Ruth Gogoll: Wespennest

»Das heißt, wir müssen ihren Bekanntenkreis durchforsten«, sagte Ingo. »Wenn sie nach ihrer Mutter kommt – so, wie du sie beschrieben hast –, könnte sie eine ganze Menge Liebhaber gehabt haben.«

Schmunzelnd zog Renni die Augenbrauen zusammen. »Männer. Ihr denkt immer nur an das Eine.« Sie schüttelte zweifelnd den Kopf. »Sie war vielleicht nicht die sympathischste Person, aber sie war eine aufopferungsvolle Mutter. Sie hat sich um ihren Sohn gekümmert, ist regelmäßig arbeiten gegangen, und auch wenn sie wenig Geld verdient hat, sieht ihre Wohnung nicht so aus, als hätte sie sie verkommen lassen. Wenn Klaus Fellbach seinen Verpflichtungen nachgekommen wäre und Alimente gezahlt hätte, hätte es nicht besser aussehen können. Das heißt, sie hat aus sehr wenig sehr viel gemacht. Das finde ich schon ziemlich bewundernswert.«

Ingo blickte sie erstaunt an. »Ich dachte wirklich, du magst sie nicht. Da habe ich mich wohl getäuscht.«

»Überhaupt nicht.« Renni stand auf, steckte die Hände in die Hosentaschen und fing an herumzulaufen, um besser denken zu können. »Aber man muss jemanden nicht mögen, um seine Leistung anzuerkennen.« Nach ein paar Schritten blieb sie stehen. »Was für ein Motiv könnte irgendjemand haben, Janina Fellbach umzubringen?«

»Sie ist der verrückten Psychopathin über den Weg gelaufen, als die Klaus Fellbach umgebracht hat«, schoss Ingo sofort eine Vermutung ab. »Also musste die Ernst Fellbachs Frau auch umbringen, damit sie nicht gegen sie aussagt.«

»Und warum hat sie das dann nicht gleich an Ort und Stelle getan?« Renni hob tadelnd die Augenbrauen. »Warum sollte sie damit erst einmal warten?«

»Sie hatte das Messer neben Klaus Fellbach liegengelassen, das Jagdmesser, mit dem sie ihn umgebracht hatte. Sie hatte keine Waffe«, argumentierte Ingo. »Musste sich wahrscheinlich erst eine neue besorgen.«

Erneut schüttelte Renni den Kopf. »Sie hätte sie erwürgen können, ihr das Genick brechen, sie aus dem Fenster werfen oder unter ein vorbeikommendes Auto. Sie hätte sie auch mitschleifen und im See ertränken können. Das traue ich ihr alles durchaus zu. Sie ist viel stärker als Janina Fellbach, und sie war eine Zeitlang in einem Camp, in dem Söldner ausgebildet wurden. Schon allein, dass sie als Frau da überhaupt aufgenommen wurde, zeigt, welches Potenzial in Richtung Gewalt sie hat. Und wie viel Kraft. Sie hätte Klaus Fellbach ebenso wie seine Ex-Frau mit einem Handkantenschlag töten können. Unter anderem auch deshalb erscheint es mir sehr unwahrscheinlich, dass sie Klaus Fellbach umgebracht hat. Sie hätte niemals eine so aufwendige Methode gewählt. Ihr stehen wesentlich effizientere Methoden zur Verfügung.«

Ingo klappte der Unterkiefer herunter. »Du meine Güte. Hast du das alles der Fahndung gesagt?«

Renni nickte. »Die passen schon auf. Die nehmen immer den worst case an. Aber ich denke, wenn Bernadette Ernst gefasst wird, dann weil sie sich fassen lassen will, vorher nicht. Und dann wird sie ihnen keinen großen Widerstand entgegensetzen.«

Mit einem schicksalsergebenen Seufzen verschränkte Ingo die Arme vor der Brust. »Und da dachte ich schon, wir könnten das auch effizient handhaben und beide Fellbach-Fälle abschließen, sobald uns die Ernst ins Netz geht.«

»Ich fürchte nicht.« Skeptisch spitzte Renni die Lippen. »Janina Fellbach ist kaltblütig umgebracht worden. Das war nicht zufällig und das war auch nicht ungeplant. Da wusste jemand ganz genau, was er tat.« Sie breitete leicht die Arme aus. »Klaus Fellbach hingegen . . . Das war eine ganz andere Sache. Da waren Gefühle im Spiel. Überwältigende Gefühle. Wut. Eine so rasende Wut, dass derjenige fast nicht mehr wusste, was er tat.«

»Wie bei Emmi Kaiser«, bemerkte Ingo.

