Gegenwart oder Vergangenheit?

Unser Wettbewerb ist vorbei, also haben wir jetzt Zeit, uns wieder dem Tagesgeschäft zuzuwenden.

Ich unterhielt mich letztens mit einer Kollegin, die sogenannte »freche Frauenromane« schreibt (ehrlich gesagt ein Genre, das mir nicht wirklich etwas gibt), und zwar schreibt sie sie alle im Präsens, in der Gegenwartsform.

Ich fragte sie, weshalb sie das tue, denn ich finde das beim Lesen eher störend, aber sie meinte nur: »Das ist eben meine Art«. Anscheinend hat sie also gar keinen Grund dafür, warum sie sich diese Form ausgesucht hat. Vielleicht kann sie auch einfach nicht anders, weil es eben einem Tagebuch gleicht, wenn man so schreibt, und das fällt vielen wohl zuerst einmal leichter als einen richtigen Roman zu schreiben. Sie erzählen einfach aus ihrem eigenen Leben. Diese Autorin auch.

Warum tut man das? frage ich mich.

Es ist klar, warum viele Amateure das tun: sie können es nicht besser. Es gibt keine Geschichten, die in ihrem Kopf entstehen. Sie können nur darüber schreiben, was sie erlebt haben. Und das ist Tagebuch. Das ist verständlich und nachvollziehbar (wenn auch nicht für eine Veröffentlichung geeignet), aber warum tut eine Autorin das, die immerhin schon drei Bücher veröffentlicht hat? Sie sollte ein Profi sein und deshalb auch professionell arbeiten.

Nicht einmal, als ich anfing zu schreiben, habe ich mich der Gegenwartsform bedient. Ich habe immer in der Vergangenheitsform, dem Präteritum, geschrieben. Es erschien mir ganz natürlich, denn alle Bücher, die ich gelesen hatte, waren ebenso geschrieben, ob »Vom Winde verweht« oder »Effi Briest«, ob sogenannte Unterhaltungsliteratur oder »hohe« Literatur – kein ernsthaft schreibender Schriftsteller und keine ernsthaft schreibende Schriftstellerin schrieb ihre Romane im Präsens, das schien ihnen selbstverständlich und so auch mir.

Vielen scheint diese Denkweise jedoch fremd zu sein. Nicht nur, daß sie im Präsens schreiben – nein, sie wechseln auch noch wild zwischen den Zeiten hin und her, mal Gegenwart, mal Vergangenheit, manchmal vielleicht sogar Zukunft, und dann auch mal Indikativ und mal Konjunktiv, sogar mal Aktiv und mal Passiv, ohne jeden ersichtlichen Grund.

Ganz sicher ist das zum Teil wieder einmal der mangelnden Schulausbildung zu schulden. Offenbar lernen viele in der Schule heutzutage nicht mehr, die deutsche Sprache korrekt anzuwenden. Und bevor wieder alle auf den Lehrerinnen und Lehrern rumhacken: die können nichts machen, wenn Kinder und Jugendliche in die Schule kommen mit der Einstellung »Schule interessiert mich nicht«.

Ich verstehe diese Einstellung nicht, habe sie nie verstanden, ich fand Schule immer spannend. Jeden Tag etwas Neues zu lernen war für mich damals das schönste auf der Welt. Es ist mir ein Rätsel, warum Kinder sich nicht für das Lernen interessieren, denn was gibt es als Kind Wichtigeres?Aber so ist es nun einmal: Viele Kinder verbauen sich schon in frühester Jugend alle ihre Chancen fürs Leben, weil sie einfach nicht lernen wollen und anscheinend nicht erkennen, wie wichtig Schule ist, warum auch immer.

Also die Kinder interessieren sich nicht fürs Lernen und können deshalb Gegenwart nicht von Vergangenheit unterscheiden, weil ihnen einfach die Ausbildung fehlt. Das ist nachvollziehbar. Aber offenbar gibt es auch noch andere Gründe, im Präsens zu schreiben statt in der korrekten Vergangenheitsform, nämlich die, daß einem das einfach gefällt, daß man es persönlich gar nicht nachvollziehen kann, warum man anders schreiben sollte.

