Ruth Gogoll: Wespennest

Tag 0 – Der Ausbruch

Das Klirren einer Schlüsselkette durchbrach ihre Gedanken, und sie sah verwirrt auf. Als könnte sie sich nicht erinnern, wie sie an diesen Ort gekommen war.

Ein Schlüssel wurde ins Schloss geschoben und herumgedreht. Das Geräusch erschien unnatürlich laut.

Sie drehte den Kopf, erblickte die in Weiß gekleidete Gestalt, die eintrat.

»Es gibt heute Mohnbrötchen. Die mögen Sie doch, nicht wahr?« Eine sanfte, tiefe Stimme. So unpassend für die hochgewachsene Pflegerin.

Bernadette stand auf und ging auf die Pflegerin zu, die sie freundlich anlächelte.

Mit einer ansatzlosen Bewegung schoss ihr Bein in die Höhe, traf die Pflegerin am Kinn. Der lange Körper fiel um wie ein gefällter Baum.

Vorsichtig, aber dennoch zielgerichtet huschte Bernadette zu ihr, legte ihre Finger auf die Halsschlagader. Sie spürte, wie das Blut pochte. Sie hatte den Tritt exakt berechnet. Schließlich wollte sie die Pflegerin nicht töten. Nur raus hier.

Schnell zog sie die Frau in den Raum hinein, entkleidete sie ihres Kittels, hievte sie auf die Schlafliege an der Wand und deckte sie zu. Die Schlüssel klapperten verheißungsvoll in der Kitteltasche, als sie ihn anzog. Das war der Weg nach draußen. Nur musste sie noch den Weg bis zum Ausgang überwinden.

Sie war bisher wie eine Schlafwandlerin durch die Gänge geschlurft, von ihrem Zimmer zu Untersuchungen oder Therapie und zurück, aber ihr fotografisches Gedächtnis hatte sich von dem Schock, den sie erlitten hatte, nicht beirren lassen. Sie konnte die Bilder wie aus einem Album abrufen.

Bilder, Gesichter, Reaktionen, Uhrzeiten. Wann viele Leute da waren und wann wenige. Wie viele es waren. Wo sie standen. Wie sie sich verhielten.

Jetzt war es Morgen, früher Morgen, aber schon Zeit fürs Frühstück, denn man aß zeitig hier, egal, welche Mahlzeit es war. Zur Frühstückszeit war immer eine Menge los, alle kamen und gingen, und die Angestellten des Hauses waren morgendlich müde, mussten erst richtig an ihrem Arbeitsplatz ankommen. Viele rieben sich noch den Schlaf aus den Augen. Das war günstig.

Sie blickte auf das Tablett, das die Pflegerin auf dem Tisch am Eingang abgestellt hatte. Nein, eigentlich mochte sie keine Mohnbrötchen.

Den Kopf gesenkt ging sie an dem Tisch vorbei, glitt mit dennoch energischen Schritten – die Pflegerinnen waren immer an ihren energischen Schritten zu erkennen – durch den Gang, der Treppe zu. Schnell lief sie hinunter. Bis jetzt hatte niemand sie aufgehalten.

Sie hatte den Notausgang in ihrem Gedächtnis abgespeichert. Dort musste sie hin. Notausgänge durften nie verschlossen sein. Brandschutzvorschriften.

Am Ende des Ganges sah sie das rote Emblem leuchten. Sie ging darauf zu. Mühsam beherrschte sie sich, nicht zu laufen. Sie durfte auf keinen Fall auffallen.

»Schwester!«

Jemand rief sie an, aber sie drehte sich nicht um.

»Schwester, helfen Sie mir doch mal!«

Sie wandte leicht den Kopf. Sie kannte die Frau nicht, die sie gerufen hatte. Es würde Aufsehen erregen, wenn sie weiterging. Mit einem schiefen Lächeln blickte sie zurück. »Ich hab’s eilig.«

»Nur einen Moment.« Es war eine junge Ärztin, die offenbar mit einem Rollstuhl kämpfte, der sich nicht aufklappen lassen wollte.

