Schriftstellertraining, 1. Übung

Eines der schwierigsten Dinge beim Schreiben ist das Anfangen. Wie fange ich an? Womit? Wann schreibt es sich am besten? Und über welches Thema? Mit all diesen Fragen und noch mehr machen wir uns meistens schon vor Beginn des Schreibens verrückt.

Vielleicht ist das Thema aber auch gar nicht so wichtig. Am wichtigsten sind eigentlich Personen. Also suchen wir uns doch einfach eine Person aus, zu der uns etwas einfällt. Diese Person konfrontieren wir mit einem Konflikt – und schon ist etwas da, worüber wir schreiben können.

Außerdem sollten wir uns auf die nötigsten Zutaten beschränken, keine großen Verwicklungen, keine Ortswechsel. Stellen wir uns eine Art Theaterstück vor. Alles muss sich auf einer kleinen Bühne abspielen, die SchauspielerInnen können diese Bühne nicht verlassen, sie müssen das Problem an diesem Ort klären. Auch kann sich die Geschichte nicht über Tage oder Wochen hinziehen, ein Theaterstück dauert eine Stunde oder meinetwegen zwei, aber dann wollen die Leute nach Hause.

So, nach dieser Vorrede geht es ans Eingemachte. Die Person kann beliebig sein, aber wem nichts einfällt, dem schlage ich folgendes vor:

Sarah ist in Urlaub gefahren, und zwar nach Afrika. Auf einer Safari verliert sie ihre Gruppe und steht mitten im Busch plötzlich einem beeindruckend großen Löwen gegenüber. Der Löwe reißt das Maul auf, brüllt und kommt immer näher ...

Wie kommt Sarah aus dieser Situation wieder heraus? Und das auf höchstens zwei DIN-A4-Seiten?

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  • Lina
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  • Charlotta
  • Terry
  • Nikki

