5 Wörter – Teil 1

Wie fange ich eigentlich an zu schreiben?

Was muß ich beachten?

Das sind so die zentralen Fragen, die man sich stellt, wenn man die erste Kurzgeschichte oder sogar den ersten Roman schreiben will.

Oftmals scheitert es schon daran.

Deshalb sollte man, bevor man anfängt, »richtig« zu schreiben, ein paar Schreibübungen machen. Wie die Pianistin, die zuerst stundenlang Tonleitern übt, bevor sie das erste Lied spielt.

Eine sehr erprobte Schreibübung ist, sich einfach ein paar beliebige Wörter aus dem Lexikon oder sonstwo herauszusuchen und damit eine Geschichte zu schreiben. Damit ist man der Herausforderung enthoben, sich erst einmal ein Thema suchen zu müssen. Das Thema muß sich aus den zufällig vorhandenen Wörtern ergeben.

Wollen Sie es einmal probieren?

Hier sind die Wörter:

Kellnerin, Restaurant, Schlüsselkette, Labortisch, Auto

Schreiben Sie einen Text (ein paar Sätze sollte er schon lang sein, nicht nur ein einziger Satz), in dem diese fünf Wörter vorkommen.

Nicht schwierig, oder?

Das Ergebnis Ihrer Bemühungen können Sie hier als Kommentar einstellen, damit auch andere etwas davon haben.

Dann los!

Viel Erfolg.

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  • Anja
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  • Madlen

    Permalink

    Guten Abend liebe Frauen,

    da der LLP mir gezeigt hat, wie wertvoll ein konstruktives Feedback sein kann, wollte ich mich einmal spontan an einer Schreibübung versuchen.

    Freundliche Grüße

    Madlen

    P.S.: Etwailige Rechtschreibfehler schiebe ich jetzt einfach mal auf die fortgeschrittene Uhrzeit. ;)

    Übung "5 Wörter - Teil I":