Als Beispiel wäre da eine junge Dame zu nennen, die vor einiger Zeit hier im Blog auftauchte, eine kleine Schreibübung hinterließ und dann wieder verschwand. Sie nannte sich Siri und schrieb eine Geschichte aus ihrem Alltag auf, aus der Schule. Sie wackelte mit den Zeiten wild hin und her, wie ich oben schon erwähnte, aber hauptsächlich war es doch Präsens. Die Geschichte an sich war gar nicht so schlecht, aber das Präsens war doch extrem störend.

Interessant war jedoch, daß sie das selbst anscheinend nicht so empfand. Denn als ich sie darauf aufmerksam machte, schrieb sie die Geschichte nicht einfach ins Präteritum um, sondern sie fragte, ob sie nicht wenigstens Teile der Geschichte im Präsens belassen könnte – als ob es ihr eine Herzensangelegenheit wäre, im Präsens zu schreiben, und sie sich kaum davon lösen könnte.

Worauf beruht diese Vorliebe für das Präsens? Liegt es daran, weil Siri in ihrem Leben nicht genug gute Bücher gelesen hat, so daß sie keine korrekten literarischen Vorbilder hat? Oder liegt es daran, daß das Präsens einfacher zu schreiben ist, wenn man anfängt zu schreiben? Gibt es eventuell noch andere Gründe?

Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, aber vielleicht wissen es ja Leserinnen dieses Blogs, die dasselbe Problem haben oder hatten wie Siri. Dann wäre ich für Hinweise dankbar.

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  • Ina
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  • Ruth Gogoll
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  • Julia
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    Ja, ich habe da noch einige Teile geplant, zum Aufbau eines Romans und auch einer Kurzgeschichte, aber ich komme einfach nicht dazu. Ich muß ja nicht nur »Kathryn und Seven« schreiben – was ich sehr gern tue, aber auch eine Zeitfrage ist –, sondern es sind ja noch ein paar andere Bücher von mir dieses Jahr für die Veröffentlichung geplant ... und die sind auch noch nicht fertig. :-[

    Sonntag, 17. August 2008 13:25
  • Julia

    Permalink

    Meine Meinung zu diesem Thema habe ich ja schon einmal geäußert. Darum soll es jetzt gar nicht gehen und ich hoffe, das wird mir verziehen ;)
    Ich habe eigentlich ein anderes Anliegen und dachte, das wäre das richtige Thema, um es anzubringen.
    Das war nämlich, soweit ich es finden konnte, der letzte Beitrag der "Schreibwerkstatt". Da wollte ich doch mal fragen, ob irgendwann mal was neues kommt oder eine neue Schreibübung.

    Liebe Frau Gogoll, ich will Sie ja wirklich neben der ersehnten Fortsetzung von Kathryn und Seven nicht noch zusätzlich unter Druck setzen ;), aber über ein paar neue Ratgeber und Tipps würde ich mich doch seeeeeehr freuen ;D. Was nicht heißt, dass ich die anderen Beiträge nicht auch immer sehr gerne lese und verfolge.

    Liebe Grüße
    Julia

    Samstag, 16. August 2008 17:03
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    Gegen szenisches Präsens ist absolut nichts zu sagen, und ganz sicherlich ist Präsens auch in manchen Texten angebracht und wird als positiv empfunden, wenn es bewußt eingesetzt wird, um z.B. Szenen voneinander abzusetzen oder Perspektiven. Das ist absolut legitim. Aber viele Texte von noch nicht so erfahrenen Schreiberinnen setzen das Präsens nicht bewußt ein, sondern sie schwanken einfach von Satz zu Satz, manchmal sogar von Wort zu Wort, zwischen Präteritum und Präsens, manchmal sogar noch zwischen mehr Zeitformen. Das geschieht unbewußt und wird nicht als Stilmittel eingesetzt, sondern es ist einfach der mangelnden Schreiberfahrung und der mangelnden Beherrschung des Handwerks der Schreiberinnen zu schulden.

    So etwas muß dann korrigiert werden. Wenn eine erfahrene Autorin verschiedene Zeitformen als Stilmittel einsetzt, ist das ganz etwas anderes, denn eine erfahrene Autorin weiß, was sie tut. Sie schwankt nicht zwischen verschiedenen Zeitformen, weil sie es nicht besser kann, sondern sie will mit der Wahl der Zeitform etwas aussagen. Wenn ihr das gelingt, ist sie sehr gut.

    Wie ich schon einmal sagte: Es kommt immer darauf an, wie gut man als Schreiberin ist. Anfängerinnen sollten sich auf die erzählende Vergangenheit beschränken und diese auch im ganzen Buch durchhalten. Fortgeschrittene dürfen mit Zeiten und Formen experimentieren, weil sie sie schon beherrschen.