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    Liebe Autorinnen.
    Ich möchte euch gern mein überarbeitetes Märchen vorstellen. Es ist nun mehr als doppelt so lang und ich habe versucht alle Anregungen und Tips von euch umzusetzen. Ich hoffe, es ist mir gelungen.
    Das Märchen von der schönen Königstochter
    Es waren einmal ein König und eine Königin, die hatten sich schon lange ein Kind gewünscht. Als die Königin nun eines Tages Drillinge gebar, war ihre Freude groß. Die Mädchen waren allesamt klug und von schöner Gestalt, schöner noch als der wertvollste Edelstein im gesamten Königreich. Die Mädchen wuchsen heran und da sich das Königspaar so um die drei Töchter sorgte, veranlassten sie an ihrem zwölften Geburtstag, alle Türen und Tore nach außen hin zu verschließen. Sogar der Schlossgarten blieb ihnen verwehrt. Jeder der ihnen zu nahe kam, sollte geköpft werden.
    Eines Tages, als sie älter geworden waren, trug es sich zu, dass eine der Töchter in der Abgeschiedenheit keine Ruhe mehr fand. Und als sie des Nachts wohlbehütet in ihrem Bette lag, überlegte sie, wie sie ihrem Gefängnis entkommen könnte, denn sie wünschte sich nichts sehnlicher, als die Freiheit. Immer wieder stellte sie sich vor, wie groß und bunt doch die Welt da draußen sein musste. Sie wollte all die schönen Dinge erleben, von denen man sich erzählte. Doch wie nun sollte sie es anstellen, dorthin zu gelangen. Traurig wälzte sie sich hin- und her. Die Hilflosigkeit stand ihr im Gesicht geschrieben. Tränen liefen ihren zarten, rosafarbenen Wangen hinunter, als mit einem fast lautlosen – peng, ein wundersames Männlein in weinroten Hosen vor ihr auftauchte. Erschrocken darüber, rutschte die Prinzessin nach hinten und stieß sich den Kopf an der Wand. »Aua!«, stöhnte sie und hielt sich den Kopf mit der linken Hand. Wie erstarrt blickte sie in ein bärtiges Gesicht. Dem Männlein kümmerte ihre Furcht nicht. Mit ruhiger, freundlicher Stimme, begrüßte er das Mädchen und sprach:
    »Ich weiß von deinem Kummer mein Kind und ich habe hier etwas für dich.« Die Prinzessin fixierte seine funkelnden, grünen, Augen. Sie traute ihm nicht. Mit zittriger Stimme sagte sie: »Wer bist du?« »Wenn die Zeit gekommen ist, werde ich es dir verraten.« Mit Argus Augen beobachtete sie jede seiner Bewegungen. Sein Haar war ergraut, sein Rücken gekrümmt. Seine fahle Haut glich altem Pergament. »Wenn du einen Schluck daraus trinkst, geht dir ein Wunsch in Erfüllung«, murmelte es. Dann streckte das Männlein ihr einen goldenen Krug entgegen. Die Prinzessin zögerte - doch weil sie so todtraurig war, nahm sie ihn an sich. Kaum hatte sie das getan, zischte es:
    »Wir sehen uns wieder«, und verschwand so schnell es gekommen war. Am darauffolgenden Tag konnte sie an nichts anderes denken, als an den Krug und so ersehnte sie die Nacht herbei. Ehe die Uhr zwölf schlug, sprach sie mit voller Freude ihren ersten Wunsch aus.
    »Nicht länger kann ich es ertragen in Gefangenschaft. Ich bin in großer Not. In die weite Welt möcht ich hinaus. Gib mir nur etwas Wasser und Brot.«
    Und kaum hatte sie ihn ausgesprochen ward es bitterkalt um sie herum. Da saß sie nun, bibbernd, allein in einer dunklen Gasse. Den goldenen Krug fest umklammert. Ängstlich blickte sie sich um. Unter Ihren nackten Füßen fühlte sie den kalten Boden. Schnell dachte sie an all die schönen Dinge, die sie sehen wollte und machte sich auf den Weg. Lange Zeit irrte sie mit schmerzenden Füßen umher. Kaum dass die Sonne hinter ihrem Rücken den Himmel erklomm, kam sie an einen Markt vorbei. Ihrer Müdigkeit und den Schmerzen zum Trotze, setzte sie sich in eine Ecke und beobachtete das bunte Treiben. Hungrig biss sie ein Stück von ihrem Brot ab und trank ein Schluck aus dem Wasserkrug. Die Zeit verstrich und da sie keinen einzigen Taler besaß, überlegte die Prinzessin was sie tun konnte. Kurz darauf machte sie sich abermals auf den Weg und bat dem ersten Müllersmann, den sie traf ihre Dienste an. Da der viel zu klein gewachsene Mann, allein mit seiner Tochter lebte und Hilfe gebrauchen konnte, willigte er frohen Mutes ein. Als Gegenleistung bot er ihr einen Schlafplatz und zu Essen. Sie folgte ihm und schon bald darauf kamen sie zu einer alten, klapprigen Mühle die seine war. Arm, kahl und schief stand sie da. Die Wände hielten sich kaum zusammen. Beschämt trat die Prinzessin ein. Sie musste dem Alten helfen, dachte sie. Ihre Augen wanderten über aufgetürmte Strohballen. Im Halbdunkel sahen sie aus wie riesige Steinhaufen. Und dort war noch etwas. Neugierig ging sie ein paar Schritte darauf zu. Sie musste ihre Augen zusammen kneifen, um besser sehen zu können. Ein Mädchen, kaum älter als sie selber lag sanft schlummernd im Stroh. »Das ist mein schönes Kind«, sagte er. Seine raue Stimme ließ die Prinzessin erschaudern und die Müllerstochter erschrak ebenfalls. Goldenes Haar umhüllte sie wie ein Vorhang. »Wer ist das Vater?«, wollte sie wissen. »Gott schickt sie uns«, antwortete er ihr mit einem lächelnden Gesicht. »Ich bot ihr eine Bleibe an und dafür wird sie uns bei der harten Arbeit helfen.« Die Müllerstochter stand auf und betrachtete sie von oben bis unten. Ein unwohles Gefühl machte sich in ihr breit. »Du trägst ja gar keine Schuhe, deine Füße sind ganz blau«, stellte sie erschrocken fest. »Hier«, sagte sie. »Du bekommst meine.« Die Prinzessin zögerte. »Das geht nicht«, erwiderte sie mit leiser Stimme. »Ich kann sie dir nicht nehmen, dann hast du ja keine mehr.« »Das macht doch nichts«, entgegnete sie der überraschten Prinzessin. Zaghaft nahm sie die Schuhe an sich und nahm sich ganz fest vor, mit ihrer Arbeit so viel Münzen zu verdienen um ihr die schönsten, neuen Schuhe zu kaufen, die sie finden konnte. Die Tage vergingen. Die Königstochter war so schlau, dass sie das Handwerk des Müllers schnell erlernte und schon bald war sie mit dem Korn so vertraut, dass sie ein paar Taler übrig hatten. Der Müllersmann war von der Arbeit des Mädchens sehr angetan und auch die Müllerstochter wich ihr nicht mehr von der Seite. In Jeder Abenddämmerung, wenn die Arbeit getan war, waren die beiden Mädchen heiter und vergnügt. Wenn die Königstochter sie so ansah, ward ihr ganz wohl ums Herz. Sie mochte ihre Lebhaftigkeit und ihre ungestüme Art so sehr, dass sie stets ihre Augen nicht von ihr abwenden konnte. Sie hatten einander von Herzen lieb. Die Königstochter dachte nicht einmal daran, zurück ins Schloss zu kehren.
    Eines Abends, saß die Müllerstochter vor einem alten Spiegel, dessen Glas an mehreren Stellen gebrochen war und kämmte sich das Haar. Als die Prinzessin sie da so sitzen sah, trat sie von hinten an sie heran, nahm ihr die Bürste aus der Hand und kämmte ihr die goldblonde Mähne weiter. Lächelnd ließ sie es zu. »Ich hab etwas für dich«, sagte des Königs Tochter zu ihr. Sie sahen sich durch den Spiegel hindurch an. Verlegen biss sie sich auf die Unterlippe. Die Müllerstochter lächelte fortwährend ohne etwas zu erwidern. »Bist du denn gar nicht neugierig?«, wollte sie von ihr wissen. Sie sah dass sich Ihre Wangen leicht rot färbten. Nach eine kurzen Pause legte sie die abgenutzte Bürste auf einen der Strohballen neben sich, nahm aus einer Truhe einen zusammen gebundenen Jutesack und öffnete ihn. Die Müllerstochter ließ sie dabei nicht aus den Augen. Dann holte sie einen dunkelgrauen Stoff hervor und hielt ihn ihr mit pochendem Herzen entgegen. Die Müllerstochter, die sich inzwischen zu ihr umdrehte beobachtete sie dabei. Dann nahm sie ihn an sich und faltete ihn auseinander. Als sie sah was sie in ihren Händen hielt, kullerte eine Träne direkt über ihre roten Wangen. Mit ihrem Handrücken wischte sie, sie fort. »Ich danke dir meine Liebste«, sprach sie halb flüsternd. »Gefällt dir das Kleid?« »Natürlich gefällt es mir.« Sie hielt es an ihren schmalen, Körper und bewunderte sich im Spiegel. Dann drehte sich die Müllerstochter erneut um. »Genau wie du«, fügte sie lächelnd hinzu, gab ihr einen Kuss auf die Stirn und sah sie gerührt an. Die Prinzessin holte zitternd Luft, streichelte ihr zärtlich über das Gesicht und schien dabei ganz zu vergessen, dass ihr Vater sich mit ihnen im Raum befand. Er räusperte sich. Peinlich berührt machte sie einen Schritt nach hinten. Doch als sie ihn lächeln sah, wurde ihr wieder gut.
    So gut es den Dreien auch ging, ward dem Königspaar immer elender, Tag ein Tag aus ließen sie nach ihr suchen. Nach Jedem Sonnenuntergang kehrte seine Gefolgschaft ohne gute Nachrichten zurück.
    Mehrere Wochen zogen ins Land. Die Blumen erblühten aus der Erde und nun wurde auch die Königstochter immer trauriger. Mit jedem Sonnenaufgang vermisste sie ihre Eltern und ihre geliebten Schwestern. Sie wünschte sich nichts sehnlicher als mit ihrer Liebsten und dem alten Müller zurück ins Schloss zu kehren.