    „Hat dir dein Lachs geschmeckt, Tamara?“, wandte Julia eher leise erstmals das Wort an ihr Gegenüber.
    „Noch jemand ein Dessert?“, mengte sich jedoch die Frage der Kellnerin aus Richtung Tafelende ein.
    Julia ließ ihre Schultern sinken und sah die Bedienung des chinesischen Restaurants entgeistert an. Musste sie gerade jetzt auftauchen? Ihr Herz begann noch etwas schneller zu schlagen.
    Im Augenwinkel nahm sie allerdings wahr, wie Tamara, die sich gerade noch angeregt mit ihrer Sitznachbarin unterhalten hatte, mit fragenden Augen zu ihr hinüber sah. Sie hatte sie also doch gehört. Julia schluckte. Mit ihren großen Kulleraugen erwiderte Julia nun mit einem freundlichen Lächeln Tamaras Blick und spürte ein leichtes Glühen auf ihren Wangen. Wie konnte man nur so wunderschöne, grüne Augen haben? Julia hatte dieses Grün seit ihrem ersten Arbeitstag am neuen Standort ihrer Firma CAMAG nicht vergessen können. Dass sie ganze zwei Wochen bräuchte, um sie endlich anzusprechen, hatte sie allerdings nicht gedacht.
    „Hat der Lachs geschmeckt?“, wiederholte Julia die Frage nun etwas lauter, da Tamara mit ihrem fragenden Blick offensichtlich auf eine Wiederholung wartete.
    Julias Finger hatten die Troddeln des weißen Tischtuchs unter der Tischkante schon fast zerlegt. Sie zwang sich jedoch den Blick zu halten. Mit einem vorsichtigen Lächeln wartete sie auf eine Antwort.
    „Ja, der war ganz gut.“, antwortete Tamara etwas stockend und zog die Augenbrauen leicht zusammen. „Julia, oder?“ , fragte sie nun mit einem verhaltenen Lächeln.
    „Ja, die neue Julia. Also, ich bin Julia und ich bin neu.“, antwortete Julia hastig und spürte, wie ihre Wangen erneut erröteten. „Ich arbeite nun quasi im Nebenlabor bei Professor Dr. Fischer.“
    „Ah ok, das freut mich.“, kam Tamaras Antwort nun etwas prompter. „Dann sieht man sich demnächst ja sicherlich öfter auf Arbeit.“, fügte Tamara freundlich hinzu.
    Als sie hierbei Julia erstmals ein Lächeln schenkte, zog es sich in ihrer Magengegend verdächtig zusammen. Julia nickte nur leicht und erwiderte es. Dann wandte sie sich wieder geschäftig der Speisekarte des 2-Sterne-Restaurants zu, obwohl sie eh keinen weiteren Bissen hinunter bekommen hätte. Erst als sie Tamaras Stimme wieder in einer Unterhaltung vernahm, traute sie sich den Kopf zu heben. Sie atmete lange aus und beobachtete verhalten Tamara, die lässig mit einem Teelöffel herumwedelte, während sie offensichtlich einen Witz zum Besten gab. Julia hatte den Plot gar nicht wirklich mitbekommen, musste allerdings instinktiv bei Tamaras Lachen heimlich mitschmunzeln.
    Das Rascheln aller Anwesenden ließ sie jedoch ihren Blick in die Runde werfen.
    „Der Chef hat bezahlt. Wir gehen.“, brabbelte ihr ihre unmittelbare Kollegin Nancy entgegen, da Julia immer noch saß. Nun erhob auch Julia sich etwas betreten. Auch hier konnte sie ihre Augen nicht wirklich von Tamara wenden. Diese kramte gerade in ihrer Tasche.
    „Verdammt! Mein Schlüssel!“, schimpfte es von der anderen Tischseite. Tamara wühlte nochmals und fasste sich dann mit offenem Mund an der Stirn. „Ich glaube, mein Schlüsselband hängt noch an meinem Labortisch.“, schnappte Julia Tamaras Worte auf, die definitiv nicht ihr gegolten hatten.
    „Ich bin mit dem Auto da. Soll ich dich schnell fahren?“, schoss es plötzlich laut aus Julia in Tamaras Richtung, noch bevor sie eigentlich überlegen konnte, was sie tat.
    Mindestens drei Augenpaare - darunter auch Tamaras- lagen nun auf ihr. Wie erstarrt stand Julia da und spürte ihr Herz förmlich gegen ihre Brust schlagen. Was war nur in sie gefahren?
    .
    .
    .

    Dienstag, 5. September 2017 1:43
  • Sali Madlen

    Danke für die schöne Geschichte. Musste schmunzeln bei der Stelle mit den Troddeln vom Tischtuch. :)

    Was mir aufgefallen ist:
    Du schreibst beim Ende der direkten Rede immer einen ." , das ist nicht richtig.
    Also entweder du schreibst: „Ja, der war ganz gut." Antwortete Tamara …
    Oder du schreibst: „Ja, der war ganz gut", antwortete Tamara …
    Aber nicht beides, also nicht Punkt und Kommata (das nicht ." ,)

    Bei den Fragen „Hat dir dein Lachs geschmeckt, Tamara?", wandte …. Hast du es richtig gemacht.
    Auch bei den ! hast du es richtig gemacht. „Verdammt! Mein Schlüssel!“, schimpfte ….

    Griessli Anja

    Donnerstag, 7. September 2017 9:21
  • Madlen

    Anja Permalink

    Hallo Anja,

    freut mich, dass dir mein Anfang gefällt. Ich wollte mich nach dem LLP mal ein bisschen versuchen und die Ratschläge umsetzen. :)

    Das mit der wörtlichen Rede sowohl an dich als auch Frau Gogoll lieben Dank. Das war mir nicht bewusst. Ich dachte, dass es sich mit Punkten wie mit Fragezeichen/ Aufforderungszeichen verhält.
    Zusammengefasst heißt das dann wohl, dass ich einfach nur die Punkte vor den " weg lassen müsste, hmm?