Bernadette rechnete schnell alle Alternativen und deren Folgen im Kopf durch. Ihr Blick flog dabei wie ein Suchscheinwerfer über den Gang. Sie waren ziemlich allein. Aber die Ärztin außer Gefecht zu setzen war doch zu gefährlich. Und jeden Moment konnte die Pflegerin in ihrem Zimmer entdeckt werden, auch wenn sie die Tür abgeschlossen hatte.

Sie legte mit raschen Schritten die Distanz zu der jungen Ärztin zurück und klappte den Stuhl auf. »Hatte sich nur verhakt.« Gleich darauf war sie wieder auf dem Weg zum Notausgang. Die auf einmal überraschten grauen Augen hatten sich ihr eingeprägt. Aber kein Ruf erscholl.

Als sie die Tür nach draußen aufstieß, warf sie einen Blick zurück. Die junge Ärztin stand da, immer noch mit diesem überraschten Ausdruck im Gesicht.

Die schwere Eisentür fiel hinter Bernadette zu. Auf der Straße rollte der Verkehr. Autos, Busse, Fahrräder, Fußgänger. In einer einzigen Bewegung atmete sie tief durch und startete wie von einer Feder geschnellt einen blitzartigen Lauf, sprintete über den Bürgersteig davon, dass die Menschen ihr erstaunt nachsahen. So etwas hatten sie außerhalb der Olympischen Spiele wohl noch nie gesehen.

Sie lief und lief, bis Seitenstiche sie davon abhielten weiterzulaufen. Sie musste sich umziehen. Dieser weiße Kittel war zu auffällig, damit würden sie sie sofort finden. Kurzentschlossen bog sie in eine schmutzige Gasse ein. Müllcontainer. Sie zog den Kittel aus, öffnete eine der großen Klappen und verzog das Gesicht. Der Geruch, der ihr entgegenschlug, ließ sie fast ohnmächtig werden. Wenn da etwas drin war, würde sie es kaum tragen können. Aber loswerden konnte sie den Kittel so schon. Schnell ließ sie ihn in die stinkende Tiefe fallen und schlug die Klappe wieder zu.

Sie drehte den Kopf. Ihr Blick nahm alles in sich auf. Auf der großen Straße, die hinter dieser Gasse lag, gab es ein Kaufhaus, das wusste sie. Man musste den Stier bei den Hörnern packen, wenn man gewinnen wollte. Wer hatte das immer gesagt? Für einen Moment verdunkelten sich ihre Augen.

Emmi. Sie hatte es gesagt. Und dabei gelacht. Dieses wunderbare Lachen . . .

Bernadette riss sich zusammen. Es war verschwunden. Genauso wie Emmi. Nie mehr würde sie lachen oder so etwas sagen. Blut. Rot. Bilder blitzten in ihr auf, die ihr Unterbewusstsein gleich wieder unterdrückte. Aber ihr Bewusstsein wusste, dass Emmi umgebracht worden war. Schließlich war sie, Bernadette, dafür verurteilt worden.

Aber sie hatte es nicht getan. Auch wenn sie keine Erinnerung daran hatte, was geschehen war, aber das hatte sie nicht getan. Niemals. Niemals ihre schöne, zarte, wunderbare Emmi.

Ihre Lippen pressten sich zusammen. Welches Schwein auch immer das getan hatte, er würde es büßen.

Als ob sie nur auf dem Weg zu einem Einkaufsbummel wäre, betrat sie das Kaufhaus, blickte sich wie zufällig um. Aha, da war der Hausdetektiv. Den musste sie im Auge behalten. Sie nahm einen Schuh in die Hand, drehte ihn. Falsche Größe.

Während sie herumschlenderte, suchte sie sich alles zusammen, was sie brauchte. Dann ging sie auf die Toilette und zog sich um. Sie riss die Diebstahlsicherungen aus den Kleidungsstücken heraus. Auch eine Perücke hatte sie so nebenbei in ihren Korb gelegt. Nun war sie blond, obwohl ihre Haare sonst dunkel wie die Nacht schimmerten.

Die Sonnenbrille verdeckte ihre Augen, die neuen Kleider ließen sie wie eine völlig andere Frau erscheinen. Geschmack hatte sie immer gehabt, aber diesmal hatte sie nach pragmatischen Gesichtspunkten ›eingekauft‹: dunkle, unauffällige Sachen.

