Ruth Gogoll: Von der Lust geblendet

10

»Hör auf! Ich muss zum Dienst!« Lachend schob Ker Adriane ein wenig von sich fort. Allerdings nur ein ganz klein wenig, denn mehr konnte sie nicht ertragen, wenn sie beide zusammen im Bett lagen.

»Ach, tatsächlich? Ist dein Dienst so wichtig?« Adrianes Lippen fuhren über ihren Körper, als würden sie mit jeder Berührung ein Netz weben, das sie gefangenhielt.

»Ja.« Erneut schob Ker sie lachend von sich, und doch war es kaum eine entschiedene Geste zu nennen. »Es ist wichtig!«

»Wichtiger als das hier?« Schnell hüpfte Adrianes Mund von einer von Kers Brustwarzen zur anderen und verwöhnte sie jeweils mit einem Zungenkuss, bevor ihre Zunge ihre Arbeit in Richtung von Kers Bauchnabel fortsetzte und eine schlangengleiche Spur hinterließ.

»Nein.« Ker stöhnte auf. »Aber ich muss trotzdem gehen.«

Alles in ihr zog sich zusammen, kribbelte, sehnte sich danach, hierbleiben zu dürfen, obwohl sie die ganze Nacht hier verbracht hatte und kaum eine Sekunde davon geschlafen. Manchmal fragte sie sich, woher Adriane die Energie nahm. Und sie selbst auch.

»Doch nicht sofort«, flüsterte Adriane.

Sie ließ nicht nach, glitt immer weiter nach unten, und irgendwann hatte Ker keine Kraft mehr, sich zu wehren. Sie gab einfach auf und überließ sich einmal mehr Adrianes spürbarer Erfahrung, die ihr heute Nacht schon so viel Lust bereitet hatte.

Als Adrianes wundervoll warmer und weicher Körper sich wieder an ihr nach oben schob, keuchte Ker immer noch schwer, aber sie nahm sich fest vor, ihre Absicht, aufstehen zu wollen, diesmal in die Tat umzusetzen. Verteidigend hielt sie beide Hände vor ihre Brüste, da Adriane Anstalten machte, sie gleich wieder in den Mittelpunkt ihres Interesses zu stellen. »Nein, nicht mehr«, wehrte sie beinah kichernd ab, weil Adriane sie nun kitzelte. »Ich kann nicht mehr! Und wenn Marita das sieht, macht sie mich fertig.«

»Seid ihr denn nun bald fertig?«, nahm Adriane den Faden auf. »Du sagtest doch, der Fall würde wahrscheinlich demnächst zu den Akten gelegt.«

Ker zuckte die Schultern. »Ich weiß nicht genau, wie weit Marita ist. Ich bin nicht mehr mit dem Fall betraut.«

Adrianes Augen öffneten sich weit zu zwei blau strahlenden Sternen. »Was soll das heißen: Du bist nicht mehr mit dem Fall betraut?«

Etwas bedripst schaute Ker sie an. »Ich musste meinem Chef sagen, dass wir –« Sie machte eine bezeichnende Geste mit einem Finger, der zuerst auf Adriane wies, dann zurück auf sie selbst und zuckte erneut die Achseln. »Und das führt automatisch dazu, dass man vom Fall abgezogen wird.« Nicht ganz unzufrieden lächelte sie. »Aber zumindest muss ich nun kein schlechtes Gewissen mehr haben, wenn wir uns treffen.«

Ernüchtert ließ Adriane sich auf den Rücken fallen. »Warum hast du mir das nicht gesagt?«

Diese Reaktion hatte Ker nicht erwartet. Sie drehte sich auf einen Ellbogen und schaute Adriane an. »Freut dich das denn nicht? Oder wäre es dir lieber gewesen, er hätte mir verboten herzukommen, ich hätte nicht einmal mehr mit dir reden dürfen?«

Die Frage beantwortete Adriane zuerst einmal nicht. Sie schien zu überlegen. »Nein, natürlich nicht«, sagte sie dann, aber es klang mehr wie eine mechanische Erwiderung, weil sie Ker nicht zu lange warten lassen wollte. So wie man »Ach ja?« oder »Wie interessant« sagt, wenn jemand ununterbrochen redet und man eigentlich gar nicht zuhört.

»Marita ist noch nicht zufrieden«, erklärte Ker unbehaglich. »Ich hätte den Fall schon längst zu den Akten gelegt. Schließlich war nach deiner letzten Aussage klar, dass du dich nur verteidigt hast. Das ist Notwehr und kein Grund für eine Strafverfolgung.«

»Aber sie glaubt das nicht?«, fragte Adriane, immer noch wie in Gedanken versunken.

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