»Nein.« Renni steckte eine Hand wieder in die Hosentasche. »Monika sagt, die Tat an Emmi Kaiser wurde nicht im Affekt begangen. Es sollte nur so aussehen.« Sie atmete tief durch. »Auch da war jemand zugange, der genau wusste, was er tat.«

»Also ist der Mörder von Emmi Kaiser auch der Mörder von Janina Fellbach?«, fragte Ingo, nachdem er eins und eins zusammengesetzt hatte. »Und Klaus Fellbach wurde von jemand anderem umgebracht?«

»Klingt weit hergeholt, ist aber durchaus möglich«, bestätigte Renni. »Obwohl Janina Fellbach mir glaubhaft versichert hat, dass sie Emmi Kaiser nicht kannte, kann es selbstverständlich Leute geben, die sowohl Janina Fellbach als auch Emmi Kaiser gekannt haben, ohne dass die beiden jeweils davon wussten.«

»Gemeinsame Bekannte treffen sich doch aber auch mal.« Ingo zog überlegend die Stirn kraus. »Auf Geburtstagen, Grillfesten, was weiß ich.«

»Wie es bei Janina Fellbach war, weiß ich zwar nicht genau, aber Bernadette Ernst ist garantiert nicht auf irgendwelche Geburtstage oder Grillfeste gegangen, selbst wenn sie dazu eingeladen worden wäre, was ich bezweifle.« In Rennis Gesicht verzogen sich einige Muskeln, weil sie sich vorstellte, wie Bernadette wohl auf einem Grillfest gewirkt hätte. Mit ihrem Kung-Fu-Blick hätte sie die Leute wahrscheinlich schnell verscheucht. »Und Emmi Kaiser war genau der Typ Frau«, fuhr sie fort, »die allein nichts unternimmt, wenn sie mit jemand zusammen ist. Sie war schüchtern, und das einzige, was sie allein getan hat, war wohl, in diese Kirche zu gehen. Weil Bernadette Ernst sich geweigert hat, sie dorthin zu begleiten. Und weil sie sich dort wohlgefühlt hat und darauf nicht verzichten wollte.«

Als wollte er dadurch ein paar lose Enden verknüpfen, legte Ingo seine Finger zusammen und verengte die Augen zu schmalen Schlitzen. »Ich bin der Meinung, die Ernst hat Emmi Kaiser umgebracht. Dann hätte sie nach unserer neuesten Theorie auch Janina Fellbach umgebracht. Aber warum?«

»Deshalb würde ich das Pferd von der anderen Seite aufzäumen«, schlug Renni vor. »Es gab keinen Grund für Bernadette Ernst, Janina Fellbach umzubringen, also hat sie auch Emmi Kaiser nicht umgebracht.«

»Aber Klaus Fellbach. Der bleibt ja dann noch übrig«, schloss Ingo messerscharf.

Energisch schüttelte Renni den Kopf. »Den auf keinen Fall. Das war eine schwache Frau, keine ausgebildete Söldnerin.« Sie begann leicht zu grinsen. »Ich fürchte, du musst dich von deiner Lieblingsmörderin verabschieden. Sie war es nicht. In keinem der Fälle.«

»Was sagen Sie dazu, dass Janina Fellbach tot ist?« Eine helle Stimme durchschnitt die Luft wie ein Messer, und gleich darauf wurde Renni ein Handy vor die Nase gehalten.

Automatisch schoss Rennis Arm vor und schlug die Hand, die das Handy hielt, weg. Es knallte auf den Boden.

