NaNoWriMo 2019 – Preptober

Da der NaNoWriMo am 1. November beginnt, versuchen sich einige der Teilnehmerinnen schon im Oktober darauf vorzubereiten, einen Plot zu schreiben, eine ihrer vielen Ideen einzufangen und schon einmal zu überprüfen, ob sie für ein Buch von 50.000 Wörtern oder mehr reicht usw. Dafür haben die „WriMos“ den Begriff „Preptober“ geprägt, also den „Vorbereitungsoktober“ auf Deutsch, wenn man so will.

Alexa Donne ist eine der vielen, die schon jahrelang am NaNoWriMo teilnehmen, nur ist sie – wie ich – eine Bauchschreiberin, und da ist der Preptober eigentlich sinnlos, weil wir ja nichts vorbereiten, sondern einfach drauflosschreiben. Oder? Sie ist eine der wenigen, die tatsächlich einen Verlag für eines ihrer Bücher aus dem NaNoWriMo gefunden hat. Sie hat eine Art „Jane Eyre im Weltall“ geschrieben. Was auch wieder zeigt, dass es keine neuen Ideen gibt. 😉

Jedenfalls hat sie in diesem Video hier ein paar Punkte aufgezählt, mit denen auch „Pantser“ den Preptober nutzen können.

1. Welche Idee auch immer dir in den Sinn kommt, denk dir wenigstens drei dicke Konflikte aus. Bedeutungsvolle Konflikte, nicht einfach irgendetwas, damit die 50.000 Wörter gefüllt werden. Ein zentrales Geheimnis und eine zentrale Liebesgeschichte sollten auf jeden Fall dabeisein.

2. Plane mindestens die ersten 2-3 Tage des NaNoWriMos, sodass du weißt, was du da schreiben willst. Und werde dir klar darüber, was dein Inciting Incident ist. Auf Deutsch könnte man das vielleicht mit „in Gang setzendes Ereignis“ übersetzen. Üblicherweise ist das die erste Begegnung der beiden für die Zukunft als Liebende geplanten Figuren. Aber diese erste Begegnung sollte natürlich spannend und möglichst auch schon konfliktreich sein.

Alexa Donne schlägt hier in ihrem Video vor, dass es mindestens drei Szenen sein sollten, die zum Inciting Incident hinführen, und das wären dann die ersten 3 Szenen im NaNoWriMo und damit auch die ersten 3 Tage im NaNoWriMo, denn dort sollte man ja 1667 Wörter pro Tag schreiben.

3. Diesen Punkt nennt sie „Getting the bare essentials of your story down“. Also sozusagen die Kernideen oder das Kerngerüst, die Hauptideen oder worum es hauptsächlich geht, mal in einer stichwortartigen Liste aufschreiben. Sie gibt da als Tipp, das ganze Buch in einem Satz zusammenzufassen, womit alles über die Geschichte gesagt wird. Auch nicht unbekannt für uns und auf jeden Fall nützlich. 🙂

Im Englischen nennt man das oft auch „Elevator Pitch“, was bedeutet, wenn man nur die kurze Fahrt in einem Aufzug hat und will seine Geschichte einem Verleger oder Filmproduzenten verkaufen, was würde man dann sagen, damit man sein oder ihr Interesse erweckt? Am besten vor allem den Konflikt in den Vordergrund stellen. Wenn ich den im „Elevator Pitch“ nicht als spannend verkaufen kann, dann wird die Verlegerin oder Filmproduzentin wohl aus dem Aufzug aussteigen, ohne meine Geschichte auch nur eines weiteren Gedankens zu würdigen.

4. Wer sind die Hauptcharaktere? Das kann man sehr gut mit der Romanschreibsoftware Bibisco machen. Was macht die Figuren interessant und spannend? Wie will ich sie einführen, wie will ich sie beschreiben, wie will ich sie entwickeln? Was ist ihr Anfangszustand und wo will ich sie am Ende des Buches haben?

Meines Erachtens müsste das eigentlich Punkt 1 sein, denn wie soll ich wissen, was der Konflikt ist, wenn ich noch nicht einmal weiß, wer die Figuren sind?