    Freitag, 25. Juli 2008 19:19
  • Ina

    Permalink

    Ich bin neu auf dieser Seite, lese jetzt aber schon seit einiger Zeit mit.
    Ich weiß ich bin mit meinem Kommentar auch etwas spät dran.

    Aber ich möchte anmerken, dass in naturalistischen Novellen häufig einzelne Szenen im Präsenz geschrieben sind. Das nennt man "szenisches Präsenz" und dient dazu, einzelne Szenen besonders hervor zu heben. Ein Beispiel dafür: Gerhart Hauptmanns "Bahnwärter Thiel". In der Szene, in der sein Sohn von der Eisenbahn erfasst wird, wechselt er vom Präteritum ins Präsenz.
    (Und bei uns war der Bahnwärter Thiel Schullektüre)

    Ich persönlich bevorzuge jedoch auch die Vergangenheitsform in einem Roman oder in einer Kurzgeschichte, sowohl in denen, die ich lese, als auch in denen, die ich selbst schreibe.

    Ich hoffe man nimmt es mir nicht übel, dass ich mich eingemischt habe,

    mit lieben Grüßen
    Ina

    Freitag, 25. Juli 2008 14:38
  • Franziska

    Permalink

    ... zumindest hier im Blog.
    @ AnnA:
    Leider kann ich mich nicht mehr an alle Romane erinnern, die am Schreibwettbewerb teilgenommen haben. Ich hab also keine Idee, welches Deiner sein könnte oder gewesen sein könnte.
    Aber Dein Auszug hat mich wahrscheinlich so begeistert, dass ich gar nicht gemerkt habe, dass Du im Präsens geschrieben hast oder besser: schreibst (denn Du schreibst ja noch).
    Vielleicht ist es (oder war es) dann ja doch gar nicht so "anstrengend", etwas im Präsens zu lesen, wie ich das hier behauptet hatte?! ;D

    Wie auch immer: An dieser Stelle meinen Glückwunsch zu Deiner guten Platzierung und meinen Respekt! Natürlich gilt der auch allen anderen Autorinnen, die hier am Wettbewerb teilgenommen haben!

    In einem muss ich Dir absolut zustimmen: Schreiben macht ungeheuren Spaß und eine riesige Herausforderung ist es allemal!

    Franziska

    Donnerstag, 8. Mai 2008 0:34
  • Franziska

    Permalink

    Allzuviel Erfahrung habe ich nicht mit Kinderbüchern und lesenden Kindern.
    Aber ich habe einen lesewütigen Neffen (9 Jahre alt). Er verschlingt momentan die Bücher aus der Reihe "Die Zeitdetektive" von Fabian Lenk. Dass ich mit meinem Geburtstagsgeschenk (der erste Band aus dieser Reihe) so einen Treffer landen würde, hätte ich auch nicht gedacht. Inzwischen liest er bereits das zehnte Buch davon.(Ein halbes Jahr ist seit seinem Geburtstag vergangen!)
    Ich habe schon einen Büchervorrat für ihn angelegt. Denn er ruft immer bei mir an, wenn er nichts mehr zu lesen hat. Wozu hat er denn schließlich eine nette Tante!:)
    Und ich schmökere auch immer mal in den Büchern. Ich finde sie sehr ansprechend und spannend geschrieben. Nebenbei wird auch noch Geschichte vermittelt (übrigens im Präteritum).
    Ich hoffe, dass sich mein Neffe seine Freude am Lesen dauerhaft bewahren kann. Ich werde ihn jedenfalls nach Kräften mit Lesefutter unterstützen.

    Es gibt also doch lesende Kinder und gute Kinderbücher!

