Schreibhilfe: Wie baue ich einen Roman auf?

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Spannung

Was ist spannend in einem Roman? Aus gegebenem Anlaß würde ich gern einmal darauf eingehen, denn nun geht es ja daran, die eingesandten Manuskripte für den LiteraturPreis zu lesen und zu beurteilen.

Spannung bedeutet in erster Linie: Die Leserin kann und will das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen, bevor sie es ausgelesen hat.

Was Spannung ist und was als spannend empfunden wird, kann dabei unterschiedlich sein. Die einen finden Action spannend, die anderen Liebesszenen, wieder andere mögen Horror oder Konflikte, Geheimnisse oder Rätsel. Letzteres gibt es vor allem in der Krimiliteratur.

Liebesromane beziehen ihre Spannung meist aus dem Konflikt oder den Konflikten zwischen den Personen, oftmals auch aus Konflikten zwischen den Personen oder einer Person und den Umständen.

In unserem Falle, bei lesbischen Liebesromanen, liegt die Spannung am Anfang oft darin, daß die beiden Frauen herausfinden müssen, ob sie überhaupt füreinander in Frage kommen, sprich, ob sie überhaupt beide lesbisch sind. Zumindest eine der beiden Personen erscheint der anderen am Anfang oft nicht eindeutig in dieser Beziehung.

Es kann natürlich schon einige Seiten füllen, wenn eine der beiden sich in die andere verliebt hat, aber nicht weiß, ob es überhaupt eine Möglichkeit gibt, daß diese Liebe erwidert wird. Nicht nur, weil man sich eventuell nicht sympathisch ist, sondern deshalb, weil die sexuelle Ausrichtung nicht stimmt. (Und nein, man kann nicht jede Heterofrau ›umdrehen‹, so sehr man sich das auch wünscht. )

Dennoch reicht das nicht für einen ganzen Roman aus. Das wäre denn doch zu langweilig. Spannung liegt oftmals wie Schönheit eher im Auge des Betrachters oder der Betrachterin, aber endlose Beschreibungen oder Gedanken dazu, ob sie nun lesbisch ist oder nicht, lassen die Spannung dann doch nach einer Weile erlahmen.

Hat die Autorin also dieses erste Rätsel gelöst, geht sie weiter zum nächsten: Was passiert nun mit den beiden? Gut, Sex ist meist der Anfang, aber auch die detailliertesten Bettszenen sind nicht endlos spannend. Ebenso wie im realen Leben ist die Spannung nach dem Orgasmus oder den Orgasmen erst einmal flöten. Wie geht es also spannend weiter?

Und da gehen die Meinungen oft weit auseinander. Die unendliche Geschichte des Alltags scheinen viele Autorinnen beispielsweise spannend zu finden. Jeder Einkauf wird geschildert, jede Scheibe Wurst oder Käse beim Frühstück, jede noch so langweilig miteinander verbrachte Minute.

Hier unterscheidet sich der Roman jedoch vom täglichen Leben. Wir mögen es furchtbar süß und spannend finden, jede Minute des Tages mit unserer Liebsten zusammenzusein und jeden Krümel auf ihrem Frühstücksteller anzubeten, in einem Buch kommt das einfach nicht so gut rüber. Da muß etwas passieren.

Vor allem am Anfang eines Romans ist es für die Spannung und das Interesse der Leserin tödlich, zu viele alltägliche Dinge zu beschreiben. Wir hatten das Thema ja schon einmal bei »Vier Seiten für ein Halleluja« – die ersten vier Seiten eines Romans sind entscheidend dafür, ob die Lektorin (die die erste Leserin ist) weiterliest oder nicht. Also sollte auf diesen ersten vier Seiten Spannung herrschen.

Es ist in keinem Fall spannend, erst einmal alle Lebensumstände der Protagonistin, alle Freundinnen, Freunde, Nachbarn, Familienmitglieder und ihr berufliches Umfeld vorzustellen, bevor man überhaupt zur Geschichte kommt. Die Einzelheiten zu all diesen Dingen kann man immer später noch einfließen lassen, wenn es denn wichtig sein sollte.

Auch wie die Protagonistin ihr Leben bis zum Beginn der Geschichte verbracht hat, ist nicht sonderlich spannend. Die Geschichte geht jetzt los, und jetzt sollte sie spannend sein. Was in der Vergangenheit war, ist erst einmal nicht wichtig. Auch hier kann man bedeutsame Ereignisse an den Stellen erwähnen, an denen sie auch jetzt noch eine Bedeutung haben. Wenn sie denn heute noch eine Bedeutung haben. Ansonsten läßt man sie weg.

Um Spannung zu erzeugen, sollte die Hauptfigur in einer spannenden ersten Szene vorgestellt werden, beispielsweise in einem Konflikt oder in einer besonderen Situation, die ihr besondere Intelligenz, besonderen Humor oder besondere Lebenstüchtigkeit abverlangt. Diese erste Szene sollte auf spannende Weise das Interessante an der Hauptfigur zeigen. Warum sollte ich als Leserin weiterlesen, um mehr über diese Figur und ihr Leben zu erfahren? Diese Frage muß beantwortet werden.

Nicht direkt, sondern eher indirekt. Die Reaktionen der Hauptfigur charakterisieren sie, mehr das, was sie tut, als das, was sie sagt. Also sollte die Hauptfigur in der ersten Szene etwas tun, das Spannung bei der Leserin erzeugt. Eine Erwartungshaltung, daß diese Figur der Leserin für den Rest des Romans eine unterhaltsame, konfliktgeladene, spannende Geschichte erzählen wird.

Details über den Alltag dieser Figur sind weniger erforderlich als eine aktive Szene, die die Figur charakterisiert.

Denken wir nur an Xena, die ich bereits oft als Beispiel genannt habe. Was tut Xena in der ersten Szene einer jeden Folge? Sie verprügelt irgendwelche bösen Männer. Das charakterisiert sie. Auch wenn man nichts über ihren Alltag weiß, sieht man sofort: Das ist eine Frau, die sich nichts bieten läßt, die körperlich stark ist und die sich durchzusetzen weiß.