»Au!« Sara Eilers hielt das Handgelenk, das Renni so brutal behandelt hatte, mit schmerzverzogenem Gesicht mit der anderen Hand fest. »Das tat weh!«

»Sollte es ja auch.« Rennis dunkle Augenbrauen zogen sich drohend zusammen. »Was haben Sie hier zu suchen? Wie kommen Sie überhaupt hier herein?«

»Und wenn das Handy jetzt kaputt ist?«, jammerte Sara, während sie sich zu ihrem Telefon hinunterbeugte und es aufnahm. »Ersetzen Sie es mir dann?«

»Sicher nicht.« Renni schüttelte den Kopf. »Was glauben Sie denn, was passiert, wenn Sie mir das völlig unvermutet wie eine Waffe vor die Nase halten? Dachten Sie, meine Reflexe sind nicht trainiert?«

Sara Eilers blickte sie so verdattert an, dass man genau bemerkte, dass sie überhaupt nicht gedacht hatte.

»Wie kommen Sie hier herein?«, wiederholte Renni drohend und griff erneut nach ihrem Handgelenk, hielt es fest.

Obwohl Sara noch einmal laut »Au!« schrie und sich wand, ließ sie nicht los.

»Sagen Sie mir sofort, wie Sie hier hereingekommen sind, sonst werfe ich Sie in eine Zelle und lasse Sie da drin schmoren, bis Sie schwarz werden!« Sie wusste, das konnte sie gar nicht, aber sie hoffte, dass Sara Eilers die Drohung zumindest teilweise ernstnahm.

»Ich will nur meinen Job machen. So wie Sie Ihren«, verteidigte die junge Reporterin sich. »Frau Fellbach hatte mir ein Interview versprochen, das wissen Sie doch, und daran wollte ich sie erinnern, aber als ich dort ankam . . .« Obwohl sie sich nach außen so cool gab, spürte Renni ein leichtes Zittern in ihrer Hand, die Saras Arm umklammert hielt. »Als ich dort ankam«, wiederholte sie und schluckte, »sagte man mir, es wäre etwas Schreckliches passiert. Sie wäre tot.« Ihre blaugrünen Augen taten wieder einmal sehr unschuldig. »Und da sie mir jetzt kein Interview mehr geben kann, wollte ich Sie interviewen.« Sie lächelte Renni mit jugendlich zuversichtlicher Naivität an. »Das müssen Sie doch verstehen.«

Ungläubig schüttelte Renni den Kopf. »Ich verstehe das nicht, und das beantwortet auch nicht meine Frage. Wie sind Sie hier hereingekommen?« Sie beugte sich leicht zu Sara vor und blickte ihr direkt in die Augen. »Und das ist jetzt wirklich das letzte Mal, dass ich das frage. Wenn Sie mir jetzt keine Antwort geben –«

»Sie werden ihm doch nichts tun, oder?« Auf einmal schien Sara ein ängstliches kleines Mädchen zu sein, das kein Wässerchen trüben konnte und es allen rechtmachen wollte.

»Ihm? Wem?« Renni runzelte die Stirn.

»Dem netten jungen Polizisten, der mich hereingelassen hat. Er heißt Sven.« Saras Gesichtsausdruck hätte fast zu der Ankündigung gepasst, dass sie sich mit diesem Sven verloben wollte. »Er ist Austauschpolizist. Aus Schweden.«

Unvermutet lachte Ingo auf, riss sich aber gleich wieder zusammen. »Schweden«, sagte er, um eine möglichst ernste Miene bemüht. »Dieser blonde Hüne, weißt du nicht? Den haben sie uns mal vorgestellt. Arbeitet an einem Fall im Rauschgiftdezernat mit.«

»Ja, stimmt«, bestätigte Renni. »Ich erinnere mich.« Sie schaute Sara Eilers streng an. »Und der hat Sie reingelassen?«

»Er . . . Er . . . Ich meine, er wollte mir nur ein Glas Wasser holen«, sagte Sara. »Mir wurde ein bisschen schwindlig draußen. Ich wäre fast umgefallen.«

»Ach ja?« Fast musste Renni grinsen, aber sie unterdrückte es. Junge Männer waren einfach überall gleich. Und Sara Eilers war ein durchtriebenes Früchtchen, das das ausnutzte. »Ihnen war schwindlig, hm?«

»Ich habe ihn schon mal getroffen«, erklärte Sara nun recht bereitwillig. »Er ist sehr nett.«

»Schon mal?« In Rennis Hirn passten plötzlich ein paar Puzzleteile zusammen, die bisher nicht hatten zusammenpassen wollen. »Hat er Ihnen auch von Janina Fellbach erzählt, damals, als Klaus Fellbach ermordet wurde?«

Als würde sie sich dafür schämen – das glaubte Renni aber keine Sekunde –, nickte Sara mit gesenktem Blick.

