, verpackte aber ihre Aussagen in viel Charme und unterstrich das Ganze durch ihr Lächeln. Die Augen erledigten noch den minimalen Rest.
    „Wie heißt du überhaupt?“ Alice versuchte so locker wie nur möglich zu wirken, konnte aber ihren leicht trüben Blick kaum von der Schönheit neben ihr Abwenden.
    „Ronja. Die meisten nennen mich aber einfach nur Rony.“
    „Hallo Rony. Ich bin Alice.“ Wie es sich gehört, reichte Alicia ihrem Gegenüber die Hand, bekam aber stattdessen ein Glas mit einer klaren Flüssigkeit überreicht.
    Verunsichert betrachtete die leicht angeschlagene Frau das volle Glas.
    „Hilft bei Flüssigkeitsmangel und Kopfschmerzen ungemein.“
    „Was ist das?“
    „Auf der Karte hier steht H2O. Ich vermute aber mal stark, dass es sich um Wasser mit Eiswürfel handelt.“
    „Keine KO-Tropfen?“, erwiderte Alice mit gespielter Enttäuschung.
    „Brauch ich die denn bei dir?“ Ihre Augen waren an dem Abend nicht so Leuchtend, wie die Male zuvor, womöglich lag es an der Brille, die heute das Gesicht zierte. Dennoch waren sie durchdringend genug, um Alicia erneut in einen ungewöhnlichen Hitzezustand zu versetzen. Hastig machte sie mehrere Schlucke der kühlen Flüssigkeit und versuchte den Augen irgendwie zu entkommen, indem sie sich auf die Kleidung von Ronja fixierte.
    Ihr Stil war wieder komplett anders. Dieses Mal trug sie ein schwarzes Shirt mit weitem Ausschnitt. Eine Harley zierte das ganze Oberteil. Eine kurzgeschnittene Lederjacke im Biker Stil verdeckte die Schultern der hübschen Frau.
    Enge dunkle Hose mit Nietengürtel saß fest auf der Hüfte und zeigte einen klitzekleinen Stück Haut, da das Shirt an der Seitennaht nur mit einem Lederband zusammen verflochten wurde und sich nach unten hin leicht öffnete.
    Die gleichen, oder nur sehr ähnliche Stiefel, wie beim letzten Aufeinandertreffen, vollendeten den wilden Look.
    „Bist du ein Model?“
    „Ab und zu.“ Die Retterin lehnte ihren Körper vor und stützte sich mit den Ellenbogen am Gelände ab. Alicia konnte nicht anders, als noch mehr Haut der anderen mit ihrem Blick zu erhaschen.
    „Wieso interessierst du dich scheinbar für mich?“ Das Glas war bereits halb leer und schien wirklich gut zu tun. Jedenfalls bildete Alicia sich das ein, um ihrem Körper wieder spirituelle Kraft zu schicken.
    „Und warum interessiere ich dich?“, kam prompt die Gegenfrage.
    „Wie kommst du drauf, dass es so ist?“ Irgendwo ganz in der Nähe hörte man eine Glocke dreimal schlagen.
    „Die Zeit rennt uns wohl davon.“ Rony lächelte und zog aus der kurzen Lederjacke tatsächlich ein Rosafarbenes Smartphone hervor.
    „Mit Cinderella lagst du wohl echt nicht so falsch. Mal gucken, ob es passt.“ Nur wenige Zentimeter trennten die beiden Frauen von einander, nachdem Ronja sich Alice näherte. Mit geschicktem Griff, packte diese das Handy und schob es langsam in Alicias vordere Hosentasche.
    Hätte man das Knistern, welches sich in diesem Augenblick zwischen ihnen bildete wirklich akustisch wahrnehmen können, so wäre es sicherlich einem Feuerwerk gleich gewesen.
    Alice leerte endgültig ihr kühles Getränk und nutzte dies als Anlass, um erneut etwas Distanz zwischen ihr und Rony zu bilden. Sie ging rüber zum kleinen Tischchen, stellte das Glas ab und machte nur wenige Schritte Richtung Geländer. Ihr war immer noch etwas unwohl. Zu gern hätte sie mehr Zeit verbracht mit der mysteriösen Ronja, die wirklich wie durch Magie ausgerechnet jetzt in ihr Leben trat.
    „Du willst flüchten, nehme ich an?“
    „Du weißt ja wie der Verkehr sein kann. Und dann noch kein Navi in der Kutsche.“
    Rony grinste lediglich, überspielte offensichtlich die Enttäuschung. Hatte sicher mehr erwartet von der tollen Frau ihr gegenüber.
    „Dann bis auf bald?“ Nun streckte die Fremde ihre Hand aus und wartete auf die Reaktion von Alicia. Zögerlich ging sie die wenigen Schritte, der Schönheit entgegen, streckte ebenfalls ihre Hand aus und umfasste die von Ronja.
    Unerwartet verspürte sie einen heftigen Ruck durch ihren kompletten Körper und sah sich bereits in den Armen der anderen ruhen. Erst Sekunden später realisierte sie, dass Ronjas Lippen ihre berührten. Ein zärtlicher Kuss entwickelte sich aus der vermeintlich zufälligen Aktion. Alles spielte verrückt. Alicias Sinne, die eigentlich dafür sorgen müssten, dass sie sich unverzüglich aus den Armen der fremden Frau löst, waren wie benebelt. Keine Unsicherheit oder Angst erreichte ihre Gedankenwelt. Lediglich das wunderbare Gefühl, die Leidenschaft und das Verlangen nach mehr belagerten alle Positionen im Zentrum der Logik und Vernunft.
    Unerwartet beendete Ronja diese wunderbare Zweisamkeit. Sie lächelte nach wie vor und löste langsam auch ihre Hand von Alice.
    „Deine Kutsche wartet nicht auf dich, Cinderella.“ Alice versuchte immer noch zu realisieren was gerade vorgefallen war. Viel Zeit blieb ihr wirklich nicht. Durch diesen Rausch aus Glücksgefühlen, Adrenalin und einer aufkommenden Lust, litt ihre körperliche Kondition nur noch mehr darunter.
    Wortlos verschwinden konnte sie aber auch nicht.
    „Wie will denn der Prinz nun seine Cinderella wiederfinden, da das Fundstück ja an der Frau ist?“ Sie deutete dabei auf ihr Mobiltelefon, das in der Hosentasche sicher verstaut lag.
    „Der Prinz hat seine Nummer in dem modernen Glasschuh hinterlassen.“ Ronja grinste ganz frech und warf einen erneuten Blick auf ihre Uhr.
    „Es ist fünf vor. Wenn du erst nach Mitternacht verschwindest, dann schreiben wir die Geschichte neu.“
    „Heute nicht.“, entgegnete Alicia mit gespielter Ruhe, schickte der bezaubernden Frau an der Balkonbrüstung einen Luftkuss und machte sich zum letzten Mal an diesem Abend auf den Weg durch die tanzende Menschenmenge.