So einen Anfang würde ich mir in jedem Roman wünschen. Nicht daß jetzt jeder Anfang eine Prügelszene sein muß, das wäre eher kontraproduktiv , nein, ich möchte einfach sofort wissen, mit wem ich es zu tun habe und daß diese Figur, diese Geschichte spannend ist. Ich möchte mitgerissen werden und kaum Atem holen können zwischen den Zeilen, die ich lese.

Nun ist es eine Sache, die Spannung am Anfang durch eine charakteristische Szene wie einen Knalleffekt explodieren zu lassen, und eine andere, die Spannung über den ganzen Roman durchzuhalten beziehungsweise immer neu aufzubauen. Es liegt in der Natur der Sache, daß sich der erste spannende Moment irgendwann einmal erschöpft. Xena hat die Männer verprügelt, die Witwen und Waisen (und schönen jungen Frauen ) befreit, und nun zieht sie weiter.

Sie kann nun aber in der zweiten Szene nicht wieder dasselbe tun, sich prügeln, Witwen und Waisen befreien oder was auch immer. Also beginnt nach der ersten Szene, in der wir die Hauptfigur kennengelernt haben, die Geschichte. Und nun muß diese Geschichte die Spannung bieten und weitertragen, die die erste Szene aufgebaut hatte. Es muß ein grundsätzliches Problem geben, daß sich nicht so einfach durch eine Prügelei lösen läßt, ein eher psychologisches, meist zwischenmenschliches Problem.

Es kann natürlich auch die gefährdete Wasserversorgung sein, aber selbst da muß der Konflikt eher in den Menschen liegen, beispielsweise in verschiedenen Meinungen darüber, wie man dieses Wasserversorgungsproblem lösen kann.

Spannung entsteht dadurch, daß die Lösung nicht so einfach auf der Hand liegt. Das gilt ebenso für Liebesromane. Die beiden Hauptfiguren lieben sich, aber sie können nicht zueinander kommen, weil »das Wasser viel zu tief« ist, wie das alte Märchen sagt.

Bei jeder Szene, bei jedem Kapitel müssen Sie als Autorin sich also fragen: Ist das spannend? Würde ich hier weiterlesen, wenn ich nicht die Autorin, sondern eine Leserin wäre?

In jedem Roman bewegt sich die Spannung auf und ab, das heißt, wenn das erste Problem gelöst ist, taucht ein weiteres auf, eventuell ein weniger leicht lösbares, das sich länger hinzieht. Und immer, wenn eine Lösung in Sicht ist, muß es ein Problem geben, das diese Lösung erst einmal verhindert.

Die beiden Liebenden haben sich gefunden, sind für einen Moment glücklich miteinander, aber dann kommt etwas wie: »Ich muß dir da noch etwas sagen« – und schon gehen die Probleme von vorn los.

Bis zum Ende des Buches, an dem dann alle – oder zumindest die wichtigsten – Probleme und Konflikte gelöst sein sollten.

Bis zu diesem Punkt die Spannung zu halten oder immer wieder aufzubauen ist eine große Kunst. Und ich hoffe, daß wir viele Romane für den Wettbewerb erhalten haben, die diese Kunst zeigen.

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  • Ruth Gogoll
  • Ruth Gogoll
  • Rico Feiner
  • Andrea Eitner
  • LadyCyrenius
  • Kristin aus N. am T.
  • Gabi W.
  • Julia
  • Heike
  • <em>Zum Glück geweint</em> – toller Titel!
    Ein paar Absätze hätten dem Text nicht geschadet, das erleichtert das Lesen, besonders wenn ein Text so lang ist. Deshalb bitte immer Absätze einfügen, wenn die Sprecherin wechselt oder die Perspektive oder der Ort. Sonst weiß man nicht, wer spricht, worum es geht oder wo man ist.
    Hunde sind immer eine gute Unterstützung beim Kontaktherstellen. Ich habe das gemerkt, als ich in <a href="/http://www.elles-shop.de/product_info.php?products_id=773" rel="nofollow">»Wie ein Stern, der vom Himmel fällt«</a> den süßen Schäferhund <em>Otto</em> eingesetzt habe. Man kann einen Hund Dinge tun lassen, die bei einem Menschen doch etwas unlogisch erscheinen würden. ;)
    Den Roman mit Cina und ihren Menschenfrauen würde ich gern lesen. 8)

    Freitag, 14. März 2008 8:45
  • Kristin aus N. am T.