»Wäre das Geheimnis auch aufgeklärt.« Tief durchatmend ließ Renni Sara Eilers’ Handgelenk los. »Ein Austauschpolizist. Na so was.«

»Geben Sie mir jetzt ein Interview?«, fragte Sara – nun wieder die eifrige Jungreporterin und weit von jeder Form der Scham entfernt. »Irgendwer muss mir doch etwas sagen. Und Frau Fellbach kann es ja nun nicht mehr.«

»Ihre Logik ist bestechend«, schmunzelte Renni. »Aber Sie haben keinerlei Recht, hier zu sein, und Sie haben auch keinerlei Anrecht auf ein wie auch immer geartetes Interview. Von mir schon gar nicht. Wenn Sie das wollen, wenden Sie sich an den Polizeisprecher.«

»Der würde mir doch nie was sagen!«, erwiderte Sara geradezu empört. »Das habe ich schon versucht.«

»Und ich sage Ihnen noch viel weniger«, versetzte Renni trocken. »Sie verlassen sofort das Gebäude. Ich werde jemanden rufen, der Sie hinausbegleitet.«

Ingo hob leicht eine Hand, als wollte er sich als Begleitung anbieten.

Doch Renni winkte ab, sobald sie seinen interessierten Blick sah. »Ich rufe eine Kollegin«, sagte sie und nahm das Telefon.

Sara Eilers übte ihr eindeutig einen zu großen Reiz auf Männer aus. Und bei der Kollegin sollte sie wohl auch darauf achten, dass sie nicht ausgerechnet eine Lesbe erwischte, die Sara mit ihrem Charme eventuell ebenfalls einwickeln konnte. Diesem kleinen Luder traute sie alles zu.

Doch bevor Renni ihren Vorsatz in die Tat umsetzen konnte, zeigte sich eine andere Gestalt im Türrahmen. »Na?«, meinte Charlotte Ahrens süffisant. »Sind Sie immer noch der Meinung, dass die ausgebrochene Psychopathin harmlos ist?«

Sara Eilers spitzte sofort die Ohren, und Renni hätte jede weitere Äußerung von Ahrens am liebsten verhindert, aber dafür war es zu spät.

»Nun hat sie auch noch die Frau von Klaus Fellbach umgebracht«, setzte Ahrens ungebremst fort. »Sie ist eine Serienkillerin. Sie tut das aus Spaß.«

»Kennen Sie Frau Eilers vom Tageblatt schon?«, fiel Renni ein, bevor Ahrens noch mehr sagen konnte, und wies mit einer Hand zuvorkommend auf Sara, als ob sie sie auf einem Galaempfang einander vorstellen würde.

Ahrens’ Augen weiteten sich, und sie schnappte nach Luft. »Sie haben die Presse hier? Wer hat Ihnen das erlaubt?«

»Eine Serienkillerin?«, echote Sara fast gleichzeitig, so dass sich der Klang ihrer Stimmen überlappte. »Wissen Sie, wer? Haben Sie schon jemanden in Verdacht?«

»Frau Eilers ist nicht die Presse, und das hier ist auch keine Pressekonferenz«, stellte Renni richtig. »In der Tat wollte Frau Eilers gerade gehen.«

»Ich wollte überhaupt nicht!«, protestierte Sara sofort, obwohl Renni ihr einen warnenden Blick zuwarf.

Sie bemerkte, dass Ingo sich im Hintergrund schwer das Lachen verbeißen musste, deshalb warf sie auch ihm einen tadelnden Blick zu. Schließlich war das hier eine ernste Angelegenheit. Charlotte Ahrens war das immer.

Deren Augenbrauen zogen sich denn auch dramatisch zusammen. »Das heißt, das ist ein privater Besuch? Eine Freundin von Ihnen?« Man sah regelrecht, wie es hinter den zusammengepressten Falten auf ihrer Stirn ratterte und brodelte. Ein gefundenes Fressen war das für sie, mit dem sie Renni am liebsten sofort mit voller Wucht an den Karren gefahren wäre.