    Freundliche Grüße

    Donnerstag, 7. September 2017 18:26
  • Ruth Gogoll

    Madlen Permalink

    Genau. Einfach weglassen. ;) Es ist wie gesagt nicht unbedingt logisch. Rechtschreibung ist einfach etwas, das willkürlich festgelegt worden ist. Theoretisch könnte man es auch anders machen. Aber es ist nun mal, wie es ist. Also einfach Augen zu und durch. :)

    Donnerstag, 7. September 2017 20:07
  • Na jedenfalls Danke!
    Die Regel war mir vollkommen unbekannt.

    Geht der Rest denn in ihren strengen Augen? Nach meinem "Anfängeranfang" beim LLP wollte ich mich ausprobieren/ weiterentwickeln.

    Donnerstag, 7. September 2017 20:15
  • Ruth Gogoll

    Madlen Permalink

    Die Zeichensetzung in Dialogen ist den meisten Menschen wohl wenig vertraut, denn die meisten Leute reden nur in Dialogen, da braucht man keine Zeichensetzung. ;) Dialoge schreiben tun die wenigsten. Als ich anfing, Dialoge zu schreiben, wusste ich auch nicht, wie man das macht, obwohl ich in der Schule immer eine 1 in Deutsch hatte und auch Germanistik studiert habe. Daher habe ich mir die Dialoge in Büchern angeschaut und mir die Regeln da rausgezogen, bevor ich selbst Dialoge geschrieben habe.

    Ebenso habe ich Bücher analysiert, die mir gefielen, und mich gefragt: „Wieso finde ich das spannend? Wieso lese ich hier weiter?“ Oder „Wieso ist das langweilig? Wieso möchte ich da nicht weiterlesen oder überblättere das?“ Ich denke, dadurch lernt man am meisten. Indem man viele, viele, viele Bücher liest und analysiert, die einem gefallen, und versucht herauszufinden „Wie machen die das?“

    Was Du hier geschrieben hast, unterscheidet sich enorm vom Anfang Deines Romans im LLP, und ich meine positiv. Es gibt noch einige Sachen, wie beispielsweise die Beisätze zur wörtlichen Rede. Da gibt es mehr oder weniger puristische Ansichten, die in solchen Beisätzen nur und auschließlich Aussagen des Redens erlauben. Das bedeutet, da darf nur stehen: „sagte sie“ oder „sprach sie“ oder „äußerte sie“. Noch nicht einmal so etwas wie „lachte sie“ ist erlaubt. Und auf keinen Fall so etwas wie „mengte sich jedoch die Frage der Kellnerin aus Richtung Tafelende ein“. Wenn Du so etwas sagen willst, mach einfach einen Punkt im Dialog und setz den Satz dann als ganz normalen Satz hinter die Dialogzeile, also „Die Kellnerin mengte sich aus Richtung Tafelende ein.“ Und schon ist es richtig.

    Auch kann man nicht das Wort an jemand „wenden“, sondern nur „das Wort an jemand richten“. Oder man kann sich an jemanden wenden. Also entweder wandte sie sich an ihr Gegenüber oder sie richtete das Wort an sie.

    Aber das sind schon die Feinheiten des Schreibens. ;) Viele Leute sind heute nicht mehr daran gewöhnt, die deutsche Sprache und insbesondere Redewendungen korrekt zu verwenden. Unser Leben ist so durchdrungen von falschen Redewendungen oder einem eher laschen Gebrauch der Sprache, dass man es kaum noch merkt, wenn etwas falsch ist. Ich bin da glaube ich furchtbar altertümlich, weil ich auf dem korrekten Gebrauch der Sprache bestehe, ich bin ja auch schon etwas älter. ;)

    Das hat jetzt aber nichts mit der Qualität Deiner Geschichte zu tun, das sind wirklich Details, an denen Du später arbeiten kannst. Du hast Dich definitiv sehr verbessert in meinen Augen. Es liest sich gut. Wenn Du so weitermachst, kannst Du nichts falschmachen. :)

    Donnerstag, 7. September 2017 20:49
  • Vielen Dank! Das freut mich.