    Permalink

    Wortlos nahm Pia das Wasserglas, das ihr Frau Dr. Gerlach reichte. Ohne aufzublicken, nippte sie am Glas. „Es wird Ihnen gut tun!“, ermutigte Frau Dr. Gerlach Pia und legte ihre Hand auf Pia´s Schulter.
    „Sparen Sie sich Ihre Floskeln.“, schnaubte Pia. Ruckartig zog sie ihre Schulter weg.
    „Wie soll mir denn ein ganz normales durchschnittliches Trinkglas gefüllt mit handelsüblichem Wasser helfen?“, provozierend hielt Pia das Glas Frau Dr. Gerlach vor die Nase.
    „Sie sollten Ruhe bewahren? Sie helfen niemandem, wenn Sie jetzt die Nerven verlieren.“, ermahnte Frau Dr. Gerlach und nahm Pia bestimmend das Glas aus der Hand. Laut stellte sie es auf den Tisch. Wasser schwappte über.
    „Ich bin bestimmt nicht hier, um Sie mit Floskeln zu langweilen!“, zischte Frau Dr. Gerlach und stampfte zur Tür. Noch bevor sie die Tür öffnete, gestand Pia: „Verdammt noch mal, das weiß ich doch. Aber es ist alles so ungerecht.“ Resignierend senkte sie ihren Blick zu Boden und kniff die Augen zu. Pia spürte den immer schneller werdenden Puls an ihrer Halsschlagader, dessen Pochen in ihrem Kopf dröhnte. Ihr Blut raste in den Adern und rauschte in ihren Ohren. Der Klos in ihrem Hals wurde immer größer. Das Schlucken fiel ihr schwer. Ihr Gesicht brannte. Gleich würde sie anfangen zu weinen. Das wusste sie genau. Sie wollte aber nicht weinen. Noch stärker kniff sie die Augen zusammen. Sie ermahnte sich `Du darfst nicht weinen!`. Ihre Hände waren zu Fäusten geballt. Frau Dr. Gerlach wandte sich Pia zu und legte eine Hand auf Pia´s Rücken: „Lassen Sie es raus!“
    „Lieber nicht!“, flüsterte Pia, der bereits die ersten Tränen über ihre Wangen kullerten. Tröstend streichelte Frau Dr. Gerlach Pia´s Rücken, die sich nun nicht mehr gegen ihren Tränenfluss wehrte. Tränenüberschüttet drehte sich Pia Frau Dr. Gerlach zu und schluchzte: „Warum?“. Frau Dr. Gerlach nahm Pia in ihre Arme und streichelte ihr ruhig übers Haar: „Das kann ich Ihnen nicht beantworten. Es ist auch nicht meine Aufgabe. Ich bin hier, um festzulegen, wie es weiter geht. Und wie es weiter geht, habe ich Ihnen schon erklärt.“ Pia beruhigte sich langsam. Nachdem sie einmal tief durchgeatmet hatte, löste sie sich aus der Umarmung und putzte sich die Nase. „Bei Ihnen klingt es so vernünftig. Irgendwie weniger schlimm. Sogar alltäglich.“
    „Für mich ist es auch Alltag. Ich habe jeden Tag festzulegen, wie es weiter geht. Und das nicht nur 1 Mal am Tag.“, schmunzelte Frau Dr. Gerlach ein wenig.
    Erst jetzt kam Pia in den Sinn, dass ihre Reaktion ein wenig übertrieben gewesen sein könnte. Ihr dramatisches Plädoyer über die Heilkraft von Wasser erschien ihr nun lächerlich. Sie schämte sich, war aber viel zu stolz, es einzugestehen. Sie stellte sich vor, dass Frau Dr. Gerlach täglich mit solch hysterischen Menschen zu tun hat und das mehrfach am Tag. Nun schämte sie sich noch mehr. Sie hoffte zum wiederholten Mal, dass Frau Dr. Gerlach Verständnis zeigen wird. Pia kaute auf ihrer Unterlippe und schaute verlegen auf ihre Schuhe. Frau Dr. Gerlach stellte professionell fest: „Gut, Sie haben sich wieder beruhigt. Das ist wichtig, denn wir haben nicht viel Zeit.“ Ihre Hand berührte Pia unter dem Kinn und deutete ihr so, sie anzusehen. Pia kam der Aufforderung nach. „Wir machen es, wie besprochen?“, vergewisserte sich Frau Dr. Gerlach. Pia presste die Lippen zusammen und nickte deutlich. Erleichtert ging Frau Dr. Gerlach zur Tür: „Es ist die richtige Entscheidung. Glauben Sie mir. Nun aber los!“ Pia folgte ihr wortlos nach nebenan, wo ihre Hündin Cina noch immer auf dem Behandlungstisch lag. Frau Dr. Gerlach legte bei Cina einen Zugang für die Kochsalzlösung. Sie erklärte Pia alles ausführlich: „Zunächst bekommt sie eine Kochsalzlösung, damit sie die Bluttransfusion besser aufnehmen kann.“ Dann nahm sie zwei runde rote Tabletten und zeigte sie Pia: „Das ist die Medizin, von der ich sprach. Wirkt sie, ist Entwarnung angesagt und Cina zählt zu den 30%, die es schaffen werden.“ Pia schluckte: „Und was, wenn nicht?“ Frau Dr. Gerlach atmete tief durch: „Sollte das Medikament nicht anschlagen, was ich nicht hoffe, wird das eintreten, was ich Ihnen geschildert habe, bevor sie mir hier fast ummächtig wurden und wir zwei nach nebenan gingen.“ Pia erinnerte sich schmerzlich. Sofort kamen ihr wieder die Tränen. Sie streichelte Cina. Unter Tränen aber dennoch etwas lächelnd über ihre Wasserglasaktion beruhigte sie Frau Dr. Gerlach: „Keine Angst. Wir müssen nicht schon wieder nach nebenan. Ich habe schon verstanden, dass die Überlebenschance bei 30 % liegt.“ Pia´s Tränenfluss wurde immer stärker. Trost suchend vergrub sie ihr Gesicht in Cina´s Fell. „Sie können während der Bluttransfusion bei Cina bleiben. Es wird einige Stunden dauern bis das Blut vollständig aufgenommen wurde. Frau Hinsch wird Ihnen alles zeigen.“ 

Während Pia neben ihrer Hündin saß und wartete, dass das tröpfchenweise fließende Blut vollständig aufgenommen wurde, streichelte sie ihre Hündin. Sie war nur damit beschäftigt, den Gedanken an die schlechte Überlebensquote zu verdrängen. Doch so sehr sie sich auch bemühte, die Ablenkung wollte ihr nicht gelingen. Die Zahl 30 schien allgegenwärtig: sie war 30 Jahre alt, heute war der 30. Mai, ihre Eltern feiern in 2 Tagen ihren 30. Hochzeitstag, Cina wog 30 kg und die Stimme aus dem Radio sagte die Uhrzeit nur an, wenn die Minutenzahl 30 war. Sobald Pia nicht an die 30 dachte, quälte sie die Frage, was sein würde, wenn Cina nicht überlebt. Sofort spürte sie wieder den großen Klos im Hals und Tränen überfluteten ihr Gesicht. Sie beugte sich zu Cina hinunter, die auf einer Decke am Boden lag und presste ihr Gesicht in Cina´s Fell. Sie flüsterte: „Hey Kleine, Du darfst mich nicht allein lassen. Hörst Du. Ich brauch Dich noch. Du weißt doch, dass ich ohne Dich sonst viel zu viel arbeiten würde. Ohne dich würde ich niemals joggen gehen. Ohne Dich hätte ich nie ein Grund, mich von langweiligen Abendveranstaltungen wegzuschleichen. Ohne dich würde ich auf der Straße nie angequatscht werden. Ohne Dich wäre meine Couch viel zu groß. Ohne dich, würde ich auch in meiner Wohnung rauchen. Ja, ich gestehe, manchmal rauche ich wieder, wenn ich unterwegs bin. Aber ich höre sofort auf, wenn Du nur wieder gesund wirst.“ Pia seufzte und streichelte ihre Hündin pausenlos. Pia verfluchte ihre Hilflosigkeit. Sie konnte nichts machen. Nicht einmal beten konnte sie, da sie nicht an Gott glaubte. Sie konnte nur abwarten und hoffen. Ihre Hündin so schwach im Kampf mit dem Tod liegen zu sehen, zerriss ihr das Herz.

