Immer wieder gern gemachte Fehler

Ich hatte mal einen alten Deutschlehrer – der im Hauptfach ein wunderbarer Musiklehrer war. Er spielte uns ganze Symphonien von Beethoven auf dem Flügel im riesigen Musiksaal vor. Der Flügel stand auf einem Podest, es war wie in einem Konzert –, der immer sagte: »Wer Rhythmus und Chaiselongue nicht richtig schreiben kann, gehört nicht auf eine höhere Schule und schon gar nicht an eine Universität.«


Ebenfalls war er der Meinung, daß es unhöflich und respektlos dem Leser gegenüber ist, wenn man Kommata nicht hundertprozentig richtig setzt. Kommata an der richtigen Stelle erleichtern das Lesen enorm. Fehlen sie, muß man immer wieder absetzen, um den Sinn des Satzes zu erfassen.

Als er merkte, daß wir in der zehnten(!) Klasse die Kommaregeln immer noch nicht richtig beherrschten (vorher hatten wir keinen so guten Deutschlehrer), paukte er ein halbes Jahr lang (sic!) in jeder Deutschstunde mit uns, wie und wo Kommata gesetzt werden müssen.

Ich bin ihm heute noch dankbar dafür.

Leider sind nicht alle Deutschlehrer so, und heutzutage ist es ja auch schwierig, wo es nicht einmal mehr klar ist, welche Regeln eigentlich noch gelten und welche nicht.

Grundsätzlich gilt: An den meisten Kommaregeln hat sich durch die neue deutsche Rechtschreibung nichts geändert.

Man muß sich auch nicht mit allen Regeln auskennen. Es gibt aber ein paar, die man beachten sollte.

Die erste und wichtigste ist:

Kommata trennen Haupt- und Nebensatz voneinander.

Beispiel: Ich sah sie, als ich mich umdrehte.

»Ich sah sie« ist der Hauptsatz. »Als ich mich umdrehte« ist der Nebensatz.

Wie ich gestern schon in einem Kommentar bemerkte, ist es oft nicht einmal notwendig, die Regel zu kennen. Man kann sehr gut herausfinden, wo ein Komma hingehört, wenn man sich seinen eigenen Text laut und langsam vorliest. Dort, wo man beim Lesen eine Pause macht oder wo die Stimme sich hebt oder senkt, gehört ein Satzzeichen hin. Sofern es kein Punkt ist (Fragezeichen, Ausrufezeichen usw. lassen wir bei unserer Betrachtung einmal außen vor), ist es normalerweise ein Komma, das diese Stelle füllen muß.

Das Komma steht auch zwischen Hauptsatz und Hauptsatz, wenn zwei Hauptsätze hintereinander stehen.

Beispiel: Sie trank ihren Kaffee, und dann ging sie ins Büro.

Beide Sätze, »Sie trank ihren Kaffee« und »Sie ging ins Büro«, sind Hauptsätze, und sie sind auch noch durch ein »und« verbunden. Da läßt man das Komma gern einmal weg. Es muß jedoch dort stehen.

Es gibt noch mehr Regeln, die fünf wichtigsten sind auf der Internetseite »Kommaregeln« zusammengefaßt. Wenn Sie diese fünf Regeln beachten, werden Sie in 99 Prozent der Fälle die Kommata richtig setzen. Das reicht.

Sie müssen also nicht ein ganzes Sammelsurium von Regeln auswendig lernen, um Ihre Zeichensetzung zu verbessern.

Seien Sie höflich und respektvoll Ihren Leserinnen gegenüber, und achten Sie darauf, daß Sie ihnen das Lesen durch die richtige Kommasetzung erleichtern.

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