    »Was fehlt dir meine Holde? Dein Gesicht wirkt so traurig«, fragte sie die Müllerstochter an einem sonnigen Morgen. Die Prinzessin erhob sich von ihrem Schemel »Es fällt mir sehr schwer, aber es ist an der Zeit, dass ich dir davon erzähle«, sagte sie mit belegter Stimme. In kurzen Worten erzählte sie ihr davon, wie sie einst, eingesperrt die weite Welt erkunden wollte. Sie erzählte ihr von dem Männlein und dem Krug und wie sie zum Müller kam. Das Leuchten in ihren Augen erlosch. »Ich bin gern bei dir, bin gern dein Weib. Ich will nicht ohne dich sein. Doch mein Herz zerbricht, wenn ich an meine Schwestern und meine Eltern denke.« Die Müllerstochter stand wie versteinert neben ihr. Sie schluckte. Tränen verschleierten ihren Blick. Dann ging sie ohne etwas zu sagen fort. Mit einem Kloß im Hals, sah die Königstochter ihr nach. Verzweifelt dachte sie darüber nach, wie es wohl gewesen währe, wenn sie ihr von Anfang an gesagt hätte, dass sie des Königs Tochter ist. Der Abend brach an und als der Müller und seine Tochter nach getaner Arbeit Kornschwinge und Maßbrett beiseite legten, hörte die bekümmerte Prinzessin ihre Liebste zu ihrem Vater sagen: »Vater, meine Liebe gehört ihr, aber ich bin so unglücklich. Wir sind nur arme Müllersleut und ihrer nicht wert. Eine so schöne Prinzessin gehört in ihr Schloss. Sie hat uns verraten. Ich werde ihr Niemals folgen.« Die Königstochter fühlte sich, als hätte ihr Jemand einen Dolch mitten ins Herz gestoßen. Tränenerfüllt legte sie sich aufs Stroh und nach einiger Zeit schlief sie vor Kummer ein.
    Am nächsten Tag, ging sie mit schmerzenden Brust zum Müller und bat ihn um ein Gespräch mit seiner Tochter. »Mein liebes Kind, ich kann dir nicht helfen«, sagte er barmherzig. »Sie ist sehr traurig. Ihr Herz ist zerbrochen. Ich danke dir für deine Mühen und deine Arbeit. Doch nun ist es Zeit in dein Schloss zurück zu kehren.« Ihr Kopf sank zu Boden. Eine große Leere machte sich in ihr breit. Die zermürbten Knochen konnten den Alten kaum noch halten, sodass er sich setzen musste. Sie legte ihre Hand auf seine Schulter und sprach: »Ich weiß was ich tue.« Dann ging sie nach draußen und holte den verwunschenen Krug. Sie öffnete ihn und trank daraus einen großen Schluck.
    »Meine lieben Schwestern und die Eltern sollen nicht sein ohne mich. Ich möchte hier nicht fort. Doch mein Herz, das hängt auch dort, deshalb soll meine Holde und der Müller mich begleiten hin fort.«
    Sie schloss ihre Augen – doch nichts geschah. Die Königstochter fing bitterlich an zu weinen. Dann - Inmitten einer dunklen Wolke, tauchte das Männlein zum zweiten Mal vor ihr auf.
    Wieder erschrak sie und fürchtete sich vor ihm. Der graue, dichte Bart schien noch länger geworden zu sein. Seine funkelnden Augen durchbohrten sie.
    »Königstochter, ich half dir einst, denn groß war deine Not. Du wolltest in die weite Welt hinaus und das brachte zu meiner Freud, des Königs Seelentod. In vergangenen Tagen, als noch ein Prinz er war, war er nichts als undankbar. Ich bot ihm als Schneider meine Dienste an. Nichts war ihm recht dem stolzen Edelmann. Unter schweren Drohungen hat er mich davon gejagt. Ich solle sterben, hat er gesagt. Nun dann kam ich zurück geschwind. Ich schwor ihm Rache und Nahm ihm das teuerste was er besitzt - sein Kind.«
    Und ohne die Königstochter anzuhören, verschwand das Männlein wieder. Ohnmächtig stand sie da und starrte auf die Stelle, an der es eben noch stand. Dann weinte sie herzzerreißender als man es je sah.
    Im Morgengrauen packte ihr der Müller etwas zu Essen und zu Trinken in ein Tuch. Schnürte es zu und gab es ihr.
    Voll Trauer begab sie sich auf den Weg. Wie sollte sie nur Jemals das Schloss finden. Die Leute schüttelten nur den Kopf als sie, sie fragte. Einige belächelten die Prinzessin und zeigten mit dem Finger auf sie. Niedergeschlagen verließ sie das Dorf. Ihr Weg führte sie an einem Bach vorbei und über Feld und Wiesen. Dann lag ein dichter, dunkler Wald vor ihr. Schritt für Schritt durchquerte sie ihn ängstlich. Mit jedem Schritt lief sie tiefer in das dichter werdende Unterholz. Immer wieder sah sie sich um, doch jeder Baum glich dem anderen. Äste knackten unter ihren Füßen. Es zitterte ihr Fleisch und Bein. Die Augen des Waldes verfolgten sie. Endlich kam sie an eine Lichtung. Hungrig und erschöpft ließ sie sich an einer alten Eiche nieder. Sie wollte zurück zu ihrer Familie. Der Kummer saß tief in ihren Gliedern. Elendig war ihr zumute als sie an ihre Liebste dachte. Die schwere Last die sie mit sich trug ließ sie einschlafen.
    Etwas ließ die Zweige krachen und die Prinzessin fuhr empor. Dieses Etwas kam nun direkt auf sie zu. Die Nacht war bereits über sie gekommen. Grün, funkelnde Augen durchbrachen die Dunkelheit. Ihre Angst wuchs ins Unermessliche. »Du törichtes Mädchen, warum gehorchst du mir nicht«, sprach eine ihr bekannte Stimme. Dann erkannte sie die Umrisse des Männleins, welches direkt vor ihr stand. »Mein Zorn ist zu groß, um dass ich dich zurück zum König lasse«, sagte es weiter mit seiner rauen Stimme. Auf dem Boden stampfend funkelte es die Prinzessin jähzornig an. Die aber, nahm ihren ganzen Mut zusammen und stieß das Männlein mit all ihrer Kraft gegen einen Baum. Fuchsteufelswild schoss es in die Höhe. »Niemals«, schrie es. »Niemals werde ich es zulassen. Ich werde dich töten.« Die Prinzessin verbarg ihren Kopf hinter ihren Armen. Stolperte nach hinten und fiel Rücklings auf den Boden. Ihre letzte Stund ward geschlagen. Garstig stand das Männlein über ihr – Ein Messer in der Hand. Gleich würde sie sterben. Sie griff mit allerletzter Kraft an seine Kehle. Dann, wie aus dem Nichts verpasste Jemand ihm einen Tritt und es wurde geradewegs gegen einen Baum geschleudert. Nur mit Mühe erkannte sie das wunderschöne Gesicht ihrer Angebeteten. Entkräftet versuchte sie aufzustehen. Die Müllerstochter griff nach dem Messer und stach es ihn mitten in die Brust. Alsdann kam sie auf die Prinzessin zu und die beiden fielen sich in die Arme und küssten sich. »Du hast mir das Leben gerettet«, stotterte die Prinzessin aufgelöst. Tränen der Freude, liefen ihr übers Gesicht. »Was machst du nur hier? Wie hast du mich gefunden?« »Ich weiß es nicht Teuerste«, gestand sie ihr. »Es war wohl die Liebe die mich zu dir geführt hat. Als Vater mir sagte, dass du für immer fort bist, lief ich zu unserer Wiese, die mit den wunderschönen, bunten Blumen, um mich von ihrem Liebreiz trösten zu lassen, als ich plötzlich dieses seltsame Melodie hörte. Ich folgte ihr und um so näher ich dir kam, um so lauter hörte ich sie.« Die Müllerstochter konnte ihre Prinzessin gar nicht mehr loslassen. Und so standen sie noch eine ganze Weile dort. »Da, hör nur«, sagte sie zu ihr. Die Prinzessin spitzte die Ohren. Nun hörte auch sie die Melodie. Der Klang war unbeschreiblich schön, eine Melodie so voll des Lichts und der Hoffnung und der Liebe. Sie nahmen sich beide an die Hand und folgten ihr. Der Wald wurde lichter und schon bald bewältigten sie die Berge. Als sie die Spitze erreichten, konnten sie endlich, unweit der Stadt, die prächtiges Türme des Schlosses erkennen. Die Schwarzen Fahnen die von seinen spitzen Turmhelmen empor ragten, versetzen die Prinzessin in Schamesröte. Die Müllerstochter drückte ihre Hand fester und so schnell ihre Füße sie trugen, eilten sie hinunter ins Thal. Als die Wachen am Schlossgraben sie erkannten, ließen sie, sie sofort passieren. Kaum hatten sie den Hof betreten, wurden unverzüglich die purpurfarbenen Fahnen gehisst und der halbe Hofstaat versammelte sich um die beiden Mädchen. Die Müllerstochter klammerte sich fest an ihre Arm. Das frohe Ereignis verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Schloss. Voller Jubel begrüßten sie ihre totgeglaubte Prinzessin.
    Dann traten der König und die Königin hinaus. Der Letzte verstummte. Die Umstehenden drängten zur Seite und bildeten eine Gasse für ihre Majestät. Die beiden Schwestern die ihnen dicht auf den Fersen waren, rannten auf ihre geliebte Schwester zu. Die konnte sich kaum auf ihren Füßen halten. Mit ausgestreckten Armen ging sie ein Stück auf sie zu. Voller Freude umarmten sie, sie. Die Müllerstochter stand neben ihnen. Dann umarmten auch sie, die Mädchen. Der König der nun vor ihnen stand, sah blass aus und die Ringe unter seinen Augen zeugten von Kummer und durchwachten Nächten. Stumm sah er sie an. Die Königstochter zitterte an ihrem Leibe und wusste nicht was sie tun sollte. Ein Moment der Stille durchzog den Hof. Angst, Scham und gleichzeitig Freude durchzuckten ihre Glieder. Doch dann drückte er seine verlorene Tochter fest an sich. Ein riesiges Jubel-Geschrei durchdrang die Stille. Mit dem Ausruf: »Veranstaltet ein riesiges Fest«, rannte die Gefolgschaft kreuz und quer in alle Richtungen. Nachdem sich die Prinzessin wünschte, dass auch der alte Müller mit im Schloss leben sollte, schickte der König sofort seine Gefolgsmänner los um ihn zu holen. Am Abend wurde eines der größten Feste gefeiert, welches man je sah und die Majestät rief aus, nie wieder seine Töchter einzusperren und von da an, lebten die Prinzessin und ihre Müllerstochter bis an ihr Lebensende. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