    Als Frau Dr. Gerlach mal wieder nach Cina und Pia sah, fiel Pia zum ersten Mal auf, dass Frau Dr. Gerlach eine Frau war, die perfekt in Pia´s Beuteschema passte. Pia sah ihr nach und ertappte sich bei der Frage, ob Frau Dr. Gerlach einen Ehemann zu Hause hat oder lieber mit Frauen schlief. Sie sah auf Cina und seufzte: „Siehste Kleine, nur Deinetwegen lerne ich immer Frauen kennen. Bei Yvonne vor 4 Jahren war es auch schon so. Hättest Du Dich nicht mit ihrem Hund in der Wolle gehabt, hätte ich sie nie kennen gelernt. Soll es bei Frau Dr. Gerlach nun auch so sein? Bitte sag, dass Du Dich nur so krank stellst, damit ich sie kennen lernen konnte. Sollte es so sein, verspreche ich hiermit hoch und heilig, dass ich Frau Dr. Gerlach ausführen werde, wenn Du nur wieder gesund wirst. Ich weiß, normalerweise muss man etwas versprechen, was einem nicht leicht fällt. Aber du weißt ja, wie schwer es mir fällt, den ersten Schritt zu machen. Ich verspreche, bei Frau Dr. Gerlach den 1. Schritt zu machen, wenn Du nur wieder gesund wirst.“ Schon wieder war Pia den Tränen nah. Doch da kam Frau Dr. Gerlach und stellte fest, dass die Transfusion beendet sei. Sie gab Cina 2 rote Pillen: „Nun heißt es Daumendrücken. In 3 Stunden nehmen wir dann Blut ab und können sehen, ob die Medikamente wirken oder...“. Sie sprach nicht weiter. Frau Dr. Gerlach strich Pia eine Strähne aus dem Gesicht und flüsterte: „Glauben Sie an das Gute! Geben Sie die Hoffnung nicht auf!“ Noch bevor Pia antworten konnte, war Frau Dr. Gerlach schon verschwunden. Pia hoffte und glaubte in den nächsten 3 Stunden so sehr sie konnte. Sie wollte nicht mehr weinen. Es gelang ihr aber nicht. Cina´s Fell war schon völlig durchnässt von Pia´s Tränenfluss.

    Zahlreiche Tränen und Schwüre später, nahm Frau Dr. Gerlach Cina etwas Blut ab. Pia wusste, dass sie gleich Gewissheit haben würde. Sie wusste auch, dass ihr die Gewissheit nicht in jedem Fall gefallen würde. Sie wusste nicht, wie sie damit umgehen sollte, wenn sich die ersehnten 30 % nicht verwirklichen würden.

    Nach einigen Minuten kam Frau Dr. Gerlach zu Cina und Pia. In der Hand hielt sie ein A4 Blatt mit den Laborwerten. Pia wurde ganz schlecht. Ihr Herz raste und ihr Magen war kurz davor, sich umzudrehen. Pia drückte ihre Daumen ganz fest. Mit geschlossenen Augen flüsterte sie zu sich selbst: „Bitte lass sie ein Glücksengel sein!“

    Frau Dr. Gerlach setzte ihre Brille auf und warf noch einmal einen kritischen Blick auf die Laborwerte. Ohne Pia anzusehen, stellte sie fest: „Die Ergebnisse sind nun da.“ Dann nahm sie ihre Brille ab und sah Pia an. Pia glaubte, in dem ernsten Gesicht ein leichtes Lächeln entdeckt zu haben. „Ich will Sie nicht unnötig auf die Folter spannen.“, sprach Frau Dr. Gerlach weiter. „Die Werte sehen gut aus. Sie sehen sogar sehr gut aus. Cina wird es schaffen!“ Pia fiel Frau Dr. Gerlach sofort erleichtert um den Hals: „Wirklich?! Cina wird es schaffen?! Kein Zweifel?“. Frau Dr. Gerlach, die wegen der stürmischen Umarmung Schwierigkeiten hatte, die Balance zu halten, löste sich vorsichtig aus der Umarmung und nahm Pia´s Hand: „Keine Zweifel! Alles wird wieder gut!“. Pia sah nun, dass auch Frau Dr. Gerlach sichtlich gerührt war. Einen kleinen Augenblick standen sie sich so schweigend gegenüber. Dann lächelte Pia, legte ihren Kopf in den Nacken und rief laut: „Sie sind großartig!“. Sie beugte sich zu Frau Dr. Gerlach und gab ihr einen dicken Kuss auf die Wange. Frau Dr. Gerlach sah sich verlegen um. Fragende Gesichter der anderen Tierbesitzer und Helfer sahen sie an. Sie zuckte mit den Schultern und hielt sich ihre Wange. Pia hatte sich zwischenzeitlich zu Cina runtergebeugt: „He Kleine, hast Du gehört, was der Glücksengel uns gesagt hat?! Du wirst wieder gesund. Du hast es geschafft. Feines Mädchen!“ Pia drückte Cina so fest sie konnte, die noch immer auf der Decke lag. Sie war noch zu schwach zum Aufstehen. Freudig wackelte sie mit ihrem Schwanz. „Nun aber genug, sonst muss ich Cina noch wegen gebrochener Rippen operieren.“, schmunzelte Frau Dr. Gerlach. Beide lachten. Frau Dr. Gerlach verabschiedete sich bei Pia und Cina: „Es freut mich, Sie wieder lächeln zu sehen. So gefallen Sie mir schon viel besser. Ich mach Ihre Papiere fertig, dann können Sie endlich nach Hause.“ Pia fiel plötzlich wieder ihr Versprechen ein. Sie stotterte: „Ja, nach Hause...gute Idee...“. Sie stockte und traute sich nicht, nach einem Date zu fragen. Als ob Cina es bemerkte, stupste sie Pia mit ihrer feuchten Nase an. Das brachte Pia erneut zum Schmunzeln. Ergebend hob sie die Hände: „O.k. Du hast ja Recht. Ich mach schon.“ Frau Dr. Gerlach sah die beiden verwundert an. Dann sprach Pia weiter: „Sie haben ja in den letzten Stunden ganz schön viel Schwung in meins und Cina´s Leben gebracht. Da dachten wir uns, dass wir uns revanchieren und Sie zu uns nach Hause .....“ Pia stockte erneut. Sie biss sich auf die Unterlippe und verfluchte sich dafür, dass sie nicht weiter reden konnte. Frau Dr. Gerlach sah Pia erwartungsvoll an: „Ja... zu Ihnen nach Hause. Und dann?“ Pia sah verlegen zu Boden. Sie wippte von einer Seite zur anderen. Nervös spielte sie an ihren Fingern. Frau Dr. Gerlach lächelte noch immer und sah verzückt von Pia zu Cina. „Ich komme sehr gern. Aber nur unter einer Bedingung!“.
    Verwundert zog Pia eine Augenbraue hoch: „Und die wäre?“
    Das Gaggern unterdrückend sagte Frau Dr. Gerlach: „Ich möchte kein handelsübliches Wasser aus durchschnittlichen Trinkgläsern serviert bekommen!“