    Na dann gebe ich mir noch mehr Mühe und überzeuge im nächsten LLP hoffentlich mehr. ;)

    Freitag, 8. September 2017 18:50
  • Vielen Dank. Das freut mich. Irgendwie hat mich gerade das Schreibfieber ergriffen.

    Ich denke, dann habe ich das Prinzip von Show-Don't-Tell nun hoffentlich verstanden.
    Und dass niemand lange Erklärungen lesen mag. ;)
    Und das mit den Beisätzen ist mir auch neu. Aber ist auch gespeichert.

    Ich werde mich weiter versuchen und nächstes Jahr hoffentlich mehr überzeugen.

    Eine Frage hätte ich noch. Gibt es hier eine Übung oder Seite, wo man generell eine Kurzgeschichte einstellen könnte? Um zu sehen, ob sie funktioniert?
    Ich habe etwas eher "Abgedrehtes" geschrieben, aber es wäre zu kurz für den LLP.

    Freundliche Grüße
    Madlen

    Donnerstag, 7. September 2017 23:16
  • Ruth Gogoll

    Anja Permalink

    Also das

    „Ja, der war ganz gut." Antwortete Tamara …
    geht auch nicht. ;)

    Dann muss man die Inversion wieder umdrehen in die Standardform. Also
    „Ja, der war ganz gut." Tamara antwortete nachdenklich.

    Aber Du hast natürlich absolut recht, dass niemals ein Punkt und ein Komma am Ende der wörtlichen Rede stehen dürfen. Das ist wieder so eine Unlogik der Rechtschreibung. Früher in der alten Rechtschreibung gab es kein Komma, wenn davor ein Satzzeichen war. Das war eindeutig. Also auch nach einem Fragezeichen oder einem Ausrufezeichen gab es kein Komma, wenn die Satzzeichen in der wörtlichen Rede standen. Der Punkt wurde quasi als Satzzeichen angenommen, obwohl er nicht da stand.

    Nun, in der neuen Rechtschreibung, ist es so, dass bei Fragezeichen und Ausrufezeichen ein Komma kommt, beim Punkt auch, aber da ist es anders. Da ersetzt das Komma den Punkt, sozusagen. Denn richtig ersetzen ist das ja auch nicht, da der Punkt vor dem Anführungszeichen oben kommt (oder käme) und das Komma erst danach. Das Komma ersetzt also den Punkt, behält aber seine eigene Position bei, die es auch bei Fragezeichen und Ausrufezeichen einnimmt. Das entspricht der alten Rechtschreibung. Also in Bezug auf das Fragezeichen und das Ausrufezeichen hat sich die Regel geändert, in Bezug auf das Komma aber nicht.

    Da war die alte Regelung einfacher, finde ich.

    Donnerstag, 7. September 2017 10:25
  • Oh Entschuldigung :o
    Danke für die Erklärung. Jetzt habe ich auch wieder etwas dazugelernt mit der Inversion :)

    Donnerstag, 7. September 2017 11:09
  • Kerstin

    Permalink

    Liebe Frau Gogoll,

    auch iÍhnen danke ich für das erneut sehr motivierend Feedback :)
    Ich habe mir Ihre Anregung bzgl. der Teilnahme am LLP zu Herzen genommen und mich erstmals mit den Teilnahmebedingungen auseinandergesetzt.

    Zu schade, dass ich erst so kurz vorm Ende der Einsendefrist den Mut hatte mich hier "zu Wort zu melden".
    Aber ich bleibe - wie ich Sima schon geschrieben habe - auf jeden Fall am Ball. :)

    Beste Grüße Kerstin

    Samstag, 22. Juli 2017 20:01
  • Kerstin

    Permalink

    Hallo Sima!
    Danke für die Blumen. ;)

    Ich gebe zu, dass zum besseren Verständnis wohl noch etwas deutlicher hervorgehoben werden sollte, wer denn gerade "das Wort hat".
    Danke für den Tipp :)

    Im Augenblick schreibe ich die Geschichte der beiden wirklich weiter... Ich bleib also am Ball. Ob sie allerdings noch rechtzeitig zum LLP fertig wird, bezweifel ich leider.