    Donnerstag, 8. Mai 2008 0:02
  • AnnA

    Permalink

    Schon der Inhalt dieses Satzes ist nicht korrekt. Denn ich schrieb ihn nicht, sondern ich schreibe noch immer daran.
    Ich bin kein Profi. Es ist mein erster Versuch, einen Roman zu schreiben. Wie war das? Erst der siebente Roman bringt den Durchbruch … dann habe ich noch viel Gelegenheit zum üben :>;)!
    Ich brauchte Monate, um herauszufinden warum mir bestimmte Texte, bestimmter Autoren besonders gefallen und dies waren keineswegs autobiografische. Genau, nicht sie gefielen mir, sondern sie gefallen mir ja noch immer.
    Ich habe geschmunzelt, als ich heute den Beitrag von Ruth Gogoll las, dass Texte im Präsens, literarisch gesehen, eher von minderer Qualität sind … oder habe ich da etwas falsch verstanden ;>;)?
    Jedenfalls ist dieses Thema sehr interessant. Ich habe meinen Roman von Präteritum auf Präsens umgeschrieben, als ich entdeckte (das entdeckte ich tatsächlich nur einmal, also entdeckte = Präteritum) warum mir bestimmte Sachen so gut gefallen. Das waren nämlich Texte die im Präsens geschrieben sind (oder heißt es geschrieben wurden?).
    Ich weiß sehr genau, warum ich im Präsens schreibe. Das ist wie in Filmen, man ist unmittelbar dabei. Selbst wenn die Handlung im Mittelalter spielt, läuft das Geschehen in diesem Moment in der Gegenwart ab. Ich stecke mittendrin in der Handlung, die dann sehr lebendig auf mich wirkt. Genauso empfinde ich geschriebene Worte die im Präsens formuliert sind: Ich bin dabei! Hingegen was war ist Vergangenheit: Ich bin nicht dabei!
    Ich war mir von Anfang an sicher, dass dem Verlag sofort auffallen wird, dass meine eingesandte Geschichte zum Romanwettbewerb im Präsens geschrieben ist und damit nicht die Regel.
    Trotzdem bin ich auf mehrere Sachen stolz. Die Leserinnen scheint es nicht gestört zu haben.
    Petra hat das Präsens mit ihren – aus meiner Sicht - kompetenten, kritischen Kommentaren nicht bemängelt. Auch Rechtschreib- und stilistische Fehler waren es nicht, die ihr nicht gefielen. Sondern, sie fand die Geschichte eher nicht so recht glaubhaft. Was der Diskussion, dass in Präsens geschriebene Texten autobiografisch klingen eher widerspricht.
    Franziska, sofern es nicht mehrere Franziskas gibt, fand meine Geschichte auch gut.
    Und sie ist unter den ersten zehn gelandet. Auch darauf bin ich stolz, denn alle die ihre Stimme für mich abgegeben haben, kenne ich nicht, weil überhaupt nur eine Person wusste, dass ich an diesem Wettbewerb teilnahm. Also, so schlecht kann das Präsens dann wohl doch nicht sein!?
    Keinesfalls maße ich mir an, perfekt zu sein. Daher steht demnächst ein Schreibkurs auf meinem Programm. Auch deshalb habe ich am Romanwettbewerb teilgenommen … man kann ja nie wissen … Vielleicht kapiere ich dann endgültig welche Zeitformen eingesetzt werden müssen und wo die Kommas tatsächlich hingehören.

    Mein Fazit: Schreiben bereitet ungeheuren Spaß, bildet und bleibt immer eine Herausforderung!

    Mittwoch, 7. Mai 2008 22:53
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    und wenn man als Leserin Texte im Präsens bevorzugt, wieso nicht?
    Wenn es so wäre, ja. Aber Leserinnen bevorzugen das Präsens in keiner Weise. Schlechte Autorinnen schreiben es aber trotzdem. ;) Ich möchte hier nicht über »Feuchtgebiete« diskutieren und auch nicht über die Autorin. Sie ist sicherlich kein Profi, das heißt aber nicht, daß sie schlecht ist. Zudem gibt es auch schlechte Profis. 8)

    Aber was man natürlich berücksichtigen muß: Charlotte Roche ist eine bekannte Persönlichkeit, das heißt, wenn sie ein Buch schreibt, ist das, wie wenn Dieter Bohlen ein Buch schreibt: Es kann noch so schlecht sein, es wird auf jeden Fall veröffentlicht, im Präsens, Präteritum oder auf dem Kopf stehend, weil der Verlag sich ein gutes Geschäft davon verspricht, daß die Autorin schon vielen Leuten bekannt ist und das Buch auf jeden Fall gekauft wird, unabhängig von seiner Qualität. (Und das hat sich ja auch bewahrheitet, denn das Buch ist ausverkauft.)
    Für eine Anfängerin, eine unbekannte Autorin hätten sie vielleicht etwas mehr Sorgfalt walten lassen oder auch mehr Bearbeitungen, einen Text ohne Präsens etc. verlangt.