    Sonntag, 22. Mai 2016 0:00
  • Ruth Gogoll

    AJ Fox Permalink

    Wo ist die Geschichte? Wann fängt die Geschichte endlich an? Es werden wieder nur Dinge erzählt, die zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht interessieren. Und Alicia/Alice wird nicht sympathischer dadurch, dass sie sich anscheinend von jedem Mann angrabschen lässt, der ihr über den Weg läuft. Sie ist überhaupt bis jetzt keine sehr sympathische Figur. Du gibst ihr kein Profil, keinen Charakter. Sie ist irgendein uninteressantes Mädchen, das ein langweiliges Leben führt, von dem niemand etwas erfahren will. Ein Wunder, das sie überhaupt einen Job hat, da sie doch anscheinend überhaupt nichts Besonderes kann außer Kaffee kochen.

    Lass Deine Hauptfigur doch nicht so im Stich! Du gibst ihr keine Chance, eine wirklich gute Figur zu werden. Eine Hauptfigur muss glitzern, vor Gefühlen überlaufen, kämpfen, Ecken und Kanten haben. Alicia hat nichts davon. Sie lässt sich einfach nur unterbuttern. Was soll aus so einer Figur werden? Und dann lässt sie sich sexuell später dann auch noch unterbuttern, indem sie masochistische Sexspiele betreibt? Sie hat überhaupt keinen eigenen Willen, keine Persönlichkeit? Tu das Deiner Hauptfigur nicht an. Mach sie zu einer Hauptfigur, die man lieben kann und die es wert ist, geliebt zu werden. Im Moment würde sie doch wirklich niemanden dazu verleiten.

    Sonntag, 22. Mai 2016 11:39
  • Ruth Gogoll

    AJ Fox Permalink

    Heißt sie jetzt Alice oder Alicia? Die Hälfte der Zeit hat sie den einen Namen, die andere Hälfte den anderen.
    Wie gesagt, ich gehe jetzt nicht näher darauf ein, aber beantworte mir doch mal eine Frage: Warum beschreibst Du das alles? Was für eine Bedeutung hat es für die Geschichte, was sie anzieht oder welche Hektik sie zum Büro treibt? Was für eine Bedeutung für die Geschichte hat das mit der Erstausgabe oder überhaupt das ganze Gespräch im Café? Was willst Du der Leserin damit sagen?

    Ich sage: streichen. Tut mir leid, aber Du konzentriest Dich einfach nicht auf das Wesentliche, sondern scharwenzelst immer darum herum, mit allen möglichen völlig unwichtigen und überflüssigen Szenen, die nichts mit der Geschichte zu tun haben. Bitte schreib die Geschichte um, damit sie lesbar wird und spannend. Das könnte sie sein, aber so nicht. Das vertreibt Dir noch die letzte Leserin. ;)

    Samstag, 21. Mai 2016 13:35
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