    Aber ich freue mich, dass Dir meine Geschichte gefällt. :)

    Samstag, 22. Juli 2017 19:56
  • Kerstin

    Permalink

    Das Auto war so schnell verschwunden wie es gekommen war. Und während Julia zum Eingang des Restaurants lief und abwechselnd auf ihr Smartphone und durch die großen Fenster am Eingang schaute, bemerkte Antonia wie ihr Herz schneller zu schlagen begann. Eine Mischung aus Freude, Aufregung und Unsicherheit machte sich in ihr breit. War es doch keine gute Idee sich so schnell bei Julia zu melden? Hätte sie sich etwas mehr Zeit geben sollen? Wenn sie jetzt aufstehen und durch den Hintereingang verschwinden würde, könnte sie so tun, als sei ihr etwas dazwischen gekommen und Julia würde niemals erfahren, dass sie gekniffen hatte. Doch bevor Toni ihren Gedanken zu Ende bringen konnte, stand schon die Kellnerin vor ihr und brachte ihr den doppelten Espresso und ein Glas Wasser. Chance vertan. Würde sie jetzt gehen, wäre sie nicht nur feige, sondern würde auch noch die Zeche prellen.

    „Danke.“ Sagte Antonia stattdessen und griff fast augenblicklich nach dem Glas Wasser. Julia hatte sie noch nicht entdeckt. Toni konnte sie dabei beobachten, wie sie selbstbewusst den Gastraum betrat und ihr langes kastanienbraunes Haar in den Nacken warf. Sie hatte sich in all den Monaten kein bisschen verändert. Obwohl. Die Haare schienen etwas kürzer zu sein. Sie strahlte noch immer mit jedem Schritt diese Präsenz und Zielstrebigkeit aus, die Antonia schon immer an ihr bewundert hat. Und da war es. In dem Augenblick als sich ihre Blicke trafen, huschte dieses zauberhafte Lächeln über ihr Gesicht. Es war nur ein Hauch. Fremde würden diesen Moment vermutlich gar nicht wahrnehmen, doch Antonia war dieses Gesicht so unglaublich vertraut. Ihr wurde heiß und kalt und sie versuchte krampfhaft lässig zu wirken. Sollte sie aufstehen und ihr entgegengehen oder ganz locker sitzen bleiben und Julia auf sich zukommen lassen? Erst Mal sitzen bleiben. Besser aufstehen. Aufstehen ist genau dazwischen. Höflich, aber doch gelassen. So hätte es wirken können als Toni etwas zu schnell aufsprang und mit ihrem Knie so sehr an den Tisch stieß, dass ihr der Schmerz nicht nur durchs Bein jagte, sondern sie zu allem Überfluss auch noch das Glas Wasser umwarf.
    „Verdammt. So ein Mist.“ Ungelenk versuchte sie das Wasser aufzuhalten.
    „Na wenn das Mal keine nette Begrüßung ist! Ich freu mich auch dich zu sehen Antonia.“ Lachte Julia, stellte ihre Tasche auf einen der freien Stühle und kam direkt auf Toni zu um sie fest in die Arme zu schließen.
    Das ging doch Mal gehörig daneben. Über ein Jahr lang hatten sie sich nicht gesehen und dann so etwas.

