Wie schreibt man einen Liebesroman? (Teil 3)

Konflikte

Und da sind wir auch schon beim Thema. Konflikte sind das, worum sich jede gute Geschichte dreht. Ohne Konflikt keine Geschichte.

Was ist der Hauptkonflikt in einem Liebesroman? Umweltverschmutzung, wirtschaftliche Probleme, heranwachsende Kinder, die einem das Leben zur Hölle machen?

Auf keinen Fall! laughing Das alles kann durchaus vorkommen, aber es kann niemals der zentrale Konflikt sein, es darf nicht den Hauptteil oder den größten Teil des Romans einnehmen. Der ist allein für die Liebe reserviert. Für die beiden Personen, um deren Liebe es geht, die sich in Liebe finden sollen.

Somit kann ein Konflikt sich auch nur um die Liebe drehen oder genauer gesagt um die Verhinderung der Liebe. Denn das ist die Grundlage der Geschichte in jedem Liebesroman. Zwei Königskinder, die nicht zueinander kommen können. Romeo und Julia (oder eher Romila und Julia), die sich so sehr lieben, dass sie füreinander sterben wollen, wenn sie sich nicht kriegen können. Gut, diese speziellen beiden sind fünfzehn, und da ist Drama immer inklusive, aber für einen Liebesroman ist es gleichfalls nützlich, wenn die Figuren sich nicht allzu erwachsen verhalten. Wenn sie das nämlich tun, wird es langweilig.

Was wäre, wenn sie einfach alle ihr Optionen gemeinsam erörtern, sich für die vernünftigste entscheiden und dann konsequent darauf hinarbeiten, in ein, zwei oder zehn Jahren zusammenzusein? Klingt schon dröge, wenn man es hinschreibt, oder?

So geht es also nicht. Nein, es ist gar nicht gut, die Vernunft einzuschalten. Was aber auch kein großes Problem ist, wenn man Verliebte beschreibt, denn da ist Vernunft wohl das Letzte, worum es geht.

Es beginnt damit, dass sie sich treffen. Sie lernen sich kennen, das ist der Anfang von allem, und entweder mögen sie sich sofort, fühlen sich augenblicklich zueinander hingezogen oder auch das Gegenteil. Beides passt als Ausgangsposition.

Fühlen sie sich zueinander hingezogen, kann es eventuell zu schnell gehen, sie verbringen eine Nacht miteinander, eine Person oder auch beide haben hinterher Gewissensbisse oder Zweifel. Das kann sie wieder auseinandertreiben, und dann müssen sie erneut daran arbeiten, aufeinander zuzugehen. Meistens tut das die eine Person mehr als die andere, was eine schöne Gefühlsschaukel mit Hin und Her ergibt. Die Beziehung schwingt quasi vor und zurück.

Fühlen sie sich nicht sofort zueinander hingezogen, funktioniert es genauso, nur dass sie dann vermutlich nicht gleich eine Nacht miteinander verbringen (verbietet sich aber auch nicht. Kann alles sein), sondern es eher länger dauert, bis sie sich näherkommen. Hier wird es vermutlich vor allem eine der beiden Personen sein, die das Näherkommen vorantreibt, nämlich diejenige, die trotz der wenig hoffnungsvollen Aussichten so von der anderen angezogen wird, dass sie sich immer wieder in die Gefahr begibt, zurückgewiesen zu werden.

Um die Geschichte nicht auf der Stelle treten zu lassen, muss die Distanz sich bei jeder gewollten oder auch nicht gewollten Annäherung verändern. Mal wird sie größer, mal wird sie kleiner. Vielleicht kommt es zu einem Kuss und danach gleich wieder zu einer Zurückweisung. Oder eine Szene wird immer zärtlicher, bis eine von beiden sagt: „Das dürfen wir nicht tun“ oder etwas Ähnliches. Eine Annäherung ist also niemals endgültig. Das wird sie erst auf der letzten Seite.  wink

Der Konflikt kann sich in vielerlei Verkleidung präsentieren. Es können Menschen sein, Familienverhältnisse, die Entfernung, verschiedene Ansichten zu ganz grundsätzlichen Dingen im Leben, schlechte Erfahrungen in der Vergangenheit, die eine von beiden gemacht hat und die sie nicht wiederholen möchte. In klassischen Liebesromanen wird auch gern der Unterschied zwischen arm und reich genommen, aber das spielt heutzutage eigentlich keine große Rolle mehr. Die meisten Frauen müssen nicht eine Millionärin heiraten, um ihr Auskommen zu haben. Sie verdienen ihr Geld selbst.

Dennoch können auch soziale Unterschiede den Konflikt mitbestimmen, und etwas, das sich mittlerweile speziell in lesbischen Liebesromanen als äußerst klassisch herausgebildet hat, ist die Konstellation Chefin und Angestellte. Das stellt ein gewisses soziales Gefälle dar, eine gewisse Art von Abhängigkeit, wenn auch nicht mehr so wie in früheren Zeiten. Also jemandem mit einer Entlassung zu drohen, wird heutzutage niemand mehr in ein Leben unter der Brücke zwingen. Aber eine Chefin kann sich kalt, unnahbar und hart zeigen und damit das Arbeitsumfeld unangenehm gestalten.

Ebenso kann jede Angestellte kündigen und sich einen neuen Job suchen. Was dann der Chefin die Möglichkeit gibt, ihr hinterherzulaufen und sie anzuflehen zurückzukommen. Unter dem Vorwand, es wäre ja nur für den Job, in dem sie unersetzlich wäre. Aber in Wirklichkeit ist es natürlich ihr Herz, das sich nach ihrer Assistentin oder sonstigen Mitarbeiterin sehnt. wink

Aber selbst, wenn beide Frauen in verschiedenen Berufen und verschiedenen Firmen tätig sind, selbständig oder angestellt, gibt es genügend Möglichkeiten für Konflikt. Und genügend Möglichkeiten davonzulaufen. Vor der großen Liebe, vor den eigenen Gefühlen, manchmal vielleicht auch vor der Verantwortung oder vor den eigenen (falschen) Vorstellungen.

Konflikte entwickeln sich meistens mehr in unserem Kopf, als dass sie uns von außen aufgezwungen werden.

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