    Sonntag, 16. September 2018 10:16
  • hallo Nikki,

    zuerst möchte ich sagen das ich es toll finde, dass du dich nicht unterkriegen lässt. Du hast wirklich noch viel an deinem Märchen gearbeitet und das merkt man. Mir ist aufgefallen das du viele Anregungen, die dir gegeben wurden, wirklich beherzigt hast. So hat das böse Männchen jetzt eine Motivation für sein Handeln und auch an der Liebesgeschichte ist "mehr Fleisch". Dem halbgereimten Märchenstil bist du treu geblieben, und auch das hat mir gefallen. Allerdings sind mir noch ein paar Dinge aufgefallen, die du bestimmt auch noch besser hin bekommst. Am Anfang zb. gibst du im Text sehr viele Informationen, die vielleicht gar nicht nötig wären. Z.B. "stöhnte sie und hielt sich den Kopf mit der linken Hand."
    In diesem Satz beziehe ich mich auf die linke Hand. Vielleicht würde nur Hand auch reichen. Im späteren Verlauf der Geschichte ist mir das nicht mehr so aufgefallen.
    Doch später verschenkt die Königstochter ein Kleid. Zuvor hatte sie sich noch Geld gewünscht um Schuhe verschenken zu können.
    Und auch die Mitte der Geschichte, in der sich die Königstochter von der Müllerstochter trennt, ließt sich für mich noch holprig. Z.B. Hatte die Königstochter die Müllerstochter noch gar nicht gefragt ob sie sie begleiten will. Da sagt die schon zu ihrem Vater, dass sie ihr niemals folgen würde. Auch der Wortlaut: "sie hat uns verraten" hat mich gewundert.

    Sonntag, 16. September 2018 13:48
  • Nikki

    Lina Permalink

    Liebe Lina.
    Vielen Dank für deinen Kommentar. Ich habe mich gefreut zu lesen, dass dir mein Märchen nun besser gefällt. Es steckt natürlich echt viel Arbeit drin, aber das ist uns ja allen klar. Ich gebe oftmals, sehr gern viele Informationen weiter, damit sich der Leser noch besser hineinversetzen kann. Ich sehe jede Szene immer genau vor mir und versuche sie so genau wie möglich zu beschreiben. In diesem Märchen hier, habe ich es jedoch nicht so übertrieben. Aber danke für deinen Tip mit der linken Hand. Das mit den Schuhen und dem Kleid ist mir gar nicht aufgefallen. :) Vielleicht schenkt sie ihr einfach ein Kleid und ein paar dazu passende Schuhe :D In dem Teil mit der Trennung der beiden, hatte ich mir das so gedacht, dass die Müllerstochter einfach davon ausgeht, dass sie ihre Liebste begleiten soll. Nachdem sie ihr sagte, dass sie ins Schloss zurück möchte. Ich denk auf jeden Fall noch mal darüber nach.

    Sonntag, 16. September 2018 16:39
  • Ruth Gogoll

    Nikki Permalink

    Das ist alles noch fehlendes Handwerk bei Dir, Nikki. Keine Sorge, kann man alles lernen. Alle Anfängerinnen überschütten die armen Leserinnen mit sämtlichen Informationen gleich am Anfang, beschreiben jedes Detail einer Szene, statt nur das Wichtigste herauszuziehen und das dann auch nicht direkt zu beschreiben, sondern mit Show don't tell rüberzubringen. Oder gehen einfach davon aus, dass man sich schon denken wird, was die Autorin sich dabei gedacht hat.

    Die Leserin ist aber nicht die Autorin. Die Leserin ist nicht Du. Die Leserin denkt ganz anders als Du, hat vielleicht ganz andere Assoziationen. Also musst Du genau auf die Leserin hinschreiben. Überleg Dir bei jedem Wort, das Du schreibst: Wird die Leserin das auch verstehen? Was habe ich noch vergessen? Was habe ich zu viel erklärt? Womit langweile ich die Leserin nur, wenn ich ihr dieses Detail auch noch erzähle?

    Konzentrier Dich auf das Wesentliche, nicht mehr, aber auch nicht weniger.

    Sonntag, 16. September 2018 17:07
  • Hallo Ruth. Danke auch für deinen Kommentar. Könntest du mir das vielleicht genauer, anhand eines Beispiels aus meinem Märchen erklären? Ich hab verstanden dass der Leser ganz anders denkt als ich. Ich dachte immer dass es besser ist alles so zu beschreiben, damit man sich besser in die Protagonistin hinein versetzen kann? Hmm. Geht es auch darum Orte und Gefühle zu beschreiben oder nur so Dinge wie: Jede einzelne Bewegung der Protagonistin. Gesichtsausdrücke sind doch wichtig oder?

    Sonntag, 16. September 2018 17:51
  • Ruth Gogoll

    Nikki Permalink

    Das steht alles schon hier in der Schreibwerkstatt. Lies es einfach da nach. Da gibt es auch eine Menge Beispiele. :)

    Sonntag, 16. September 2018 17:54
  • Barbara

    Permalink

    Liebe Frau Gogoll
    Darf ich Sie etwas fragen, damit sich für mich endlich einmal eine Verständnisfrage klärt?
    Ich gehe davon aus, dass in dieser Übung die missliche Situation von Sarah mit dem brüllenden Löwen der sogenannte
    'Konflikt' war. Ist das richtig oder irre ich schon wieder?;)
    Wenn eine Figur einen ersten 'Konflikt' hat: Der muss ja nicht zwingend zwischenmenschlicher Natur sein, oder? Es könnte z. B. ein verpasster Flug sein? oder die Figur hat sich in der Pampa verirrt und bekommt Hilfe oder eine Autopanne? Die Figur muss irgendwie ein Problem lösen. Ist das der 'Konflikt'?
    Dann kommen die zwei Figuren in Kontakt... nett oder weniger nett... irgendetwas passiert zwischen ihnen und früher oder später, eher früher - wenn sie sich wieder treffen - kommen gravierende, tiefenpsychologische Konflikte und Probleme dazu, welche sie lösen.
    Und bevor Sie mir wieder schreiben, dass ich alles nachlesen kann;) Das habe ich gemacht und ich lese es immer und immer wieder durch... und auch morgen und übermorgen werde ich das tun. Normalerweise bin ich nicht so schwer von Begriff, aber diesbezüglich muss bei mir jetzt einfach mal der Groschen fallen und zwar richtig;)...
    Und noch eine Frage: Wenn zu Beginn zwei Frauen aufeinander treffen, anlässlich des 'Konflikts': Müssen das unbedingt die zwei Frauen sein, die dann ein Liebespaar werden? Können die nicht auch auf 'kurzen' Umwegen zueinander finden?
    Anhand Ihrer bisherigen Rückmeldungen gehe ich nämlich davon aus, dass Sie in meinen Anfängen nie ein wirkliches Entwicklungspotenzial sehen konnten... Aber was, wenn gar nicht die zwei Frauen zusammen kommen sollten oder schlussendlich zusammen kommen?
    Es wäre für mich sehr hilfreich, wenn Sie darauf noch kurz eingehen könnten, bevor ich wieder den grössten Mist abliefere... Ich bin wirklich bestrebt, mich weiter zu entwickeln, aber wenn sich mir solche, für mich grundsätzliche Fragen in den Weg stellen, wird es für mich nicht einfacher.
    Also: Es wäre unglaublich nett, wenn Sie, wann immer es Ihnen passt... und bitte nicht stressen wegen mir... darauf zum wahrscheinlich hunderttausendsten Mal extra eingehen könnten.
    Mit liebem Dank;)
    Barbara