5. Was ist der große Wendepunkt in der Mitte des Romans? Wie kracht es da und warum? Was ist der Höhepunkt der Geschichte im 3. Akt?

Sie beschreibt das wie eine Straßenkarte. Man weiß, wo man am Anfang ist, man weiß, wo man hin will, und am besten weiß man auch, wenn man beispielsweise 2 Tage unterwegs ist, wo man übernachten will. 😉

Sie redet dann noch eine ganze Weile über Scrivener und dass man dort jeden Tag in eine Liste eintragen kann im Voraus, da hat man dann wie in der Word-Navigation einfach jeden Tag links auf der Navigationsleiste stehen, und da Scrivener jeden Tag die Wörter zählt, die man geschrieben hat, sieht man eben, ob man jeden Tag sein Ziel von mindestens 1667 Wörtern erreicht hat, ob man voraus ist oder hinterherhinkt.

Das kann man aber mit jedem Programm machen, mit einem Tabellenkalkulationsblatt, wo man jeden Tag die Anzahl der Wörter einträgt, die man geschrieben hat z.B noch besser. Das mache ich. Und dann wird es automatisch zusammengezählt und mir wird auch ausgegeben, wie lange ich noch brauche, bis ich mein Ziel erreicht habe usw.

Es ist auch tröstlich zu sehen, dass man nicht jeden Tag schreiben kann, dass man mal tagelang nichts geschrieben hat, mal sehr wenig, dann wieder durchschnittlich viel oder sehr viel. Und dass man sein Ziel erreichen kann.

Hier noch einmal eine der bekannten Statistiken aus meiner NaNoWriMo-Teilnahme im November 2018, mit Excel erstellt. Ich trage jeden Tag die Anzahl der Wörter ein, dann rechnet Excel mir den Rest aus:


So ist es dann auch noch Jahre später möglich zu wissen, wie viele Wörter man an welchem Tag geschrieben hat. 😉 Ist natürlich nicht wirklich wichtig, aber ich sehe, hier hatte ich wohl am 4. November dann den Meilenstein 10.000 Wörter erreicht.

Der Preptober ist eine Art mentale Vorbereitung auf den harten NaNoWriMo-November, und das kann einem dann schon sehr helfen. Für alle, die dieses Jahr am NaNoWriMo teilnehmen wollen, ist es auch eine gute Gelegenheit, schon im Voraus einzuschätzen, was auf sie zukommt. Denn wenn man im „Preptober“ beispielsweise gar keine Idee findet, zu der man im November dann einen Roman schreiben will, hat es dann überhaupt einen Sinn, am NaNoWriMo teilzunehmen?

Das ist sicherlich auch der Grund, warum sich der „Preptober“ überhaupt entwickelt hat, denn von Anfang an gab es den nicht. Da wurde einfach nur der 1. November als Starttag festgelegt, und los ging’s. Aber dann haben viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer gemerkt, dass es eben doch nicht so einfach ist, einen Roman zu schreiben. Sie blieben nach ein paar Tagen im NaNoWriMo hängen und wussten nicht mehr weiter. Wenn man noch nie einen Roman geschrieben hat und immer nur Romane liest, ist man mit einem kleinen Roman vielleicht nach 2-3 Stunden mit Lesen fertig. Also braucht man doch auch nicht viel länger, um einen zu schreiben, oder? 😎 Und sowieso ist das alles ja ganz einfach. Liest sich doch ganz leicht weg.

Das ist jedoch ein großer Irrtum. Lesen ist reiner Konsum. Das ist, wie wenn man ein Glas Cola trinkt. Deshalb weiß man noch lange nicht, wie man Cola produziert. 😉 Glücklicherweise ist es einfacher, am NaNoWriMo teilzunehmen als hinter das Geheimnis der Cola-Rezeptur zu kommen. Man muss sich einfach nur auf der Startseite des deutschen NaNoWriMo anmelden, kostenlos und unverbindlich.

Und dann wird man sehr schnell feststellen, dass Romane schreiben harte Arbeit ist und nichts mit Romane lesen zu tun hat. 🤓

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