    Donnerstag, 13. März 2008 11:50
  • Die Schreibaufgabe ist hervorragend gelöst, und wir warten mit Spannung auf einen Roman mit Happy End von der Autorin. :D
    Denn nun muß Marie ja eine neue Liebe finden, die sie wieder glücklich macht. Und das wird sie auch.

    Mittwoch, 12. März 2008 13:48
  • Gabi W.

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    Hallo Julia,
    als Mitglied des lesenden Teils der Bevölkerung möchte Dir sagen, dass mich das sehr berührt, was Du geschrieben hast. Der Monolog am Grab ist eine so verzweifelte Liebeserklärung an die tote Geliebte! Klasse!
    Aber das Thema an sich reißt mich doch ganz schön runter. Einer kleiner Lichtblick am Ende der Geschichte wäre nicht schlecht...
    Ich weiß, das war eine Schreibaufgabe in der die Trauer ausgedrückt werden sollte...

    Mittwoch, 12. März 2008 6:07
  • Heike

    Permalink

    Hallo Andrea,

    es ist sicherlich toll, sich mit einem Menschen auszutauschen, der ähnliches erlebt hat wie man selber.
    Ich danke Dir für Dein Interesse, Dich mit mir austauschen zu wollen.

    Doch leider kann ich mir das im Moment zeitlich nicht leisten.

    Ich wünsche Dir viel Erfolg beim Schreiben und vielleicht finde ich irgendwann die Zeit, dann würde ich mich gerne bei Dir melden. :)

    Lieben Gruß

    Heike

    Montag, 26. April 2010 21:06
  • Julia

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    Da mir die Übung so viel Spaß gemacht hat und ich Lust hatte, noch ein wenig weiterzumachen, habe ich eine kleine Fortsetzung gebastelt, ebenfalls mit dem Gedanken, die Trauer zu "zeigen". Ich weiß, ich habe einen leichten Hang zu Dramatik :)
    Und bevor es auf meinem Rechner verkümmert, dachte ich, ich poste es mal noch dazu.
    Einsam stand sie an Lauras Grab. Sie fror. Es war ein grauer Wintertag, dunkle Wolken hingen am Himmel und ließen den kommenden Regen erahnen. Marie vergrub ihre Hände immer tiefer in ihren Manteltaschen. Es war so schrecklich kalt.
    Mit Tränen in den Augen blickte sie hinab. Ein eisiger Wind fuhr ihr durch die Haare.
    Der Friedhof war menschenleer, es war niemand zu sehen. Nur Marie stand da, blass wie ein Gespenst, ein Schatten ihrer selbst.
    Es begann heftig zu regnen. In wenigen Sekunden war sie von oben bis unten durchnässt, aber sie spürte die Feuchtigkeit nicht. Sie merkte nicht, wie Tropfen ihr Gesicht hinunter rannen, ihre Haare trieften, ihre Haut sich abkühlte.
    Seit diesem schrecklichen Unfall spürte sie gar nichts mehr. Er hatte all ihre Energien geraubt, ihr jeden Lebensmut genommen. Nichts und niemand drang mehr zu ihr durch.
    „Laura? Ich weiß nicht, ob du mich hören kannst, aber du musst einfach. Ich hab dir doch noch so viel zu sagen. Wie konntest du mich denn einfach so verlassen? Mich alleine zurück lassen, ohne dich zu verabschieden? Wir hatten doch noch so viel vor. Du fehlst mir sehr. Immer und überall sehe ich dein Gesicht vor mir, will dich in die Arme nehmen, aber am Ende bist du nicht da. Jede Nacht begegnest du mir in meinen Träumen. Es ist so schön, du bist so schön, und wenn ich dann erwache, möchte ich am liebsten sterben, denn dann merke ich, es war nur ein Traum. Es tut so weh und ich glaube, es wird niemals aufhören. Dieser Schmerz wird niemals enden.
    Ich werde dich nie wiedersehen, nie wieder spüren können. Wenn ich daran denke, ist es so, als würde mir das Herz aus meiner Brust gerissen. Ich fühle mich so unendlich leer. Ohne dich kann und will ich nicht mehr leben. Was hat mein Leben denn schon für einen Sinn ohne dich? Wie soll es weitergehen?
    Ich weiß keine Antwort.
    Ich brauch dich, bitte komm wieder! Ich liebe dich doch, ich werde dich immer lieben, bis in alle Ewigkeit. Mit jedem Atemzug bin ich in Gedanken bei dir, ich schwelge in Erinnerungen an unsere wundervolle Zeit. Die Zeit, die ich mit dir verbracht habe, mit dir verbringen durfte, das war die schönste Zeit meines Lebens. Ich kann nicht glauben, dass es vorbei sein soll. Es darf einfach nicht vorbei sein. Ich kann es nicht begreifen. Du wolltest doch nur kurz fort, nur kurz. Und einen Moment später bist du tot, einfach weg, für immer. Nein, nein, nein, das geht nicht! Das ist so verdammt ungerecht!
    Mein Leben ist sinnlos ohne dich. Es ist als gäbe es kein Licht mehr, alles ist dunkel. Nur die Hoffnung, dich irgendwann irgendwo noch einmal wieder zu treffen, treibt mich weiter. Es ist das einzige, was mich noch am Leben hält. Auch wenn ich weiß, dass es unmöglich ist, es gibt mir wieder ein bisschen Lebensmut. Anders weiß ich einfach nicht, wie ich diesen Schmerz, diese schreckliche Leere überstehen soll, wie ich jemals wieder lachen soll. Ich glaube, an all dem zu zerbrechen, ich halte es einfach nicht aus. Ich habe nur noch die Gewissheit, dass ich dich niemals vergessen werde. Vielleicht werde ich dich in einem nächsten Leben wiedersehen, dann werden wir vereint sein, und diesmal für immer. Niemand wird dich mir je wegnehmen können, ich werde dich festhalten, werde dich mit allem was ich habe verteidigen.
    Laura, du musst wissen, dass ich dich immer geliebt habe. Jede Sekunde, die vergangen ist, habe ich nur dich geliebt und jede Sekunde, die noch kommen wird, werde ich nur dich lieben. Nur du hast je in meinem Leben gezählt. Für dich hätte ich alles gemacht. Alles, was dich glücklich gemacht hätte, hätte ich getan. Ich hätte alles auf mich genommen, jede Qual hätte ich ertragen. Bevor ich dich kennen gelernt habe, hat mir niemand wirklich etwas bedeutet. Und vielleicht warst du am Anfang tatsächlich nur ein Spiel, aber schnell ist mir klar geworden, du bist etwas besonderes, mit dir möchte ich mein Leben verbringen.
    Was haben wir denn getan? Womit habe ich das verdient?
    Ich vermisse dich so sehr, dass ich es nicht mehr aushalte, aber wir werden uns wiedersehen, das verspreche ich dir. Eines Tages werden wir zusammen glücklich werden. Du und ich, wir beide!“
    Unzählige Tränen liefen ihre Wangen hinunter. Sie schluchzte unaufhörlich. Aber es war keiner da, der sie trösten konnte, der sie in den Arm nahm, der die Tränen trocknete.
    Langsam drehte sie sich um und ging los. Ihre Augen starrte in die Ferne.
    Der Regen hatte aufgehört, aber der Schmerz ließ niemals nach.
    So, aber jetzt reichts mit schrecklichen Szenen ;D