    Mittwoch, 11. Juni 2014 18:01
  • Ruth Gogoll

    Barbara Permalink

    Das ist ein durchaus gängiges Missverständnis, weil wir im täglichen Leben das Wort „Konflikt“ sehr generalisiert verwenden. Hier geht es aber um den Konflikt, der die Spannungsgrundlage für eine Geschichte bildet.

    Die Situation mit dem Löwen ist generalisiert betrachtet ein Konflikt, aber aus literarischer Sicht ist es keiner, sondern allerhöchstens ein Aufhänger für die Geschichte. Könnte man aus diesem „Konflikt“ mit dem Löwen beispielsweise eine ganze Geschichte spinnen? Eher nicht. Die Situation entsteht und ist dann innerhalb kürzester Zeit auf die eine oder andere Art gelöst. Entweder der Löwe hat Sarah gefressen oder nicht. Dieser Konflikt ist also nicht gerade tragfähig.

    Dasselbe gilt für Dinge wie Flugzeug verpassen oder eine Autopanne. Das sind unangenehme Situationen, aber keine Konflikte.

    In einer Kurzgeschichte gibt es einen einzigen Konflikt, also auf keinen Fall einen ersten Konflikt und dann einen zweiten oder dritten. Es gibt genau einen. Und der muss die Geschichte tragen. Es gibt nur Entwicklungspotential, wenn es einen tragfähigen Konflikt gibt. Alle Situationen, die sich relativ schnell auflösen lassen (z.B. indem man das nächste Flugzeug nimmt), sind keine tragfähigen Konflikte.

    In einem Roman gibt es einen Kernkonflikt, zu dem vielleicht noch ein zweiter Konflikt hinzukommen kann, aber sehr viel mehr auch nicht. Der Kernkonflikt zieht sich von Anfang bis Ende durch die Geschichte und muss auf jeden Fall gelöst werden. Dieser Konflikt kann in einem Liebesroman nur ein emotionaler Konflikt sein, also auf keinen Fall ein äußerlicher Konflikt wie sich irgendwo in der Pampa zu verirren.

    „Emotionale Spannung ist die Triebkraft jedes Liebesromans“, sagt Leslie Wainger in ihrem großartigen Ratgeber Writing a Romance Novel for Dummies, für mich immer noch das beste Buch seiner Art. „Sie müssen emotionale Spannung zwischen den beiden Liebesleuten erschaffen, die aus ihnen selbst heraus kommt, aus dem, was sie sind, und sie das ganze Buch über voneinander fernhalten kann.“

    Ein klassischer Konflikt dieser Art ist beispielsweise: Eine von beiden ist reich, die andere arm. Die Reiche denkt also, die Arme will nur ihr Geld. Sie glaubt nicht, dass sie sie liebt. Der ganze Roman dreht sich demzufolge darum, dass die Arme – die die reiche Frau natürlich tatsächlich liebt und der ihr Geld egal ist – die Reiche davon überzeugen muss, dass Geld ihr nichts bedeutet, dass es allein um Liebe geht.

    Wenn man anfängt zu schreiben, sollte man sich auf den Kern der Geschichte konzentrieren, das heißt, auf das Liebespaar, und nicht noch tausend Nebenfiguren. Solche komplexen Geschichten kann man sich dann vornehmen, wenn man das Handwerk des Schreibens beherrscht, aber am Anfang sollte man die Geschichte so einfach wie möglich halten. Zwei Leute, ein Konflikt, ein Ort, eine Zeit.

    Ich glaube, ich sollte die Schreibwerkstatt doch mal als Buch herausbringen, denn alles, was ich jetzt gesagt habe, steht da schon drin. Aber offenbar ist es nicht so leicht zu finden.

    Mittwoch, 11. Juni 2014 19:55
  • Herzlichen Dank für Ihre Ausführungen!

    Langsam, aber sicher fängt der Groschen an zu fallen, so hoffe ich;)

    Kurze Schilderung eines möglichen Anfangs:
    A kann sich nach mehren Anläufen von B trennen und nimmt sich eine Auszeit von mehreren Wochen.
    A hat mitten in der Nacht eine Autopanne und macht sich auf die Suche nach Hilfe. Da trifft sie auf eine Frau (C), mit der sie sich nicht einmal richtig verständigen kann, aber sie fühlt sich von ihr angezogen, rein körperlich. C sieht das genau so, und sie verbringen gemeinsam eine Nacht, danach trennen sich ihre Wege, und es stimmt für beide so. Kurze Zeit später trifft A auf C in einem Restaurant. C hat ihre Arbeitskollegin D dabei. Sie grüssen sich flüchtig, dabei wirft A ein Auge auf D. Das wäre alles nicht so tragisch, wenn C nicht D genau schildern würde, was sie mit A in der besagten Nacht erlebt hat. A ist bei D nun voll unten durch und jeder Annäherungsversuch wird von D zu Beginn im Keim erstickt (D hat nachvollziehbare Gründe, die B natürlich noch nicht kennt). B zieht aber alle Register und irgendwann schafft sie es, das Herz von D ganz langsam zu erobern, bis sie es schliesslich ganz für sich gewinnen kann.

    Das ist jetzt nicht die Idee für eine Kurzgeschichte, sondern für eine längere Geschichte. Ich möchte nur wissen, ob in diesem Fall a) die Autopanne und b) die im Nachhinein gesehen etwas verhängnissvolle Nacht als Aufhänger (oder kleinen Konflikt) möglich wären.

    Bitte verstehen Sie mich nicht falsch. Das ist mir sehr wichtig! Ich bin blutige Anfängerin! Ich habe viele Ideen im Kopf, weiss aber, dass das alleine natürlich nicht reicht, und ich werde auch mit den Übungen hier beginnen, wenn der Groschen ganz gefallen ist.:)

    Und ja: Ein Buch über die Schreibwerkstatt ist eine tolle Idee.

    Vielen Dank für ALLES:)

    Mittwoch, 11. Juni 2014 20:42
  • Ruth Gogoll

    Barbara Permalink

    Nein. A und B. Mehr nicht. Es gibt kein C und D. Nur zwei Frauen, die sich begegnen und sich ineinander verlieben, dann durch den Konflikt getrennt werden und zum Schluss wieder zusammenfinden, indem der Konflikt gelöst wird. Wie ich es oben geschrieben habe: Zwei Frauen, ein Konflikt, ein Ort, eine Zeit.