Langsam ging sie zum Ausgang. Sie hoffte, sie hatte keine der Diebstahlsicherungen übersehen, sonst würden alle Alarmglocken schrillen, wenn sie das Kaufhaus verließ. Sicherheitshalber stieß sie beiläufig ein paar Parfümfläschchen auf dem Glasverkaufstisch am Eingang um. Auch eine Vase. Sie zerbrach mit splitterndem Knall auf dem Boden.

Alle Augen richteten sich auf das Unglück. Sie glitt hinaus wie eine Schlange im Dschungel, die zufrieden damit ist, dass sie Beute gemacht hat, und niemand belästigte sie.

Draußen angekommen hielt sie sich nah an der Hauswand, bis sie wieder in eine Gasse abbiegen konnte. Nun hatte sie Kleider, aber immer noch kein Geld. Sie würde nicht weit kommen, wenn sie es ohne das versuchte.

Erneut zeigte sich das schiefe Lächeln auf ihrem Gesicht, das für sie so typisch war. Gestohlen hatte sie schon lange nicht mehr. Sie hatte gedacht, das läge hinter ihr. Es war wie eine Reise in ihre Vergangenheit.

Sie schaute sich um, als sie den Marktplatz betrat. Hier würde es leicht sein, sich ein wenig Geld zu verschaffen. Die Leute achteten nicht sehr auf ihre Sachen, wenn sie Porree und Äpfel aussuchten.

Die Frauen ließ sie in Ruhe. Sie bestahl nur Männer. Sie waren so nachlässig, trugen ihr Portemonnaie in der Gesäßtasche. Nichts einfacher als es dort herauszuziehen. Ihre Finger waren nicht mehr im Training, aber es dauerte nicht lange, und sie hatte einiges zusammen.

Schnell verließ sie den Marktplatz, sprang in die nächste Straßenbahn und fuhr irgendwo hin. Sie hatte nicht darauf geachtet, welche Linie oder Richtung es war. Das war völlig egal.

Heftig presste sie die Augenlider zusammen. Sie musste sich erinnern. Sie musste einfach. Was war damals geschehen? Was hatte sie gesehen?

In ihrem Gedächtnis waren alle Indizien eingegraben. Alle Indizien, die auf sie hingewiesen hatten. Doch diese Hinweise waren falsch. Waren sie mit Absicht gelegt? Aber von wem? Wer wollte Emmi töten und es ihr, Bernadette, in die Schuhe schieben?

Oder war es gar nicht so? Sie hob den Kopf und starrte blicklos durch die Scheibe hinaus, hinter der Häuser und Menschen verschleiert vorbeizogen.

Blut. Rot. Blut. Rot. Immer wieder blitzte diese Erinnerung in ihr auf. Es war die einzige Erinnerung, die sie hatte. Aber sie sagte ihr nichts.

Sie hatte die Fotos gesehen. Die Fotos von Emmis Leiche. Sie hatten sie ihr vorgelegt, um ein Geständnis von ihr zu erzwingen. Aber sie hatte geschwiegen. Das war nicht Emmi auf diesen Fotos, das war nur ein toter Körper, der nichts mit ihr, Bernadette, zu tun hatte. Fast distanziert hatte sie die Fotos betrachtet.

Sie waren gnadenlos gewesen, diese Fotos, zeigten jedes noch so grausame kleine Detail, und dennoch hatten sie sie kaum berührt. In der Erinnerung kniff sie die Augen zusammen. 

Um Emmi herum hatte sich ein See aus Blut gebildet. Sie musste jeden Tropfen Blut verloren haben, den sie besaß. Unzählige Stiche hatten ihren Körper perforiert, die Halsschlagader getroffen und die Schlagader am Bein, viele Wege für das Blut geöffnet.

Das hatte man ihr, Bernadette, vorgeworfen: die besondere Grausamkeit dieses Verbrechens. Nur ein Psychopath konnte so etwas tun. Und sie hatte eine Geschichte als Psychopathin. Sie war schon einmal in der Psychiatrie gewesen, als Jugendliche.

Damals hatte sie sich angewöhnt, überhaupt nichts zu sagen. Jedes Wort konnte verdreht werden. Und zum Schluss kam doch nichts dabei heraus, nichts Positives jedenfalls. Wenn sie es verdrehten, dann sicherlich nicht zu ihren Gunsten. Sie wollten, dass Bernadette es gewesen war. Man hatte sie blutverschmiert über der Leiche gefunden, mit dem Messer in der Hand. Was brauchten sie noch?