    Dienstag, 11. März 2008 14:40
  • Andrea Eitner

    Permalink

    @Heike:

    Hi! Deine Beschreibung, von dem, was du erlebt hast, erinnern mich sehr an mich. Mir ging es in der Schule ähnlich wie dir: Die meisten Fächer haben mich entweder nicht interessiert, oder ich war so Durchschnitt. Aber im Schreiben konnte ich alle schlagen. ;D

    Auch ich verschlinge die el!es Bücher, seit ich zurück denken kann.

    Ich würde mich sehr gern mal etwas näher mit dir austauschen, da ich das Gefühl habe, daß wir uns in einigen Dingen ähnlich sind.

    Falls du möchtest, hinterlasse ich dir hiermit meine email-addy, und ich würde mich freuen von dir zu lesen!
    ;)

    Ganz liebe Grüße

    Andrea

    Montag, 26. April 2010 16:17
  • Julia

    Permalink

    Oh danke! :oops:
    Das freut mich wirklich sehr.
    Tja, ansonsten nutze ich zwar die Semesterferien gerade tatsächlich dazu, um mich an einem Roman zu versuchen, aber leider kommt mir momentan immer die blöde Doktorarbeit dazwischen, die auch geschrieben werden will. Deswegen wird das wohl leider noch ein ganzes Weilchen dauern ;)
    Aber jetzt habe ich erst einmal einen großen Motivationsschub bekommen ;D
    Ich bleibe in jedem Fall an der Arbeit!

    Freitag, 7. März 2008 20:39
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    Am einfachsten ist es, unter dem Menü »Schreibwerkstatt« den Bereich »Schreibhilfe: Roman« aufzurufen, dann werden alle Teile in umgekehrter Reihenfolge angezeigt (leider geht es andersherum nicht).
    Dann unten auf der Seite zurückblättern, bis man bei Teil 1 angekommen ist.
    Es sind ja bislang nur 8 Teile, also ist das nur ein Klick. ;D

    Montag, 26. April 2010 12:11
  • <img src="/http://www.greensmilies.com/smile/smiley_emoticons_laola.gif" alt="Smilie by GreenSmilies.com"/>
    Das ist eine begeisterte Laola-Welle – nur falls das nicht zu erkennen ist.
    Ich finde, die Schreibübung ist wunderbar gelungen, die Aufgabe wurde hundertprozentig erfüllt, mehr als hundert Prozent. Perfekt!
    Und da kommt gleich die obligatorische Frage hinterher: Wann darf el!es mit dem ersten Roman der so talentierten Autorin hier rechnen? Die Leserinnen würden sich bestimmt freuen. <img src="/http://www.greensmilies.com/smile/smiley_emoticons_smile.gif" alt="Smilie by GreenSmilies.com"/>

    Freitag, 7. März 2008 17:58
  • LadyCyrenius

    Permalink

    Wo finde ich den ersten Teil von "Wie baue ich einen Roman" auf? ;)
    Alle Teile kann man nachlesen, nur den ersten nicht.
    Tja, im Moment kann ich echt nicht beurteilen, ob meine Augen verklebt oder müde sind, und ich deswegen den ersten Teil übersehen habe...
    Ich "stolperte" heute erst über diese geniale "Édition El!e" - obwohl ich hauptberuflich eine Malerin bin, dazu noch eine Hetero *zwinker.
    Ruth's hilfreiche Autoren-Krücken haben es mir angetan und schon seit geschlagenen Stunden hocke ich fast unbeweglich wie ein Basaltklotz vor meinem Blechaffen und verschlinge jeden Satz...
    Meine kleine versteckte Leidenschaft, das Schreiben, drängt immer mehr an die Oberfläche und verlangt nach Gehör...
    Danke für all die hilfreichen Informationen, "Kniffe" und Ratschläge.
    Ich werde von dieser Sekunde an regelmäßig bei "EE" vorbei schauen. Das ist so sicher wie das berühmte Amen in der Kirche...

    Nur eine Frage bleibt immer noch: Wo versteckt sich Teil 1?
    Wer möchte Sherlock Holmes mimen und mir beim Suchen behilflich sein? Diesen Text zu finden kann doch nicht schwieriger sein als weiße-Ostereier-Suchen im weißen Schnee?