    Wo ist der Konflikt zwischen A und D (die ja anscheinend das Liebespaar sind)? Es gibt keinen.

    A und D treffen sich bei der Autopanne. Was soll das mit C? Das ist völlig überflüssig. Und B ist auch überflüssig.

    Mittwoch, 11. Juni 2014 20:54
  • Nochmals vielen Dank! Ich werde mich jetzt eingehend mit der Schreibwerkstatt befassen und dann die Übungen machen. Ich muss Ihre Erklärungen auf mich wirken lassen und verinnerlichen. Dann beginne ich neu, denn ich muss zuerst falsche Vorstellungen über Bord werfen und umdenken;)

    Mittwoch, 11. Juni 2014 21:37
  • Ruth Gogoll

    Barbara Permalink

    Noch mal ganz klar: Dass A mit C geschlafen hat und daraus nun ein Problem mit D entsteht, ist ein äußerlicher Konflikt, kein emotionaler Konflikt. Ein emotionaler Konflikt kann nur zwischen A und D bestehen, und er kommt aus dem Inneren, aus dem Charakter der beiden, nicht aus irgendwelchen äußerlichen Vorkommnissen.

    Was allerdings denkbar wäre, wäre, D zur Hauptfigur zu machen, die ja anscheinend Gründe hat, keine Beziehung mehr eingehen zu wollen. Sie lernt also A kennen, die sich in D verliebt und (nach einer gemeinsam verbrachten Nacht) eine Beziehung will. D will aber keine. Trotzdem hat sie sich in A verliebt, was sie nicht zeigt. Sie stößt A permanent zurück, bis die geradezu verzweifelt. Währenddessen tobt ein innerer Kampf in D, die eigentlich nichts lieber hätte als eine Beziehung mit A, das aber nicht zugeben kann und will.

    Das ist dann ein richtiger emotionaler Konflikt, der die beiden die ganze Zeit bis zum Ende des Buches voneinander fernhält. Allerdings müssen Ds Gründe, warum sie keine Beziehung will, schon sehr schwerwiegend sein, nicht einfach nur, weil ihre letzte Freundin sie verlassen hat oder so etwas Banales.

    Mittwoch, 11. Juni 2014 21:55
  • Sie haben mich auf eine Idee gebracht, und ich habe jetzt einen emotionalen Konflikt. Ich glaube auch, dass ich mit beiden Hauptfiguren werde 'verschmelzen' können. Sicher aber mit der Hauptfigur.
    Vielen Dank für Ihre Geduld und Ihre enormen Ausführungen! Der Groschen ist jetzt – was den Konflikt angeht – gefallen.
    Da ich ja meine Arbeit nicht vernachlässigen darf, obwohl ich mich im Moment lieber diesem Thema hier widmen möchte:), wird es wahrscheinlich ein paar Tage dauern, bis ich mich wieder melde.

    Donnerstag, 12. Juni 2014 7:21
  • Barbara

    Permalink

    Liebe Frau Gogoll
    Ist dieser Anfang etwas besser? Es ist jetzt ein ganz anderer Text...
    Vielen Dank für Ihre Rückmeldung!
    ________________________
    Tanja hechtete in ihren Jeep und raste mit Vollgas los. Dann riss sie einen Stopp. Es knallte noch einmal in die Luft, dann richtete der Mann das Gewehr auf die Frau und schrie wie verrückt.
    “Los, einsteigen und den Kopf nach unten. Nicht bewegen“, fuhr Tanja die Frau an. Dabei sprang sie aus ihrem weißen Jeep, und mit einer aufhaltenden Handbewegung rannte sie vor den Mann und schrie: „Nicht schießen… bitte nicht schießen.“ Der Mann fuchtelte mit dem Gewehr wie wild um sich, nahm es schließlich runter und fluchte vor sich hin. Tanja gelang es, den Mann etwas zu beruhigen. Sie sprach kurz mit ihm, kehrte zum Auto zurück, stieg ein, atmete tief durch und startete den Motor. In schnellem Tempo und mit quietschenden Reifen fuhr sie fünf Minuten lang wortlos auf der kurvenreichen Strasse bergabwärts, dann trat sie abrupt auf die Bremse.
    „Sind Sie von allen guten Geistern verlassen, lebensmüde oder haben Sie Selbstmordgedanken?“ schrie Tanja die Frau erbost an. „Wissen Sie eigentlich, was Sie da getan haben? Verdammt, was machen Sie hier auf dieser Insel?“
    „Ich… ich… wollte nur helfen?“, ängstlich blickte Erika kurz zu Tanja.
    „Helfen? Wem haben Sie mit Ihrer Aktion denn geholfen? Sie wären nicht die erste Touristin, welche angeschossen im Spital landet. Der Mann hätte Sie am liebsten abgeknallt, so wütend war er. Wie kann man nur so bescheuert sein… und dann noch denken, dass man etwas Gutes getan hat…“
    „Ich…, aber das habe ich doch auch… Ich musste doch etwas tun.“ Erika versuchte, sich zu erklären, was Tanja nur noch wütender machte.
    „Aber doch nicht so. Noch nie etwas von Nachdenken gehört? Noch nie etwas von anderes Land, andere Kultur und andere Sitten gehört? Wenn man schon helfen will wäre es vielleicht besser, man würde im Vorfeld eine Fachperson kontaktieren. Sie aber…mit ihrem Alleingang haben nun ein absolutes Chaos angerichtet. Niemandem haben Sie geholfen… im Gegenteil. Vielleicht haben Sie schon bald ernsthafte Probleme an der Backe.“
    „Das wollte ich nicht… es tut mir leid, aber das war doch kein Zustand… ich konnte das einfach nicht ertragen...“
    Tanja beruhigte sich allmählich, stieß einen lauten Seufzer aus, presste ihre Lippen zusammen, öffnete die Tür ihres Jeeps und stieg aus.
    „Auf diesen Schreck muss ich jetzt eine rauchen. Ich muss mich beruhigen.“ Sie nahm eine Zigaretteschachtel aus ihrer Jeans, zündete eine Zigarette an und zog kräftig daran.
    Erika getraute sich nicht, irgendetwas zu sagen und blieb regungslos im Auto sitzen. Sie wagte nicht, Tanja anzuschauen und blickte in die andere Richtung.
    „Los, steigen Sie aus“, befahl Tanja. Erika gehorchte und verunsichert ging sie Tanja entgegen.
    „Ich bin Tanja? Und du?
    „Erika.“
    „Auch eine Zigarette? Tanja streckte Erika die Zigarettenschachtel entgegen.
    „Nein, danke“, erwiderte Erika. „Ich rauche nicht.“
    „Dann halt nicht.“ Tanja trat neben Erika und mit dem Zeigefinger deutete sie auf mehrere Stellen hin. „Siehst du… dort oben… dort drüben… da unten am Weg… an vielen Orten sieht man das hier. Leider. Wenn man damit nicht umgehen kann, dann darf man nicht hierher kommen. Frauen wie du würden besser zu Hause bleiben.“
    „Ich kam auf die Insel, weil ich schöne Fotos machen wollte… der Frühling ist hier so wunderschön… aber das dort unten und dort drüben ist doch einfach nur schrecklich…“
    „Ja, das ist es. Das ist die andere Seite dieser wunderschönen Sonneninsel. Schöne Fotos kann man hier bestimmt machen. Für mich aber hat diese Insel ihren Glanz längst verloren. Die Schattenseiten überwiegen inzwischen um einiges…“

    Montag, 9. Juni 2014 15:02
  • Ruth Gogoll

    Barbara Permalink

    Was heißt "Dann riss sie einen Stopp"? Sie trat auf die Bremse?
    Das ist eine Menge Action, durchaus in Ordnung, aber um was geht es hier? Wer ist der Mann? Welche Insel? Wer ist Erika? Wer ist Tanja? Und was ist so schrecklich an dieser Insel? Und dann gleich so deprimierende Aussagen am Anfang. Welche Schattenseiten? Was sieht man an vielen Orten? Was an Gutem wollte Erika tun und für wen?