Gar nichts. In ihren Augen war sie von Anfang an die Schuldige gewesen. Sie hatten gar nicht nach jemand anderem gesucht.

Und dann waren sie alle aufmarschiert, die Schatten aus ihrer Vergangenheit, die Psychologinnen und Psychiater, die sie schon damals in der Jugendpsychiatrie betreut hatten.

Sie wäre immer verschlossen gewesen, hätte nie menschliche Bindungen gesucht oder sie sogar verachtet, willentlich zerstört, was andere ihr anboten. Sie wäre asozial, bindungsunfähig, verstieße gegen alle Regeln und Vorschriften, ihren Gefühlen entfremdet. Wenn sie überhaupt welche hatte.

Sie sah die Augen von Dr. Heidelinde Schnabel vor sich, als sie das gesagt hatte. Dr. Schnabel hatte sich sehr bemüht, Bernadette zu öffnen, ganz und gar. Denn Dr. Schnabel hatte sich in Bernadette verliebt. Es war Bernadette klar gewesen, als Dr. Schnabel sie das erste Mal berührte.

Wie alt war sie damals gewesen? Fünfzehn? Und doch hatte sie schon gewusst, dass Dr. Schnabel eine Chance war. Ihre erste Reaktion war verhalten gewesen, denn sie wusste nicht, wie sie reagieren sollte, so etwas war zuvor nie nötig gewesen. Aber dann hatte Dr. Schnabel ihr schnell gezeigt, was sie von ihr erwartete. Es war nicht schwer.

Autistische Tendenzen hatten sie ihr unterstellt, und deshalb waren alle froh gewesen, als Dr. Schnabel ihnen sagte, dass sie sich endlich geöffnet hätte. Es war Bernadettes Fahrkarte nach draußen.

Aber das lag weit in der Vergangenheit. Jetzt musste sie erst einmal sehen, dass sie nach Konstanz kam.

Denn dort befand sich die Lösung.

Tag 1 – Nachmittag

»Hier, das wird dir gefallen.« Rennis Kollege Ingo kam mit einem breiten Grinsen zur Tür herein und wedelte mit ein paar Fotos. »Sie hat den Kerl geradezu abgeschlachtet. Und so, wie es aussieht, hatte er sich auf was anderes gefreut.« Er warf die Bilder auf den Tisch und setzte sich selbst auf die Ecke. »Du magst doch Frauen, die morden.«

Renni hob die Augenbrauen. »Woher willst du wissen, dass es eine Frau war?«

»Das ist klar wie Kloßbrühe.« Gleichgültig zuckte er die Achseln. »Wir wissen sogar schon, wer. Bernadette Ernst. Sie ist kurz vorher aus der Psychiatrie ausgebrochen. JVA. Saß da wegen Mord an ihrer . . .« Er runzelte die Stirn. »Wie heißt das bei euch? Geliebten? Gespielin?«

»Frau«, entgegnete Renni mit einem strafenden Blick. »Sag einfach Frau. Und lass das andere Monika lieber nicht hören.«

Ingo grinste. Er zog Renni immer wieder gern auf, auch wenn er sich manchmal das unpassende Objekt dafür auswählte. Monika gegenüber hielt er sich allerdings mit solchen Bemerkungen zurück, denn er hatte einen Heidenrespekt vor ihr. »Also verheiratet waren sie glaube ich nicht«, fuhr er fort. »Lebten nur schon eine Weile zusammen. Gemeinsame Wohnung und so.« Er grinste wieder. »Ist ihr wohl zu eng geworden, da hat sie das Mädel abgemurkst. Oder vielleicht hatte sie einen Kerl kennengelernt, und die Dame ist ausgerastet.«

Renni rollte die Augen zur Decke. »Du kennst dich echt mit Lesben aus, was?«

»Na komm . . .« Er schüttelte den Kopf. »So viel anders ist das auch nicht. Eifersucht ist immer ein gutes Motiv.«

»Da hast du recht.« Etwas abwesend schaute Renni auf die Bilder. »Wir haben doch hier in der Nähe gar keine Psychiatrie für Straftäter.«