    [URL=http://www.welt.de/kultur/article1678008/Charlotte_Roche_verirrt_sich_im_Feuchtgebiet.html]Die Welt[/URL] meint dazu:
    Das freilich sind Ausnahmen, die nicht verdecken, dass der sprachliche Aufwand, den Charlotte Roche betreibt, gering ist und ihre literarischen Mittel sehr begrenzt sind.

    Ob man dieser Meinung folgt oder nicht: Das Präsens ist sicherlich bei manchen, bei durchaus vielen, ein Hinweis auf sprachlich begrenzte Fähigkeiten, nicht aber bei allen, es kommt immer auf das Buch an und darauf, ob die Autorin sich Gedanken darüber gemacht hat, warum sie im Präsens schreibt.

    Meine Kollegin, von der ich im obigen Artikel erzählte, macht sich keine Gedanken darüber, und dementsprechend schlecht sind auch ihre Bücher. (Und ich bin froh, daß ich sie nicht herausbringen muß. ;) ) Ob Charlotte Roche sich darüber Gedanken gemacht hat, weiß ich nicht. Dazu müßte man sie selbst befragen.

    Letztendlich jedoch hängt es vom Verlag ab. Wenn eine Autorin etwas im el!es-Verlag veröffentlichen möchte, sollte sie sich des Präteritums bedienen, denn die Leserinnen von el!es bevorzugen das – und die Verlegerin auch. ;)

    Dienstag, 6. Mai 2008 16:40
  • Juliette

    Permalink

    Auf die Gefahr hin, eine Debatte über den Inhalt zu entfachen (was nicht meine Intention ist), möchte ich ein Beispiel für ein Buch nennen, was teilweise im Präsens geschrieben ist und wie ich finde, gut damit fährt. Ich lese nämlich gerade "Feuchtgebiete", was ja ohnehin derzeit in aller Munde ist. Die Diskussion hier hat mich darauf aufmerksam gemacht. Es gibt in dem Buch eine Haupthandlung, die im Präsens ist und darüber hinaus schweift der Charakter immer wieder in Erinnerungen ab, die dann in der Vergangenheitsform formuliert sind. Ich finde das sehr logisch und übersichtlich und finde die Aversionen gegen das Präsens, die hier im Blog geäußert werden, etwas übertrieben. Das Präsens kann eine Handlung auch durchaus authentisch und spannend machen, finde ich. Ich könnte es mir auch in einer Kurzgeschichte vorstellen. Natürlich möchte ich auch einwerfen, dass die Mehrzahl der Texte, die ich lese oder schreibe, in der Vergangenheit geschrieben sind. Es ist einfach gebräuchlicher und natürlich logischer, wenn es um das Erzählen einer Geschichte geht. Aber wenn hin und wieder ein Text im Präsens ist, finde ich das nicht verwerflich und schon gar nicht dann, wenn der Autor damit einen Effekt erzielen will. Davon abgesehen wäre ich aber als Schreibanfängerin trotzdem nie auf die Idee gekommen, die Mehrzahl meiner Texte im Präsens zu halten. Dennoch finde ich, sollte die Autorin nicht verurteilt werden, die sagt "Das ist eben meine Art". Der Kunde (=die Leserin) ist König und wenn man als Leserin Texte im Präsens bevorzugt, wieso nicht?

    P.S.: Falls jemand gegenargumentieren möchte, dass Charlotte Roche keine Profiautorin ist (weil das ihr Erstlingswerk ist), dann möchte ich dagegen halten, dass sicher mindestens ein erfahrener Lektor den Text vorher gelesen hat. Das Präsens wäre verhindlich gewesen.

    Dienstag, 6. Mai 2008 16:27
  • Ruth Gogoll

    Permalink

    Seit ich mich mit dem Schreiben beschäftige, habe ich das Gefühl, mein Leben ist um einiges reicher geworden.
    Das freut mich. Das freut mich wirklich sehr. Denn ich empfinde es genauso.
    Wobei mir aufgefallen ist, dass "Lateiner" grundsätzlich weniger Probleme haben. Da wird einem die Grammatik ja auch nur so hineingeprügelt
    Das würde ich so nicht sagen. Man ist einfach im Lateinischen mehr auf die Form konzentriert, weniger auf den Inhalt, das schnelle Lesen, wie vielleicht in Deutsch oder Englisch. Dadurch kann man sich intensiver mit der Grammatik beschäftigen, und das ist von großem Vorteil. Ich bin sehr froh, daß ich auf der Schule Latein gelernt habe, und auch Griechisch hätte ich gern noch gelernt, leider wurde das bei uns nicht angeboten. Für Griechisch gilt dasselbe wie für Latein, und dazu muß man noch andere Buchstaben lernen, so daß man sich noch mehr auf die Form konzentriert.