»Frau Eilers ist zwar Journalistin«, fiel Ingo ein, der trotz seiner eigenen Belustigung den Ernst der Situation natürlich auch erkannt hatte, »aber sie ist nicht in dieser Eigenschaft hier. Und privat auch nicht«, fügte er sofort hinzu, bevor Ahrens, die gerade Luft geholt hatte, auch nur eine Silbe hervorbringen konnte. »Ihr war nur schlecht, und sie brauchte ein Glas Wasser.« Mit sichtbarer Mühe unterdrückte er ein Grinsen. »Sie wissen schon: Die Polizei, dein Freund und Helfer. Ist in der Staatsanwaltschaft vielleicht nicht so bekannt.«

Da das, was Ahrens hatte sagen wollen, anscheinend nicht mehr richtig passte, schnappte sie erneut nach Luft, bevor sie kurz zuerst Ingo, dann Sara Eilers und zum Schluss viel länger Renni böse anstarrte.

»Damit hier keine weiteren Missverständnisse entstehen, begleite ich Frau Eilers nun hinaus«, fuhr Ingo fort, und mit einem triumphierend vergnügten Blick auf Renni verließ er mit Sara Eilers im Schlepptau – gegen ihren Willen. Er hatte sie am Arm gepackt und musste sie fast hinauszerren – das Büro.

»Aber . . . Aber . . . die Serienkillerin . . .«, hörte man Sara nur noch unterdrückt protestieren.

»Haben Sie nicht gesehen, dass jemand Fremdes hier im Raum ist, Frau Ahrens?«, fragte Renni mit hochgezogenen Augenbrauen und setzte sich dann hinter ihren Schreibtisch. »Es hätte auch eine Verdächtige sein können.«

»Eine Verdächtige?« Blitzartig fuhr Ahrens herum. Dann beruhigte sie sich wieder, während sie erst schwer, dann normaler atmend in den Gang hinausstarrte, in dem mittlerweile jedoch außer den hier Arbeitenden niemand mehr zu sehen war. »Das war doch aber nicht Bernadette Ernst!« Ruckartig drehte sie sich wieder zu Renni zurück.

»Dann hätte sie sich schon einigen plastischen Operationen unterziehen müssen«, bestätigte Renni. »Und Sie kennen sie doch besser als ich. Haben Sie sie etwa erkannt?«

Ahrens wusste offensichtlich nicht genau, was sie von dieser Situation halten sollte. »Sie sollten lieber keine Spielchen mit mir treiben«, knurrte sie nach ein paar spannungsgeladenen Sekunden wie ein gereiztes Raubtier. »Das könnte Ihnen schlecht bekommen.«

»Ich spiele nicht.« Renni schaute sie ernst an. »Ich ermittle in einem Mordfall. Jetzt sogar in zweien. Die meiner Meinung nach zusammenhängen. Ebenso wie der Mord an Emmi Kaiser damit zusammenhängt.«

»Der Mord an Emmi Kaiser ist ein abgeschlossener Fall!«, fauchte Ahrens. »Ich habe ihn abgeschlossen!«

»Richtig.« Renni nickte. »Aber wenn sich bei einem neuen Fall Zusammenhänge mit einem alten Fall ergeben, haben wir die Pflicht, das zu untersuchen, oder nicht? Was steht dazu im Gesetz, Frau Staatsanwältin?«

Charlotte Ahrens starrte sie mit blitzenden Augen an, als hätte sie sie am liebsten erwürgt. Das wollte sie wahrscheinlich auch.

»Frau Ahrens . . .«, fuhr Renni begütigend fort. »Wir ziehen doch am selben Strang. Ich will diesen Fall«, sie hob seufzend eine Hand, »diese Fälle, muss ich jetzt wohl sagen, aufklären. Genauso wie Sie.«

Auf so eine friedfertige Erwiderung war Ahrens anscheinend nicht eingestellt gewesen. Sie war für einen Moment perplex. »Sie wollen aber nicht nur diese Fälle aufklären«, entgegnete sie dann spitz. Widerspenstig verschränkte sie die Arme vor der Brust. »Sie wollen auch noch den alten Fall aufklären. Der schon längst aufgeklärt ist!« Das klang wieder wie ein Fanfarenstoß zum Angriff.

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