»Sie war in Wiesloch. Die haben das immer noch nicht im Griff mit der Sicherheit.« Er verzog schief einen Mundwinkel. »Erinnerst du dich noch an den Taximörder? Der ist auch von da stiften gegangen.«

»Ich dachte, seither hätten sie aufgerüstet«, bemerkte Renni nachdenklich, immer noch den Blick auf die Bilder geheftet. Rot war die beherrschende Farbe. Blutrot. »Und haben sie den Typ damals nicht schon nach einem Tag wieder gefasst?«

»Weil er blöd war.« Er nickte. »Ist sie aber nicht. Top-Computerspezialistin. Hat für Sicherheitsfirmen gearbeitet, bevor –« Schadenfroh stülpte er die Lippen vor. »Die hat sich wahrscheinlich schlappgelacht über das, was die in Wiesloch Hochsicherheitstrakt nennen.«

»Wiesloch ist aber von hier nicht gerade um die Ecke«, wandte Renni ein. »Wieso sollte sie hergekommen sein, um hier einen Mord zu begehen?«

»Sie hat geschworen, sich für den Mord an ihrer . . . Frau zu rächen«, sagte Ingo. »Hat immer behauptet, dass sie unschuldig ist, obwohl alle Indizien auf sie wiesen. Und der Kerl hier war ein ehemaliger Kollege der Ermordeten. Wollte wohl auch was von der Kleinen. Vielleicht ist die Ernst so verrückt, dass sie denkt, er hat sie umgebracht, obwohl sie es selbst war.« Er stand auf. »Jedenfalls ist das dein Fall. Die Leiche ist in der Gerichtsmedizin.«

»Mein Fall? Wieso das denn?« Renni blickte ihn erstaunt an. »Ich war doch gar nicht am Tatort.«

»Der Chef meint wohl, du bist in dem Fall kompetenter als alle anderen.« Er grinste wieder.

»Na, dem werd’ ich was erzählen!« Wutentbrannt stand Renni auf. »Ich habe die Leiche nicht gesehen, wie sie gefunden wurde, keine Spuren . . .«

»Die SpuSi hat bestimmt alles gesichert. Der Fundort ist auch abgesperrt, kannst ihn dir ansehen.« Er wollte sich umdrehen.

»Nicht ohne dich, mein Freund!« Renni hielt ihn mit ihrer Stimme auf. »Du warst dort und hast alles gesehen, oder?«

»Hmhm.« Er nickte widerstrebend.

»Dann werden wir uns das noch mal zusammen ansehen«, entschied Renni. »Jetzt sofort. Auch wenn die Leiche nicht mehr da ist.«

Er zuckte die Achseln. »Wenn du das dem Chef verkaufst . . .«

»Darauf kannst du Gift nehmen!« Renni nahm ihre Waffe aus dem Schreibtisch und schnallte sie um. Dann zog sie ihre Jacke an. »Los, bevor noch mehr Zeit verlorengeht.«

* * *

»Kannst du schon etwas sagen?« Renni trat durch die Tür des Sektionssaals und ging schnell auf den hinteren Teil zu.

Monika hob höchst irritiert die Augenbrauen, während sie sich über der Leiche auf dem Untersuchungstisch aufrichtete. »Hast du einen neuen Fall?«

»Den da, denke ich.« Renni wies mit dem Kinn auf den Tisch. »Sieht jedenfalls so aus.«

Verwundert blickte Monika sie an. »Das ist doch Lohses Fall.«

»War es. Ich war gerade mit ihm am Leichenfundort.« Mit einem bedauernden Ausdruck verzog Renni das Gesicht. »Leider war die Leiche nicht mehr da. Die war schon bei dir.«

Monikas Mundwinkel zuckten. »Hättest du mir Bescheid gesagt, hätte ich selbstverständlich auf dich gewartet.«

Renni trat näher auf sie zu. »Ich habe es erst erfahren, als es schon zu spät war. Ingo kam mit den Fotos zu mir, als du den hier«, sie ließ ihren Blick über den nackten Körper schweifen, in dem kein Leben mehr war, »wahrscheinlich schon aufgeschnitten hast.« Sie seufzte. »Der Chef ist der Meinung, ich bin besser geeignet, den Fall zu untersuchen.«

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