    Wenn man das einmal als kleines Kind (da ist es am einfachsten) gelernt hat, ist das später sehr nützlich für jede neue Sprache, die man lernt. Englisch, Französisch, Italienisch, Spanisch, sogar Russisch und Chinesisch. Wenn man einmal das Prinzip der Grammatik begriffen hat, findet man es in jeder Sprache wieder, und es erleichtert das Sprachenlernen enorm.
    Auf der anderen Seite lesen Jugendliche kaum noch Bücher. Schullektüren muss man nicht mehr lesen, die Zusammenfassungen gibt's ja im Internet.
    Das ist natürlich wirklich ein Riesenproblem, denn gerade das Lesen – viel, viel Lesen – bringt die Übung, die den meisten offensichtlich fehlt. Eine Zusammenfassung gibt niemals den Stil des Autors wieder, seine Besonderheiten beim Schreiben, aus denen man vielleicht etwas für den eigenen Stil lernen könnte. Die Übung des Lesens ist unverzichtbar, denn es geht ja nicht nur um den Inhalt eines Buches, den man vielleicht im Internet nachlesen kann, es geht wirklich um das Handwerk des Schreibens – sogar des einfachen Schreibens, nicht eines Romans, sondern eines Aufsatzes in der Schule. Wie will ich das können, wenn ich nie etwas gelesen habe?

    Was das Präsens in Jugendbüchern betrifft: Das finde ich eine Katastrophe. In Kinderbüchern – okay. Kinder können bis zu einem gewissen Alter (ich glaube, so sechs bis acht Jahre) heute nicht von morgen und gestern unterscheiden, das ist zu abstrakt für sie. Aber Jugendliche ... die sollten das können. Und können es auch. Also ist es eigentlich ein Lustigmachen der Autoren über die Intelligenz der Jugendlichen, wenn sie, die Autoren, dann immer noch für diese Altersgruppe im Präsens schreiben. Sie stellen die Jugendlichen damit geistig auf eine Stufe mit Kindern. Ich würde mich da als Jugendliche auf den Arm genommen fühlen.
    "Wenn der mich abfrägt, bin ich tot" - "Bin ich dran, bin ich viel töter! ... oder wie heißt das? Töter? Toter?" Nach 'ner Weile einigten sie sich auf "tot, töter, am tötesten".

    Vielleicht ist es dann für viele wirklich einfacher im Präsens zu schreiben ...
    Oder es ist um so dringender, daß sie etwas Anständiges in der Schule lernen.
    »Abfrägt« allein schon ist falsch, das Wort »frägen« gibt es im Deutschen nicht. Von der falschen Steigerung von »tot« einmal ganz zu schweigen.

    Dienstag, 6. Mai 2008 11:24
  • Nicole

    Permalink

    Ich glaube, zum Teil wird in der Schule nicht genug geübt. "Grammatik" steht in jedem Schuljahr auf dem Lehrplan, wird aber irgendwann von den Lehrern ignoriert. Wobei mir aufgefallen ist, dass "Lateiner" grundsätzlich weniger Probleme haben. Da wird einem die Grammatik ja auch nur so hineingeprügelt 8)
    Auf der anderen Seite lesen Jugendliche kaum noch Bücher. Schullektüren muss man nicht mehr lesen, die Zusammenfassungen gibt's ja im Internet. Und viele Jugendbücher sind wirklich im Präsens geschrieben. Wobei das zum Teil sehr unterhaltsam sein kann, wenn Männer auf einmal so tun, als wären sie pubertierende Mädchen ... ich frag' mich immer, ob das 'ne Satire sein soll oder ob das irgendjemand tatsächlich ernst nimmt.

    Und dann ist das Internet noch ein gewaltiges Problem. Ich durfte mal neben jemandem sitzen, der, sobald er etwas witzig fand, "lol" sagte.

    Interessant war's auch mal vor dem Physiksaal, 11. Klasse, Gymnasium:
    "Wenn der mich abfrägt, bin ich tot" - "Bin ich dran, bin ich viel töter! ... oder wie heißt das? Töter? Toter?" Nach 'ner Weile einigten sie sich auf "tot, töter, am tötesten".