    Es ist mir nicht klar, worauf dieser Text hinauslaufen soll, wo er spielt, um was es geht. Es muss nicht alles klar sein, aber je weiter ich in dem Text gelesen habe, desto mehr hat er mich verwirrt.

    Es ist gut, mit Action in eine Szene hineinzuspringen. Aber ein bisschen etwas muss schon sein, woran die Leserin sich halten kann.

    Montag, 9. Juni 2014 15:54
  • Ein neuer Versuch ;)
    _________________________

    Tanja hechtete in ihren Jeep und raste mit Vollgas den Berg hoch. Auf einem Vorplatz bremste sie. Es knallte noch einmal in die Luft, dann richtete der Mann das Gewehr auf die Frau und schrie wie verrückt.
    “Los, einsteigen und den Kopf nach unten. Nicht bewegen“, fuhr Tanja die Frau an. Dabei sprang sie aus ihrem weißen Jeep, und mit einer aufhaltenden Handbewegung rannte sie vor den Mann und schrie: „Nicht schießen… bitte nicht schießen.“ Der Mann fuchtelte mit dem Gewehr wie wild um sich, nahm es schließlich runter und fluchte vor sich hin. Tanja gelang es, den Mann etwas zu besänftigen. Sie sprach kurz mit ihm, kehrte zum Auto zurück, stieg ein, atmete tief durch und startete den Motor. In schnellem Tempo und mit quietschenden Reifen fuhr sie fünf Minuten lang wortlos auf der kurvenreichen Strasse bergabwärts, dann bremste sie abrupt.
    „Sind Sie von allen guten Geistern verlassen?“ schrie Tanja die Frau an. „Wissen Sie eigentlich, was Sie da getan haben? Das ist auf Kreta Diebstahl? Der Besitzer dieses Hundes kann Sie anzeigen…?“
    „Ich… ich… wollte nur helfen?“, ängstlich blickte Erika kurz zu Tanja.
    „Helfen? Wem haben Sie mit Ihrer Aktion denn geholfen? Sie wären nicht die erste Touristin, welche angeschossen im Spital landet. Der Besitzer dieses Hundes hätte Sie am liebsten abgeknallt, so wütend war er. Wie kann man nur so bescheuert sein… und dann noch denken, dass man etwas Gutes getan hat.“
    „Ich…, ich musste doch etwas tun… dieser Hund hing völlig abgemagert an einer nur zwei Meter langen Kette... ich wollte ihm die Freiheit schenken.“ Erika versuchte, sich zu erklären, was Tanja nur noch wütender machte.
    „Aber doch nicht so. Noch nie etwas von Nachdenken gehört? Noch nie etwas von anderes Land, andere Kultur und andere Sitten gehört? Wenn man schon helfen will, dann wäre es vielleicht besser, man würde im Vorfeld eine Fachperson kontaktieren. Sie aber… mit ihrem Alleingang haben nun ein absolutes Chaos angerichtet. Niemandem haben Sie geholfen… im Gegenteil. Vielleicht haben Sie schon bald ernsthafte Probleme an der Backe… und denken Sie einmal an den verängstigten Hund… haben Sie gesehen, wie der mit eingeklemmter Rute davon gerannt ist? Was, wenn er direkt vor ein Auto springt?“
    „Das wollte ich nicht… es tut mir leid, aber das war doch kein Zustand… ich konnte das einfach nicht ertragen. Er tat mir so leid.“ Erika blickte reumütig zu Tanja.
    Tanja beruhigte sich allmählich, stieß einen lauten Seufzer aus, presste ihre Lippen zusammen, öffnete die Tür ihres Jeeps und stieg aus.
    „Auf diesen Schreck muss ich jetzt erst eine rauchen. Ich muss mich beruhigen.“ Sie nahm eine Zigaretteschachtel aus ihrer Jeans, zündete eine Zigarette an und zog kräftig daran.
    Erika getraute sich nicht mehr, irgendetwas zu sagen und blieb regungslos im Auto sitzen. Sie wagte nicht, Tanja anzuschauen und blickte in die andere Richtung.
    „Los, steigen Sie aus“, befahl Tanja. Erika gehorchte, und verunsichert ging sie Tanja entgegen.
    „Ich bin Tanja? Und du?
    „Erika.“
    „Auch eine Zigarette? Tanja streckte Erika die Zigarettenschachtel entgegen.
    „Nein, danke“, erwiderte Erika. „Ich rauche nicht.“
    „Dann halt nicht.“ Tanja trat neben Erika, und mit dem Zeigefinger deutete sie auf zwei Stellen hin. „Siehst du… dort oben und da unten am Weg… an vielen Orten hier auf Kreta sieht man das… besonders in den Bergen. Leider. Hier auf Kreta werden die Tiere oft nicht so gut gehalten und behandelt. Wenn man damit nicht umgehen kann, dann darf man nicht hierher kommen.“ Tanja stand nun achselzuckend vor Erika. „Ja, so einfach ist… man kommt einfach nicht hier her und dann sieht man auch kein solches Elend. Ich… ich habe inzwischen eine kleine Auffangstation für herrenlose Hunde und Katzen, kümmere mich um ihre Verletzungen, lasse sie kastrieren und vieles mehr.“
    „Ich kam auf die Insel, weil ich schöne Fotos machen wollte… der Frühling ist hier so wunderschön… ich… ich wusste nicht, dass ich hier halb verhungerte Hunde an kurzen Ketten, ohne Behausung, ohne Wasser und Futter sehen werde.“
    „Das wissen viele Touristen nicht. Viele sind entsetzt, wenn sie die Touristenhochburgen verlassen und in die Berge oder ein abgelegenes Dorf fahren. Das ist leider die andere Seite dieser wunderschönen Sonneninsel. Schöne Fotos kann man hier bestimmt machen. Für mich aber hat diese Insel ihren Glanz längst verloren.“ Tanja blickte niedergeschlagen und traurig zu Erika. Ihre Stimme wurde weicher.
    „Hilfst du mir, den Hund zu finden? Ich muss mich um ihn kümmern.“ Erika plagte ein schlechtes Gewissen. Sie wollte doch helfen, und jetzt trieb sich dieser Hund womöglich irgendwo alleine und verängstigt herum und war vielleicht in Gefahr.“
    „Vergiss es, der ist auf und davon. Dieser Hund hat sich bestimmt irgendwo verkrochen… So schnell wirst du ihn nicht finden… wenn überhaupt.“
    „Wenn der Besitzer nicht mit dem Gewehr geschossen hätte, so hätte ich ihn auf die Arme nehmen können… dann wäre er nicht davon gerannt.“ Erika war nun sehr besorgt und ging nervös vor Tanja auf und ab, griff sich an die Stirn und zog die Augenbrauen hoch. Was habe ich da bloß getan? Ich muss diesen Hund finden?
    „Tja“, erwiderte Tanja. „Tatsache ist aber, dass der Hund abgehauen und jetzt weg ist und eben nicht in deinen schützenden Armen gut aufgehoben ist.“ Mit gerunzelter Stirn beobachtete sie Erika.
    „Ja leider. Kann man denn da gar nichts machen?“
    „Heute macht das keinen Sinn mehr. Es wird gleich dunkel. Ich mache dir auch keine großen Hoffnungen, dass du ihn finden wirst… aber ich werde natürlich auch Ausschau nach ihm halten. Gib mir deine Telefonnummer. Ich rufe dich an, falls ich ihn irgendwo sehe.“ Erika schrieb ihre Nummer auf einen Zettel, welchen sie Tanja in die Hand drückte. Dabei blickte sie Tanja direkt in die Augen, welche sie liebevoll anlächelte.
    „Bitte ruf mich an, wenn du ihn siehst. Ich hoffe sehr, dass ich... dass wir ihn Hund finden werden.“ Was für ein liebevolles Lächeln Tanja doch hat…, wenn sie nicht gerade wegen mir auf 180 ist. Ihre Kratzbürstigkeit habe ich ja jetzt kennen gelernt. Ihr Lächeln zeigt mir aber, dass sie auch eine sanfte Seite an sich hat, dachte Erika. Ob sie mir ihre sanfte Seite je einmal zeigen wird?

