Wie man einen Roman schreibt

Wieder einmal eine Seite im allumspannenden Internet, die sich mit Schreiben beschäftigt, diesmal mit dem Schreiben eines Romans (oder vieler Romane):

»How to write a novel«

Hier in diesem Blog gibt es ja schon eine Menge Tips dazu, wobei man immer bedenken muß, daß viele Tips auf solchen Internetseiten aus Amerika kommen und dort eine ganz andere Tradition vorherrscht. Der deutsche Stil ist traditionell ein wenig anders.

Das heißt aber nicht, daß die Tips schlecht sind. Besonders unsere jungen Autorinnen, die so für Amerika schwärmen und ihre Geschichten am liebsten dort spielen lassen (Hallo Nicole T. ), sollten sich den einen oder anderen Tip auf solchen Seiten mal zu Gemüte führen.

Ich frage mich immer, wie man gleichzeitig für Amerika schwärmen und so wenig darüber wissen kann. Wenn man schon ein Amerikafan ist, dann sollte man auch gründlich recherchieren und wissen, wie es in Amerika wirklich zugeht. Nicht nur irgendwelche Serien im Fernsehen angucken.

Wenn man seine Geschichten in Amerika spielen lassen will, dann sollte man die amerikanischen Klassiker kennen, nicht nur die Bücher, sondern auch die Biographien, dann wird man sehr schnell erkennen, daß die amerikanische Lebensweise nicht immer bewundernswert ist. Autoren und Autorinnen sind natürlich immer Ausnahmemenschen, sie beobachten ihre Umwelt anders, intensiver, sehen die Dinge schärfer wie durch eine Lupe. Das ist in Amerika nicht anders als bei uns.

Wenn man aber eine so verschwommene Vorstellung von Amerika hat wie viele unserer jungen Autorinnen, dann nützt das gar nichts. Darauf kann man keinen Roman aufbauen. Sicherlich, wenn man jung ist, ist man faul, die meisten sind das, wir waren es auch, aber diese Faulheit muß man überwinden, wenn man eine richtig gute Autorin werden will.

Zum Romanschreiben gehört auch das Recherchieren. Ich muß mich dort, wo ich eine Geschichte spielen lasse, wie in meiner Westentasche auskennen. Deshalb sollte man am besten dort geboren sein, dort lange gelebt haben oder jetzt noch leben. Wenn das nicht geht, sollte man zumindest jahrelang jedes Jahr mehrere Wochen Urlaub in dem Land gemacht haben, das man sich zum Schauplatz wählt, man sollte dort Erfahrungen gesammelt haben, mit Menschen und mit Orten.

Ich las letztens über einen Autor, der bei Bertelsmann den »Großen Romanpreis« gewonnen hat. Mit einer Geschichte, die in Amerika spielt. Ja, das gibt es und das ist auch in Ordnung. Aber dieser Autor macht seit 20 Jahren jedes Jahr mindestens sechs Wochen Urlaub in Amerika, er hat viele amerikanische Freunde, die er persönlich kennt und besucht (nicht nur über das Internet) und das, was ihm seine Freunde nicht erzählen konnten, hat er in Bibliotheken recherchiert. Er besitzt ein fundiertes Wissen über das, was er schreibt, also darf er das auch. Wenn man aber so gut wie nichts über Amerika weiß außer aus dem Fernsehen, dann darf man das nicht. Das ist einfach nur Faulheit und Schlamperei.

Man schreibt einen Roman über das, was man kennt. Über das, was man wirklich gut kennt. Nicht über das, was einem amerikanische Fernsehgesellschaften erzählen.

Und vor allen Dingen muß man viel schreiben, bevor man Erfolg hat. Der erste Satz auf der Seite, die ich oben verlinkt habe, lautet: »Ich habe drei Romane geschrieben, bevor ein Verleger angebissen hat.« Drei Romane, die der Autor nach dem Schreiben vermutlich in der Schublade hat verschwinden lassen. Oder die er weggeworfen hat.

Viele junge Autorinnen erwarten, daß gleich ihr erster Roman ein Erfolg wird. Aber das ist in den seltensten Fällen so. Erst einmal zwei, drei, vier, fünf Romane schreiben und wegwerfen, dann kann man vielleicht mit dem sechsten oder zehnten oder zwanzigsten Erfolg haben.

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