    ;D

    Montag, 26. April 2010 1:11
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    Im Gedankendschungel hilft nur noch eine Machete. 8) Ja, das ist wirklich wahr. Ein solcher Dschungel muß so lange gelichtet werden, bis nur noch der Kerngedanke übrigbleibt. Das genau bedeutet schriftstellerisches Handwerk. Wenn Sie den Dschungel nicht lichten können, sind Sie handwerklich einfach noch nicht gut genug. Dann müssen Sie an Ihren handwerklichen Fähigkeiten arbeiten wie jeder Lehrling.

    Samstag, 18. Juni 2011 12:12
  • Heike

    Permalink

    Hallo Zusammen,
    mit wachsender Begeisterung lesen ich hier im Blog. Und dass fast täglich. Den Beitrag von Nicole fand ich sehr interessant. Und gar nicht ganz so fremd.
    Eigentlich schreibe ich schon mein Lebenlang. Ich hatte als junges Mädchen nie jemanden dem ich mich anvertrauen konnte. Ich wurde oft nur als Träumer ausgelacht und blieb mit meinen Gedanken und Fantasien allein. Manchmal waren es so viele Gedanken, dass ich nicht schlafen konnte. Dann habe ich mit eine Taschenlampe geholt und unter der Bettdecke einen Block vollgekritzelt. Als ich das erste mal spürte wie gut es tat, die Gedanken zum Ausdruck zu bringen, habe ich angefangen jeden Abend zu schreiben.
    Ich war so ca. 11 Jahre und hatte noch 3 kleinere Geschwister und wenn die weinten, dann habe ich mich zu ihnen gesetzt und angefangen Geschichten zu erzählen. Meisten irgendwas aus einem wunderschönen Traumland. Wo es ganz viel Süß gab und alle lieb und nett waren. In den Hauptrollen waren dann immer die Kleinen, natürlich mit eigenem Namen oder halt, mit dem Namen den sie unbedingt haben wollten. Sie hörten immer so gespannt zu das sie trotz Müdigkeit erst eingeschlafen sind, wenn ich versprochen habe am nächsten Tag weiter zu erzählen. In der Geschichte gab es bis heute kein Ende. :)
    Irgendwann habe ich angefangen mich in eine Traumwelt zu flüchten. Ich kann nicht behaupten, dass ich in der Schule besonder toll war. Im Gegenteil. Aber im Aufsatz schreiben hatte ich immer eine eins. Ich habe die Hauptschule nach der 8ten Klasse verlassen und 5 Jahre später habe ich meine Abschluß und Mittlerereife auf einer Abendschule nachgeholt. Zu diesem Zeitpunkt habe ich angefangen Gedichte zu schreiben und kleine Geschichten für meine Nichten und Neffen.
    Nun ja und vor 3 Jahren habe ich angefangen eine Geschichte für Erwachsene zu schreiben. Erst war es nur ein Spaß für eine Kollegin. Aber diese Geschichte hatte ihr gefallen und mich hatte es erfreut. Tja und seit einem Jahr versuche ich einen Roman zu schreiben. Mein erster Entwurf fand ich anfangs richtig gut, aber er kam nicht so gut an und nachdem ich ihn dann überarbeitet habe gefiehl mir die erste Version auch nicht mehr. Die Sätze waren zu abgeharkt und es glich einer Aufzählung. Mein 2 Versucht scheiterte daran, dass ich angefangen habe mich zu informieren :), wie man einen Roman schreibt. Dann habe ich mir das Buch gekauft "Wie man einen verdammt guten Roman schreibt" Letztendlich bin ich jetzt bei dem fünften Versucht.

    Und dieser Blog, ist einfach genial. Ich habe mich noch nie so extrem mit einer Sache auseinander gesetzt wie mit dem Schreiben einer Geschichte oder eines Romans.
    Ich liebe die Elles Bücher und verschlinge sie in einem durch. Dass wiederrum hat mich auf diese Homepage kommen lassen und durch Zufall zu diesem Blog.
    Vor drei Jahren noch, hätte ich nicht gedacht, dass ich mich mal wirklich stärker für die Art zu schreiben interessieren könnten. Seit dem ich die Kommentare und Eintragungen verfolge hat sich meiner Art zu schreiben und mein Interesse deutlich verändert. Mein Schreibstiel war total hölzernd und stellenweise langweilig. Aber so langsam entwickelt er sich. Ich würde sagen zum positiven.
    Ich bin mal gespannt wie weit mich diese ganze Sache hier fesseln wird. Jedenfalls schaue ich kaum noch Fernseh. :) Ich hänge meisten vor dem Rechner und versuche jeden Tag zu schreiben, sowie es Ruth vorgeschlagen hat.
    So dass wollte ich einfach mal los werden. Danke
    Gruß
    Heike