    Montag, 9. Juni 2014 21:09
  • Ruth Gogoll

    Barbara Permalink

    Die Geschichte mit dem Hund verbreitet schlechte Stimmung. Das ist nicht wirklich gut als Einstieg in einen Liebesroman. Da sollte die Stimmung positiv sein. Und warum lächelt Tanja die Frau, die ihr so viel Ärger gemacht hat, liebevoll an? Warum denkt sich Erika am Schluss Dinge, die sich die Leserin selbst denken kann? Man schreibt Szenen, um zu zeigen, wie ein Mensch charakterlich ist, damit man es nicht sagen muss. Das nennt sich Show don't tell. Eine der wichtigsten Techniken im schriftstellerischen Handwerk, über die schon ungeheuer viel in der Schreibwerkstatt steht. Am besten mal durchlesen und dann Übungen zu Show don't tell machen. Gar nichts der Leserin direkt sagen oder hinschreiben, alles zeigen.

    Und immer noch kein Hinweis auf einen Konflikt zwischen Tanja und Erika, sondern nur Beschreibungen von Dingen, die überhaupt nichts mit der (eventuellen) Liebesgeschichte von Tanja und Erika zu tun haben. Jetzt sieht das so aus, als würde sich das Buch nicht um Tanja und Erika drehen, sondern um herrenlose Hunde und Katzen auf Kreta, also mehr eine missionarische Schrift als ein Liebesroman.

    Es geht wieder nur um Äußerlichkeiten, hier jetzt in Form der Hunde und Katzen, nicht aber um das Innenleben von Tanja und Erika und deren Gefühle.

    Weg von den Äußerlichkeiten, hin zum Innenleben, das wäre die Aufgabe.

    Dienstag, 10. Juni 2014 17:31
  • Vielen Dank für Ihre konstruktive Kritik.
    Ich werde die Aufgabe gerne annehmen, habe dazu aber noch eine Frage:
    War das zu Beginn kein Konflikt zwischen Tanja und Erika?
    Wäre es einer gewesen, wenn es sich nicht so schnell zum fasten Guten zwischen den zwei entwickelt hätte?
    Ich möchte mir wirklich Mühe geben, aber irgendwie stehe ich gerade total auf dem Schlauch.
    Ich muss es einfach neu versuchen. Meine grösste Sorge ist, dass Ihnen der Geduldsfaden reissen könnte...
    Bin am Vorbereiten eines Textes (fünf Wörter, 1. Teil). Steht dort das Innenleben auch im Vordergrund oder ist es grundsätzlich okay, wenn Frau einfach einen Text schreibt, in welchem die fünf vorgegebenen Wörter vorkommen?
    Vielen Dank für Ihre Zeit und Geduld:)

    Dienstag, 10. Juni 2014 18:53
  • Ruth Gogoll

    Barbara Permalink

    Einfach lesen, was hier alles schon steht:
    1. Konflikt - Das zentrale Element
    2. Wie baue ich einen Roman auf?
    Eine kleine Meinungsverschiedenheit ist kein Konflikt. In einem Liebesroman muss ein Konflikt immer emotionaler Natur sein, er muss mit den beiden Hauptfiguren zu tun haben und sie davon abhalten, zueinander zu kommen. Tanja und Erika haben keinen Konflikt, der sie davon abhält, zueinander zu kommen. Im Gegenteil, sie stellen fest, dass sie sich beide um vernachlässigte Tiere kümmern. Damit ist die Geschichte zu Ende, denn es gibt keinen Konflikt, sondern nur Friede, Freude, Eierkuchen. So, wie die Geschichte anfängt, hat sie keine Substanz für mehr als das, was hier bereits steht. Darüber hinaus gibt sie nichts her.

    Nur mal so als Beispiel:

    Während der Mann mit dem Gewehr auf Erika anlegte, hörte sie hinter sich Bremsen quietschen. Eine Frau kam aus ihrem Rücken in ihr Sichtfeld und ging auf den Mann zu. Dabei sprach sie Griechisch, was Erika nicht verstand. Der Mann antwortete nur mit einigen hervorgestoßenen Silben, ebenfalls auf Griechisch.
    Kurz darauf drehte die Frau sich um, ergriff schmerzhaft Erikas Arm und zerrte sie zu dem offenen Jeep, der hinter ihr stand, stieß sie hinein.
    Sie fuhren los und rasten den Berg hinunter. „Sie haben wohl nicht alle Tassen im Schrank!“, schrie die Frau sie an. „Was hatten Sie da zu suchen?“
    „Ich ... wollte nur ... den Hund ...“
    „Ja, das habe ich gehört.“ Die Fahrerin schüttelte den Kopf. „Wieder so eine sentimentale Touristin, die meint, sie könnte hier die Welt verändern. Als ob wir davon nicht schon genug hätten.“
    „Aber ... liegt Ihnen denn gar nichts an Tieren?“, stammelte Erika fassungslos.
    „An diesen verlausten Tölen? Wem sollte an denen schon was liegen? Am besten alle in einen Sack und ab damit ins Meer, dann brauchten wir uns nicht mehr damit herumzuschlagen!“

    Das ist zumindest ein angedeuteter Konflikt. Eine der Frauen hat übermäßig viel Gefühl, die andere gar keins. So scheint es zumindest. Aber der Schein trügt natürlich. Was sich aber erst nach 200 Seiten herausstellt. Bis dahin kämpft Erika gegen Tanjas Gefühllosigkeit und versucht, ihre Liebe zu gewinnen, von der Tanja nichts wissen will.

    Dienstag, 10. Juni 2014 20:15
  • Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, mir das mal ganz klar aufzuzeigen. Das finde ich wirklich super. Den Rest werde ich nachlesen. Tut mir echt leid, dass ich da so eine lange Leitung hatte. Ich schreibe den Text komplett neu und stelle ihn dann wieder hier ein. Das kann ein paar Tage dauern. Ich werde mir - als harmoniesüchtiger Mensch - an dem Text wahrscheinlich die Zähne ausbeissen;)
    Liebe Grüsse
    Barbara

    Dienstag, 10. Juni 2014 22:50
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