    Vielleicht ist es dann für viele wirklich einfacher im Präsens zu schreiben ...

    Dienstag, 6. Mai 2008 3:08
  • Franziska

    Permalink

    Geschichten im Präsens zu lesen, finde ich anstrengend. Und noch anstrengender ist es, glaube ich, in dieser Zeitform zu schreiben. Wenn ich so schreiben sollte, würde ich mich wohl wie eine gegen den Strich gebürstete Katze fühlen.

    Erzählt man eine Geschichte, ist sie doch bereits geschehen. Sonst könnte man sie ja nicht erzählen. Wenn man sich unterhält, redet man ja auch über Vergangenes in der Vergangenheitsform (allerdings selten im Präteritum) oder man denkt über Zukünftiges nach. Aber in den seltensten Fällen spricht man in der Gegenwartsform. Das macht nur der Sportreporter oder ein anderer Berichterstatter. Kochrezepte sind auch häufig im Präsens geschrieben.

    Ich glaube, ich habe auch noch nie einen Roman im Präsens gelesen.
    Wenn jemand so schreibt, will er sich vielleicht durch einen "besonderen Stil" von anderen AutorInnen abheben? Das wäre eine mögliche Erklärung für mich.

    Ich muss mich aber Julias Kommentar anschließen, denn auch ich habe manchmal in meinen Geschichten Probleme, die Zeiten richtig anzuwenden. Gerade in Rückblenden oder Gedanken, die in die Vergangenheit schweifen, verliere ich schon mal den Überblick. Ob das nun an mangelnder Schulbildung liegt, weiß ich nicht mehr - ist wohl schon zu lange her. ;)
    Aber seit ich hier im Blog lese und fleißig schreibe (erstmal nur für meinen Hausgebrauch), habe ich schon viel dazu gelernt, was das Schreibtechnische und auch Rechtschreibung und Grammatik betrifft. Denn hier gibt es ja immer viele gute Ratschläge, Tipps und Tricks von Frau Gogoll.
    Dafür an dieser Stelle meinen Dank!

    Seit ich mich mit dem Schreiben beschäftige, habe ich das Gefühl, mein Leben ist um einiges reicher geworden.


    Franziska

    PS: Ich komme mit den Smileys nicht zurecht. Wollte nachträglich noch einen einfügen, aber das ist wohl nicht gelungen, oder? Der klemmt jetzt ganz unten. Hab dann eben einen in Textform eingesetzt.


    ;)

    Dienstag, 6. Mai 2008 1:15
  • Katrin L.

    Permalink

    Eine Geschichte oder ein Roman im Präsens ist fürchterlich. Da kann man sich gar nicht richtig reinlesen oder sich damit wohlfühlen.
    Ich finde es wesentlich spannender, etwas erfundenes zu schreiben als etwas autobiographisches (obwohl mein Leben überhaupt nicht langweilig ist). Am besten ist immer noch eine kleine Alltagssituation, die das Leben schreibt und das dann einfach weitergesponnen. Und das im Präteritum.

    Montag, 5. Mai 2008 21:49
  • Julia

    Permalink

    Zunächst einmal: ich freue mich, dass das "Tagesgeschäft" wieder weiter geht :). Habe es ja doch vermisst die letzten Wochen morgens hier etwas spannendes neues zu entdecken.

    Nun zum Thema:
    Ich persönlich wäre irgendwie auch nie auf die Idee gekommen im Präsens zu schreiben und finde Geschichten im Präsens zu lesen, auch meist sehr seltsam. Deswegen kann ich natürlich auch nicht erklären, wieso jemand das macht.
    Allerdings finde ich es generell schon schwer, die Zeiten richtig anzuwenden. Besonders mit Plusquamperfekt und auch mit dem Konjunktiv tue ich mich manchmal sehr schwer. Wobei ich auch glaube, dass ich das tatsächlich in der Schule (so lange ist es auch noch nicht her....) nicht anständig gelehrt bekommen habe, denn eigentlich habe ich immer gut aufgepasst ;)

    Tja, insgesamt ärgere ich mich oft über meine mangelnden Rechtschreib- (das insbesondere) und Grammatikkentnisse. Aber man kann ja immer noch etwas dazu lernen! ;D

    Samstag, 3. Mai 2008 12:46

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