    „Hat es dir jetzt auch noch die Sprache verschlagen oder hast du verlernt deutsch zu sprechen?“ Das war Julia. Kein peinliches Schweigen, keine bissigen Kommentare, einfach nur wohlfühlen.
    „Entschuldige. Ich ähm bin da wohl mit dem Fuß hängen geblieben.“ Die Kellnerin hatte das Missgeschick bemerkt und war bereits dabei den Tisch zu wischen. „Danke. Das tut mir sehr leid. Möchtest du vielleicht gleich bestellen?“
    „Gerne. Ich nehme einen Espresso.“ Die Bedienung nickte freundlich und lies die beiden am Tisch zurück. Julia hatte zwischenzeitlich auf dem Stuhl gegenüber von Antonia Platz genommen.
    „Du trinkst Kaffee? Seit wann? Das letzte Mal als ich dich Koffein zu dir nehmen hab sehen war dir schon ein Milchkaffee zu stark und jetzt gleich Espresso? Ich bin überrascht.“ Das war Toni wirklich. Wie oft musste sie sich in der Vergangenheit anhören, dass sie nicht so viel Kaffee trinken soll und nun zog Julia nach?
    „Hallo Julia. Ich freu mich auch dich zu sehen….“ Amüsiert zog Julia ihre Augenbraue nach oben und lächelte Antonia verschmitzt zu.
    „Hi. Ja. Also das tu ich wirklich. Schön dass du gekommen bist.“ Toni merkte wie ihr die Röte ins Gesicht stieg.
    „Kein Grund gleich rot zu werden.“ Ihre schonungslose Ehrlichkeit hatte Antonia fast vergessen.

    „Wie geht es dir? Du siehst toll aus. Viel zu tun im Labor oder kannst du dir mittlerweile etwas mehr Freizeit gönnen?“ Was redete sie denn da? Und warum musste sie gleich in den ersten Sätzen vom Labor sprechen? Sie hatte sich doch fest vorgenommen diesen Augenblick am Labortisch völlig außen vor zu lassen und mit keiner Silbe zu erwähnen.
    „Danke. Ich kann nicht klagen. Es ist gut angelaufen und „Il Dragon“ lässt mir langsam die lange Leine.“
    „Il Dragon“ – nennt ihr euren Chef noch immer so? Hat er sich denn kein bisschen geändert?“ Lachte sie und nahm einen großen Schluck Espresso. Julia tat es ihr gleich als sie ihre Tasse bekommen hatte.
    „ Tja, was soll ich sagen. Manche Dinge ändern sich eben nie. Er ist und bleibt ein Kontrollfreak. Aber er scheint mir zu vertrauen. Immerhin hat er mir nun auch offiziell die Laborleitung übertragen.“ Antonia konnte sehen, dass Julia ziemlich stolz auf ihren Erfolg war. Immerhin hatte sie die letzten Jahre mit aller Energie auf dieses Ziel hingearbeitet.
    „Glückwunsch! Wenn das Mal keine Neuigkeiten sind! Ich hab es dir ja immer gesagt. Irgendwann übernimmst du den Laden. Worauf habt ihr euch denn mittlerweile spezialisiert?“ Läuft langsam doch ganz gut.
    „Ich will dich nicht mit dem Laborzeug langweilen. Ist alles nicht der Rede wert. Erzähl du lieber von dir.“ Julia hatte wohl ebenfalls den Plan die Gesprächsführung an sich zu reißen.
    „Wo soll ich da anfangen…?“