    Mittwoch, 29. August 2007 20:41
  • Julia

    Permalink

    So, ich dachte, ich muss mich auch mal an eine Schreibübung wagen, und habe mir diese ausgesucht. Ich fand das klang sehr interessant und spannend. Vielleicht hat ja jemand Lust, die wirklich kurze Szene zu kommentieren. Ich würde mich freuen.
    Sie starrte das Telefon an, das vor ihr auf dem Tisch lag. Aber es erbarmte sich nicht. Es wollte einfach keinen Laut von sich geben.
    Zusammengekauert saß Marie auf der Couch, ihre angewinkelten Beine engumschlungen. Schon seit Stunden verharrte sie regungslos in dieser Position, fand einfach keine Kraft, sich auch nur einen Zentimeter zu bewegen. Sie würde ganz bestimmt anrufen, es würde nicht mehr lange dauern. Das konnte doch alles nur ein Missverständnis, eine blöde Verwechslung, sein.
    Der Regen prasselte unaufhörlich gegen das Fenster.
    Ihr Blick fiel auf das Foto an der Wand. Nur wenige Sekunden hielt sie dem Abbild ihrer Geliebten stand. Sie spürte einen Messerstich, der sich tief in ihre Brust bohrte. Er nahm ihr die letzte Luft zum Atmen.
    Sie wandte ihre geröteten und geschwollenen Augen von Lauras Portrait ab und versteckte ihr Gesicht hinter ihren Händen. Sofort nahmen ihre Finger die erneut aufkommende Feuchtigkeit hinter ihren Lidern war, kleine Tränen kullerten ihre Wangen hinunter.
    Wieso hatte sie ihr das angetan?
    Marie schluchzte. Ihre Kehle schnürte sich zusammen. Sie fehlte ihr so sehr. Die Sehnsucht verzehrte sie, schien ihr das Herz zu zerreißen.
    Es wurde einfach nicht später. Die Zeit stand still. Jede Sekunde dauerte eine Ewigkeit.
    Sie schniefte in das längst zerknülltes Taschentuch, das nicht ausreichte den Sturzbach aus Tränen aufzuhalten. Ihr ganzer Körper zitterte.
    Sie waren doch unzertrennlich gewesen, für einander bestimmt.
    Mit jedem Atemzug konnte sie Lauras betörenden Duft einatmen. Ihren Lungen brannten.
    Ganz deutlich sah sie Lauras Bild vor sich. Sie konnte sie spüren, ihre Berührungen hinterließen ein schmerzendes Brennen auf ihrer Haut. Nur festhalten konnte sie Laura nicht, so sehr sie sich auch bemühte.
    Sie war fort, für immer. Niemals würde sie sie wieder in die Arme nehmen können, niemals würde sie sie noch ein einziges Mal sehen können.
    Nein. Das konnte einfach nicht stimmen. Es war nicht Laura, es musste eine andere Frau gewesen sein, die sie aus dem brennenden Autowrack gezogen hatten.
    Laura würde sich gleich melden, es war alles bloß ein Alptraum.

    Freitag, 7. März 2008 17:30
  • Rico Feiner

    Permalink

    und wenn ich schlicht vielzuviel stoff in petto habe, und aus diesem gedankendschungel nicht herausfinde? einfach "irgendwo" beginnen draufloszuschreiben?

    Samstag, 18. Juni 2011 10:11

Übungen

  • 5 Wörter – Teil 1 +

    Wie fange ich eigentlich an zu schreiben? Was muß ich beachten? Das sind so die zentralen Fragen, die man sich Weiterlesen
  • 5 Wörter – Teil 2 +

    So, hier sind sie, die nächsten fünf Wörter, aus denen Sie die Story Ihres Lebens machen können. Weiterlesen
  • 5 Wörter – Teil 3 +

    Es ist wieder einmal Samstag, und das bedeutet neue Schreibübungen für diejenigen, die an ihrem Stil feilen wollen.Hier die Wörter Weiterlesen
  • 5 Wörter – Teil 4 +

    Neue Wörter für die Schreibinteressierten:Baum, Mauer, Blumenvase, Kaffeemaschine, Rolltreppe Ich bin schon gespannt auf die Geschichten. Weiterlesen
  • 5 Wörter – Teil 5 +

    Da die ausgewählten Wörter anscheinend so anregend sind und so schöne Schreibübungen hervorgebracht haben, freue ich mich, die nächsten fünf Weiterlesen
  • Die 250-Wörter-Challenge +

    Jeden Tag 250 Wörter, dann hat man Ende des Jahres einen Roman. Diese Idee von Catherine Fox greife ich hier Weiterlesen
  • Die 48-Minuten-Herausforderung +

    Es gibt immer wieder neue Methoden, die beim Schreiben helfen sollen. Eine davon ist der Vorschlag, in Abschnitten von exakt Weiterlesen
  • Die verfluchte erste Zeile! – Teil 1 +

    Ich weiß ja schon, worüber ich schreiben will. Ich weiß es ganz genau. Aber die erste Zeile, die fällt mir Weiterlesen
  • Die verfluchte erste Zeile! – Teil 2 +

    Und schon geht es weiter. Eine neue erste Zeile für den nächsten Roman oder die nächste Kurzgeschichte aus Ihrer Feder. Weiterlesen
  • Die verfluchte erste Zeile! – Teil 3 +

    Hier ist die dritte erste Zeile:Ich werde einen langen Brief an Mutter schreiben und ihr erzählen, was geschehen ist.Da wird Weiterlesen
  • Die verfluchte erste Zeile! – Teil 4 +

    Die vierte erste Zeile: In der Hitze dieser Nacht hätte alles geschehen können.   Weiterlesen
  • Die verfluchte erste Zeile! – Teil 5 +

    Die fünfte erste Zeile: Als ich sie sah, wusste ich, dass dieser Sommer entweder wundervoll oder furchtbar werden würde. Weiterlesen
  • Drabble – Eine Geschichte in 100 Wörtern +

    Kann man eine Geschichte in 100 Wörtern erzählen? 100 Wörter sind extrem wenig, und die Geschichte sollte Anfang, Mitte und Weiterlesen
  • Lass die Geschichte von der App schreiben +

    Ganz so einfach, wie der Titel sagt, ist es nicht, aber Richard Norden hat auf seinem Blog eine App vorgestellt, Weiterlesen
  • Schriftstellertraining, 1. Übung +

    Eines der schwierigsten Dinge beim Schreiben ist das Anfangen. Wie fange ich an? Womit? Wann schreibt es sich am besten? Weiterlesen
  • Schriftstellertraining, 2. Übung +

    Schreiben ist in erster Linie Handwerk. Damit verkünde ich nichts Neues, das habe ich selbst schon Dutzende Male gesagt, und Weiterlesen
  • Schriftstellertraining, 3. Übung +

    Gefühle. Gefühle zu beschreiben ist eine ganz spezielle Kunst. Die beiden ersten Übungen bezogen sich mehr auf Äußerlichkeiten, jedesmal wurde Weiterlesen
  • Schriftstellertraining, 4. Übung +

    Heute einmal keine einzelnen Wörter und kein erster Satz, sondern die Vorgabe für eine kleine Geschichte. Zwei Frauen treffen sich Weiterlesen
  • Virtuelle Romanwerkstatt +

    Gerade stolperte ich über eine ganz interessante Idee, die aber leider schon wieder eingestellt wurde: eine virtuelle Romanwerkstatt, bei der Weiterlesen
  • Wer findet hierzu eine Geschichte (1)? +

    Da wir gerade so gut im Schwange sind, gibt es für diejenigen, die immer noch nicht genug haben ;), eine neue Weiterlesen
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