    „Am besten vor über einem Jahr als du von einem Tag auf den anderen in die USA bist und dich bis vorgestern nicht bei mir gemeldet hast?“ Das hatte gesessen. Julia wirkte Eenst, aber nicht wütend.
    „Julia. Ich bin nicht von einem Tag auf den anderen in die USA. Ich… Ich musste früher nach New York. Die Firma hat mich auf einen früheren Flug gebucht. Es war alles so hektisch und alles musste so schnell gehen, da hab ich mein Handy liegen lassen…“ Antonia merkte, dass sie sich mit ihren Entschuldigungen in die Rechtfertigungsrolle begab, aber sie wollte um alles in der Welt verhindern, dass Julia ihr weitere Vorwürfe machte.
    „Und in Amerika gibt es keine Handys?“ Hakte sie nach. Ihr Gesicht wirkte ernst und Antonia konnte nicht zuordnen in welche Richtung sich das Gespräch entwickelte.
    „Doch. Natürlich. Aber ich hatte deine Nummer nicht im Kopf. Du weißt doch, dass ich mir Zahlen nicht besonders gut merken kann…“ Diese Ausrede war lahm, entsprach jedoch der Wahrheit.
    „E-Mail? Oder haben die in den USA noch kein „World Wide Web“?“ Julia ließ nicht locker.
    „Schon. Na klar. Ich hatte in den ersten Wochen einfach unglaublich viel zu tun. Und als ich langsam etwas mehr Zeit hatte, da kam es mir irgendwie falsch vor….“ Antonia riskierte sich um Kopf und Kragen zu reden. Aber es war die Wahrheit. Zumindest fast. Erst hatte sie keinen Mut Julia zu schreiben und nach einigen Wochen wusste sie nicht wie sie sich melden sollte.
    „Ich hätte mich auch über eine Postkarte gefreut…. Oder hast du vor lauter Stress auch noch meine Adresse vergessen?“ Jetzt wirkte Julia fast traurig.
    „Julia. Ich weiß, dass es falsch war mich nicht zu melden. Aber ich kann es jetzt nicht mehr rückgängig machen. Komm schon. Sei bitte nicht wütend oder traurig. Ich hab dir auch was aus New York mitgebracht.“ Mit einem unsicheren Lächeln zwinkerte Antonia ihr zu. Sie hatte das Gefühl einen dicken Kloß im Hals zu haben. Es gab nichts was ihr Verhalten entschuldigen konnte. Doch sie wollte nicht, dass Julia erfuhr, dass sie einfach zu feige war sich zu melden. Noch sollte sie es nicht erfahren. Irgendwann vielleicht, aber nicht hier und jetzt.
    „Antonia. Ich hab mir einfach Sorgen gemacht! Nachdem ich von deiner Mutter erfahren hab, dass du schon in New York bist, hab ich nicht einmal erfahren, ob es dir gut geht. Dir hätte sonst etwas passieren können! Wir sind doch Freundinnen. Wir waren sogar die besten Freundinnen.“ Das saß.
    „Das sind wir noch immer. Oder können es wieder werden. Es ist so viel passiert. Ich hab dir so viel zu erzählen Julia.“ Toni war bemüht ruhig zu bleiben. Dabei war sie unglaublich beunruhigt und hatte Angst davor, dass Julia aufstehen und sie einfach sitzen lassen könnte.

    Julia lehnte sich in ihrem Stuhl zurück, verschränkte die Arme vor ihrer Brust und musterte Antonia mit zusammengekniffenen Augen. Sie schwieg. Neigte den Kopf leicht zur Seite, nahm einen letzten Schluck Espresso und nickte zufrieden.
    „Julia! Sag was!“ Toni konnte dieses Schweigen zwischen ihnen nicht ertragen. „Bitte.“
    „Ich muss los Antonia. Das Meeting heute Nachmittag hab ich schon vor Wochen einberufen und es kommt wohl nicht besonders gut an wenn die Chefin zu spät kommt.“ Julia stand tatsächlich auf. War es das nun endgültig mit ihrer Freundschaft?
    „Julia. Es… es tut mir leid. Es tut mir echt leid, dass ich mich nicht gemeldet hab.“ Toni stand ebenfalls auf.
    Wieder dieses eisige Schweigen.
    „Dann melde dich heute Abend. Der geht auf dich – das ist das Mindeste. Ich muss los. Mach’s gut.“ Julia deute auf die leere Espressotasse, schnappte sich ihre Handtasche und legte eine Karte auf den Tisch. „Damit du meine Nummer nicht wieder vergisst…“ Ein letztes Zwinkern und weg war sie.

    Donnerstag, 20. Juli 2017 20:23
  • Hallo Kerstin! Das liest sich wirklich gut. :)
    Süß, wie Toni krampfhaft versucht, sich ihre Nervosität nicht anmerken zu lassen... was ihr mehr oder weniger nicht gelingt. :)

    Bei dem Dialog war ich anfangs zwar ein bisschen durcheinander gekommen, wer jetzt gerade die Sprecherin ist, vor allem bei dem Thema Labor. Aber beim zweiten Mal lesen, hat es dann klick gemacht. Das las sich halt ein wenig konfus... genauso wie Toni eben drauf war. Von daher also sehr anschaulich geschrieben. :)

    Bleib am Ball. Es lohnt sich! ;)

    Freitag, 21. Juli 2017 20:06
  • Kerstin

    Sima Permalink

    Hi Sima,

    ich bin am Ball geblieben und hab geschrieben und geschrieben...

    Und gerade eben hab ich mich wirklich getraut das Manuskript einzureichen... :)

    Liebe Grüße
    Kerstin

    Sonntag, 30. Juli 2017 15:30
  • Hallo Kerstin,
    ernsthaft, Du hast es in den paar Tagen noch geschafft, die Geschichte fertig zu schreiben? Respekt!!! :) Das ist natürlich großartig und freut mich für Dich. Dann lass ich mich mal überraschen... ;)

    Sonntag, 30. Juli 2017 20:27
  • Ruth Gogoll

    Kerstin Permalink

    Herrlich! Nun wissen wir ein bisschen mehr, aber immer noch nicht sehr viel. Was gut ist, denn das Geheimnis muss in einer Geschichte möglichst lange gewahrt bleiben.

    Wenn Du daraus noch eine richtige Kurzgeschichte machst, kannst Du damit am LLP teilnehmen. Wie wäre das? ;)

    Freitag, 21. Juli 2017 10:01
  • Hallo Frau Gogoll,

    Kommando zurück - ich hab geschrieben und geschrieben und mich dann auch noch getraut...
    Manuskript wurde soeben eingereicht :)

    Liebe Grüße
    Kerstin

    Sonntag, 30. Juli 2017 15:28
  • Kerstin

    Permalink

    Guten Abend Frau Gogoll,

    zunächst einmal herzlichen Dank für Ihr wirklich motivierendes Feedback.

    Hätte nicht gedacht, dass sich aus ein paar spontanen Sätzen wirklich eine Geschichte entwickeln kann ;)
    Deshalb hat es mit dem Rest - besser gesagt der Fortsetzung - der Geschichte ein wenig länger gedauert. Sie war nämlich in meinem Kopf und hat sich erst Stück für Stück entwickelt bzw. entwickelt sich noch...

    Nachfolgend ein paar weitere Zeilen...

    Herzlichst Kerstin

    Donnerstag, 20. Juli 2017 20:20
  • Kerstin

    Permalink

    Um sich nicht wie auf dem Präsentierteller vorzukommen, setzte Antonia sich schnell an einen freien Tisch im hinteren Bereich des Restaurants. Von dort aus hatte sie den gesamten Gastraum im Blick, ohne gleich auf Anhieb entdeckt zu werden.
    Auch wenn seit ihrem letzten Kuss auf dem Labortisch von Julias Chef schon einige Monate vergangen waren, konnte sich Antonia noch immer an den Blick, welcher in Julias Augen lag, erinnern. Würde sie diesen Blick heute – nach all der Zeit – auch wieder entdecken? Gedankenversunken spielte Toni mit ihrer Schlüsselkette.
    Erst die Kellnerin holte sie mit ihrer Frage in die Realität zurück. „Möchten Sie schon bestellen?“
    „Danke, nein. Ich warte noch auf meine Freundin. Oder warten Sie, vielleicht doch. Einen Espresso. Am besten gleich einen doppelten. Bitte.“
    Antonia war ihr unsicheres Auftreten mehr als unangenehm. Wenn sie es nicht mal schaffte, gelassen ein Getränk zu bestellen, wie sollte sie es dann schaffen, Julia in die Augen zu sehen?
    In diesem Augenblick sah sie, wie ein Auto vor dem Restaurant anhielt und Julia auf der Beifahrerseite ausstieg.
    Kneifen ging jetzt nicht mehr – es sei denn, sie würde sie hier hinten nicht entdecken.

    Dienstag, 4. Juli 2017 19:25
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